Aktuell spricht man über Olympus, weil die Kamerasparte verkauft werden soll und wohl auch verkauft wird. Aber es gibt auch neue Produkte: die OM-D E-M10 Mark IV.

Auf den ersten Blick ist die Olympus OM-D E-M10 Mark IV (ab hier: E-M10 IV) der Vorgängerin OM-D E-M10 Mark III (ab hier: E-M10 III) sehr ähnlich.

Unterschiede betreffen den Griff, der etwas tiefer ist, die Seriennummer unten rechts (von vorn gesehen) und den Monitor, dazu weiter unten mehr.

 

Geblieben sind z. B. der Hauptschalter und die Taste für den Advanced Photo Modus auf der linken Gehäuseschulter, das große Betriebsartenwählrad und zwei unbeschriftete Einstellräder auf der rechten Gehäuseschulter, wo auch der Foto- und der Filmauslöser zu finden sind.

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Wieder präsentiert Olympus eine kleine Kamera im DSLR-Design – aber natürlich ohne SLR-Technik. Auch die Neue ist eine spiegellose Systemkamera aus dem mFT-System.

Entsprechend steht ein 17,3 x 13 mm großer Four-Thirds-Sensor im Mittelpunkt der Kamera. Er arbeitet mit dem Bildprozessor True Pic VIII zusammen.

Im Gegensatz zur E-M10 III mit 16 MPix Auflösung ist die E-M10 IV mit einem 20-MPix-Sensor ausgestattet und damit z. B. auf Augenhöhe mit denen der anderen neuen OM-D-Modelle oder der  ebenfalls neuen mFT-Kamera Panasonic Lumix G110.

Der Basis-Empfindlichkeitsbereich geht von ISO 200 bis ISO 25.600, was die E-M10 III ebenfalls zu bieten hat. Nach unten kann der  Bereich auf ISO LOW (etwa ISO 80) erweitert werden.

Für die automatische Scharfstellung kommt ein Kontrast-AF-System mit 121 Messpunkten für die Automatik zum Einsatz. Man kann mit Einzelfeldern oder einer 9er-Gruppe arbeiten. Auch das entspricht der E-M10 III

Im C-AF Modus ist die kontinuierliche Fokussierung auf sich bewegende Motive möglich und stellt auch dann auf Gesichter scharf, wenn sie im Profil oder mit Blick nach unten im Bild sind. Hier soll eine deutliche Verbesserung gegenüber der E-M10 III zu bemerken sein.

Die Leistung des Autofokus soll auf dem Level einer OM-D E-M1 Mark III liegen.

Die Belichtungsmessung erfolgt wieder in 324 Zonen. Je nach Situation kann man ESP-Mehrfeld-, Spot-, mittenbetonte Integralmessung oder die Messung mit Betonung von Lichtern oder Schatten wählen.

Für die Belichtungssteuerung kann man auf die PASM-Modi zugreifen – aber natürlich kommen auch bei der E-M10 IV die Olympus-typischen Varianten der Langzeitbelichtung, wie Live Bulb oder Live Composite (längste Zeit: drei ganze Stunden) dazu. Damit lassen sich z. B. Sternspuraufnahmen problemlos realisieren.

Außerdem stehen die Betriebsarten HDR-Hintergrundbeleuchtung, Mehrfachbelichtung, Panorama, Keystone-Korrektur (Ausgleich stürzender Linien schon bei der Aufnahme) sowie Belichtungsreihen zur Wahl.

Insgesamt 21 Motivprogramme (darunter Klassiker wie Kinder und Sport, aber auch das recht neue Handheld-Starlight) erleichtern es besonders, aber nicht nur, Einsteigern, einfach zu gelungenen Aufnahmen zu kommen.

Was darf bei einer Olympus nicht fehlen? Richtig: Die Art-Filter. 16 bietet die E-M10 IV, 15 waren es bei er E-M10 III. Neu ist der Filter „Sofortfilm“. Was er bringt, werde ich im Praxistest feststellen.

Die Weißabgleichsmodi inkl. der Farbtemperaturvorgabe im Bereich von 2000 K – 14000 K entsprechen denen des Vorgängermodells.

