Für die Vollformatkameras von Panasonic gab es zwar schon zwei Telezooms – aber bei 200 mm war Schluss. Das ändert sich nun mit dem Lumix S 70-300 mm 1:4,5-5,6 Macro O.I.S.

 

Das neueste Telezoom für die Panasonic Lumix S Serie (und andere Kameras mit L-Mount) verbindet einen Zoombereich von 70-300 mm mit einer variablen Anfangsöffnung von  1:4,5-5,6. Diese Lichtstärke geht in Ordnung, da die Lumix S Kameras ein sehr gutes Rauschverhalten an den Tag legen.

Der Verzicht auf eine höhere Lichtstärke bringt es mit sich, dass das Zoom mit rund 790 g angesichts des Brennweitenangebots leicht ist. Auch die Größe ist mit rund 84 mm Durchmesser (Filtergewinde 77 mm) und einer Länge von rund 148 mm eher moderat.

Die Länge nimmt beim Zoomen allerdings zu und erreicht bei längster Brennweite dann doch 207 mm (ohne Streulichtblende).

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Die Orientierung der Frontlinse ändert sich beim Zoomen und Fokussieren nicht. Dadurch sind Aufnahmen mit richtungssensitiven Filtern (Polarisations- und Verlaufsfilter) kein Problem. Mit 77 mm Durchmesser sind gute Filter leider schon recht teuer.

Mit den Brennweiten am unterem Ende des Verstellbereichs empfiehlt sich das Zoom für Porträts, Bilder von Blüten, Blättern, auch Stillleben sind möglich – eben alles, was man mit einem kurzen Tele macht. Die langen Brennweiten kommen dann für Schnappschüsse von spielenden Kindern, Tier- oder Sportaufnahmen und natürlich auch in der Landschaft zum Einsatz.

Sogar Fast-schon-Makros sind möglich, denn die kürzeste Einstellentfernung bei 300 mm Brennweite liegt bei 74 cm und es wird ein größter Abbildungsmaßstab von 1:2 erzielt. (Zur Erinnerung: Viele der ersten Telezooms, die in den 1970er Jahren den werbewirksamen Zusatz „Makro“ im Namen trugen, kamen bis 1:4.)

Das 70-300er ist mit dem L-Mount ausgestattet und passt nicht an die Lumix G Modelle mit mFT-Sensor. Aber auch Leica nutzt den L-Mount und an Leica Modellen mit APS-C-Sensor entspricht der Bildwinkelbereich dem eines 105-450-mm-Zooms an einer Vollformatkamera.

Der Tubus besteht zu einem großen Teil aus Polycarbonat, macht aber einen sehr soliden Eindruck. Dichtungen gegen Staub und Feuchtigkeit sind vorhanden. Der Einsatz des Zooms bei leichtem Schneefall verlief problemlos. In diesem Zusammenhang ist die lobenswerterweise mitgelieferte Streulichtblende zu erwähnen, da sie Schneeflocken von der Frontlinse fern hielt. (Sie tat natürlich auch das, was der Name verspricht: Streulicht von der großen Frontlinse fernhalten.)

Das 70-300 mm liegt mit der Lumix S5, mit der ich es getestet habe, sehr gut in der Hand – vielleicht noch ein bisschen besser mit den größeren S1 Gehäusen, aber es stand leider keines zur Verfügung.

Der breite Zoomring und der schmalere Fokussierring drehen sich leichtgängig – ein bisschen mehr Widerstand hätte mir persönlich gut gefallen. Beide Ringe sind griffig belegt.

Hinter dem Zoomring sind vier Schalter untergebracht. Sie sitzen auf der linken Seite (in Aufnahmerichtung gesehen). Mit ihnen kann man

  • den Fokussierbereich wählen (von unendlich bis 3 m oder von unendlich bis zur Nahgrenze)
  • zwischen AF und MF wechseln
  • den Bildstabilisator ein- und ausschalten
  • den Zoomring fixieren

Die Naheinstellgrenze von nur 74 cm bei 300 mm (Abbildungsmaßstab 1:2) wurde bereits erwähnt und ist einer der Pluspunkte dieses Zooms. Bei 70 mm kommt man noch 20 cm näher, erreicht aber nicht den Abbildungsmaßstab wie bei der längsten Brennweite.

Wie nicht anders zu erwarten, arbeitet der angesprochene Stabilisator mit dem im Gehäuse zusammen und man kann gut fünf und auch mal sechs Verschlusszeitenstufen gegenüber der Freihandgrenze (1/Brennweite) gut machen. Wenn möglich, macht man mehrere Aufnahmen und sucht dann die beste heraus.

Der AF/MF-Schalter wird in der Regel in der AF-Position sein. Mit der Lumix S5 gab es keinerlei Beanstandungen in Sachen Schnelligkeit und Genauigkeit des AF – was natürlich in erster Linie dem AF-System im Gehäuse zu verdanken ist. Aber auch der schnell ansprechende und leise AF-Motor im Objektiv ist dafür zu loben.

