Nachdem Nikon mit zwei Vollformatkameras in die Welt die spiegellosen Systemkameras eingestiegen war, wurde das Z System mit der Z 50 abgerundet, die einen Sensor im DX-Format (a.k.a. APS-C-Format) aufweist. Hier unser Test der Nikon Z 50.

Die spiegellosen Vollformatkameras Nikon Z 6 und Z 7 sind wahrlich nicht groß – aber die Nikon Z 50 unterbietet die beiden noch einmal. Die Z 6 / Z 7 messen 141 x 101 x 68 mm und wiegen 675 g. Die entsprechenden Werte für die Z 50 sind 133 x 94 x 60 mm und 450 g.

 

Dabei haben alle drei Kameras das große Z Bajonett (Durchmesser 55 mm) gemeinsam. Bei der Z 50 reicht es praktisch von der Gehäusebasis bis zur Basis des Sucheraufbau. Das heißt: Ein noch kleineres Z-Modell ist praktisch nur vorstellbar, wenn es auf den Sucheraufbau und damit auf den Sucher verzichtet (oder einen aufsteckbaren Sucher bietet). So etwas ist zwar nicht undenkbar, gehört aber zur Zeit (Anfang 2020) definitiv ins Reich der Spekulationen. Bleiben wir lieber bei der realen Nikon Z 50.

Der erste Eindruck: Obwohl kleiner, liegt die Z 50 so gut in der Hand, wie die Z 6 / Z 7, denn auch die Kleine hat den tiefen, angenehm geformten Handgriff zu bieten.

Oben auf dem Griff dieselbe Kombination an Einstellelementen. Der Auslöser ist vom Hauptschalter umgeben (in meinen Augen ist das der beste Platz für einen Hauptschalter).

Dahinter liegen der Movie-Auslöser und die beiden Tasten, mit denen man die Wahl der Empfindlichkeit und der Belichtungskorrekturfaktoren aufruft.

Unter dem Auslöser ragt das eine Einstellrad aus dem Griff, das zweite hat seinen Platz in der hinteren Ecke der rechten Gehäuseschulter. Beide lassen sich gut erreichen, wenn man die Kamera für die Aufnahme am Auge hat.

Links davon, da, wo bei der Z 6 / Z 7 ein Statusmonitor untergebracht ist, ist das Betriebsartenwählrad zu finden, das mit EFCT und SCN zwei Einstellungen bietet, die man bei den großen Schwestern nicht findet (mehr dazu weiter unten).

Darunter ist der Umschalter zwischen Foto- und Filmmodus untergebracht.

Auf der Rückwand der Z 50 gibt es weniger Einstellelemente als bei den Großen, was allenfalls stört, wenn man eine der Vollformatkameras und das APS-C-Modell parallel nutzt.

Allerdings ist es sehr schade, dass der Joystick für die Platzierung des AF-Messfeldes nicht von den großen Modellen übernommen wurde. Zwischen der AE-L/AF-L-Speichertaste und der 8-Richtungs-Wippe wäre noch Platz gewesen. Mit dieser Wippe lässt sich das AF-Messfeld zwar auch gut bewegen (außerdem kann man den Touchscreen dafür verwenden) – aber ich habe den Mini-Joystick trotzdem vermisst. Das mag auch daran liegen, dass ich  eine Z 6 parallel im Einsatz hatte, um zwei Vollformatobjektive zu testen. Dabei fiel dann wiederum positiv auf, dass man auch der kleineren Z 50 die beiden Fn-Tasten zwischen Griff und Objektiv spendiert hat, die man konfigurieren kann.

Aus drei echten Tasten bei der Z 6 / Z 7 wurden bei der Z 50 virtuelle Tasten auf dem Monitor. Hier kann man z. B. die Monitor- und Sucher-Anzeige ändern oder weit ins Sucherbild hinein- und wieder herauszoomen.

Der Monitor zeigt ein Bild mit einer Diagonalen von sehr guten 3,2“ und einer Auflösung von ordentlichen 1,04 Mio. RGB-Dots.

Der Suchermonitor (unter dem Sucherdach und dem eingebauten Blitz) ist mit einer Auflösung von 2,36 Mio. RGB Dots nicht ganz so hoch auflösend wie bei Z6 / Z7 mit 3,6 Mio. Dots, und ist mit einer Vergrößerung von 0,68x [@KB] auch etwas kleiner – aber das sind für eine APS-C-Kamera sehr gute Werte. 

Auf beiden Monitoren sieht man ein scharfes, brillantes Sucherbild. Auch die Lesbarkeit des  Nikon-typischen Hauptmenüs und des Quickmenüs (das man durch einen Druck auf die i-Taste aufruft) sind tadellos.

DSLM-typisch kann man sich eine Reihe von Informationen ins Sucherbild einblenden lassen. Dazu gehören das Histogramm, mit dem man die Belichtung auch in kniffeligen Situationen perfekt in den Griff bekommt, und die Wasserwaage in 3D-Ausführung.

