Sony A7R II – 1. Test

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Sony A7R III


Nachdem wir Ihnen hier schon eine ISO-Reihe, aufgenommen mit der neuen Sony A7R II, vorgestellt haben, schauen wir uns nun die Kamera und ihre Ausstattung im Ganzen etwas näher an. Ein ausführlicher Praxistest wird folgen, sobald eine Kamera ein paar Tage in der Redaktion war.

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Bild: Sony

Sollten Sie in die Verlegenheit kommen – oder die Gelegenheit bekommen – eine Sony A7R II von einer anderen A7 auf die Schnelle unterscheiden zu müssen, so ist das einfacher, als bei den anderen, die sich sehr ähnlich sehen.

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Die A7R II ist nicht nur die einzige mit zwei „C“-Knöpfen hinter dem Auslöser, sondern hat auch einen tieferen Handgriff. Dagegen sagt das Typenschild rechts oben auf der Vorderseite in schönem Understatement nur „7R“.

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Auf der Rückwand gibt es dann schon ein kleines Schildchen, um Zweifler zu überzeugen …

Weil wir gerade dabei sind: Auf der Kamera steht „a7R“ mit dem griechischen Alpha-Zeichen, das ich gerade jetzt nicht finde. In den Dateinamen der Pressebilder steht „Alpha 7R II“. Auf den Tafeln der Präsentation, mit der die Kamera vorgestellt wurde, stand „A7R II“. Und in den EXIF-Daten ist „ILCE-7RM2“ zu lesen. … Viele Namen für eine Kamera. Aber Sie dürfen mir glauben, dass es in diesem Bericht um nur eine Kamera geht.

Ich hatte allerdings zwei Gehäuse im Einsatz. Bei einem hatte ich das Datum zwar aktualisiert, aber wohl nicht so richtig. Auf dem Monitor hätte ich es sehen können, aber im Eifer eines Kameratests … Und so wird in den EXIF-Daten einiger Praxisbilder der 1.1.2015 als Aufnahmedatum angezeigt. Nein, ich hatte die Kamera nicht schon so früh in Händen.

Nachdem auch das geklärt ist: Was unterscheidet die A7R II von den anderen A7-Modellen? (Die A7, A7 II, A7R und A7S bleiben übrigens im Programm, sodass für die unterschiedlichsten Ansprüche eine passende Variante zur Verfügung steht.)

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90 mm Macro | ISO 100 | 1:4 | 1/160 Sek. | Studioblitz
Haare, Wimpern, die flauschigen Schlaufen im Stirnband – alles scharf im Bild.

Der Unterschied der am meisten wahrgenommen wird, ist natürlich die höchste Auflösung, die eine A7 je hatte: 42 ,4 Mio. Pixel sind auf dem Vollformatsensor untergebracht. Damit liegt sie rund 8 MPix über der Nikon D810 und rund 8 MPix unter der Canon EOS 5DS. Die maximale Bildgröße beträgt 7952 x 5304 Pixel. Bei einer Druckauflösung von 300 ppi reicht das mindestens für eine Ausgabegröße von 674 x 450 mm. Das ist fast auch mit der Olympus OM-D E-M5 Mark II möglich, allerdings nur bei statischen Motiven, da ja der 16-MPix-Sensor der E-M5 verschoben wird, um 64 MPix in den RAW-Dateien zur Verfügung zu haben, aus denen JPEGs mit 40 MPix generiert werden.

Um kurz bei diesem Thema zu bleiben: Die A7R II verfügt über einen beweglich gelagerten Sensor, um die 5-Achsen-Bildstabilisierung zu ermöglichen. Könnte man den nicht auch verschieben, um à la Olympus eine noch höhere Auflösung zu erzielen? Man könnte das vermutlich, wenn man bedenkt, dass der Bildprozessor der A7R II im Serienbildmodus pro Sekunde fünf 40-MPix-Bilder im RAW+JPEG-Modus verarbeiten kann. Aber eine Auflösung von 160 MPix im RAW-Format? Wo doch schon eine RAW-Datei aus der A7R II eine Größe von 43 MByte aufweist. (Große JPEGs liegen zwischen 7 und 14 MByte.) Ausdrucke im Format von rund 120 x 80 cm bei 300 ppi? Die Nachfrage dürfte gering sein.

Aber um diese Idee weiter zu führen: Es ist schade, dass Sony die Beweglichkeit des Sensors nicht doch nutzt, und zwar à la Pentax K-3 II, um für jeden Bildpunkt die volle Farbinformation zu erfassen. 40-MPix-Bilder ohne Farbinterpolation, das wäre schon eher erstrebenswert.

