Nachdem die ersten Praxisbilder, die wir mit dem neuen Sigma 50-200 mm 1:1.8 DC HSM |Art machen konnten, bereits einen Tag lang online waren, folgt nun der Testbericht.  Dafür kam neben der neuen Canon EOS 80D (24,2 MPix) auch die EOS 7D Mark II zum Einsatz, die einen 20,2-MPix-Sensor aufweist.

Das Sigma 50-100 mm trägt die Buchstaben „DC“ im Namen. Sie stehen bei Sigma für „Digital Camera“ und weisen darauf hin, dass das Objektiv für den Einsatz an DSLR-Modellen mit APS-Sensor entwickelt wurde. Es wird für entsprechende Kameras von Canon, Nikon und Sigma angeboten. An Sony-Kameras mit E-Mount kann es verwendet werden, wenn der Adapter MC-11 zum Einsatz kommt, den wir in Kürze testen werden.

Da uns das Zoom mit Canon Anschluss zur Verfügung stand, muss mit dem Canon-typischen Crop-Faktor von 1,6x gerechnet werden. Das heißt, das Objektiv deckt einen Bildwinkelbereich ab, wie ein 80-160 mm [@KB].

Typ

Das Objektiv ist ein hochlichtstarkes kurzes Telezoom. Als DC-Objektiv ist es für den Einsatz an Kameras mit APS-Sensoren gerechnet. Abhängig vom Crop-Faktor der Kamera deckt es die Bildwinkel eines Zooms ab, das an einer Vollformatkamera einen Brennweitenbereich von 75/80 mm bis 150/160 mm abdeckt. Dabei darf nicht übersehen werden, dass sich andere Eigenschaften, wie etwa die Schärfenzone, von denen eines Vollformatobjektivs unterscheiden.

Das 50-100 mm gehört in die Art-Linie von Sigma, deren Objektive sich durch hohe Abbildungsleistung und hohe Lichtstärke auszeichnen, bei denen dafür aber wenig Wert auf kompakte Abmessungen und geringes Gewicht gelegt wird. Die Sport-Objektive sind zudem auf höchste Belastbarkeit ausgelegt und bieten Schutz gegen Staub und Spritzwasser, was sich z. B. bei Reportageeinsätzen oder auch bei der Tierfotografie auf einer Safari bemerkbar machen kann.

Design, äußerer Aufbau

Wie gesagt stehen Kompaktheit und geringes Gewicht nicht im Pflichtenheft bei der Entwicklung eines Objektivs der Art-Serie.

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Entsprechend darf es die hohe, durchgehende (!) Lichtstärke von 1:1,8 mit sich bringen, dass das Objektiv einen größten Durchmesser von 94 mm aufweist (Filtergewinde 82 mm). Er wird am vorn liegenden Fokussierring erreicht. Der mittlere Teil mit dem Zoomring durchmisst 84 mm. Hier ist auch das Fenster zu finden, unter dem sich die Entfernungsskala dreht. Ganz hinten ist das Zoom am dreh-, aber nicht abnehmbaren Stativring nur noch 74 mm dick. Zum Feststellen des Stativrings ist ein sehr kräftiger Drehknopf vorhanden.

Die Länge beträgt bei allen Brennweiten- und Entfernungseinstellungen 171 mm ohne Streulichtblende und 242 mm mit Streulichtblende. Die Vier-Segment-Blende selbst ist 85 mm lang. Die Streulichtblende gehört zum Lieferumfang.

Das Objektiv macht einen sehr robusten Eindruck (obwohl es nicht zur Sport-Serie gehört), was durch das satte Gewicht von 1490 g unterstrichen wird.

Die beiden Einstellringe sind kräftig geriffelt. Beide laufen angenehm stramm, ohne einer zügigen Verstellung im Weg zu sein. Beim Zoomring liegen 90° zwischen der 50- und der 100-mm-Einstellung, wodurch man den Bildausschnitt wirklich sehr feinfühlig und exakt einstellen kann. Das ist besonders bei Kameras mit 100-%-Suchern bzw. bei Live-View-Aufnahmen interessant.

Es gibt nur einen Schalter am Objektiv, um von automatischer zu manueller Fokussierung zu wechseln.

Das einzige Schmuckelement ist der kleine silberne Punkt mit dem „A“ – „Art-Serie“.

