Für die Arbeit am Schwerpunktthema der nächsten Ausgabe – „Faszination Tele“ – war auch das Sony FE 135 mm F1,8 GM in der Redaktion und wurde gleich einem Test unterzogen.

Das Sony FE 135 mm F1,8 GM ist als FE-Objektiv für den Einsatz an Vollformatkameras von Sony gerechnet.

135 mm sind ein Brennweitenklassiker und markieren die Grenze zwischen den Porträt- und moderaten langen Brennweiten auf der einen und den ersten echten langen Brennweiten auf der anderen Seite, die bei rund 180 mm / 200 mm beginnen.

Ein besonderes Einsatzgebiet für ein lichtstarkes 135er gibt es nicht. Es kann überall zum Einsatz kommen, wo man ein bisschen Abstand zum Objekt einhalten oder eine nicht zu große Entfernung überbrücken möchte. Aufnahmen mit 135 mm zeigen schon die raffende Telewirkung und mit einer großen Blende kann man Objekte dank der sehr schmalen Schärfenzone vom unscharfen Hintergrund trennen.

Das 135er von Sony ist ein sehr wuchtiges Objektiv. Das ist kein Wunder. Lichtstärke 1,8 erfordert bei einer Brennweite von 135 mm eine größte Öffnung mit einem Durchmesser von 75 mm. Dafür braucht man entsprechend große Linsen. Der größte Durchmesser des Tubus misst entsprechend 90 mm. Nur kurz vor dem Bajonett ist es mit 62 mm Durchmesser schlanker.

Die Länge der Festbrennweite liegt bei insgesamt 134 mm bzw. 127 mm ab Auflagefläche. Die Länge bleibt dank Innenfokussierung beim Scharfstellen gleich und das Filtergewinde ändert seine Ausrichtung nicht. Das ist für die Arbeit mit Pol- oder Verlaufsfiltern wichtig. Leider gehören passende Einschraubfilter dank des großen Durchmessers von 82 mm zu den teureren Vertretern ihrer Art.

Mit angesetzter Streulichtblende ragt das Objektiv 191 mm vor das Gehäuse. Für den Transport kann man sie umgekehrt in das Frontbajonett setzen.

Um eine möglichst hohe Abbildungsleistung zu erzielen, sind zudem recht viele Linsen nötig – in diesem Fall 13 Linsen in 10 Gruppen. Sie tragen einen nicht unerheblichen Teil zum Gewicht von 1065 g (inkl. Deckel und Streulichtblende) bei. Für den Rest sorgt der Tubus. Er besteht aus Kunststoff, macht aber trotzdem einen guten und belastbaren Eindruck. 

Das 135er ist gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet. Davon ist außer einem Dichtungsring am Bajonett natürlich nichts zu sehen.

Das Objektiv ist geradlinig designt und kommt mit wenigen Einstellelementen aus.

Ganz vorn ist der breite, Fokussierring untergebracht, der mit einer griffig geriffelten  Gummiarmierung versehen ist. Zusammen mit den Fokussierhilfen der Kamera (Monitorlupe, Peaking, Entfernungsskala)  ist manuelles Scharfstellen, für das der AF-Motor verwendet wird, problemlos möglich. Je nachdem, wie schnell man den Ring bewegt, ist zügiges oder langsames und sehr feinfühliges Arbeiten möglich.

Wie immer gilt: MF-Betrieb dürfte die Ausnahme sein. Der Autofokus, der auf vier Linearmotoren zugreifen kann, arbeitet schnell und sicher (Test mit einer Sony A7 II), wird aber hinsichtlich der Geschwindigkeit von anderen Objektiven mit E-Mount von Sony, Sigma oder Tamron übertroffen. Das hängt wohl damit zusammen, dass die Motoren schwere Linsen bewegen müssen.

Der AF arbeitet fast unhörbar, was nicht nur bei Tonfilmaufnahmen, sondern auch beim Fotografieren angenehm ist.

Es kann bis zu einer Entfernung von 70 cm ab Sensorebene fokussiert und ein größter Abbildungsmaßstab von 1:4 erzielt. Das ist gut, aber nichts Besonderes.

Auf den glatten Segment hinter dem Fokussierring sind zwei Knöpfe so angeordnet, dass man sie bei Quer- und Hochformataufnahmen mit dem Daumen betätigen kann. Die Default-Einstellung für die Tasten ist „Fokusstop“, aber über das Menü der Kamera lassen sich auch andere Funktionen zuweisen.

Es schließt sich der ebenfalls fein geriffelte Blendenring an (ein Blendenring am  Objektiv bekommt von mir immer einnen „Daumen hoch“ ). Wahlweise kann man die Werte von 1,8 bis 22 in Drittelschritten der stufenlos einstellen. Dazu kommt die A-Postion, damit die Blende von der Kamera eingestellt werden kann.

Der Wahlschalter für die Click-Umschaltung hat seinen Platz auf der rechten Seite hinter dem Blendenring.

Gegenüber sind zwei weitere Schiebeschalter untergebracht. An einem wechselt man zwischen MF und AF. Am anderen wählt man einen von drei AF-Bereichen: FULL (0,7 m – ∞), 1,5 m – ∞ oder 0,7 m – 2 m.

Dass man keinen Schalter für einen Bildstabilisator findet, verwundert nicht. Den Stabi steuern die Sony Vollformatkameras seit der A7 II, A7S II und A7R II biei.

Mit dem 135er an der A7 II gelangen unverwackelte Aufnahmen mit Zeiten bis zur 1/8 Sek.

Die Abbildungsleistung des 135 mm ist top.

