Mit dem 2.8/70 mm DG Macro | Art erweitert Sigma die Art-Serie um das erste Makroobjektiv. Wir haben es für Sie näher angeschaut.

Makroobjektive mit einer Brennweite von 70 mm, einer Lichtstärke von 1.:2,8 und einem größten Abbildungsmaßstab von 1:1 haben Tradition bei Sigma. In vielen Fototaschen dürfte noch das hervorragende EX 2,8/70 mm DG zu finden sein,  aber viele dürften demnächst das Feld räumen müssen, denn das neue Objektiv … aber dazu gleich mehr.

Sigma 70 mm DG Macro ArtDer Nachfolger des erwähnten EX-Objektivs heißt Sigma 2,8/70 mm DG Macro | Art. Es ist das erste Makroobjektiv in der Art-Serie und entsprechend hoch sind die Erwartungen, was die Abbildungsleistung angeht. Und die werden .. aber dazu gleich mehr.

Als „DG“-Typ ist das Objektiv vollformattauglich. Beim Einsatz an APS-C- bzw. APS-H-Kameras müssen die entsprechenden Crop-Faktoren berücksichtigt werden.

Sigma 70 mm DG Macro Art

Das Sigma 70 mm DG Macro | Art wird aktuell mit Canon und Sony E-Mount angeboten, sowie mit Sigma-Bajonett. Dass es keine Nikon Version gibt, ist verwunderlich. Wartet man hier auf die neuen spiegellosen Vollformat-Systemkameras mit neuem Bajonett?

Das 70er Makro (Macro mit „c“ ist Teil des Namens, Makro mit „k“ ist unser üblicher Sprachgebrauch) ist nicht zierlich – aber vergleichsweise leicht. Dafür spielt der Materialmix aus Metall und TSC (Thermally Stabe Composite) eine Rolle. Letzteres ist ein Kunsstoff, leicht, aber sehr stabil.

Das Objektiv ist zwar nicht im Ganzen gegen Staub und Feuchtigkeit abgedichtet, aber am Bajonett sorgt bei den Versionen für Canon und Sony ein Dichtungsring dafür, dass nichts eindringen kann. (Bei Sigma-Kameras ist dieser Ring Teil des Kamerabajonetts.)

Sigma 70 mm DG Macro Art

Das Gewicht (mit der mitgelieferten Streulichtblende) liegt bei 568 g. Front- und Rückdeckel bringen weitere 22 g auf die Waage. Mit der Canon EOS 5D Mark III und der Canon EOS 7D Mark II bildet das 70 mm Macro | Art jeweils eine sehr ausgewogene Einheit! Für das

Bei Unendlich-Einstellung ist das Objektiv 106 mm lang. Je kürzer die Einstellentfernung wird, desto länger wird das Objektiv, wobei sich ein schlankerer Tubus aus dem äußeren Tubus schiebt. Bei Abbildungsmaßstab 1:2 ist das 70er 130 mm lang, bei Abbildungsmaßstab 1:1 sind es 158 mm.

Der äußere Tubus hat einen Durchmesser von 72 mm, der innere von 52 mm.

Sigma 70 mm DG Macro Art

Wenn das Objektiv beim Scharfstellen länger wird, heißt das, dass auf eine Innenfokussierung verzichtet wurde. Sigma begründet das in der Pressemitteilung mit dem eigenen hohen Anspruch an die Abbildungsleistung und liegt damit … aber dazu gleich mehr.

Auf dem schlanken Tubus, der sich nach vorn schiebt, sind 10 Abbildungsmaßstäbe von 1:10 bis 1:1 aufgetragen und dazu die entsprechenden Entfernungen in Meter und Feet. 1:10 erreicht man aus einer Entfernung von 82 cm, 1:2 aus 30 cm und 1:1 aus 25,8 cm.

Die Skala wird man in vielen Fällen nicht sehen, denn der schlanke Tubus bewegt sich innerhalb der mitgelieferten Streulichtblende nach vorn. Beim Abbildungsmaßstab von 1:1 ist nicht nur der vordere Rand des Objektivs sondern auch der vordere Rand der Streulichtblende 158 mm vom Bajonett entfernt und man hat noch einen Arbeitsabstand von 55 mm zur Verfügung.

