Motivtipp Pilze sammeln

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Beitragsbil Pilze sammeln




Eigentlich hätte die Pilzsaison schon im September beginnen müssen. Da wir aber dieses Jahr mit einem verspäteten Sommer gesegnet sind, der dazu noch vielerorts ziemlich trocken ist, geht es dieses Jahr wohl etwas später los.

Pilze sind schöne Fotomotive, besonders, wenn man sich im Bereich der Natur-Makrofotografie trainieren möchte. Sie flüchten nicht und auch bei Wind halten sie recht still. Bevorzugte Habitate sind Wald, Moor und Wiese. Das was wir vom eigentlichen Pilz zu sehen bekommen, sind seine Fruchtkörper, entfernt vergleichbar mit den Blüten von Pflanzen. In der Biologie bewegen sich Pilze zwischen Tieren und Pflanzen und bilden damit ein eigenständiges Reich. Als Pilz-Laie kann ich auch schon nicht viel mehr zu diesen überaus interessanten Wesen sagen.

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Panasonic Lumix DMC-G2  | Olympus Zuiko Digital ED 2/50mm Macro
Die schmale Schärfenzone stellt den Pilz aus seinem Umfeld frei. Im Bokeh ist noch genügend Schärfe, um den Wald anzudeuten.

Wer die Makro-Fotografie im Freien üben oder neue Perspektiven und Aufnahmetechniken finden möchte, der sollte die Saison nutzen. Mit dem ersten Frost wird sie nämlich schon schnell vorüber sein. Das tolle am Pilzsammeln mit dem Fotoapparat ist, dass man auch die giftigen ablichten darf. Ein Ausflug in den herbstlichen Wald ist erholsam und entspannend. Man wird hier schnell auf Fungis treffen. In aller Ruhe kann man sie finden, genauestens beobachten und sie von allen möglichen Betrachtungswinkeln einkreisen.

Im Wald ist es auch am Tage recht dunkel, so dass mit längeren Verschlusszeiten gerechnet werden muss. Und für Nahaufnahmen empfiehlt es sich sowieso, mit dem Stativ zu arbeiten. Kleine Dreibeine, die sich bodennah einrichten lassen können, sind hier die beste Wahl. Alternativ sind Reis- oder Bohnensäcke auch gut einsetzbar.

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Olympus E-520  |  Olympus Zuiko Digital ED 70-300mm
Auch oben auf den Ästen der Bäume kann man Pilze finden. Mit langer Brennweite (220mm [@KB]) steil nach oben am Stamm angelehnt.
Manche Pilze sind an oder auf Bäumen zu finden, viele andere wiederum auf dem Boden. Es wird sich also nicht vermeiden lassen, sich vor ihnen auf die Knie fallen zu lassen. Eine kleine Isomatte schont die Gelenke und ein ausgebreiteter Plastikbeutel ist eine gute Unterlage, um Zubehör abzulegen.

Wie schon angedeutet, wird man sich bei dieser Art des Pilzgenusses nicht den Magen verrenken, wohl aber Rücken und Nacken strapazieren. Winkelsucher, Klappdisplay oder eine Übertragung und Fernsteuerung der Kamera mittels Smartphone oder Tablet sind sehr empfehlenswert. Letzteres vermeidet auch Erschütterungen, die beim Druck auf den Auslöser entstehen können. Alternativ kann natürlich auch ein Fernauslöser genutzt werden.

Falls keines dieser Hilfsmittel zur Verfügung steht, kann man einfach die Selbstauslöser-Funktion aktivieren. Bei Spiegelreflexkameras, die über Spiegelvorauslösung verfügen, ist auch diese hier sehr hilfreich.

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Panasonic Lumix DMC-G2  | Olympus Zuiko Digital ED 2/50mm Macro
Mengenkontrast: Zwei Gruppen mit unterschiedlichen Mengen.

Welche ist die beste Kamera? – Die Kamera, die man dabei hat!

Man muss nur wissen, welche technischen Möglichkeiten die Kamera bietet und wie man sie einsetzt. Um dieses Wissen zu erlangen ist viel Training und Ausdauer gefragt.

