Es gibt sehr viele Motive, überaus sehr viele Motive, unzählige Motive – unmöglich, sie alle zu benennen. Aber darunter sind einige, die muss man in seinem Leben als Hobbyfotograf einfach vor der Kamera gehabt haben. Wir stellen ihnen zunächst einmal sechs Dutzend vor …… und damit geht es in der sechsten und vorerst letzten Folge weiter …

Abstrakte Zeichen

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Foto: Herbert Kaspar

Es gibt Motive, die sieht man nur als Fotograf. Und wenn man sie dann aufnimmt, muss man damit rechnen, dass Passanten kopfschüttelnd fragen „Was fotografiert der denn da?“ Zu diesen Motiven zählen abstrakte Muster und Strukturen, die sich zum Beispiel in Schriftzügen verbergen. Um sie zu erkennen wird das ganze Motiv mit der Kamera abgetastet, bis man den passenden Ausschnitt gefunden hat. Eine mittellange Brennweite ist ideal, um sich schon bei der Aufnahme auf Details konzentrieren zu können. Aber die aktuellen Pixelriesen bieten genug Reserven, um bei der Bildbearbeitung das aus dem Format zu schubsen, was nicht zum eigentlichen Motiv passt.

 

Zahlen und Ziffern

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Foto: Herbert Kaspar

Ein Stück näher an der Realität bleibt man, wenn man Ziffern und Zahlen so ins Bild setzt, dass die zu erkennen sind, aber trotzdem aus dem Umfeld herausgelöst sind. Dass können dann große Kennzeichnungen auf Fahrzeugen oder Baumaschinen sei, aber auch kleinere Schriften auf Briefkästen oder Stromverteilern sein. Wenn man sie formatfüllend aufnimmt, verschwimmen die Unterscheide bei der Präsentation auf dem TV-Bildschirmen oder per Projektor auf der Leinwand. Natürlich leben Ziffern und Zahlen von ihren Formen und Konturen, aber man sollte auch auf Farben und Farbkontraste achten.

 

Uhrwerk

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Foto: Herbert Kaspar

Für Makrofotografen ein Muss: Der Blick in eine Uhr, vorzugsweise eine mechanische Taschenuhr oder vielleicht auch einen alten mechanischen Wecker. Da die Bauteile in verschiedenen Ebenen angeordnet sind und die Schärfenzone im Nahbereich sehr schmal ist, muss man entweder die Blende weit schließen oder sich die Möglichkeiten des Stackings zu Nutzen machen. Dabei werden Bilder mit unterschiedlichen Schärfenebenen zu einem Bild zusammengerechnet, das dann eine große Schärfenzone aufweist. Für die Ausleuchtung kann man mit mehreren weißen Reflektoren arbeiten, die man um die liegende Taschenuhr aufstellt.

 

Souvenirs

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Foto: Herbert Kaspar

Sie gehören zu  jedem Urlaubsziel: Souvenirs, die den Namen des jeweiligen Ortes tragen. Man muss sie ja nicht unbedingt kaufen, aber einige Bilder sind sie wert, die sich dann gut für den Einstieg in eine Bilderschau oder ein Fotobuch eignen. Und: Wenn man eine Sammlung anlegt, wird das Fotografieren im Urlaub noch ein bisschen spannender.

 

Raps und Baum

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Foto: Herbert Kaspar

Ein Klassiker: Der einsame Baum weit hinten im Rapsfeld, den man natürlich auch einmal fotografieren sollte. Dafür ist es praktisch, wenn man bei jeder Autofahrt eine Kamera dabei hat. Denn oft genug kommt ein Motiv nicht dann vor die Linse, wenn man es sucht, sondern wenn man irgendwo einfach so entlang fährt oder läuft. Man kann das Motiv aber auch umkehren und das leuchtende Gelb nur als „Garnierung“ für einen Baum verwenden. Wenn die gelbe Fläche an einer waagrechten Drittellinie endet, bringt das Ruhe ins Bild, die dem unruhigen Durcheinander der Äste entgegen wirkt.

 

Sonnenblumen

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Foto: Herbert Kaspar

Wie Mohn, Rosen oder Raps gehören Sonnenblumen zum festen Motivrepertoire, das man in jedem Jahr abarbeiten sollte, immer mit dem Ziel, auch einmal einen neuen Blick aufs Motiv zu finden. Das ist recht einfach, wenn Sonnenblumen bis weit in den Herbst hinein stehen bleiben und dann an manchem Morgen reifbedeckt sind.