Das reicht durchaus, um etwa mit kleinen LED-Leuchten Licht aufs Objektiv zu bringen. Von Sigma gibt es dafür auch einen Makroblitz (Macro EM-140 DG), der per Adapter im 49-mm-Filtergewinde des 70 mm Macro | Art festgemacht werden kann.

Das Filtergewinde dreht sich beim Fokussieren nicht – eine gute Nachricht auch für alle, die mit Polarisations- oder Verlaufsfiltern arbeiten wollen.

Das Fokussieren kann automatisch oder manuell erfolgen. Es ist auch möglich, die automatisch eingestellte Entfernung manuell zu ändern, ohne vom AF- in den MF-Modus wechseln zu müssen, wenn die Kamera dies unterstützt. Für das manuelle Umschalten gibt es einen Schiebeschalter auf der linken Seite des Objektivs.

Sigma 70 mm DG Macro Art

Mit einem zweiten Schalter kann man drei Fokussierbereiche festlegen: ∞ bis 28,3 cm – ∞ bis 50 cm – 50 cm bis 28,3 cm. Das sollte man ausnutzen, wenn man weiß, dass man im entsprechenden Entfernungsbereich fotografieren will. Die Einschränkung auf einen kleineren Bereich kann der AF-Geschwindigkeit zu Gute kommen.

Da ohne Innenfokussierung mehr Linsen über längere Wege bewegt werden müssen, als mit Innenfokussierung, stellt das das neue 70er sehr schnell scharf, kommt aber nicht ganz an andere festbrennweitige Art-Objektive heran. (Für die Testaufnahmen kamen eine Canon EOS 5D Mark III und eine Canon EOS 7D Mark II zum Einsatz!)

Der Autofokus-Motor, laut Sigma eine Neuentwicklung ohne Eisenkern, arbeitet praktisch geräuschlos – und wird auch für die manuell Fokussierung genutzt.

Wenn man den sehr breiten und griffigen Fokussierring bewegt, spricht man damit den Motor an, der seinerseits die Linsen bewegt. Sigma setzt dabei auch auf Floating Elements. Da man den Ring sehr weit drehen muss, um im Nahbereich eine sichtbare Veränderung der Schärfe zu erzielen, kann man im MF-Modus sehr feinfühlig präzise Scharfstellen.

Die Focus by Wire-Funktion ist für den ein oder anderen sicher gewöhnungsbedürftig, aber eine gute Lösung. Schade ist allerdings, dass es systembedingt keinen Anschlag bei kürzester Entfernung bzw. Unendlich gibt.

Sigma 70 mm DG Macro Art

Im Inneren des Objektiv sind 13 Linsen in 10 Gruppen verbaut. Von diesen Linsen bestehen fünf aus besonderen Gläsern, um Farblängsfehler zu minimieren, was für die Abbildungsleistung … aber dazu gleich mehr.

Was fehlt, ist eine Linsengruppe, die bewegt werden kann, um Verwacklungen zu vermeiden. So schön und nützlich und bequem  ein im Objektiv integrierter Stabilisator ist – im Zweifelsfall kann er verhindern, dass das letzte Quäntchen Abbildungsleistung der Objektiv/Sensor-Kombination nicht abgerufen werden kann. Der Verzicht auf den Stabilisator ist also einerseits bedauerlich, andererseits aber verständlich und sinnvoll.

Und wie sieht es nun mit der Abbildungsleistung an der Canon EOS 5D Markl III aus?

Das Auslösungsvermögen ist schon bei ganz offener Blende in der Mitte extrem hoch mit nur minimalem Nachlassen zu den äußersten Ecken. Abblenden auf 4 bringt in der Mitte noch ein klein wenig mehr und die Ecken auf der Niveau der Bildmitte. Hier zeigt Imatest Master 4.3 x64 einen Wert von 0,48 Pixel/Cycle.