Trotz der nicht geringen Abmessungen und seines Gewichts lässt sich das Zoom sehr gut aus der freien Hand einsetzen und liegt z. B. zusammen mit einer Canon EOS 80D oder einer Canon EOS 7D Mark II sehr gut in der Hand. Für sehr lange Sessions ist der Einsatz eines Einbeinstativs aber keine schlechte Idee und dank des Stativrings auch problemlos zu bewerkstelligen

Eine Kleinigkeit, die gut gefallen hat: Die Streulichtblende besteht aus Kunststoff. Sie ist gegen Streulicht innen geriffelt, außen aber sehr glatt. Damit man sie schnell und sicher an- und absetzen kann, ist ein schmaler Streifen am hinteren Ende gummiert.

Optischer Aufbau

Der optische Aufbau besteht aus 21 Linsen in 15 Gruppen. Darunter sind drei FLD- und mehrere SLD-Glaselemente, die durch besondere Brechungs- und Zerstreuungseigenschaften zu einer weitestgehenden Eliminierung von Farblängs- und -querfehlern beitragen sollen.

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Der optische Aufbau soll zudem Reflexe und Geisterbilder minimieren, was das Objektiv tauglich für Gegenlichtaufnahmen ohne diese Störungen machen soll. Ob sie diese Aufgaben erfüllen, steht dann weiter unten.

Die kleinste Blende ist 16.

Fokussieren

Für die automatische Scharfstellung kommt ein neu gestalteter Ultraschallmotor zum Einsatz, der um ca. 30 % kleiner ist, als frühere Modelle. Das ist wichtig, da die hohe Lichtstärke einen großen Lichtdurchlass bei allen Brennweiten erfordert.

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Die Nahgrenze liegt bei langen 95 cm – das ist einer der beiden Kritikpunkte für dieses Objektiv. Dass sie für alle Brennweiten gilt, kann dagegen positiv gewertet werden. Der größte Abbildungsmaßstab liegt bei 1:6,7. Der Sensor einer Canon APS-Kamera erfasst ein Bildfeld von rund 150 x 100 mm.

Sowohl die Canon EOS 80D wie auch die EOS 7D Mark II stellten das Zoom sehr schnell scharf. Das geschieht aber trotz Ultraschallmotor nicht lautlos. Die manuelle Scharfstellung gibt zu keinerlei Beanstandungen Anlass, da der große Drehwinkel zwischen Nahgrenze und Unendlich sehr präzises Verlagern der Schärfenebene erlaubt.

Bildstabilisator

Auf einen Stabilisator muss man leider verzichten.

Abbildungsleistung (für JPEGs aus der Kamera)

Das Auflösungsvermögen und der Kantenkontrast bei 50 mm sind schon bei ganz offener Blende 1,8 im zentralen Teil des Bildfeldes sehr hoch. Ab der Höhe der oberen und unteren Bildränder und zu  den Bildecken wirkt das Bild bei ebenen Vorlagen, die eher selten fotografiert werden dürften, etwas weicher. Bei Blende 2,8 nimmt die Leistung in der Bildmitte noch ein wenig zu und wird übers Bildfeld gesehen gleichmäßiger. Bei den Blenden 4, 5,6 und 8 sind Auflösungsvermögen und Kontrast über das Bildfeld exzellent. Bei Blende 11 ist an der EOS 80D mit ihrer Pixelgröße von 3,7 µm die Wirkung der Beugung bereits zu erkennen und die Gesamtleistung sinkt etwas ab.

Zoomt man auf 75 mm und 100 mm werden bei den großen Blenden die Bildränder und -ecken besser, die Leistung gegenüber 50 mm Brennweite also gleichmäßiger. Ab Blende 4 ergibt sich dann das gleiche Bild wie bei 50 mm Brennweite.

Verzeichnung ist bei den Brennweiten bis etwa 75 mm gering tonnenförmig. Danach kann sie etwas deutlicher kissenförmig sichtbar werden.

Vignettierung ist bei allen Brennweiten und Blende 1,8 ein Thema, am deutlichsten bei den Brennweiten ab ca. 85 mm. Abblenden auf 2,8 eliminiert die Randabschattung.

Bei wenigen Aufnahmen konnten bei genauem Hinschauen sehr schmale Farbsäume (Chromatische Aberration) entdeckt werden.