Der optische Aufbau umfasst 17 Linsen in 11 Gruppen. Dazu gehören fünf Linsen mit besonderem Brechungsindex.

Das Zoom zeichnet bei allen Brennweiten schon bei offener Blende sehr scharf und Abblenden auf 8  bringt nur noch eine sehr geringe Verbesserung.

Bei den Brennweiten ab etwa 200 mm ist, wenn man genau hinschaut, bei weitgehend planen Motiven ein leichtes Nachlassen der Abbildungsleistung zu den Bildecken hin zu bemerken. Darunter ist die Leistung über das Bildfeld gleichmäßig.

Weder Farbsäume noch Verzeichnung noch Vignettierung spielen in der Praxis eine störende Rolle. Lediglich im Bereich zwischen 70 mm und etwa 85 mm kann es bei kritischen Motiven zu einer sehr geringen Abschattung in den Ecken kommen. Sie lassen sich per Software problemlos beseitigen.

Gegenlichtaufnahmen, auch mit der Sonne im Bild, gelingen sehr gut. Nur minimale Reflexe sind gegenüber der Lichtquelle zu sehen.

Mit seinen kurzen Brennweiten bis um die 100 mm empfiehlt sich das Zoom ja auch für Porträts. Da ist es dann sehr angenehm, dass unscharfe Bildpartien sehr schön weich ausfallen. Lichtpunkte im Hintergrund werden fast im ganzen Bildfeld zu Kreisen, wozu die runde Blende aus 11 Segmenten ihren Teil beiträgt.

Alles in allem ist das Panasonic Lumix S 70-300 mm 1:4,5-5,6 Macro O.I.S. ein sehr empfehlenswertes Telezoom für alle, die über die längste Brennweite der beiden 70-200er im Programm hinausgehen möchten, und eine willkommene Ergänzung des Objektivparks mit L-Mount. Ein Wermutstropfen ist aktuell noch der Preis von 1349,- €.

 

BEWERTUNG FÜR
PANASONIC LUMIX S 70-300 MM 1:4,5-5,6 MACRO O.I.S.

GUT – SEHR GUT – HERVORRAGEND – HERVORRAGEND PLUSHERVORRAGEND DOPPEL PLUS

 

 

 

 


Text © Herbert Kaspar
 

Bilder © Herbert Kaspar 

 

 

PRAXISBILDER 

Ein Klick auf eines der Praxisbilder bringt es mit einer Länge von 2400 Pixeln über die lange Seite auf Ihren Bildschirm. Die Bildgröße wurde im aktuellen Adobe Photoshop reduziert.

Eine Ausnahme sind die drei entsprechend gekennzeichneten 100-%-Crops. Sie zeigen 2400 x 1600 Pixel aus dem 6000 x 4000 Pixel großen Originalbild.

Beachten Sie bitte, dass die Bildqualität, besonders die Farbwiedergabe, auch von den Einstellungen Ihres Monitors abhängt!

 

Panasonic Lumix S 70-300 mm 1:4,5-5,6 Macro O.I.S.
an der Panasonic Lumix S5

 

Lumix S 70-300 mm @ 121 mm | ISO 320 | F5,6 | 1/500 Sek. | -0,66 EV
Lumix S 70-300 mm @ 300 mm | ISO 200 | F5,6 | 1/320 Sek.
Lumix S 70-300 mm @ 248 mm | ISO 640 | F9 | 1/2000 Sek.
100-%-Crop
Lumix S 70-300 mm @ 277 mm | ISO 640 | F9 | 1/250 Sek.
Lumix S 70-300 mm @ 233 mm | ISO 640 | F9 | 1/500 Sek. | -0,33 EV
Lumix S 70-300 mm @ 187 mm | ISO 640 | F5,6 | 1/1250 Sek. | -0,33 EV
100-%-Crop
Lumix S 70-300 mm @ 281 mm | ISO 640 | F5,6 | 1/1000 Sek. | -0,33 EV
Lumix S 70-300 mm @ 300 mm | ISO 320 | F11 | 1/320 Sek. | +0,33 EV
Lumix S 70-300 mm @ 300 mm | ISO 320 | F7,1 | 1/320 Sek. | +0,33 EV
Lumix S 70-300 mm @ 300 mm | ISO 250 | F5,6 | 1/320 Sek. | +0,33 EV
Lumix S 70-300 mm @ 137 mm | ISO 1600 | F6,3 | 1/30 Sek. | +0,66 EV
100-%-Crop
Lumix S 70-300 mm @ 201 mm | ISO 400 | F7,1 | 1/13 Sek. | +0,66 EV
Aus der freien Hand | Das beste aus einer 5er-Serie
100-%-Crop
Lumix S 70-300 mm @ 300 mm | ISO 400 | F5,6 | 1/15 Sek. | +0,66 EV
Aus der freien Hand | Das beste aus einer 5er-Serie

 

 

Bilder © Herbert Kaspar