Nikon AF-S Nikkor 70-200 mm 1:4 G ED VR im Test

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Nicht, dass es keine neuen Objektive gäbe, über die es zu schreiben lohnt. Die gibt es sehr wohl und wir werden sie testen und darüber berichten. Aber es gibt eine ganze Reihe von Objektiven, die zwar schon eine Weile auf dem Markt sind, aber noch nicht unseren Praxistext durchlaufen haben, und die als „Klassiker“ bestens in jede allroundtaugliche Fotoausrüstung passen. Dazu gehören zum Beispiel einige Standardobjektive des Typs 1,8/50 mm / 50 mm F1.8 oder auch Telezooms des Typs 4/70-200 mm / 70-200 mm F4. Eingeschlossen sind natürlich die entsprechenden Varianten, die dieselben Bildwinkel abdecken, aber andere Brennweiten aufweisen, weil sie für Kameras mit kleineren Sensoren gerechnet sind. Aus der Gruppe 70-200 mm haben wir dieses Mal das vollformattaugliche Nikon AF-S Nikkor 70-200 mm 1:4 G ED VR an einer Nikon D610 ausprobiert. Eine APS-Nikon ist im Moment leider nicht in der Redaktion.

Typ

nik_70_200_typenschild

Das Nikon ist ein Telezoom mit dem nicht ganz dreifachen Verstellbereich 70-200 mm. Die Lichtstärke ist mit F4 zwar ordentlich, aber es gibt als Alternative auch entsprechende Zooms mit der Anfangsöffnung F2.8.

Die kleinste Blende ist F32.

Das Zoom ist vollformattauglich und bietet an Kameras vom FX-Typ einen Bildwinkel von 34°20‘ – 12°20‘. An einer Kamera mit DX-Sensor entspricht der Bildwinkelbereich von 22°50‘ – 8° etwa dem eines 105-300 mm Objektivs [@KB].

Das 4/70-200 mm ist ein G-Typ und bietet daher keinen Blendenring mehr. Das ist mit den modernen Nikon-Kameras natürlich kein Problem, aber schade, da die Arbeit mit einem Blendenring einfach angenehm ist, besonders dann, wenn man einmal den manuellen Belichtungsmodus nutzen möchte.

Design, äußerer Aufbau, Material

nik_70_200_seite

Vom Design her ist das Objektiv zeitlos. Es wird von zwei breiten Einstellringen bestimmt. Beide sind griffig gummiert. Die Riffelung des von liegenden Fokussierrings ist zweibahnig angelegt, die des hinten liegenden Zoomrings fünfbahnig. Beide Ringe bieten die richtige Mischung aus Leichtgängigkeit und Widerstand. Jede gewünschte Position lässt sich schnell und präzise einstellen. Dabei ist lobend zu erwähnen, dass zwischen der kürzesten Einstellentfernung und der Unendlich-Einstellung eine halbe Umdrehung liegt, wodurch manuelles Fokussieren sehr feinfühlig möglich ist. Um den Zoombereich zu durchfahren reicht eine viertel Umdrehung. Mir wäre ein größerer Verstellweg lieber, der allerdings zur Folge hätte, dass der Brennweitenwechsel etwas länger dauern würde.

Weder beim Fokussieren noch beim Zoomen ändert sich die Länge des Objektivs und die Frontlinse / Frontfassung dreht sich nicht. Dadurch liegt die Aufnahmeeinheit aus Gehäuse und Zoom immer bestens in der Hand. Richtungssensitive Filter (das Filtergewinde hat einen Durchmesser von 67 mm) können problemlos verwendet werden, da sich ihre Ausrichtung beim Fokussieren/Zoomen  nicht ändert.

nik_70_200_schalter

Eine richtiggehende Schaltzentrale mit vier Schiebeschaltern findet man auf der linken Seite. Hier kann man zwischen automatischer und manueller Fokussierung umschalten, den AF-Bereich begrenzen, den Stabilisator ein- und ausschalten und zwischen zwei Betriebsarten für den Stabilisator wählen.

Als Schmuckelement gibt es einen goldenen Ring weit vorn am Objektiv. Auch die Bezeichnung des Objektivs sowie die Buchstaben „VR“, die auf die „Vibration Reduction“ hinweisen, sind in Gold gehalten.

Obwohl für die Hülle viel Kunststoff zum Einsatz kommt, macht das Objektiv einen stabilen und zuverlässigen Eindruck. Am Bajonett weist es einen Gummiring auf, sonst ist kein Staub- und Spritzwasserschutz vorhanden.

Innerer Aufbau

nik_70_200_innen

Das Objektiv ist aus 20 Linsen in 14 Gruppen aufgebaut. Darunter sind drei ED-Glaslinsen, eine HRI-Linse und mehrere Linsen mit Nanokristallvergütung.

Fokussieren

Das Objektiv hat eine Naheinstellgrenze von 1 m ab Sensorebene, die für alle Brennweiten gilt. Bei Einstellung auf 200 mm erreicht man den größten Abbildungsmaßstab von 1:3,6.