 

Blendenstern

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Foto: Herbert Kaspar

„Sonne im Rücken, Auslöser drücken“ ist eine Fotografenweisheit der 50er und 60er Jahre, als Linsen noch nicht vergütet und Objektive entsprechend anfällig für Reflexe und Überstrahlungen waren. Die gibt es heute manchmal auch noch, aber man kann im Großen und Ganzen recht entspannt gegen die Sonne fotografieren und unser Zentralgestirn auch ins Bild einbinden. Wenn man – Qualitätsverlust durch Beugung hin oder her – die Blende auf einen sehr kleinen Wert schließt, kann man sich einen „Blendenstern“ ins Bild holen. Ob man ihn dann, wie im Beispiel, auf einem Kreuzungspunkt zweier Drittellinien platziert oder am Bildrand, ist Geschmackssache. Da Speicherkarten ja Platz für viele Bilder bieten, kann man verschiedene Varianten ausprobieren.

 

Wolkenauge

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Foto: Herbert Kaspar

Wenn man mit der Kamera unterwegs ist, während sich dunkle Wolken zusammenziehen, sollte man immer wieder einen Blick auf den Teil des Himmels werfen, wo die Sonne hinter den Wolken steht. Dann kann man vielleicht ein „Wolkenauge“ entdecken, das dem Motiv einen fast schon mythischen Touch gibt. Eine leichte Minuskorrektur macht das Bild noch dramatischer – aber dafür kann man auch bei der Nachbearbeitung sorgen. Dabei schaut man dann gleich noch, ob der Horizont horizontal ausgerichtet ist.

 

Kettenkarussell

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Foto: Herbert Kaspar

Ein Rummelplatz bei Nacht ist mit all seinen Lichtern ein Dorado für Fotografen – aber man muss nicht so lange warten, um die Atmosphäre der Fahrgeschäfte, Los- und Würstchenbuden einzufangen. Während die Nacht die Zeit der kräftigen, leuchtenden Farben ist, kann man tagsüber of pastellige Farben entdecken – und beides kann man durch die entsprechende Farb-Voreinstellung an der Kamera unterstützen. Um ein Kettenkarussell am hellen Tag mit einem ausgeprägten Wischeffekt ins Bild zu setzen, kann man ein Neutralgraufilter verwenden … oder bei der Bildbearbeitung nachhelfen.

 

Nicht ganz echte Fata Morgana

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Foto: Herbert Kaspar

Spiegelbilder als Motive haben wir schon in Folge 5 kennen gelernt. Aber man muss nicht zwangsläufig Original und Spiegelbild ins Bild setzen. Besonders, wenn bewegtes Wasser als Spiegel dient, kann man eine interessante Wirkung erzielen, wann man das Original ausblendet und sich aufs Spiegelbild konzentriert. Dreht man das Bild dann noch um 180° wirkt es, als hätte man das Bild durch eine wabernde warme Luftschicht aufgenommen.

 

Drahtesel

 

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Foto: Herbert Kaspar

Im nördlichen Teil Deutschlands (ganz besonders in Münster) und in den Niederlanden (ganz besonders in Amsterdam) gehören Fahrräder zum Stadtbild, vom modernen Hightech-Rad bis zum guten alten Drahtesel, der schon ein bisschen angerostet ist, seinem Besitzer aber immer noch hilft, rasch von A nach B zu kommen. Egal ob alt oder neu, ob einzeln an einer Laterne abgestellt, in einer Gruppe in einer Gasse geparkt oder als große Gruppe, die einen Parkplatz einnimmt – man kommt als Fotograf einfach nicht an ihnen vorbei. Auch Details bieten sich als Motive an. Einzelne Räder oder Gruppen kommen dynamisch ins Bild, wenn man in die Knie geht. Für größere Ansammlungen sind ein höherer Standort (Kameras mit schwenkbarem Monitor kann man gut über Kopf einsetzen) und eine lange Brennweite eine gute Kombination.

 

Gefundene Stillleben

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Foto: Herbert Kaspar

Wenn man beim Spazieren gehen die Augen offen hält, kann man immer wieder auf unscheinbare Stillleben stoßen, und wenn die Kamera immer dabei ist (es kann ja auch eine leichte, aber gute Kompakte sein) kann man sie auch fotografieren. Vielleicht hat ein spielendes Kind einen Stein auf ein verwittertes Stück Holz gelegt, vielleicht hat sich ein Herbstblatt in einem Zaun verfangen oder vielleicht schwimmt ein Stück Rinde in einer Pfütze – all das ist eine oder mehrere Aufnahmen wert. Die passende Variante der Belichtungssteuerung ist die shiftbare Programmautomatik. Man kann unbeschwert Aufnahmen machen und bei Bedarf mit einem Dreh am Einstellrad eine bestimmte Blende oder Verschlusszeit aufrufen.

 

Texte und Aufmacherbild (c) Herbert Kaspar

 

 

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