Noch einmal aus Zukunftsträumereien zurück in die reale Gegenwart: Der Sensor der A7R II ist ein „Backlit“ Modell. Das heißt, dass die Pixel mehr Licht einsammeln können, da die „Verdrahtung“ für die Bildübermittlung nun nicht mehr im Weg ist. Das schlägt sich auch im ISO-Bereich nieder, der nun von ISO 50 bis ISO 102.400 geht, wenn man die Erweiterung nutzt, was ich bei meiner ISO-Reihe nicht getan habe.

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90 mm Macro | ISO 100 | 1:4 | 1/160 Sek. | Studioblitz Im Stoff der Leggings ist Moiré zu erkennen.

Der Sensor der A7R II kommt ohne Tiefpassfilter aus und in einem Motiv konnte ich tatsächlich Moiré entdecken. Wie viel das Fehlen des Tiefpassfilters dazu beiträgt, ist nicht festzustellen – aber das Auflösungsvermögen des Sensors ist beeindruckend und brachte mir zusammen mit den drei Testobjektiven viele knackscharfe Bilder.

Aber wir alle wissen, dass der Sensor und die Zahl der Megapixel darauf  nicht alles sind, was eine Kamera ausmacht. Was also hat die A7R II noch an Neuem zu bieten.

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90 mm Macro | ISO 100 | 1:8 | 1/160 Sek. | Studioblitz

Da ist zum einen das neue AF-Modul. Zu 25 Messfeldern für Kontrast-Detektion kommen nur 339 Felder für Phasen-Detektion – bei der A7 und A7 II sind es 25 und 117 Messfelder. Damit, und mit der sehr schnellen Verarbeitung, kann die A7R II auch bei Motiven, die sich schnell bewegen, die Schärfe sehr gut nachführen, auch wenn sie nicht perfekt ist. Es ist verblüffend zu sehen, wie schnell die aktiven Messfelder wechseln, wenn man die automatische AF-Feld-Wahl aktiviert hat – aber dabei kommt es immer wieder zur bekannten Situation, dass nicht genau das in der Schärfe liegt, was man möchte. Aber das ist Meckern auf höchstem Niveau … In allen anderen Situationen lieferte die Schärfenautomatik eine perfekte Leistung ab. Sowohl mit dem 90er Macro, dem 55 mm Zeiss oder dem 70-200 mm stand  die Schärfe praktisch sofort.

In der Praxis ist eine andere Neuerung nicht sofort ersichtlich, aber das Sucherbild ist mit einer Vergrößerung von 0,78x wirklich wirklich groß und kann sogar das beeindruckende Sucherbild der Olympus OM-D E-M1 ein Stückchen hinter sich lassen. Das Sucherbild, das der OLED-Monitor mit seinen 2,35 Mio. Dots liefert, ist top!

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Die Sucheralternative, der Rückwandmonitor, ist mit seiner Diagonale von 3“ und 1,229 Mio. Dots auf dem Niveau wie bei der A7 II. Das ist in Ordnung. Es kann nach oben und unten, aber nicht zur Seite geschwenkt werden.

Die Serienbildfunktion hat sich gegenüber der A7R um 1 B/Sek. auf 5 B/Sek. verbessert und liegt nun auf dem Level, das die anderen drei Modelle schon bieten. Natürlich geht es schneller – aber nicht in diesem MPix-Bereich. (Die Nikon D810 und die Canon EOS 5DS schaffen ebenfalls 5 B/Sek.).

Die normale Serienbildfunktion hat allerdings interne Konkurrenz bekommen. Ähnlich wie  Panasonic bei der Lumix DMC-G70 und Lumix DMC-GX8 nutzt Sony bei der A7R II den 4K-Modus für schnelle Serien. Dabei ist es möglich, solche 4K-Serien mit dem Druck auf den Movie-Auslöser entweder zu starten oder, und das ist deutlich interessanter, zu stoppen. Man wartet, bis das passiert ist, was man im Bild haben möchte, stoppt dann die Serie und sucht das oder die Bilder, die passen.

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Die Daten werden auf eine SD-Karte geschrieben. Um die Möglichkeiten voll ausnutzen zu können, vor allem im 4K-Bereich, muss eine SDXC-Karte verwendet werden. Schade ist, dass die Kamera nur einen Kartenslot aufweist. So ist es weder möglich, sofort auf eine zweite Karte umzuschalten, wenn die erste voll ist, noch kann man die 2. Karte für Sicherheitskopien nutzen.