Reflexe und Überstrahlungen spielten bei unseren Praxisaufnahmen nur bei 100 mm Brennweite in einigen Aufnahmen eine Rolle, als die Sonne direkt am Bildrand stand. Dabei waren die deutlichsten Reflexe zu sehen, wenn die Sonne im Bild war.

Die Hintergrundunschärfe (Bokeh) ist gefällig.

Alles in allem

Das neueste Objektiv der Art-Serie ist ein Top-Zoom. Was man sich wünscht, wäre ein Stabilisator.

 

Text und Fotos (c) Herbert Kaspar

Grafik (c) Sigma

 

GUT – SEHR GUT – HERVORRAGEND – HERVORRAGEND PLUS

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Praxisbilder (mit Canon EOS 80D)

Diese Bilder sind Freihandaufnahmen. Es wurden Verschlusszeiten zwischen 1/200 und 1/500 Sek. vorgewählt, um Verwacklungen zu vermeiden. Die Belichtungsssteuerung erfolgte per Blendenautomatik. Die Empfindlichkeit war auf ISO 100 eingestellt.

Ein Klick auf ein Beispielsbild bringt es in der vollen Größe von 6000 x 4000 Pixel auf Ihren Bildschirm.

Alle Bilder sind unbearbeitete JPEGs aus der Kamera.

Beachten Sie bitte, dass die Bildqualität, besonders die Farbwiedergabe, auch von den Einstellungen Ihres Monitors abhängt!

 

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 77 mm | ISO 100 | F2.5 | 1/400 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 50 mm | ISO 100 | F5 | 1/400 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 100 mm | ISO 100 | F5 | 1/400 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 100 mm | ISO 100 | F10 | 1/320 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 100 mm | ISO 100 | F4 | 1/200 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 100 mm | ISO 100 | F4 | 1/320 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 100 mm | ISO 100 | F8 | 1/320 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 71 mm | ISO 100 | F8 | 1/320 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 50 mm | ISO 100 | F7,1 | 1/320 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 50 mm | ISO 100 | F7.1 | 1/320 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 100 mm | ISO 100 | F6.3 | 1/320 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 100 mm | ISO 100 | F5 | 1/400 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 69 mm | ISO 100 | F8 | 1/200 Sek.

sig_50_100__11

Sigma 50-100 mm F1.8 @ 100 mm | ISO 100 | F4 | 1/400 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 81 mm | ISO 100 | F6.3 | 1/400 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 77 mm | ISO 100 | F5 | 1/400 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 63 mm | ISO 100 | F5 | 1/400 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 100 mm | ISO 100 | F3.5 | 1/400 Sek.

Ausschnitt aus Blendenreihe (mit Canon EOS 80D)

Ein Klick auf ein Beispielsbild bringt es in der vollen Größe von 6000 x 4000 Pixel auf Ihren Bildschirm.

Alle Bilder sind unbearbeitete JPEGs aus der Kamera.

Beachten Sie bitte, dass die Bildqualität, besonders die Farbwiedergabe, auch von den Einstellungen Ihres Monitors abhängt!

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 50mm | ISO 100 | F1.8 | 1/60 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 50mm | ISO 100 | F2.8 | 1/25 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 50mm | ISO 100 | F5.6 | 1/6 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 50mm | ISO 100 | F11 | 1/2 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 77 mm | ISO 100 | F1.8 | 1/80 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 77 mm | ISO 100 | F2.8 | 1/30 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 77 mm | ISO 100 | F5.6 | 1/8 Sek.

sig_50_100_77_f110

Sigma 50-100 mm F1.8 @ 77 mm | ISO 100 | F11 | 1/2 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 100 mm | ISO 100 | F1.8 | 1/60 Sek.

sig_50_100_100_f028

Sigma 50-100 mm F1.8 @ 77 mm | ISO 100 | F2.8 | 1/25 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 77 mm | ISO 100 | F5.6 | 1/6 Sek.

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Sigma 50-100 mm F1.8 @ 77 mm | ISO 100 | F11 | 1/2 Sek.

 

Alle Bilder (c) Herbert Kaspar

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Weiterführende Links

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Sigma 24-35 mm F2 DG HSM | Art – Test

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Über den Autor

Herbert ist der Chefredakteur von d-pixx und d-pixx.de.