Die Pilzfotografie ist eine feine Gelegenheit, in aller Ruhe eine Kamera und deren Funktionen zu ergründen. Sei es eine Kompakt- oder Bridgekamera oder eine DSLR- (digital single lens reflex) oder DSLM- (digital single lens mirrorless) -Systemkamera. Erlaubt ist, was funktioniert.

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Panasonic Lumix DMC-G2  |  Olympus Zuiko Digital ED 2/50 mm Macro

Kompakt- und Bridgekameras weisen eine Makrofunktion im Menü auf. Durch die geringe Größe des Sensors und den geringen Abstand des festen Objektivs zur Sensorebene (Auflagemaß), eignen sie sich recht gut für Makroaufnahmen. Einige dieser Kameras erlauben es, dass man optische Vorsätze, wie zum Beispiel Nahvorsatzlinsen anbringen kann.

Unter den Nahvorsatzlinsen sind die so genannten Achromate (richtig heißt es: achromatische Nahvorsatzlinse) zu betonen. Das sind zwei unterschiedlich gewölbte Linsen, die miteinander verkittet sind, und damit in Punkto Abbildungsleistung gegenüber herkömmliche Nahvorsatzlinsen deutlich besser sind.

Nahvorsatzlinsen gibt es in verschiedenen Stärken. Je nach verwendeter Objektiv-Brennweite ergeben sich andere Vergrößerungsfaktoren der Aufnahme-Einheit.

In d-pixx war dazu folgendes zu lesen:

Brechkraft, Brennweite und mehr
Die Stärke einer Nahvorsatzlinse (Brechkraft D) wird in Dioptrien angegeben. Sie ist der Quotient aus dem Brechungsindex der Luft (1) und der Brennweite (f) der Nahvorsatzlinse, die in Metern angeben wird: D = 1/f (Benennung 1/m).
Kennt man die Brechkraft, kann man die Brennweite der Nahvorsatzlinse berechnen: f = 1/D (Benennung m). Eine Nahvorsatzlinse mit einer Brechkraft von 4 dpt hat also eine Brennweite von 1/4 m oder 250 mm. Das ist gleichzeitig der größtmögliche Arbeitsabstand, der mit einem Objektiv und dieser Nahvorsatzlinse eingestellt werden kann. Alles, was weiter weg ist, wird unscharf.
Um den Abbildungsmaßstab einer Kombination aus einer Nahvorsatzlinse und einem Objektiv zu errechnen, wenn das Objektiv auf Unendlich eingestellt ist, teilt man die Brennweite des Objektivs durch die der Nahvorsatzlinse. Mit einem 50-mm-Standardobjektiv und einer Nahvorsatzlinse mit 4 dpt = 250 mm Brennweite liegt der entsprechende Wert also bei 1:5. Stellt man am Grundobjektiv kleinere Entfernungen ein, wird der Abbildungsmaßstab größer.

Das Fokussieren einer solchen Aufnahmeeinheit ist etwas schwieriger, als bei einer mit Makroobjektiv. Während ein Makroobjektiv einen sehr großzügigen Schärfeeinstellbereich hat, muss mit einer Nahvorsatzlinsen/Objektiv-Kombination die Entfernung zum Motiv variiert werden, um im resultierenden Schärfebereich Raum für die Feinjustierung zu haben. Nach etwas Übung hat man aber schnell den Bogen raus.

Ein Einstellschlitten auf dem Stativkopf ist da auch eine feine Sache. Ein Achromat vor einem Zoom-Objektiv hat noch einen technischen Vorteil. Man kann die Brennweite variieren und so zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Auch Weitwinkel-Nahaufnahmen sind damit möglich, sofern die Nahvorsatzlinse groß genug ist und keine Vignettierung verursacht.

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Panasonic Lumix DMC-G2  |  Panasonic Lumix G Vario 14-42mm  |   Achromat +8 dpt.
Weitwinkelaufnahmen zeigen den Pilz in seiner direkten Umgebung.

Besonders im Wald sollte man auf Lichteinfälle achten. Sie können so günstig liegen, dass der anvisierte Pilz im Spotlicht liegt und dadurch hervorgehoben wird. Andersherum sollte man solche Lichter auch im Hintergrund immer im Auge behalten. Sie können allzu dominante helle Flecken im Bokeh erzeugen, die später im Bild störend wirken könnten. Aber als Fotograf sollte man nie verzagen, denn auch solche auf dem ersten Blick störende Lichter im Hintergrund können wiederum kreativ genutzt werden.

