Dass 4K ein Format ist, das nicht nur Filmer anspricht, sondern auch Fotografen begeistern kann, haben wir in den beiden ersten Folgen unserer Miniserie schon gesehen. Da ging es darum, dass man dank der 4K Foto-Funktion von Panasonic ganz einfach  den genau passenden Moment für die Aufnahme erwischen kann. 4K Foto kann aber noch mehr.

Bekanntlich kann das Objektiv immer nur eine Ebene wirklich scharf abbilden. Davor und dahinter erstreckt sich die Schärfenzone, deren Ausdehnung von der Blende, dem Aufnahmeabstand und der Brennweite abhängig ist. Je größer die Blende und  je länger die Brennweite desto schmaler fällt die Schärfenzone bei Aufnahmen aus einem bestimmten Abstand aus. Das kann man sich zu Nutze machen und dank der selektiven Schärfe sehr schön Details aus einem gewollt unscharfen Umfeld herausarbeiten.

Post Focus

Allerdings muss es bei der Aufnahme manchmal schnell gehen und man hat nicht die Zeit, um die Schärfe genau dorthin zu legen, wo sie für die Bildwirkung am besten ist. Vielleicht gibt es auch mehrere Motivdetails, die es verdienen, in die Schärfe geholt zu werden …

Für genau diese Fälle hat Panasonic 4K Foto um die Funktion 4K Post Focus erweitert. Unter den DSLM-Modellen bieten die Lumix GX80 und die Lumix G81 dieses Ausstattungsdetail von vornherein (und auch bei der GH5 wird es zur Grundausstattung gehören). Die G70, GX8 und GH4 können nach einem einfachen Firmware-Update ebenfalls im 4K Post Focus-Modus betrieben werden.

Bei der G81 wählt man ihn am Betriebsartenwählrad auf der linken Schulter, bei den anderen Modellen im Menü.

Beim nächsten Druck auf den Auslöser startet man dann eine 4K Serie, wie man die von den anderen 4K Foto-Funktionen her kennt: Es werden 30 Bilder pro Sekunde als Film aufgezeichnet und jedes der Einzelbilder ist 8 MPix groß.

Im Gegensatz zu den anderen 4K Foto-Varianten, wie etwa Pre Burst, wird während des „Durchfahrens der Schärfe“ von nah bis unendlich jedes 49 AF-Messfelder überprüft.  Wenn das Motiv an der entsprechenden Stelle eine Struktur aufweist, auf die scharf gestellt werden kann, wird die Scharfstellung vorgenommen.

Dabei sieht man dann auf dem Sucher- oder dem Rückwandmonitor ein faszinierendes Schauspiel: Kleine grüne Rechtecke huschen aufleuchtend über die Bildfläche, wobei jedes für einen Teil des Motivs steht, auf den scharf gestellt werden konnte. (Gut zu sehen in unserem Video-Tutorial, das in den nächsten Tagen online geht.)

Im Idealfall hat man nach rund 1,6 Sekunden einen Film mit 49 scharfen 8-MPix-Bildern. In der Praxis werden es oft weniger sein, da es in  Motiven oftmals Partien gibt, auf die nicht scharf gestellt werden kann.

Im Post Focus Wiedergabemodus kann man sich dann durch Antippen des Rückwand-Monitors  die einzelnen Schärfenebenen bzw. Schärfenzonen bei Aufnahmen mit größeren Blenden anzeigen lassen.

Ein Druck auf die [SET/OK]-Taste schreibt das gewünschte Bild auf das Speicherkärtchen.

Auf dem Kärtchen findet man zudem den 4K Film mit von nah bis unendlich durchfahrenen Fokusbereich. Wer mag, kann die Einzelbilder also auch mit einer entsprechenden Software, wie etwa VLC media player, auf dem Rechner extrahieren.

Focus Stacking

Die Bilder mit ihren unterschiedlichen Schärfenebenen kann man aber auch anders nutzen – nämlich um ein Bild mit einer großen Schärfenzone zu erhalten.

Das ist besonders interessant für Aufnahmen im Nah- und Makrobereich, wo die Ausdehnung der Schärfenzone von mehreren Zentimetern bis auf wenige Millimeter schrumpfen kann. Das macht sowohl Sachaufnahmen wie etwa auch  Aufnahmen von Blumen oder Blüten zu einer kniffligen Sache.

Im Normalfall wird man sich hier für einen bestimmten Abbildungsmaßstab entscheiden (festgelegt durch Aufnahmeabstand und Brennweite) und dann die Ausdehnung der Schärfenzone mit der Blende steuern. Die Schärfenzone wird immer größer, je weiter man die Blende schließt. Aber das birgt gerade bei großen Abbildungsmaßstäben die Gefahr zu verwackeln, und überdies reicht oft auch eine sehr kleine Blende nicht aus, um alle Motivdetails scharf abzubilden, die man gern scharf im Bild hätte.

Abhilfe schafft Focus Stacking. Eine Software rechnet Bilder mit unterschiedlichen Schärfenebenen so zusammen, dass im endgültigen Bild die Schärfe einen großen Teil des Motivs erfasst oder sogar von vorn bis hinten reicht.

Das ist mit besonderen Programmen wie Helicon Focus oder einem Bildbearbeitungsprogramm wie Photoshop schon seit einiger Zeit möglich – aber dank der 4K Foto-Funktion und der Betriebsart Focus Stacking macht die Panasonic Lumix G81 (wie auch die Kompaktkamera LX15 und die All-in-One-Kamera FZ2000) diese Aufnahmetechnik viel bequemer und schneller.