Der mechanische Verschluss bietet Zeiten von 1/4000 Sek. bis 8 Sek. Mit dem elektronischen 1. Verschlussvorhang sind Zeiten von 1/320 Sek. bis 60 Sek. möglich und mit dem elektronischen Verschluss im Silent Modus stehen Zeiten  von 1/16.000 Sek. bis 60 Sek. zu Verfügung.

In einem sehr leisen Umfeld kann man Auslöse- und Verschlussgeräusche völlig ausblenden und lautlos fotografieren.

Die Kompaktheit des Gehäuses wurde bereits angesprochen. Die rund 122 x 85 x 49 mm entsprechen der E-M10 III, aber sie hat ein bisschen abgespeckt: 383 g gegen 410 g inkl. Akku und SD-Speicherkarte. Die E-M10 IV soll damit die leichteste OM-D sein.

Auf der Rückwand ist ein klappbarer 3“-Touch-Screen-Monitor verbaut, dessen Auflösung von 1,04 Mio. RGB-Dots ordentlich ist, aber keinen Spitzenwert darstellt. Beide Größen hat schon die E-M10 III zu bieten.

Neu ist, dass der Monitor nicht nur nach oben geschwenkt werden kann (bis 80°) sondern auch bis zu 180° nach unten. Freihand-Selfies sind damit gut zu machen. Vloggern, die die Kamera auf ein Stativ setzen, wird der Blick auf den Monitor dann durch den Stativkopf versperrt.

Auch beim Sucher gibt es in Sachen Auflösung keinen Fortschritt, aber die 2,36 Mio. RGB-Dots sorgen schon bei der E-M10 III für ein klares Bild und werden das dann auch bei der E-M10 IV tun. Die Suchervergrößerung liegt wieder bei 0,62x [@KB]. Das ist ordentlich für diese Klasse, geht aber besser.

Wie von Olympus gewohnt bietet die E-M10 IV einen im Gehäuse arbeitenden Bildstabilisator (IBIS). Wie viele Verschlusszeitenstufen er gegenüber der Freihandgrenze bringt, muss im Praxistest festgestellt werden. Olympus spricht von 4,5 Stufen. Das war mit der E-M10 III zu erreichen.

Auch die E-M10 IV bietet ein eingebautes Blitzgerät und auch bei diesem Modell der 10er Reihe ist es mit LZ 7,2 (ISO 200, m) kein Leistungsriese.

Mit kompatiblen Modellen ist die kabellose Steuerung externer Blitzgeräte möglich.

Die maximale Bildfrequenz wird mit 8,7 B/Sek. für Aufnahmen mit dem mechanischen Verschluss und mit 15 B/Sek. mit elektronischem Verschluss angegeben.

Filmer müssen nach wie vor mit max. 4K / 30 p auskommen (was für sehr viele Situationen genug ist). Auf diesem Gebiet ist die OM-D E-M5 Mark III besser aufgestellt und bietet zusätzlich das etwas breitere Cinema 4K-Format (C4K) mit 24 fps.

High-Speed-Aufnahmen können mit 120 fps gemacht werden.

Für ruhige Filmaufnahmen wird der IBIS durch einen Digital-Stabilisator ergänzt.

Um Kontakt zu Smartgeräten aufnehmen zu können ist die E-M10 IV mit WLAN- und Bluetooth-Modulen ausgestattet und es steht die Smartphone-App OI-Share zur Verfügung. Von hier lässt sich die Kamera auch fernsteuern. Wer es konventioneller mag, kann auch den Funkempfänger FC-WR aus dem Zubehörsystem einsetzen.

Wenn es ums Laden des Akkus nach etwa 360 Aufnahmen geht, bietet die E-M10 IV die Möglichkeit, die Kamera über USB mit einer entsprechenden Energiequelle zu verbinden. Der Betrieb der Kamera “an der Strippe” ist wohl nicht möglich, das ist noch zu klären.

Die Olympus OM-D E-M10 Mark IV ist eine konsequente Weiterentwicklung des Vorgängermodells. Wie sich die Verbesserungen auswirken und für wen sich der Wechsel vom Vorgängermodell zur neuen 10er lohnt, wird ein Praxistest zeigen.

 

Verfügbarkeit

Mitte August 2020

 

Preise (UVP)

Gehäuse: 699,- €

Set mit M.Zuiko Digital ED 14-42 mm F3,5-5,6 EZ: 849 €

 

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Alle Bilder (c) Olympus