Die Olympus OM-D E-M5 Mark II (es beruhigt, dass der Name bei späteren Modellen nicht noch länger werden wird, man muss sich nur irgendwann an die höheren römischen Zahlen erinnern) wurde als Neuheit hier auf www.d-pixx.de schon vorgestellt. Seitdem konnte sie einige Stunden lang ausprobiert werden. Das reicht noch nicht für einen ausführlichen Praxistest, aber ich kann nun doch schon das ein oder andere über die neueste spiegellose Systemkamera von Olympus sagen.

Das Gehäuse mit seinem Kern aus Magnesiumlegierung, ergänzt durch festen Kunststoff und mit einem Material bezogen, das sich sehr angenehm anfasst, liegt gut in der Hand, aber nicht so gut, wie die E-M1 mit ihrem ausgeprägten Handgriff. Das ändert sich, wenn man den Griff HLD-8 ansetzt.

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Wie beim Kameragehäuse lässt das Design des HLD-8 Erinnerungen an die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts aufkommen. Der Griff ist mit einem eigenen Auslöser und einem Einstellrad versehen. Noch besser wird die Sache, wenn man an den Griff das passende Akku-Fach ansetzt. Es ist nämlich als zweites Griffstück ausgeformt und weist ein zweites Einstellrad und zwei Einstellknöpfe auf, so dass sich die E-M5 II bei Hochformataufnahmen ebenso gut bedienen lässt, wie im Querformat.

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Es gibt noch einen zweiten Griff für die E-M5 II, der zwar ohne eigene Einstellelemente auskommt, dafür aber eine andere Besonderheit aufweist. Der ECG-2 ist als Winkel geformt und bietet zwei Schienen, mit denen die Kamera horizontal und vertikal an Stativköpfen mit Arca-Swiss-kompatiblem Anschluss befestigt werden kann. Besonders clever: Der Griff hat Aussparungen, die den Zugang zum Akkufach im Boden der Kamera und zu den Anschlüssen an der linken Schmalseite erlauben.

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Weil die Anschlüsse gerade erwähnt wurden: Sie sitzen hinter einer jener Gummiklappen, die ich nicht so gerne mag, die aber ihren Zweck erfüllen und ins Konzept der mit zahlreichen Dichtungen gegen Staub und Spritzwasser geschützten Kamera passt. Bei den Anschlüssen handelt es sich um eine Mikrofonbuchse und je einen HDMI- und USB-Port. Letzterer wird auch für den Anschluss einer Fernbedienung gebraucht und die wiederum ist wichtig, wenn man 40-MPix-Bilder aufnehmen möchte, wie sie hier zu sehen sind.

Nicht hinter der Klappe, sondern an der Vorderseite findet man bei E-M5 II eine Buchse, an die man einen Studioblitz anschließen kann. Sehr lobenswert!

Und weil eben Staub- und Spritzwasserschutz erwähnt wurden: Während der Präsentation wurde eine OM-D E-M5 Mark II mit einer ganzen Flasche Wasser übergossen, was beeindruckend aussah, aber sie wurde danach nicht zum Fotografieren genutzt. Wir werden das also bei Praxistest noch mal probieren müssen. Ich bin aber überzeugt, dass die E-M5 II den Test mit Bravour besteht, dann frühere Modelle konnten das ja auch schon!

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Es war recht kalt, was durch das blaue Leuchten des Fensters im alten Wasserwerk in Prag unterstrichen wird.
12-40 mm @ 22 mm | ISO 640 | 1:2,8 | 1/200 Sek. | -0,7 EV

 

Laut technischen Daten ist die Kamera auch kältefest bis -10 °C. Wie kalt es in den Gängen unter dem alten Wasserwerk in Prag war, weiß ich nicht, aber es war schon sehr frisch, und draußen erst recht. Ich gehe also davon aus, dass die -10 °C nicht übertrieben sind.

Beim parallelen Fotografieren mit einer E-M5 der ersten und einer der zweiten Generation fiel es sehr positiv auf, dass der Sucher der Neuen mit einer Vergrößerung von 0,74x [@KB] dem der E-M1 entspricht und damit sichtbar größer geworden ist. Die Auflösung von 2,36 Mio. Dots entspricht ebenfalls dem Sucher der E-M1 und bringt ein sehr schön scharfes Bild, obwohl in dieser Hinsicht schon am Sucher der ersten E-M5 nichts zu mäkeln war. Aber es geht eben immer noch ein bisschen besser.