Der Monitor ist beweglich gelagert. Er kann nach oben geklappt werden, was Aufnahmen von tiefen Standorten und dadurch mit einer oft sehr interessanten Perspektive bequem möglich macht. Zudem kann er nach unten geklappt werden, was zunächst einmal Über-Kopf-Aufnahmen vereinfacht. Nutzt man den Schwenkwinkel nach unten ganz aus, ist das Sucherbild unter der Kamera von vorn zu sehen – allerdings nicht wirklich gut, wenn die Kamera auf einem Stativ steht. Da ich mich nicht selbst fotografiere, kann ich damit gut leben. Vlogger, Influencer u. ä. sehen das vielleicht anders.

 

Als APS-C-Kamera setzt die Nikon Z 50 auf einen 23,5 x 15,7 mm großen CMOS-Sensor mit einer Auflösung von 21 MPix, der mit einem aktuellen EXPEED Bildprozessor zusammenarbeitet.

Der Sensor erinnert sehr an den zurecht sehr gelobten Chip, der in den DSLR-Modellen Nikon D500 und D7500 zum Einsatz kommt. Die Vermutung liegt nahe, dass dieser Sensor als Grundlage für jenen in der Z 50 diente und für die neue Umgebung modifiziert wurde.

Als DSLM-Kamera weist die Z 50 ja keinen gesonderten AF-Sensor auf, sondern die Scharfstellung erfolgt auf dem Aufnahmesensor. Dafür werden besondere AF-Pixel integriert, von denen ein Teil nur Lichtstrahlen registriert, die durch die linke Hälfte des Objektivs in die Kamera gelangen und der andere Teil nur Lichtstrahlen, die durch die rechte Hälfte des Objektivs kommen. Die waren natürlich beim Sensor der D7500 und D500 noch nicht vorhanden.

Das AF-System der Nikon Z 50 bietet 209 Fokusfelder, die auf etwa 90 % der Sensorfläche verteilt sind. Man kann die Wahl des aktiven Messfeldes der Automatik überlassen, man kann zwei unterschiedlich große Zonen vorwählen, innerhalb derer scharf gestellt werden soll, man kann mit einem größeren und einem kleineren Einzelmessfeld arbeiten. Letzteres braucht man aber nur, wenn man die Schärfe auf sehr kleine Motivdetails legen möchte.

Die Scharfstellung erfolgt sehr schnell und auch bei schlechten Lichtverhältnissen sicher. Das gilt auch für die Gesichts- und Augenerkennung, die man im Menü aktivieren kann.

Der Sensor der Z 50 ist, anders als bei den großen Modellen, nicht beweglich gelagert, um eine Bildstabilisierung im Gehäuse (IBIS) zu ermöglichen. Statt dessen sind die beiden mit der Kamera vorgestellten DX-Objektive (DX steht bei Nikon für das APS-C-Format) mit Bildstabilisatoren ausgestattet.

Mit dem 50-250-mm-Telezoom und seiner längsten Brennweite von 375 mm [@KB], die eine Freihandgrenze von 1/400 Sek. vorgibt, kam ich mit 1/25 Sek. zu vielen unverwackelten Freihandaufnahmem.

Kein IBIS heißt, dass Aufnahmen mit den Vollformat-Objektiven nicht stabilisiert werden.

Die Zusammenarbeit von Sensor, EXPEED-Bildprozessor und Standard-Setzoom 16-50 mm brachte hervorragende Auflösungswerte an der Testtafel. Mit Imatest Master 4.3 wurde bei Blende 5,6 ein hoher Durchschnittswert von 4,4 Cycles/Pixel über das Bildfeld ermittelt.

Für den Sensor können Empfindlichkeiten im Bereich von ISO 100 bis 51.200 eingestellt werden. Bei den Aufnahmen unseres kleinen Aufbaus, wie immer bei LW 7, zeigte sich, dass Aufnahmen bis ISO 1600 als rauschfrei gelten können und dass das feine Helligkeitsrauchen bis ISO 6400 praktisch keine störende Rolle spielt. Sogar ISO 12800 können noch verwendet werden. Alles, was darüber ist vergessen wir  – und gleich mit, dass man im erweiterten Modus sogar bis ISO 204.800 gehen kann.

Für die Belichtungssteuerung bietet die Nikon Z 50 zum einen mit Programmautomatik (mit Shiftfunktion), Zeit- und Blendenautomatik sowie manuellem Belichtungsabgleich alles, was man braucht, um ein Motiv genau so ins Bild zu holen, wie man es sich vorstellt.

Dazu kommen eine Vollautomatik, die – es ist doch immer wieder verblüffend – die Szene vor der Kamera sehr gut interpretiert, und Motivprogramme, die ihr Aufgabe sehr gut machen.