Bei der größten Blende bietet das Objektiv in der Bildmitte eine hervorragende Auslösung bei hohem Kontrast. Abblenden bis 4 steigert die Leistung noch, dann es hier nichts mehr und ab Blende 11 kommt wohl die Beugung zum Tragen – die Werte lassen ein wenig nach.

In den Bildecken steigt die bereits sehr Leistung bei voller Öffnung durch Abblenden weiter an.

Die gleichmäßigste Leistung von der Mitte bis zu Bildecken erzielt man bei Blende 5,6 und 8.

Eine geringe Vignettierung kann bei ganz offener Blende sichtbar werden, wenn das Motiv dafür anfällig ist (wie etwa blauer Himmel über der Landschaft).

Gegenlicht, auch mit Lichtquelle knapp außerhalb des Bildes oder im Bild ist kein Problem.

Verzeichnung spielt in der Praxis keine Rolle.

Das gilt auch für Farbsäume (chromatische Aberration).

Das Bokeh des 135ers ist weich und angenehm. Dazu trägt bei, dass die Blende aus elf Lamellen aufgebaut ist und bei allen Werten eine fast kreisrunde Öffnung bildet. Mit den großen Blenden kann man also sehr gut mit selektiver Schärfe arbeiten.

Alles in allem ist das  Sony FE 135 mm F1,8 GM ein top Objektiv. Allen Sony-Fotografen, die für ihre A7 oder A9 eine Festbrennweite im mittleren Telebereich suchen, denen 85 mm aber zu kurz sind, weil schon vielleicht schon ein 24-70-mm- oder 24-105-mm-Zoom vorhanden sind, ist dieses Objektiv zu empfehlen. Allerdings muss noch das Budget mitspielen, denn das Objektiv kostet aktuelle (KW 33, 2020) rund 1760 €.

 

 BEWERTUNG FÜR SONY FE 135 mm F1,8 GM

GUT – SEHR GUT – HERVORRAGEND – HERVORRAGEND PLUS – HERVORRAGEND DOPPEL PLUS

 

 

Text und alle Bilder © Herbert Kaspar 

 

PRAXISBILDER 

Ein Klick auf eines der Praxisbilder bringt es mit einer Länge von 2400 Pixeln über die lange Seite auf Ihren Bildschirm. Die Bildgröße wurde im aktuellen Adobe Photoshop reduziert.

Eine Ausnahme sind die drei entsprechend gekennzeichneten 100-%-Crops. Sie zeigen 2400 x 1600 Pixel aus dem 6000 x 4000 Pixel großen Originalbild.

Beachten Sie bitte, dass die Bildqualität, besonders die Farbwiedergabe, auch von den Einstellungen Ihres Monitors abhängt!

 

Sony FE 135 mm F1,8 GM an der Sony A7 II

 

135 mm | ISO 100 | F4 | 1/640 Sek. | -0,3 EV
Selbst bei Blende 4 reicht die Ausdehnung der Schärfenzone nur die Tropfen auf dem linken Blütenblatt.
135 mm | ISO 100 | F1,8 | 1/50 Sek.
135 mm | ISO 100 | F4 | 1/1250 Sek.
135 mm | ISO 100 | F5,6 | 1/250 Sek. | +0,3 EV
Ein Klassiker im Praxistest: Der Blick auf Schloss Saaleck über Hammelburg. Unten Kloster Altstadt mit der Musikakademie – im Gegensatz zu der in den Rosenheim Cops ist sie echt.
135 mm | ISO 100 | F1,8 | 1/640 Sek. | +0,3 EV
135 mm | ISO 125 | F8 | 1/160 Sek. | -0,3 EV
135 mm | ISO 125 | F8 | 1/160 Sek. | -0,3 EV
Das feine Spinnennetz fiel erst bei der Auswertung der Bilder auf dem PC-Monitor auf.
100-%-Crop
135 mm | ISO 100 | F8 | 1/400 Sek.
Noch ein Praxisbild-Klassiker: Der Giebel des Kellereischlosses („Rotes Schloss“) in Hammelburg mit Wappen. Die Inschrift bedeutet „Aufrichtigkeit und Liebe“.
135 mm | ISO 100 | F8 | 1/400 Sek.
100-%-Crop
135 mm | ISO 100 | F4 | 1/160 Sek. | +1 EV
135 mm | ISO 100 | F5,6 | 1/400 Sek. | +1 EV (vergessen zurückzustellen, in Photoshop korrigiert)
Hammelburg, die Heimat der d-pixx foto, ist die älteste Weinstadt in Franken.
135 mm | ISO 500 | F8 | 1/160 Sek.
135 mm | ISO 500 | F8 | 1/160 Sek.
100-%-Crop
135 mm | ISO 500 | F2,8 | 1/800 Sek.
„Bonga Bonga“ stammt wie „Romeo und Julia“ (die immer wieder auf Bildern im Praxistest auftauchen) vom Turnhouter Künstler Luk van Soom. Auch diese Skulptur steht an der altem Stadtmauer in der Nähe des Mönchsturms.
135 mm | ISO 250 | F8 | 1/160 Sek. | -0,7 EV
135 mm | ISO 100 | F8 | 1/400 Sek.
Die raffende Wirkung zieht die Häuser und den Trum zusammen. Zwischen dem Baum und dem linken Haus liegen rund 60 m, bis zum Haus rechts sind es rund 90 m und bis zum Mönchsturm rund 130 m.
135 mm | ISO 100 | F2 | 1/640 Sek.
Schmale Schärfenzone und angenehm weiches Bokeh bei Blende 2 …
135 mm | ISO 125 | F4 | 1/160 Sek.
… und auch noch, wenn man um 2 Stufen abblendet.

 

Alle Praxisbilder (c) Herbert Kaspar