Im AF-Betrieb kann die kürzeste Entfernung auf 3 m festgelegt werden.

nik_70_200_zoomring

Die eingestellte Entfernung wird in einem kleinen Fenster angezeigt, an dem aber keine Schärfenzonenskala zu finden ist (auch nicht rudimentär für die oft gebrauchte Blende 8).

Interessant: Beim Fokussieren auf kürzere Entfernungen wird der Bildausschnitt etwas enger. Fokussiert bei gleicher Brennweiteneinstellung und gleicher Kameraposition einmal auf ein weit entferntes und dann auf ein nahes Motivdetail, ist in der zweiten Aufnahme etwas weniger vom Hintergrund zu sehen.

Das Zoom bietet für den AF-Betrieb einen Ultraschall-Motor. Die ebenfalls mögliche manuelle Fokussierung erfolgt direkt und nicht mit Hilfe des AF-Motors. Es kann auch im AF-Betrieb jederzeit manuell scharf gestellt werden.

An der Nikon D610 funktionierte die automatische Scharfstellung tadellos. Der Fokussiervorgang ist nicht lautlos, aber sehr, sehr leise. Manuelles Fokussieren ist durch den gut abgestimmten Fokussierring sehr gut möglich, wobei sich die Arbeit im Live-View-Modus und mit Monitorlupe empfiehlt. Dass es sehr schön wäre, wenn die D610 einen schwenkbaren Monitor hätte, sei nur am Rande erwähnt.

Bildstabilisator

Für die Vibration Reduction stehen zwei Betriebsarten zu Wahl.

Standardmäßig wird man die Einstellung „Normal“ wählen, das waagrechte und senkrechte Bewegungen ausgleicht, wie sie etwa entstehen, wenn man die Kamera aus der freien Hand einsetzt.

Die Einstellung „Active“ ist dann interessant, wenn die Kamera heftig und nicht voraussehbar bewegt wird. Das ist etwa dann der Fall, wenn man einem Motiv folgt, das überraschend die Bewegungsrichtung ändert oder wenn man von einem kleinen Boot aus fotografiert, das sich auf den Wellen bewegt und dessen Diesel Vibrationen hervorruft.

Mit der Einstellung „Normal“ gelangen unverwackelte Aufnahmen mit 1/10 Sek. bei 200 mm an der D610, und manchmal auch 1/5 Sek., wenn ich eine Reihe von Bildern machte, um dann das passende auszusuchen.

Abbildungsleistung

Auflösung Das 70-200 mm liefert in der Bildmitte im gesamten Brennweitenbereich ab der ganz offenen Blende bis Blende 11 eine hervorragende Leistung ab. Danach ist sie immer noch sehr gut. Dieses leichte Absinken ist auf die Beugung bei kleinen Blenden zurück zu führen.

Bei allen Brennweiten und den Blenden bis 8 oder 11 ist nur ein sehr geringer Leistungsabfall von der Bildmitte zu den Bildrändern festzustellen, wo aber immer noch sehr gute bis hervorragende Werte erreicht werden. Damit man den minimalen Abfall feststellen kann, muss das Motiv eine entsprechende Beurteilung erlauben (weitgehend flache Motive wie Fassaden, Graffiti oder dekorativ zerfledderte Plakatwände).

Wenn man bei rund 150 mm bis 200 mm die kürzeste Einstellentfernung nutzt, ist der Schärfenabfall zwischen Bildmitte und Rand deutlicher, aber auch hier gilt: es kommt auf das Motiv an. Bei Aufnahmen von dekorativen Blüten oder Blättern wird man sie nicht wahrnehmen.

Verzeichnung Minimal tonnenförmig bei 70 mm, um rund 90 mm herum keine Verzeichnung, danach setzt die für längere Brennweiten typische kissenförmige Verzeichnung ein, die bei 200 mm etwa bei Architekturaufnahmen auch einmal ins Auge fallen kann, bei vielen anderen, typischeren Teleobjektiv-Motiven aber nicht stört. Allerdings kann man die aktuellen Nikon DSLRs auch so einstellen, dass die Verzeichnung schon in der Kamera aus dem Bild gerechnet wird.

Vignettierung ist um eine Stufe abgeblendet kein Thema, kann bei ganz offener Blende aber sichtbar werden, wenn das Motiv einen recht gleichmäßig einfarbigen Hintergrund aufweist. Das ist etwa bei Landschaftsaufnahmen der Fall, wo man aber in vielen Fällen ohnehin eine kleinere Blende wählen wird, um eine größere Schärfenzone zu erzielen.

Reflexe können auftreten, wenn die Sonne im Bild ist, aber es gelingen durchaus auch Bilder, in denen die Sonne (oder eine andere helle Lichtquelle) zu sehen ist, ohne dass Reflexe stören.

Chromatische Aberration Praktisch keine Farbsäume.