Wer ein bisschen Abwechslung in seine Bilder bringen möchte, kann 10 verschiedene Effekte anwenden, die nur bei der Aufnahme zur Verfügung stehen.

Außerdem kann man mit 20 Picture-Control-Einstellungen (die sich noch justieren lassen) auf die Erscheinung der Bilder Einfluss nehmen – in diesem Fall bei oder auch nach der Aufnahme bei der RAW-Entwicklung in der Kamera.

Dass es unter den Effekten und den Picture-Control-Einstellungen die Vorgabe „Pop“ gibt, die zu unterschiedlichen Ergebnissen führt, sei  nur am Rande erwähnt. Wer es wirklich will, kann auch den Miniatureisenbahn-Effekt ins Bild bringen.

Natürlich kann man mit der Nikon Z 50 auch Filmen – und sie ist da gut aufgestellt. Top-Auflösung ist 4K (mit 30 B/Sek.). Zeitlupenfilme sind mit Full HD und 120 B/Sek. möglich. Erwähnenswert: Für 4K wird die volle Breite des Sensors augenutzt und damit auch  Bildwinkel des Objektivs.

Apropos Objektiv. Die beiden – angenehm leichten, aber leider nicht sehr lichtstarken – DX-Zooms, die zusammen mit der Z 50 vorgestellt wurden, decken gemeinsam den Brennweitenbereich von 16 mm bis 250 mm (24 mm bis 375 mm [@KB]) ab. Besonders das Standard-Zoom Nikkor Z DX 3,5-6,3/16-50 mm VR verblüfft durch seine Abmessungen. Im Ruhemodus ragt es gerade mal 34 mm vor die Auflagefläche, im Aufnahmemodus sind es maximal 61 mm. Dazu kommt ein Gewicht von nur 138 g (mit Frontdeckel)!

Weiteres: Abgedichtetes Magnesiumgehäuse, ein Slot für SD-Karten (keine teuren XQD-Karten wie bei der Z 6 / Z 7).

Alles in allem ist es Nikon mit der Z50 gelungen, eine äußerlich sehr kompakte Kamera vorzustellen, die aber in Sachen Leistung keine Abstriche macht.

 

BEWERTUNG FÜR DIE NIKON Z 50

 

GUT – SEHR GUT – HERVORRAGEND – HERVORRAGEND PLUSHERVORRAGEND DOPPEL PLUS

d-pixx testlogo Hervorragend ++

 

 

 

Text © Herbert Kaspar

Produktbilder © Nikon

 

PRAXISBILDER

Ein Klick auf eines der Praxisbilder bringt es in der Größe von 3000 x 2000 Pixeln auf Ihren Bildschirm. Die Bildgröße wurde im aktuellen Adobe Photoshop reduziert.

An den Bildern wurde außer in einigen Fällen eine Tonwertkorrektur keine Bearbeitung vorgenommen.

Beachten Sie bitte, dass die Bildqualität, besonders die Farbwiedergabe, auch von den Einstellungen Ihres Monitors abhängt!

 

Nikon Z 50 mit Objektiv Nikkor Z DX 16-50 mm F3.5-6.3 VR

 

@ 50 mm | ISO 400 | F6.3 | 1/160 Sek
@32,5 mm | ISO 400 | F8 | 1/400 Sek.
@50 mm | ISO 400 | F9 | 1/400 Sek.
@34 mm | ISO 200 | F8 | 1/160 Sek.
@16 mm | ISO 6400 | F9 | 1/80 Sek. | Monochrome-Effekt
@25 mm | ISO 100 | F8 | 1/100 Sek.
@50 mm | ISO 100 | F6.3 | 1/160 Sek.

 

Nikon Z 50 mit Objektiv Nikkor Z DX 50-250 mm F4.5-6.3 VR

 

@195 mm | ISO 200 | F5.68 | 1/500 Sek.
@130 mm | ISO 200 | F8 | 1/1000 Sek.
@68 mm | ISO 100 | F7.1 | 1/320 Sek.
@50 mm | ISO 100 | F7.1 | 1/200 Sek.
@50 mm | ISO 100 | F7.1 | 1/200 Sek.
@96 mm | ISO 100 | F6.3 | 1/640 Sek.

 

ISO-REIHE

Das erste Bild zeigt den Aufbau im Studio, der wie immer mit einer Tageslicht-Fotoleuchte beleuchtet wurde. Die Helligkeit entspricht etwa EV 7.

Die weiteren Bilder sind 100-%-Crops aus den 6048 x 4024 Pixel großen Originalbildern.

Alle Aufnahmen der ISO-Reihe: Nikkor Z D 16-50 mm F3.5-6.3 VR @ Brennweite 28 mm | F8
ISO 400 | 0.13 Sek.
ISO 3200 | 1/60 Sek.
ISO 6400 | 1/125 Sek.

 

Alle Fotos (c) Herbert Kaspar