Sony A7S II – Erster Test

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Die Serie der Sony  A7-Kameras mit Vollformatsensor besteht aus mittlerweile sechs  Modellen – dreien aus der ersten und dreien aus der zweiten Generation. Wie es heute hieß, wird auch die erste Generation weiter angeboten, so dass es für jeden Anspruch die passende A7-Variante gibt. Es ist aber anzumerken, dass die neuen Modelle A7R II (Erster Test hier, mehr Praxisbilder hier) und A7S II mit Preisen von 3400 € und  darüber wohl oft zu den Ansprüchen, nicht aber zu Budget des interessierten Fotografen passen.

Die zweite Generation umfasst die A7 II mit 24 MPix und max. ISO 25.600, die A7R II mit 42 MPix und max. ISO 102.400 (im erweiterten Modus)  und die brandneue Sony A7S II mit 12 MPix und max. ISO 409.600. Und diese A7S II konnte ich heute einem ersten Praxistest unterziehen. Hier finden Sie den Bericht und eine komplette ISO-Reihe, erste Praxisbilder folgen im Laufe des 15. Oktober.

Dafür hatte Sony im Zuge einer europäischen Pressekonferenz (bei der als Überraschung die Sony RX1R II aus dem Hut gezaubert wurde) vier große Aufnahmesets und zwei Tabletopmotive aufgebaut, die eines gemeinsam hatten: Sie waren nicht sehr hell und die hohen ISO-Werte waren immer wieder gefragt. Wohlgemerkt: Die hohen ISO-Werte, nicht unbedingt der Höchstwert. Es ist gar nicht so einfach, Motive und Situationen zu finden, bei denen sich ISO 409.600 sinnvoll nutzen lassen.

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ISO 409.600 ist natürlich kein Alleinstellungsmerkmal der A7S II. Auch die Nikon D4S und die Sony A7S bieten diese extrem hohe Empfindlichkeit. Wie bei diesen beiden Kameras gilt auch bei der A7S II: Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, dass man bei so gut wie keinem Licht aus der freien Hand Bilder machen kann. Aber man wird diese Möglichkeit nur nutzen, wenn es nicht anders geht, denn bei ISO 409.600 rauscht es heftig – ohne die Bilder ganz unbrauchbar zu machen. Je nach Medium in dem sie veröffentlicht werden sollen und je nach Ausgabegröße lässt sich mit diesen Bildern durchaus etwas anfangen. Das gilt noch mehr für die beiden nächst niedrigeren ISO-Werte. Aber, und auch das kennen wir von der Nikon D4S und von der A7S, wirklich interessant sind nicht die Höchstwerte, sondern die Empfindlichkeiten zwischen 6.400 und 51.200, denn hier ist Rauschen je nach Motiv und Situation nicht bis nur gering vorhanden!

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Eine erste ISO-Reihe finden Sie unten, die Standard-ISO-Reihe aus dem Studio reichen wir nach, sobald eine Kamera in der Redaktion war. Außerdem zeigen wir in einem weiteren Beitrag Praxisbilder, die mit unterschiedlichen ISO-Werten teils vom Stativ, teils aus der freien Hand aufgenommen wurden, damit Sie sich selbst ein Urteil bilden können.

Nachdem das geklärt ist, noch ein Blick auf einige andere Features der A7S II, die nicht minder wichtig sind, aber nicht so ins Auge stechen, wie die große Zahl „409.600“.

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Der Sensor der A7S II hat eine Auflösung von 12 MPix, die größten Bilder sind 4240 x  2832 Pixel groß (Seitenverhältnis 3:2 – andere stehen zur Wahl). Neben den 42 MPix der A7R II wirken die 12 MPix der A7S II auf den ersten Blick mickrig – sind sie aber nicht. Man muss eben wissen, was man mit der Kamera machen möchte und dann das passende Modell wählen.

Beim ersten Praxistest kamen das Zeiss FE Sonnar 35 mm f2.8 T* ZA, das Zeiss FE Sonnar 55 mm f1.8 T* ZA, das Sony FE 70-200 f4 G OSS, das Sony FE 90 mm f2,8 Macro G OSS sowie die Zeiss Batis-Objektive mit 25 mm und 85 mm Brennweite zum Einsatz, und mit allen Objektiven spielte der Sensor hervorragend zusammen.

Für die Schärfe der meisten Bilder zeichnet der Autofokus der A7S II mit verantwortlich. Er setzt auf Kontrastdetektion. Es stehen 25 AF-Segmente zur Wahl, von denen die mittleren 9 in jeweils 16 Messpunkte unterteil sind, sodass die Schärfe in insgesamt 169 Punkten gesucht und gefunden werden kann. Das geht sehr schnell. Auch manuelles Fokussieren war kein Problem.

 

Bei den heutigen ersten Aufnahmen war es hilfreich, dass die automatische Scharfstellung auch bei sehr wenig Licht funktioniert. In den technischen Daten heißt es, dass der AF ab EV -4 arbeitet. Für fast alle Aufnahmen wurde der Fokus-Punkt manuell festgelegt. In den wenigen Situationen, wo die Messfeldautomatik aktiv war, arbeitete sie sehr gut.

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Ein anderer Faktor, die die Bildqualität mitbestimmt, ist der 5-Achsen-Bildsstabilisator. Er gleicht senkrechte und waagrechte Bewegungen sowie Schwenkbewegungen und die vertikale, horizontale und optische Achse aus. Da es dieses Mal in erster Linie um die hohen Empfindlichkeiten ging, die trotz wenig Licht zu kurzen Verschlusszeiten führten, war der Stabilisator nicht gefordert. Allerdings konnte er schon bei der A7 II und der A7R II überzeugen, und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es bei A7S II anders sein wird, wenn sie in der Redaktion dem großen Praxistest unterzogen wird.