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Panasonic Lumix DMC-G2  |  Olympus  Zuiko Digital ED 2/50mm Macro
Zu helles Licht im Hintergrund kann dazu führen, dass ein Motiv nicht gänzlich zur Wirkung kommt. Hier finde ich aber die s.g. Verzögerung (der Punkt des Interesses wird erst auf dem Zweiten Blick wahrgenommen) interessant. Mein Motiv ist eigentlich die kleine Schnecke. ;o)

Mit einem aufgeblendeten, lichtstarken Makroobjektiv ergeben sich in der richtigen Perspektive “Heiligenscheine” oder “Blasen”, die das Motiv einrahmen können und damit eine romantische Stimmung erzeugen.

So ein Makroobjektiv ist in Sachen Abbildungsleistung natürlich über den Nahvorsatzlinsen angesiedelt. Aber es hat eben auch seinen Preis. Wie schon weiter oben erwähnt, ist das Fokussieren hiermit viel komfortabler, da man die Kamera nicht so nah an das Motiv bringen muss. Die Länge des Scharfstellbereichs ist mitunter enorm. Hat man den Autofokus aktiviert, wird man merken, dass so ein Objektiv recht lange benötigt, um eine Schärfeebene einzustellen. Oft ist es dann auch noch eine, die der Fotograf nicht beabsichtigt hat. Woher soll das Objektiv das auch wissen? Hier schlägt die Stunde der manuellen Scharfstellung. Dabei ist dann bei DSLM- oder im Live-View-Modus auch bei DSLR-Kameras eine vorhandene Lupenfunktion eine prima Sache. Wer die Anschaffung eines Makroobjektivs scheut oder sich noch nicht sicher ist, kann natürlich auf die zuvor erwähnten Nahlinsen zurückgreifen.

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Panasonic Lumix DMC-G2  |  Olympus Zuiko Digital ED 2/50mm Macro
Unschärfeplättchen im Hintergrund. Hier bilden sie mit der kleinen Gruppe der runden Pilzköpfe einen Mengenkontrast.

Oft ist besonders im Wald wenig Licht vorhanden. Man kann es aber auch mitbringen. Reflektoren, Taschenlampen, Blitzgeräte oder Objektivringlichter – alles was Licht macht, lenkt, formt oder färbt kann hier zum Einsatz kommen. Stellt sich nur die Frage, womit man sich bepacken möchte?

Spannend sind hier Lichtsituationen, die das Motiv aus seiner Umgebung freistellen. Sei es durch Hell- Dunkelkontrast oder Farbkontrast. Eine orange Folie vor dem Blitzlicht mit entsprechendem Weißabgleich lässt das Motiv warm und natürlich vor einem kühlen Hintergrund erscheinen. Hier lohnt es sich zu experimentieren.

Starkes künstliches Gegenlicht, zum Beispiel durch ein entfesseltes Blitzgerät, kann den Pilz auch durchscheinen und damit Details sichtbar machen, die sonst im Verborgenen liegen. In solchen Lichtspielen habe ich sehr wenig Erfahrung und demzufolge auch keine schönen Bildbeispiele. Bei meiner Recherche bin ich auf die Website von Bernd Rügemer gestoßen. Er zeigt in seiner Sparte Zauberwelten, wie sich der Einsatz von Kunstlicht bei der Pilzfotografie lohnen kann. www.pilz-fotografie.de

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Panasonic Lumix DMC-G2  |  Olympus Zuiko Digital ED 2/50mm Macro
Gar nicht so leicht einen Pilz im Gras durch gezielte Schärfe freizustellen. Ausdauer und Geduld, sowie häufiges Experimentieren zahlt sich aus.

Anders als im Wald ist auf offenen Wiesen und in Moorgebieten viel Licht vorhanden. Dafür ducken sich die Pilze oft in hohen Gräsern. Mit einer kleinen Bastelschere kann man störende Grashalme, die den Blick auf das Motiv versperren etwas zurück stutzen. Aber Vorsicht! Sie sollten im Naturschutzgebiet nicht Rasenmähen und wenn Sie zu viel wegschneiden, wirkt das Ergebnis auch schnell unnatürlich.