Blende 4, 5,6 und 8 sind die „Sahnestücke“. Bei sehr genauer Betrachtung sehr feiner Strukturen im Bild sieht man, dass bei Blende 8 schon ein bisschen die Beugung ins Spiel kommt und bei Blende 11 ein bisschen mehr. Dennoch ist auch Blende 11 auf jeden Fall praxistauglich!

Wenn es um Verzeichnung und chromatische Aberration (Farbsäume) geht, ist man mit diesem Objektiv auf der sicheren Seite. Sie kommen nicht vor.

Bei der Vignettierung sieht es etwas anders aus. Bei Blende 2,8 fallen die Bildecken knapp 1 EV dunkler aus, als die Mitte. Oft fältt das nicht auf, bei entsprechenden Motiven (einfarbiger Hintergrund) aber schon. Per Software sind die dunkleren Ecken gut zu eliminieren. Abblenden auf 4 verbessert die Situation deutlich. Danach spielt die Randabschattung keine Rolle mehr.

Ein weiterer Gesichtspunkt bei einem Objektiv, das wohl oft für Aufnahmen von Blumen und Blüten bei weit offener Blende, aber auch für Porträts genutzt wird, ist das Bokeh (die Qualität der Bereiche jenseits der Schärfenebene). Auch hier leistet sich das 70 mm Macro | Art keinen Fehler und unscharfe Punkte kommen schön ins Bild.

Alles in allem zeigt sich das Sigma 2,8/70 mm DG Macro | Art als würdiger Vertreter der Art-Serie und als eines der besten Makro-Objektive des Marktes – zu einem sehr verlockenden Preis. 

Der Preis liegt bei rund 550 €, teils auch darunter! (Stand 18. Juli 2018)

 

GUT – SEHR GUT – HERVORRAGEND – HERVORRAGEND PLUS – HERVORRAGEND DOPPEL PLUS

Test-Logo Hervorragend Doppel-Plus

 

 

 

Text und alle Bilder (c) Herbert Kaspar

 

 

Praxisbilder

Objektiv:  Sigma 2,8/70 mm DG Macro | Art
Kamera: Canon EOS 5D Mark III

Mit einem Klick öffnen Sie ein Bild in der Größe von 4200 x 2800 Pixeln.
Bitte beachten Sie, dass Farbigkeit, Helligkeit und Kontrast des Bildes sehr stark von den Einstellungen Ihres Monitors abhängen!

 

Makroaufnahme Zollstock
70 mm | ISO 100 | 1: 4 | 1/8 Sek. | +1 EV | Canon EOS 5D Mark III
Nahaufnahme Grafikkarte
70 mm | ISO 100 | 1: 8 | 1/3 Sek. | -1 EV | Canon EOS 5D Mark III
Nahaufnahme Trockene Rose
70 mm | ISO 200 | 1: 8 | 1/60 Sek. | Blitz | Canon EOS 5D Mark III
Nahaufnahme Biene in Lavendel
70 mm | ISO 400 | 1: 2,8 | 1/4000 Sek. | Canon EOS 5D Mark III
Nahaufnahme Hibuskus Blüte geschlossen
70 mm | ISO 200 | 1: 8 | 1/750 Sek. | -0,5 EV | Canon EOS 5D Mark III
Nahaufnahme Sukkulente
70 mm | ISO 200 | 1: 6.7 | 1/15 Sek. | Canon EOS 5D Mark III
Nahaufnahme Sukkulente
70 mm | ISO 640 | 1: 5,6 | 1/500 Sek. | Canon EOS 5D Mark III

 

 

A

 

 

 

 

4 Kommentare

  1. Hallo,
    sorry, ich hatte mich verschaut und drei einigermaßen Bilder im Beitrag mit dem Praxistest gepostet. Er ist jetzt auf der Startseite der Homepage zu finden.

    Die Bilder sind nicht ganz optimal, weil Dunst über dem Bodensee lag, aber das 70er war als Makroobjektiv neben einigen Zooms dabei und kam deshalb nur ein paar Aufnahmen über große Entfernungen zu Einsatz.

    Generell: Das 70 mm Macro | Art kann in allen Motivbereichen eingesetzt werden.