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Um die Qualität von Sensor und Objektiv optimal zu nutzen, wird man auch der A7S II das RAW-Format nutzen. Natürlich können RAWs und JPEGs parallel gespeichert werden (und die bei den Praxisbildern unten handelt es sich um unbearbeitete JPEGs, die einen ersten direkten Blick auf die Leistung der A7S II erlauben). Die A7S II liefert wahlweise komprimierte und unkomprimierte RAWs mit 14 Bit Farbtiefe. Damit reagierte Sony auf der Kritik, die im Zusammenhang mit der A7R II und ihren ausschließlich komprimierten RAW-Dateien laut geworden war. Es kam sehr selten (aber ab und zu eben doch) vor, dass bei Belichtungskorrekturen während der RAW-Entwicklung Artefakte an Kanten mit hohem Kontrast entstanden. Das sollte bei der A7S II nicht mehr vorkommen. Für die A7R II ist in Kürze ein entsprechendes Firmware-Update geplant.

Weiteres

Wie bei der A7R II weist nur ein unscheinbares Typenschild oben links auf der Rückwand darauf hin, dass es sich um die Version II handelt. Auch der gegenüber der ersten Generation ausgeprägtere Handgriff ist nicht neu, aber sehr angenehm.

Dass der sehr große Sucher der A7R II mit einer Vergrößerung von 0,78x auch hier zum Einsatz kommt, macht Aufnahmen der A7S II zu einem Vergnügen. Der interne Monitor bedient sich der OLED-Technik und weist die XGA-Auflösung von 1024 x 768 x 3 RGB-Dots (2.359.296 RGB-Dots) auf.

Als Zweitsucher und Einstellzentrale gibt es den wie gewohnt nur schwenk- und nicht zusätzlich drehbaren Monitor mit 1.228.800 Mio. Dots und einer Diagonalen von 3 Zoll.

Die fotografische Ausstattung in Sachen Belichtungsmessung und –steuerung und Weißabgleich ist komplett, wie heute von einer Top-Kamera aber auch erwartet werden darf. Aufnahmeserien sind mit bis 5 B/Sek. möglich und es kann im Silent-Modus geräuschlos fotografiert werden.

In Sachen Konnektivität bietet die A7S II ihrem Besitzer WiFi- und NFC-Module.

Für Filmer ist u. a. interessant, dass neben Full HD auch 4K und das Super 35 Format zur Verfügung stehen, dass Full HD-Aufzeichnungen mit 120 fps für 4x/5x Zeitlupe möglich sind und dass der Dynamik-Bereich beim Filmen auf 14 Blendenstufen erweitert wurde (in der S-Log3 Gamma-Einstellung), um weichere Tonwertübergänge zu erreichen.

Dazu kommen bereits bekannte Ausstattungsmerkmale wie das verriegelte Modus-Wählrad, wie die Möglichkeit, die zahlreichen, aber nicht unübersichtlichen Einstelltasten umzubelegen, wie die umfassende Feinabstimmung für den Weißabgleich, wie die Stromversorgung über den USB-Anschluss bei langen Aufnahmeserien

Da es sich praktisch um das Gehäuse der A7R II handelt, wundert es nicht, das die Abmessungen mit 126,9 x 95,7 x 60,3 mm (B x H x T) gleich sind. Das Gewicht des Gehäuses, das aus einer Magnesium-Legierung besteht und gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet ist, wird mit 627 g (mit Akku und Memory Stick PRO Duo) angegeben – aber es einige Objektive, die dieses Grundgewicht sehr deutlich in die Höhe schrauben (und den Preis auch).

Alles in allem

Die neue Sony A7S II ist eine Top-Kamera für Anwender, die die Hauptmerkmale – höchste Empfindlichkeiten mit sehr gutem Rauschverhalten, 12 Megapixel Vollformatsensor – für ihre Arbeit genau so brauchen. Wer auf höchste Auflösung Wert legt, liegt bei der Sony A7R II richtig. Aber alle, die auf die Extremwerte verzichten können, aber eine leichte, zierliche Vollformatkamera mit hervorragender Leistung im Sony-System suchen, sind bei der  Sony A7 II am besten aufgehoben – und da kostet das Gehäuse zur Zeit (also Oktober 2015) um die 1600 €.

 

Text und alle Bilder (c) Herbert Kaspar

Verfügbarkeit

ab November 2015

Preis (UVP)

3400,- € (Gehäuse)

ISO-Reihe

Hinweis: Ein Klick auf ein  Beispielsbild bringt es in der vollen Größe von 4240 x 2384 Pixeln auf Ihren Monitor. Diese Bilder wurden im Format 16:9 aufgenommen! Beachten Sie bitte, dass die Bildqualität, besonders die Farbwiedergabe, auch von den Einstellungen Ihres Monitors abhängt!

Bis ISO 25.600 wurden die Aufnahmen mit Blende 8 gemacht, ab ISO 51.200 mit Blende 16, da der Verschlusszeitenbereich sonst nicht gereicht hätte!

Bei allen Bildern handelt es sich um unbearbeitete JPEGs!

 

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ISO 50

 

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ISO 100
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ISO 200
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ISO 400
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ISO 800
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ISO 1600
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ISO 3200
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ISO 6400
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ISO 12800
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ISO 25600
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ISO 51200
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ISO 102400
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ISO 204800
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ISO 409600

 

Alle Bilder der ISO-Reihe (c) Herbert Kaspar

 

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