Mit einem weichen Pinsel kann man störende Dinge von Pilzen und darum entfernen. Allerdings sollte man sich von der Oberflächenbeschaffenheit der Pilze überzeugen, bevor man den Pinsel benutzt. Manche sind klebrig feucht und die schönen weißen Flecken von Fliegenpilzen lassen sich auch recht fix abbürsten.

Bei bewölktem Wetter ist das Licht schön gestreut und Farben kommen differenziert zur Geltung. An sonnigen Tagen kann es zu hart sein. Kleine Faltreflektoren streuen das Licht. Gute Ergebnisse bringen auch zerknüllte Klarsichtfolien, die auf einem Papprahmen gespannt über das Motiv gehalten werden und damit das einfallende Licht streuen. Ein kleines Stück zerknitterte Klarsichtfolie mit einem Gummiband über die Frontlinse des Objektivs befestigt, kann gleich noch für eine romantisch weiche Stimmung sorgen.

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Panasonic Lumix DMC-G2  |  Olympus Zuiko Digital ED 2/50mm Macro
Eine zerknitterte und anschließend straff über die Frontlinse gezogene Klarsichtfolie bringt hier die weiche Unschärfe bei weit geöffneter Blende.

Hinsichtlich der vielen möglichen Perspektiven kann man mit unterschiedlichen Entfernungen zum Motiv experimentieren. Mit einem Tele-Objektiv bei einer flachen Perspektive (Froschperspektive) kann man Vorder- und Hintergrund verschwimmen lassen und einen Pilz oder eine Pilzgruppe verdichtet in seiner Umgebung abbilden.

Findet man Pilze in einer unmittelbaren Umgebung, die den Charakter der Landschaft repräsentiert, lohnt sich in jedem Fall eine Weitwinkelaufnahme von einem tiefen Kamerastandort. In einer Gesamtserie kann man so den Lebensraum dieser seltsamen Wesen zur Sprache bringen.

Spannend sind auch Draufsichten (Vogelperspektive). Sie bringen die Form der Pilzköpfe zur Geltung, besonders in einer Gruppe. Oder lassen ganz andere Spielereien zu, wie im folgenden Bildbeispiel. 🙂

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Panasonic Lumix DMC-G2  |  Olympus Zuiko Digital ED 2/50mm Macro
Einfach mal spielen …

Und wer glaubt, dass der gemeine Hobbyfotograf nach dem Sammeln mit der Kamera bereits fertig ist, der irrt sich. Auch mit den gemachten Roh-Aufnahmen der Pilze lassen sich in der heimischen Digitalküche wahre Delikatessen kochen. Wobei besonders hier wieder die giftigen Exemplare keine Gefahr darstellen.

Digitale Verfremdungsfilter lassen Fotoaufnahmen wie Gemälde wirken. Der Orton-Effekt macht ein sanftes Glühen bei romantischer Weichheit. Hierfür kann man schon bei der Aufnahme ein Foto scharf und ein weiteres unscharf anfertigen. Auf diese Weise steht dann mehr die handwerkliche Herauforderung und die geplante Absicht im Vordergrund.

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Panasonic Lumix DMC-G2  |  Panasonic Lumix G Vario 45-200mm
Ein Malfilter mit Kantenbetonung lässt den Kartoffelbovist wie auf ein mit Öl gemaltes Bild erscheinen.

Als Fotomotiv mag der eine oder andere Pilze langweilig finden. Dennoch bieten Sie ein enormes Spektrum an Möglichkeiten für das Hobby. Andere wiederum können vielleicht ihre Pilzleidenschaft mit diesen Tipps etwas aufpeppen. Und wieder andere könnten erst jetzt so richtig auf den Geschmack kommen. Fungierte – äh – fundierte Informationen rund um Pilze gibt es unter anderem auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. www.dgfm-ev.de

Natürlich sind Ihren Ideen und Ihrer Kreativität keine Grenzen gesetzt. Gehen Sie einfach mal los und arbeiten daran …

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Ricoh RX200/VF
Ruhig mal ungewöhnliche Arbeiten verrichten …

Text und alle Fotos © Kai Kinghorst

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