Seit Nikon im Spätsommer 2018 die ersten spiegellosen Vollformatkameras vorstellte, wuchs die Familie der Nikkor Z Objektive für Vollformat auf 11 Exemplare.  Das neue Superzoom Nikkor Z 24-200 mm 1:4-6,3 VR durchlief eben unseren Test.

Was beim Auspacken sofort auffällt: Das Nikkor Z 24-200 mm 1:4-6,3 VR ist ein schlankes und angesichts des 8,33-fachen Zoombereichs kompaktes und leichtes Objektiv. Der Durchmesser liegt bei 77 mm, die Länge ohne Streulichtblende zwischen 114  mm und 177 mm ab Auflage und das Gewicht beträgt 670 g. Mit der mitgelieferten 4-Segment-Streulichtblende wird das Zoom 43 mm länger. 

Als erstes Objektiv der Z Serie für die Vollformat Kameras trägt das 24-200-mm-Superzoom kein „S“ im Namen – es bietet nämlich keine durchgehende Lichtstärke. Auch die beiden Zooms für die Nikon Z 50 mit APS-C-Sensor (bzw. DX-Sensor wie es bei Nikon heißt) haben eine veränderliche Lichtstärke und kein „S“ in der Bezeichnung.

„S“ oder „Nicht S“ ist also keine Qualitätseinstufung, sondern eine Sache der Ausstattung. In diesen Zusammenhang gehört dann auch, dass das 24-200 mm keinen AF/MF-Umschalter aufweist.

Wer manuell fokussieren möchte, kann zum einen am Gehäuse umschalten. Das wird man ohnehin eher selten tun, denn man kann sich auf die AF-Technik der Z 6 und Z 7 und die sehr schnelle Ausführung der Scharfstellung durch den super leisen AF-Motor im Zoom verlassen. OK – ich hatte das Objektiv nur an der Z 6 im Einsatz, aber dass die Zusammenarbeit zwischen Objektiv und Gehäuse bei der Z 7 genau so gut ist, steht für mich außer Zweifel.

Wer immer wieder manuell fokussieren möchte, kann zum anderen aber auch den schmalen Multifunktionseinstellring hinten am Objektiv als Fokussierring benutzen. Außerdem kann man ihm die Funktionen Einstellung der Blende, des ISO-Wertes und des Belichtungskorrekturfaktors zuweisen. Für mich ist der Blendenring eine feine Sache – schade, dass man dafür keine Rastfunktion aktivieren kann.

Der zweite, sehr breite Einstellring ist der Zoomring. Er dreht sich angenehm stramm, um die Brennweite exakt festlegen zu können, aber leicht genug, um den Brennweitenbereich rasch zu durchfahren.

In der Einstellung auf 24 mm, wenn das Objektiv mit 114 mm am kürzesten ist, kann man den Ring arretieren. Während des Tests kam es auch ohne Arretierung nicht zum „Kriechen“ des Zoomrings, wenn das Objektiv beim Tragen nach unten hing.

Beim Zoomen verlängert sich das Objektiv auf 220 mm. Offensichtlich werden nur leichte Linsengruppen nach vorn geschoben, denn auch mit 200 mm Brennweite liegt das 24-200 mm schön ausgewogen und kein bisschen frontlastig in der Hand. Keinen Längenzuwachs gibt dank Innenfokussierung beim Scharfstellen.

Beim Zoomen verändert sich die Lichtstärke – auf 4,8 bei 35 mm, auf 5,6 bei 50 mm und ab 80 mm liegt sie dann bei 6,3.

 

 

Bei 24 mm ist das Superzoom hinsichtlich der größten Öffnung also auf einem Level mit dem Nikkor Z 24-70 mm 1:4 S, bei 50 mm liegt es 1 Blendenstufe darunter, bei 70 mm ist der Unterschied geringer als 1 1/3 Blendenstufe – dafür schließt sich dann aber der Brennweitenbereich von 70 mm bis 200 mm an.

Nicht nur bei den langen Brennweiten macht sich der eingebaute Bildstabilisator (VR), der mit dem 5-Achsen-Stabilisator im Gehäuse der Z 6 oder Z 7 zusammenarbeitet, sehr positiv bemerkbar.

Bei 24 mm erzielte ich unverwackelte Freihandaufnahmen mit 1/2 Sek., bei 200 mm mit 1/15 Sek., oft auch mit 1/10 Sek.

Das Nikkor Z 24-200 mm 1:4-6,3 VR erschließt mit seinem Brennweitenbereich eine Vielzahl von Motiven und das dank des Bildstabilisators und des guten Rauschverhaltens der Z 6 und Z 7 bis weit in der Dämmerung hinein, ohne dass ein Stativ unbedingt nötig wäre.

Außerdem ist das Zoom mit einer kürzesten Einstellentfernung von 50 cm (bei 24 mm) bis 70 cm (200 mm) und einem größten Abbildungsmaßstab von 1:3,6 auch nahaufnahmetauglich. (Das ist kein Freibrief für alle Stativ-im-Kofferraum-Lasser – ein Stativ macht sehr oft den Unterschied zwischen einer sehr guten einer perfekten Aufnahme!)

