In meiner Schulzeit, das ist lange her, war eine bei beliebte Einleitung für Aufsätze: “Schon die alten Griechen kannten …”. Für Fotothemen passt das nicht in der Regel nicht. Dieses Mal aber schon. Also: Schon die alten Griechen nutzten den “Goldenen Schnitt” als Gestaltungsmittel für Statuen und Bauwerke … Und was hat das nun mit uns beim Fotografieren zu tun?

Der erste, der den goldenen Schnitt und seine Konstruktion näher beschrieb, ist Euklid, ein Mathematiker, der um 300 vor der Zeitenwende wohl in Alexandria lebte.

Dass ein Mathematiker die Kontruktion beschrieb, ist nicht verwunderlich, denn der Goldene Schnitt ist die Lösung eines mathematischen Problems. Eine Strecke soll so geteilt werden, dass sich die ganze Strecke zum größeren Teilstück so verhält, wie das größere Teilstück zum kleineren.

HINWEIS FÜR DIE BILDBEISPIELE
Die gelben Linien gelten für den Goldenen Schnitt.
Die weißen Linien gelten für die Drittelteilung.
Die grünen Linien markieren die Halbierung der Bildfläche.

Teilt man die vier Seiten einer Fläche mit dem Kleinbild-Seitenverhältnis 2:3 nach dem goldenen Schnitt lassen sich daraus die Hilfslinien konstruieren, die in diesem Bild gelb eingetragen sind.

Allerdings muss es nicht unbedingt der Goldene Schnitt sein. Auch die einfachere Teilung nach Drittellinien, die in diesem Bild weiß eingetragen sind, sorgt für einen ruhigen, harmonischen Bildaufbau.

(In Flächen mit anderen Seitenverhältnissen ergeben sich entsprechend andere Raster.) 

Drittellinien lassen sich in viele Kameramonitore als Raster einblenden, Hilfslinien nach dem Goldenen Schnitt selten.

Die entsprechenden Raster im Sucherbild helfen beim Bildaufbau … und auch dabei, zu entscheiden, ob das Motiv nach einem solchen harmonischen Aufbau verlangt oder nicht. Oft bringt eine andere Bildkomposition ein spannenderes Ergebnis. Dazu ein anderes Mal. (Dass man das eingeblendete Raster nutzen kann, um die Kamera waagrecht auszurichten, ist ein angenehmer Nebeneffekt.

Wie man im Bild oben sieht, liegen die Linien und Schnittpunkte nach dem Goldenen Schnitt und nach der Drittelteilung nach beieinander.

Bei Motiven, die eine gewisse Fläche einnehmen, ist es egal, nach welchem Raster man sich richtet.

Anders sieht es aus, wenn man eine Kante oder ein sehr schmales Objekt an einer der Linien ausrichtet. Hier fällt der Unterschied ins Auge, wenn man ein bisschen Übung bei der Bildanalyse hat.

Bei der Entscheidung für eine der beiden Varianten ist zu bedenken, dass man die Kamera etwas anders ausrichten oder den eigenen Standort ein wenig verändern muss – je nachdem, welche Bildaufteilung man anstrebt. Damit verbunden ist dann eine andere Perspektive und ein anderer Bildausschnitt.

Sensoren mit hoher Auflösung legen es auch nahe, bei der Aufnahme ein bisschen mehr ins Bild zu nehmen, und den Ausschnitt später exakt festzulegen. (Ich weiß: Wenn man aus der Dia-Fotografie kommt, fällt das auch nach vielen vielen Jahren noch schwer.) Adobe Photoshop bietet dann die Möglichkeit, in das Freistellungswerkzeug u. a. Raster für den Goldenen Schnitt und die Drittelteilung einzublenden. Bei PS Elements (meine Version ist die von 2019) ist es die Drittelteilung.

 

Die Linien und Schnittpunkte des Goldenen Schnitts oder der Drittelteilung müssen nicht immer auf die ganze Bildfläche bezogen sein, sondern können auch einmal auf einen Teil angewendet werden.

 

Beispiele für die Teilung nach Drittellinien

Beispiele für die Teilung nach dem Goldenen Schnitt

Goldener Schnitt – Die einfache Konstruktion

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Teilung nach dem goldenen Schnitt zu konstruieren. Eine sehr gebräuchliche finden Sie hier.

  • Man halbiert eine gegebene Strecke AB.
  • Man setzt die gefundene Strecke AB/2 im rechten Winkel an einen der Endpunkte – in diesem Fall B – der Ausgangsstrecke an und erhält Punkt C.
  • Man verbindet man C und A, überträgt mit dem Zirkel CB von C aus auf CA und findet so den Punkt D.
  • Man überträgt BD mit dem Zirkel von B aus auf AB findet man den Punkt E.
  • Punkt E teil die Strecke AB so, wie es gefordert ist.
  • Teil man die Strecke AB in drei gleiche Teile, liegt einer der Teilungspunkte sehr nah am Teilungspunkt nach dem Goldenen Schnitt.

 

Text (c) Herbert Kaspar

Fotos und Grafik (c) Herbert Kaspar

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