Wie die A7 II hat auch die A7R II einen 5-Achs-Bildstabilisator im Gehäuse, der gegebenenfalls mit dem Stabilisator in einigen OSS-Objektiven zusammenarbeitet und diesem einen Teil der Arbeit überlässt.

Bei meinen ersten Aufnahmen machte der Stabilisator schon mal einen sehr zuverlässigen Eindruck.  Um wie viele Verschlusszeitenstufen er die Freihandgrenze wirklich verschiebt, muss sich im Praxistest noch zeigen. Fest steht, dass die 40-MPix-Auflösung kürzere Verschlusszeiten für unverwackelte Aufnahmen verlangt, als etwa die A7S mit ihrem 12-MPix-Sensor. In diesem Zusammenhang soll auch der neue mechanische Verschluss eine Rolle spielen, dessen Ablauf speziell gedämpft ist. Ob er wirklich auch leiser ist, als bei den anderen 7ern müsste man im direkten Vergleich „erlauschen“. Was wir bei den ersten Aufnahmen nicht ergründen konnten und auch im Praxistest nicht ergründen können, ist die Aussage, dass der Verschluss auf 500.000 Auflösungen ausgelegt ist. 1/2 Million – das sind schon wirklich sehr viele Bilder.

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70-200 mm @ 200 mm | ISO 100 | 1:4 | 1/640 Sek.
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70-200 mm @ 177mm | ISO 1600 | 1:4 | 1/2000 Sek. Kleine Detailstudio zwischen zwei Actionserien. Daher der hohe ISO-Wert.

Belichtungsmessung und –steuerung, Weißabgleich und Farbwiedergabe – in keinem dieser Bereiche leisteten sich die beiden Testgehäuse Schwächen.

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Das Menü ist Sony-typisch. Wenn man sich eingewöhnt hat, findet man sich sehr gut zurecht.

Eine Auswahl (!) weiterer Details im Schnelldurchlauf, aber auch die konnten in der Kürze der Zeit nicht alle ausprobiert werden:

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  • Verriegeltes Moduswahlrad. Funktioniert natürlich, aber mir gefällt die Variante, die frei gedreht werden kann und nur bei Bedarf verriegelt wird, besser.
  • Individuelle Tastenbelegung (64 Parameter können auf 10 Tasten so verteilt werden, wie es einem gefällt). Nicht ausprobiert, war bei den anderen Modellen aber immer gut und praktisch.
  • Silent Modus. Nicht ausprobiert, im Umfeld eines Box-Studios auch nicht unbedingt nötig.
  • Feinabstimmung des Weißabgleichs mit doppelt so vielen Abstufungen. Nicht ausprobiert. Die Weißabgleich war aber auch so völlig in Ordnung.
  • Copyright Informationen können schnell in die Bilddaten eingefügt werden. Nicht ausprobiert, ist bei einem Kurztest mit Kameratausch auch nicht wirklich sinnvoll.
  • Intelligente Vergrößerung bei der Bildwiedergabe. Beim Vergrößern wird sofort auf das Bilddetail gezoomt, auf das fokussiert wurde, und man muss das Bild nicht lange rumschieben, um zu sehen, ob scharf ist, was scharf sein soll. Tolle Sache, hätte man früher drauf kommen können.
  • Dauerstrom per USB. Nicht ausprobiert, aber im Studio oder bei langen Sessions draußen (mit Power-Bank) auf jeden Fall eine gute Sache.
  • Videoauflöser kann von der ursprünglichen Taste auf eine andere gelegt werden. Nicht ausprobiert, weil ich mit dem Platz des Videoauslösers keine Probleme habe.
  • Selbstauslöser und Reihenaufnahmen können kombiniert werden. Nicht ausprobiert, dafür gibt es den Praxistest mit mehr Zeit.
  • 4K-Movies unter Verwendung des Vollformatsensors (16:9 Crop auf 36 MPix). Funktioniert, aber leider habe ich aktuell keinen 4K-Monitor bei mir.
  • Super 35-mm-Movie-Funktion mit engerem Bildwinkel und 15 MPix des Sensors als Grundlage für die 8 MPix große 4K-Videobild. Nicht ausprobiert.
  • Movies mit Zeitlupe: Macht wirklich Spaß. (Kann die A7S aber auch.)