Hinzu kommt die Abdichtung gegen Staub und Spritzwasser für Einsätze unter erschwerten Bedingungen.

Und was noch wichtiger ist: Das 24-200 erschließt all diese Motivbereiche mit einer hervorragenden Abbildungsleistung.

Nur bei den kurzen Brennweiten kann es bei anfälligen Motiven – also bei flächigen Motiven mit feinen Strukturen bis zum Bildrand – zu einem erkennbaren Leistungsabfall zwischen der hervorragenden Bildmitte und den sehr guten Ecken kommen. Bei den längeren Brennweiten ist in den Testaufnahmen in der Praxis nichts zu bemerken.

Von ganz offener Blende bis Blende 11 kann man alle Einstellungen nutzen. Blende 16 ist zwar ein wenig schwächer, Blende 22 dann noch einmal – aber auch diese kleinen Öffnungen können in der Praxis noch gut genutzt werden.

Wenn es um Vignettierung geht, sind die kürzesten Brennweiten bis etwa 30 mm und die längsten Brennweiten ab etwa 180 mm bei ganz offener Blende betroffen. Um eine Stufe abblenden schiebt die leichte Abdunklung in die äußersten Bildecken, was dann etwa bei einem schönen blauen Himmel noch sichtbar werden kann, bei einer Aufnahme im Wald oder einer Stadtlandschaft dagegen nicht.

Verzeichnung ist in den Testbildern kein Problem. Die Farbsäume der chromatischen Aberration sind auch bei Silhouetten vor sehr hellem Hintergrund nicht zu sehen. Auch die Sonne direkt im Bild bringt keine Probleme.

Nicht zu vergessen: Das Zoom kann auch an der Nikon Z 50 eingesetzt werden und wirkt dann vom Bildwinkelbereich her wie ein 36-300 1:4-6,3 [@KB].

Alles in allem ist das Nikon Nikkor Z 24-200 mm 1:4-6,3 VR ein hervorragendes Allroundzoom, das sich als Ein-Objektiv-Ausrüstung anbietet. Es erfüllt auch hohe Ansprüche und das zu einem günstigen Preis. Als Ergänzung bietet sich das Nikkor Z 14-30 mm 1:4 S an, das ebenfalls leicht und zierlich ist.

 

 BEWERTUNG FÜR DAS NIKON NIKKOR Z 24-200 mm 1:4-6,3 VR 

GUT – SEHR GUT – HERVORRAGEND – HERVORRAGEND PLUS – HERVORRAGEND DOPPEL PLUS 

 

 

 

Text und alle Bilder © Herbert Kaspar

 

 

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Nikon Z 50 – Test

Nikon Nikkor Z 20 mm S / Z 24 mm S / Z 35 mm S / Z 50 mm S / Z 85 mm S – Test

 

 

PRAXISBILDER 

Ein Klick auf eines der Praxisbilder bringt es mit einer Länge von 2400 Pixeln über die lange Seite auf Ihren Bildschirm. Die Bildgröße wurde im aktuellen Adobe Photoshop reduziert.

Beachten Sie bitte, dass die Bildqualität, besonders die Farbwiedergabe, auch von den Einstellungen Ihres Monitors abhängt!

 

Mehr Praxisbilder, die mit dem 24-200 an der Nikon Z 6 gemacht wurden, finden Sie hier!

 

@24 mm | ISO 100 | F8 | 1/320 Sek.  |  Nikon Z 6
@200 mm | ISO 100 | F8 | 1/320 Sek.  |  Nikon Z 6
@120 mm | ISO 100 | F8 | 1/500 Sek. | -1 EV | Nikon Z 6
@200 mm | ISO 100 | F6,3 | 1/125 Sek. | -1 EV | Nikon Z 6
@155 mm | ISO 100 | F9 | 1/320 Sek. | -0,33 EV | Nikon Z 6

 

 

Alle Bilder © Herbert Kaspar

 

 

TECHNISCHE DATEN IN KÜRZE

 

Nikon Nikkor Z 24-200 1:4-6,3 mm VR

Bildwinkel diagonal 84° – 12° 
entspricht an APS (Crop1,5x) ca. 36-300 mm [@KB] (Bildwinkel 61° – 8°)
Vollformattauglich ja
Blenden 4-6,3 … 16-36
Linsen / Gruppen 19 / 15
Nahgrenze 50 cm – 70 mm
Max. Abbildungsmaßstab ca. 1:3,6
Bildstabilisator ja + in Nikon Z Gehäusen
Maße (L / D) ca. 114 / 77 mm
Gewicht ca. 570 g
Filtergewinde 76 mm / nicht rotierend
Staub- und Spritzwasserschutz ja
Anschluss Nikon Z
Preis  973,82 € (www.nikon.de | KW 29/2020)