Der Abbildungsmaßstab soll über 1:1 hinausgehen? Mit einem Automatik-Balgengerät von Novoflex ist das ganz bequem zu realisieren.

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Abbildungsmaßstab 1:1 heißt, dass man eine Fläche formatfüllend aufnehmen kann, die genauso groß ist wie der Sensor.

Aufnahme mit einer MFT-Kamera und Makroobjektiv im Abbildungsmaßstab von 1:1.
Foto: Herbert Kaspar

Wer sich gern mit Makrofotografie befasst, ist früher oder später mit der Frage konfrontiert, ob das reicht, oder man noch kleinere Details formatfüllend auf den Sensor bannen möchte.

Für Abbildungsmaßstäbe jenseits von 1:1 war schon immer ein Balgengerät die erste Wahl.

Die Älteren unter uns kennen noch Großformatkameras. Das Objektiv ist mit dem Balgen, der an ein Akkordeon erinnert, mit dem Gehäuse verbunden. In der Unendlicheinstellung ist der Balgen komplett zusammengeschoben. Fürs Fokussieren auf kürzere Entfernungen wird das Objektiv von der Filmebene weg nach vorn bewegt.

Bei der Rolleiflex SL66SE wird die Entfernung über der Balgen eingestellt. Das Objektiv weist keinen Schneckengang auf.
Foto: Rollei (Braunschweig) / Archiv d-pixx foto

Auch bei einigen Mittelformatkameras, wie etwa der Rolleiflex SL66SE, wurde die Schärfe so eingestellt.

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Genau dieses Prinzip gilt auch für ein Balgengerät, das zwischen Objektiv und Gehäuse gesetzt wird (allerdings ist mit herkömmlichen Objektiven in der Regel keine Einstellung auf Unendlich möglich, mit besonderen Objektivköpfen aber schon).

Balgengeräte gehören zum Kernangebot von Novoflex. Sie stehen in unterschiedlichen Ausführungen und für alle wichtigen Kameras mit Wechselobjektiven zur Wahl.

Besonders interessant sind die Automatikbalgengeräte. Sie stehen aktuell in acht Varianten für Canon EOS, Canon EOS-R, Fujifilm GFX, Fujifilm X, L-Mount, MicroFourThirds, Nikon Z und Sony E-Mount zur Wahl.

Foto: Novoflex / hk

Der Aufbau: Der Balgen im typischen Novoflex-Blau 1 mit der Frontstandarte 2 und der Rückstandarte 3 auf der Grundschiene 4. In die Frontstandarte wird der Ring mit dem Bajonett für das Objektiv 5, in die Rückstandarte der Ring mit dem Bajonett für die Kamera eingesetzt 6.  Die Ringe können gedreht und mit den Schrauben 7 fixiert werden. Dadurch sind Hochformataufnahmen problemlos möglich. Beide Bajonette weisen die Kontakte auf, die im Objektiv- und Kamerabajonett des entsprechenden Systems zu finden sind und diese Kontakte sind durch ein kräftiges Spiralkabel 8 miteinander verbunden.

Die Bilder für den Beitrag wurden mit dem Automatik-Balgengerät mit MFT-Anschluss gemacht.
Foto: Novoflex

Dadurch ist es möglich, dass alle Informationen zwischen Kamera und Objektiv ausgetauscht werden können. Belichtungssteuerung und auch Autofokus funktionieren so, als wäre das Objektiv direkt an der Kamera angesetzt.

Die Frontstandarte kann mit dem griffigen großen Einstellrad 9 vor und zurück bewegt werden. Der Auszug, also der Abstand zwischen Hauptebene des Objektivs und Sensorebene, verändert sich, die Entfernung und damit der Abbildungsmaßstab werden festgelegt. Hier spielen natürlich auch die Brennweite (auch Zooms lassen sich übrigens verwenden) und die Entfernungseinstellung am angesetzten Objektiv eine Rolle. Mit einem zweiten, kleineren Rad lässt sich die Frontstandarte fixieren.

Um das Motiv nun mit dem vorgewählten Abbildungsmaßstab exakt in die Schärfe zu bringen, kommt der Einstellschlitten zum Einsatz.

Der Einstellschlitten Q=Mount X D. Fuß und Schlitten sind Arca-Swiss-kompatibel.
Foto: Novoflex

Da die Grundschiene des Balgengeräts einen Arca-Swiss-kompatiblen Fuß 10 aufweist, lässt es sich schnell in die Schnellkupplung des Einstellschlittens setzen. Durch feinfühliges Vor- und Zurückbewegen des Balgengeräts wird nun der Abstand zwischen Objekt und Sensor so lange verändert, bis die Schärfe steht. Dafür kann man „klassisch“ die manuelle Fokussierung zusammen mit Fokus-Peaking und Sucherlupe nutzen, aber dank der Datenautobahn zwischen Objektiv und Body kann man sich auch vom Autofokus helfen lassen.

Durch den großen Auszug tritt ein Lichtverlust ein, den die TTL-Belichtungsmessung berücksichtigt. Die resultierenden langen Belichtungszeiten und die sehr sehr schmale Schärfenzone machen ein Stativ oder eine Reprosäule unabdingbar. Für ein Bild mit einer großen Schärfenzone sorgt gegebenenfalls Fokus-Stacking.