Statt manuell eine Reihe von Einzelaufnahmen mit unterschiedlichen Schärfenebenen zu machen, überlässt man diese Aufgabe der Automatik der Lumix. Wie im 4K Post Focus Modus werden mit einer Frequenz von 30 B/Sek. die 49 AF-Felder abgetastet und die Bilder als Film gespeichert.

Und für das Verrechnen der Bilder braucht man keine gesonderte Software mehr – auch das übernimmt die Automatik der Lumix. Dabei hat man die Wahl, ob alle scharfen Bilder der Serie zu einem Endbild zusammengefügt werden sollen („Auto Mischen“) …

oder man einige Schärfenebenen auswählt, indem man die gewünschten Bildpartien auf dem Monitor antippt, die dann hervorgehoben werden („Bereich Mischen“). 

Ist schon 4K Foto mit Post Focus eine faszinierende Angelegenheit, in dem man nach der Aufnahme festlegt, wo genau die Schärfe im Bild liegen soll, legt 4K Foto durch Focus Stacking noch eine Schippe drauf, weil man festlegen kann, ob bestimmte Motivteile oder das ganze Motiv von der Schärfenzone erfasst werden sollen.

Natürlich wird man die Lumix mit dem Focus Stacking gleich im Nah- und Makrobereich ausprobieren und dann, angetan von den tollen Ergebnissen, überlegen, ob man diese Funktion nicht auch für Aufnahmen aus größeren Entfernungen nutzen könnte  – etwa für Aufnahmen von Innenräumen oder Landschaftsaufnahmen. Auch das geht.

Noch drei Hinweise zum Schluss

Es kann immer wieder einmal passieren, dass in einem oder mehreren AF-Messfeldern keine Scharfstellung durchgeführt werden kann. Daraus können  Artefakte an Übergängen von scharf zu unscharf entstehen. Das ist dann aber kein Fehler der Kamera oder der Software, sondern, wenn man so will, der Fehler eines nicht kompatiblen Motivs … Bei der nächsten Aufnahme sieht es dann schon wieder anders aus!

Da alle 4K Fotofunktionen auf Aufnahmeserien mit 30 B/Sek. basieren, muss für ausreichend Licht gesorgt werden. Längere Verschlusszeiten als 1/30 Sek. können nicht genutzt werden.

Die aktuelleren Panasonic Lumix Modelle beherrschen zudem das Focus Bracketing. Das heißt, es werden bis zu 999 Aufnahmen mit unterschiedlichen Schärfenebenen (und entsprechend mit unterschiedlichen Schärfenzonen) in voller Auflösung gemacht. Diese Aufnahmen können zwar nicht direkt in der Kamera, aber am Rechner mit entsprechender optionaler Software zu einem hochaufgelösten Bild mit durchgehender Schärfe zusammengefügt werden. Wer also genügend Zeit und Geduld hat, kann damit noch das letzte Quäntchen aus der Kamera herausholen.

Text und Bilder (c) Herbert Kaspar

 

Beispielvideo

 

Einige Beispiele

„Blütenträume“

Panasonic Lumix G81 mit Lumix G Vario 3,5-5,6/12-60 mm ASPH. Power O.I.S. 
20 mm | ISO 200 | 1:5,6 | 1/100 Sek.

Die Schärfe wandert von der Blüte vorn …

… über das rote Büschel rechts hinten …

… bis zur zur geflochetenen Kugel im Hintergrund.

Für diese Aufnahme wurden alle Aufnahmen der Serie miteinander verrechnet und die Schärfenzone reicht nun von der Blüte bis zur Kugel.

„Der Herr der Ringe“

Panasonic Lumix G81 mit Lumix G Macro 2,8/30mm ASPH. Mega O.I.S.
30 mm | ISO 6400 | 1:8 | 1:60 Sek. | Freihandaufnahme

Aus der Serie wurde zunächst ein Bild ausgewählt, das Frodo (rechts, er hält den Ring hoch) in der Schärfe zeigt.

Im zweiten Bild ist Gandalf (der Zauberer mit dem grauem Hut) in der Schärfe. Gimli (der Zwerg mit dem roten Bart) wird auch von der Schärfenzone erfasst, aber …

… in diesem Bild liegt die Schärfe noch besser auf dem Zwerg mit der Axt.

Auch auf die Gruppe im Hintergrund (Faramir, Boromir und Aragorn) konnte scharf gestellt werden – die drei Hobbits im Vordergrund sind jetzt trotz Blende 8 deutlich unscharf.

Dank Focus Stacking konnten alle Figuren in die Schärfe geholt werden.

„Buchrücken“

Panasonic Lumix G81 mit Olympus M.Zuiko Digutal 1,8/17 mm 
17 mm | ISO 800 | 1:1,8 | 1/60 Sek. 

Auch bei 17 mm Brennweite ist die Schärfenzone schmal, wenn die Blende auf 1,8 geöffnet ist. Hier liegt sie im vorderen Drittel …

… hier in der Mitte …

… und hier schließlich hinten.

Focus Stacking macht es möglich, trotz ganz offener Blende das ganze Motiv in die Schärfe zu holen.

 

Alle Bilder (c) Herbert Kaspar

 

Weiterführende Links

Panasonic 4K Foto – Teil 1 – Der Weg dahin

Panasonic 4K Foto – Teil 2 – Pre Burst

Über den Autor

Herbert ist der Chefredakteur von d-pixx und d-pixx.de.