Bokeh Die Hintergrundunschärfe ist sehr angenehm. Die Unschärfekreise weisen zwar einen hellen Rand auf, sind aber unauffällig.

Ausstattung und Zubehör

Das Objektiv wird mit einer runden Streulichtblende (HB60) geliefert, die über ein Bajonett angesetzt wird und sich für den Transport umgekehrt aufgesetzt werden kann. Eine Stativschelle (RT-1) steht als optionales Zubehör zur Verfügung.

Alles in allem

Das Nikon AF-S Nikkor 70-200 mm 1:4 G ED VR ist nicht mehr neu, aber es gibt aus unserer Sicht keinen Grund, eine neue Variante auf den Markt zu bringen. Das Zoom ist, so wie es ist, top. Wenn man nicht zwingend auf die höhere Lichtstärke des 2,8ers angewiesen ist, sollte es in keiner Nikon-Ausrüstung fehlen!

 

GUT – SEHR GUT – HERVORRAGEND – HERVORRAGEND PLUS

test_logo_3+

 

 

 

Text (c) Herbert Kaspar

Produktabbildungen (c) Nikon

 

Interessiert am Nikon AF-S Nikkor 70-200 mm 1:4 G ED VR?

Das Zoom kann hier für 1049,- € hier bestellt werden. (Stand 9. 11. 2015)

 

Praxisbilder (an Nikon D610)

Hinweis: Ein Klick auf ein Beispielsbild bringt es in der vollen Größe von 6016 x 4016 Pixeln auf Ihren Monitor. Beachten Sie bitte, dass die Bildqualität, besonders die Farbwiedergabe, auch von den Einstellungen Ihres Monitors abhängt!

Alle Bilder wurden in Adobe Camera Raw mit den Grundeinstellungen entwickelt.

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nik_70_200_RAW_01
70-200 mm @200 mm | ISO 200 | F8 | 1/200 Sek. | +0,33 EV | Nikon D610
nik_70_200_RAW_02
70-200 mm @70 mm | ISO 200 | F8 | 1/2000 Sek. | +0,33 EV | Nikon D610
nik_70_200_RAW_03
70-200 mm @70 mm | ISO 400 | F4 | 1/1000 Sek. | +0,33 EV | Nikon D610
nik_70_200_RAW_04
70-200 mm @120 mm | ISO 400 | F5,6| 1/1000 Sek. | +0,33 EV | Nikon D610
nik_70_200_RAW_05
70-200 mm @70 mm | ISO 400 | F5,6 | 1/3200 Sek. | -0,33 EV | Nikon D610
nik_70_200_RAW_06
70-200 mm @135 mm | ISO 400 | F5,6 | 1/3200 Sek. | -0,33 EV | Nikon D610
nik_70_200_RAW_07
70-200 mm @200 mm | ISO 400 | F5,6 | 1/3200 Sek. | -0,33 EV | Nikon D610
nik_70_200_RAW_08
70-200 mm @200 mm | ISO 400 | 8 | 1/800 Sek. | -0,33 EV | Nikon D610
nik_70_200_RAW_09
70-200 mm @200 mm | ISO 400 | F8 | 1/500 Sek. | -0,33 EV | Nikon D610
nik_70_200_RAW_10
70-200 mm @70 mm | ISO 400 | F8 | 1/2000 Sek. | -0,33 EV | Nikon D610
nik_70_200_RAW_11
70-200 mm @85 mm | ISO 400 | F8 | 1/2000 Sek. | -0,33 EV | Nikon D610
nik_70_200_RAW_12
70-200 mm @135 mm | ISO 400 | F8 | 1/2000 Sek. | -0,33 EV | Nikon D610
nik_70_200_RAW_13
70-200 mm @200 mm | ISO 400 | F8 | 1/2000 Sek. | -0,33 EV | Nikon D610
nik_70_200_RAW_14
70-200 mm @70 mm | ISO 400 | F8 | 1/1000 Sek. | Nikon D610
nik_70_200_RAW_15
70-200 mm @170 mm | ISO 400 | F9 | 1/1250 Sek. | Nikon D610
nik_70_200_RAW_16
70-200 mm @175 mm | ISO 800 | F4 | 1/1000 Sek. | Nikon D610
nik_70_200_RAW_18
70-200 mm @190 mm | ISO 800 | F5,6 | 1/15 Sek. | Nikon D610
Mit 200 mm Brennweite und 1/15 Sek. aus der freien Hand.
nik_70_200_RAW_17
70-200 mm @190 mm | ISO 800 | F5,6 | 1/10 Sek. | Nikon D610
Mit 200 mm Brennweite und 1/10 Sek. aus der freien Hand.
nik_70_200_RAW_19
70-200 mm @200 mm | ISO 200 | F8 | 1.6 Sek. | Nikon D610
Mit 200 mm Brennweite aus rund 1 m Entfernung wird ein rund 12 x 8 cm großes Objekt formatfüllend auf dem Vollformatsensor abgebildet.

 

 

Praxisbilder (c) Herbert Kaspar

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