Und noch ein paar Eckdaten:

  • 126,9 mm breit, 95,7 mm hoch, 60,3 mm tief, 625 g schwer.
  • Verstärktes Chassis aus Magnesium.
  • Schutz gegen Staub und Feuchtigkeit.
  • Robustes Bajonett. (Wird eigens angesprochen, vermutlich, weil es Probleme mit dem Bajonett der A7 und schweren Objektiven gegeben haben soll.)
  • WLAN und NFC an Bord.

Alles in allem

Die Sony A7R II ist auf den ersten Blick eine Top-Kamera, und ich glaube nicht, dass sich auf den zweiten Blick etwas daran ändern wird. Aktuell ist diese Kamera ein starker Anwärter auf unser Testlogo „Hervorragend plus“.

Wenn der „Haben-will-Reflex“ kommt, muss man aber immer im Auge behalten, dass es sich um eine Kamera für Fotografen handelt, die wirklich die hohe Auflösung brauchen. Man kann natürlich 3.499,- € (das ist die unverbindliche Preisempfehlung) auch ausgeben, um mit 40 MPix ein bisschen zu spielen. Spaß macht es allemal.

Aus meiner Sicht ist die A7 II die Kamera aus der Familie, die allen Aufsteigern ins spiegellose Vollformat wärmstens empfohlen werden kann. Wer weniger ausgeben möchte und ohne 5-Achsen-Stabilisator im Gehäuse auskommen kann, sollte die A7 anschauen, für die momentan ein UVP von 1.299, € gilt. Die anderen drei Modelle sind dann eher Spezialisten für sehr hohe Auflösung bzw. sehr hohe Empfindlichkeiten.

 

Text und alle Bilder (sofern nicht anders angegeben) (c) Herbert Kaspar

 

Verfügbarkeit

Die A7R II ist verfügbar.

Preis (UVP)

3.499,- € (für das Gehäuse)

 

Praxisbilder (volle Auflösung)

Praxisbilder

Hinweis: Ein Klick auf ein  Beispielsbild bringt es in der vollen Größe von 7952 x 5304 Pixeln auf Ihren Monitor . Beachten Sie bitte, dass die Bildqualität, besonders die Farbwiedergabe, auch von den Einstellungen Ihres Monitors abhängt!

Bei allen Bildern handelt es sich um unbearbeitete JPEGs!

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90 mm Macro | ISO 800 | 1:2,8 | 1/1000 Sek.
Mit Blende 2,8 und einem Vollformatsensor lässt sich eine sehr schmale Schärfenzone erzielen.
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90 mm Macro | ISO 800 | 1:2,8 | 1/400 Sek.
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70-200 mm @ 200 mm | ISO 1600 | 1:4,5 | 1/400 Sek.
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70-200 mm @ 200 mm | ISO 1600 | 1:4 | 1/500 Sek.
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70-200 mm @ 70 mm | ISO 3200 | 1:4 | 1/1000 Sek.
Für die schnellen Bewegungen beim Boxen ist die 1/1000 schon zu lang.
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70-200 mm @ 93 mm | ISO 100 | 1:4 | 1/640 Sek.
Es heißt „Boxtempel“ und nicht „Box-Tempel“, wie es zunächst in der ISO-Reihe stand. Trotz des hervorragenden 100-%-Suchers ein bisschen aus der Mitte … 🙁
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70-200 mm @ 70 mm | ISO 100 | 1:4 | 1/1000 Sek.
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70-200 mm @ 70 mm | ISO 100 | 1:5,6 | 1/80 Sek. | -0,7 EV
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70-200 mm @ 189 mm | ISO 100 | 1:5,6 | 1/640 Sek. | -0,7 EV
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70-200 mm @ 189 mm | ISO 100 | 1:4 | 1/320 Sek.

Praxisbilder (verkleinert)

Hinweis: Bei einem Klick auf eines der Bilder öffnet es sich in der Größe von 3000 x 2000 Pixeln.

Die JPEGs der Serie wurden verkleinert, um ein bisschen Platz zu sparen. Ansonsten wurden sie nicht bearbeitet.

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70-200 mm @ 102 mm | ISO 1600 | 1:5 | 1/400 Sek.
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70-200 mm @ 102 mm | ISO 1600 | 1:5 | 1/400 Sek.
sony_a7r2_serie3
70-200 mm @ 102 mm | ISO 1600 | 1:5 | 1/400 Sek.
sony_a7r2_serie4
70-200 mm @ 102 mm | ISO 1600 | 1:5,6 | 1/400 Sek.
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70-200 mm @ 102 mm | ISO 1600 | 1:5,6 | 1/400 Sek.

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