Außerdem kann es je nach Objektiv und Länge des Auszugs dazu kommen, dass nur noch wenige Zentimeter zwischen Frontlinse und Objekt liegen. Wenn der Arbeitsabstand nur noch wenige Millimeter beträgt, kann das noch für Aufnahmen von selbst leuchtenden oder durchleuchteten Objekten genutzt werden!

Ausprobiert wurde das Automatikbalgengerät für MFT-Kameras für diesen Beitrag zusammen mit den Gehäusen OMDS Olympus OM-1, Olympus OM-D E-M1 Mark II und Panasonic Lumix G9 II Als Objektive kamen zum Einsatz Leica DG Macro-Elmarit 1:2,8/45 mm, Leica DG Vario-Elmarit 1:2,8/35-100 mm und Olympus M.Zuiko Digital 60 mm 1:2,8 Macro. 

In allen Kombinationen bewährte sich das Automatik-Balgengerät als einerseits sehr stabiles und andererseits sehr flexibles Hilfsmittel, um die Makro-Grenze von 1:1 zu überwinden.

FAZIT Äußerst empfehlenswert.

 

Text © Herbert Kaspar

 

PRAXISBILDER

Ein Klick auf eines der Praxisbilder bringt es mit einer Länge von 1800 Pixeln über die lange Seite auf Ihren Bildschirm. Die Bildgröße wurde im aktuellen Adobe Photoshop reduziert.

Beachten Sie bitte, dass die Bildqualität, besonders die Farbwiedergabe, auch von den Einstellungen Ihres Monitors abhängt!

 

Der Vergleich mit der Euro-Münze zeigt, dass die Taschenuhr klein ist – und entsprechend klein sind die einzelnen Bauteile. Das geriffelte Scheibchen links unterhalb der Mitte hat einen Durchmesser von ca. 4 mm.
Das Scheibchen kommt rund mit einem Durchmesser von rund 10 mm auf den Sensor. Der Abbildungsmaßstab liegt bei etwa 2,5:1.
Kamera: OMDS Olympus OM-1
Objektiv: Olympus M.Zuiko Digital 60 mm 1:2,8 Macro
Ein anderer Ausschnitt aus dem kleinen Uhrwerk.
Kamera: OMDS Olympus OM-1
Objektiv: Olympus M.Zuiko Digital 60 mm 1:2,8 Macro
Der Blick auf die Briefmarke zeigt das Druckraster. Der Abbildungsmaßstab liegt hier bei ca. 2:1.
Kamera: OMDS Olympus OM-1
Objektiv: Olympus M.Zuiko Digital 60 mm 1:2,8 Macro
Blick auf das Gewirr eines Topfreinigers aus Metalldrähten.
Kamera: Olympus OM-D E-M1 Mark II
Objektiv: Leica DG Macro-Elmarit 1:2,8/45 mm
Teil eines Zacke im Bart eines Sicherheitsschlüssels. Die Abnutzung wird im Licht einer Taschenlampe sichtbar.
Kamera: Olympus OM-D E-M1 Mark II
Objektiv: Leica DG Macro-Elmarit 1:2,8/45 mm
Der Ausschnitt aus dem Kamera-Icon auf dem Bildschirm meines iPhones zeigt deutlich, dass doppelt so viele grüne Pixel vorhanden sind wie rote oder blaue!
Kamera: Olympus OM-D E-M1 Mark II
Objektiv: Leica DG Macro-Elmarit 1:2,8/45 mm
Die Oberseite einer Olympus OM-2. (Falls sich jemand fragt: Der aufschraubbare Blitzschuh ist vorhanden.)
Und hier ein Ausschnitt aus dem Einstellrad für Korrekturfaktoren. Bei den frühen Olympus OM-Modellen wird die Verschlusszeit an einem Ring ums Bajonett und die Blende am Objektiv eingestellt.
Kamera: Olympus OM-D E-M1 Mark II
Objektiv: Leica DG Macro-Elmarit 1:2,8/45 mm
Für die beiden Bilder war am Zoom jeweils die Brennweite 100 mm (200 mm [@KB] eingestellt. Dieses Bild mit einem Abbildungsmaßstab von ca. 1:1,3 entstand mit minimalem Auszug des Automatik-Balgengeräts und Unendlich-Einstellung am Objektiv, während …
… dieses Bild mit vollem Auszug des Balgens bei der kürzesten Einstellentfernung des Zooms aufgenommen wurde. Es wurde ein Abbildungsmaßstab von ca. 2,5:1 erzielt.
Kamera: Panasonic Lumix G9 II
Objektiv: Leica DG Vario-Elmarit 1:2,8/35-100 mm
Dieses Bild zeigt den Zollstock nur zur Veranschaulichung. Nimmt man ihn mit dem 45-mm-Makroobjektiv mit vollem Auszug des Balgens und bei der kürzesten Einstellentfernung der Festbrennweite, so ergibt sich …
… dieses Bild. Zu sehen ist der Strich zwischen der 3 und der 0 und die angeschnittenen Ziffern. Der Ausschnitt ist im Original etwa 5 mm breit. Das entspricht bei einer Sensorbreite von 17,3 mm einem Abbildungsmaßstab von ca. 3,4:1.
Kamera: Panasonic Lumix G9 II
Objektiv: Leica DG Macro-Elmarit 1:2,8/45 mm

 

Alle Praxisbilder © Herbert Kaspar

 

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