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Das gilt auch für den Rückwandmonitor. Auch er entspricht dem der E-M1. Es handelt sich also um ein 3“ Touchscreen-Modell mit einer Auflösung von 1,04 Mio. Dots  gegenüber 0,61 Mio. Dots bei der ersten 5er Version. Er kann zur Seite geschwenkt und dann um die Längsachse gedreht werden, während die E-M5 nur einen Klapp-Mechanismus für den Monitor bietet, der aber allemal besser ist, als der starrer Monitor manch anderer, ansonsten sehr guten Kamera.

Sowohl der EVF wie auch der Rückwandmonitor zeigen, wenn man sie als Sucher nutzt,  klassentypisch zahlreiche Hilfsmittel zusätzlich zum Motiv und den üblichen Grundinformationen. Gitterlinien und Wasserwaage helfen bei der Ausrichtung der Kamera, das Histogramm bei der Wahl von Zeit, Blende oder Korrekturfaktoren. Dazu kommt natürlich, dass Änderungen an Einstellungen, wie etwa am Weißabgleich, direkt sichtbar werden.

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Auch das Olympus-typische Hauptmenü mit seinen gefühlt Hunderten von Einstellmöglichkeiten und das typische Schnellzugriffsmenü werden auf beiden Monitoren klar und deutlich lesbar angezeigt. Da der Rückwandmonitor berührungssensitiv ist, kann man sehr schnell Ein- und Umstellungen vornehmen.

Aber es stehen auch „echte Einstellelemente“ zur Wahl, darunter vier Fn-Tasten, eine Vierrichungswippe und zwei Einstellräder. Auch hier hat die E-M5 II etwas Schönes von der E-M1 übernommen. Mit einem Schalter (oben rechts vom Sucher) kann man zwischen zwei „Einstellebenen“ der Räder wechseln. In der ersten Ebene verstellt man abhängig von der gewählten Betriebsart Verschlusszeit und Blende oder anstelle eines dieser Werte den Korrekturfaktor. In der zweiten Ebene kann man ISO-Wert und Weißabgleich verändern,

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Für die Betriebsartenwahl steht ein großes Rad auf der linken Gehäuseschulter zur Verfügung.

Zum einen findet man hier die klassischen Einstellungen Programm-, Zeit- und Blendenautomatik und manuellen Abgleich. Wer und Zeit und Blende vorwählt, kann das entsprechende Paar auch bei wechselnden Lichtverhältnissen beibehalten – die Belichtung wird dann von der ISO-Automatik gesteuert. Der Empfindlichkeitsbereich geht von LOW (ca. ISO100) bis 25.600 und kann für den Automatikbetrieb begrenzt werden. Das ist sinnvoll, denn jenseits von ISO 1.600 / ISO 3.200 (das kommt auch auf die Situation an) tritt Rauschen auf, erst sehr dezent und oft kaum wahrnehmbar, dann kräftiger werdend.

Zum anderen können sich Einsteiger auf die intelligente Automatik verlassen, dazu gibt es Motivgramme (die man über der SCN-Einstellung auf dem Wählrad erreicht).

Verspielte Naturen finden die gewohnten ART-Filter, und hinter einem Symbol, das sich nicht sofort erschließt, steckt die Möglichkeit, Bilder zu überlagern. Dafür stehen Layouts zur Wahl, deren Felder man mit unterschiedlichen Motiven oder unterschiedlichen Ausschnitten ein und desselben Motiv füllen kann. Mehrfachbelichtungen, bei denen Bilder übereinander gesetzt werden, sind ebenfalls möglich.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Lichtmaler arbeiteten mit speziell entwickelten Werkzeugen und bewundernswerter Präzision im dunklen Raum, während die EM-5 II die Lichtspuren addierte.
12-40 mm @ 12 mm | ISO 100 | 1:6,3 | 6x 5 Sek.

 

Dazu gesellen sich die Einstellungen Live-Time, wie schon bei E-M5, und die noch ausgefallenere Live-Composite-Technik. Nachdem man eine Grundbelichtungszeit eingestellt und die Kamera kalibriert hat, wird die vorgewählte Zeit immer und immer wieder abgerufen, bis man die Aufnahme beendet. Bei jeder Belichtungsphase werden neu dazu kommende helle Motivteile zum Bild addiert, während die dunklen dunkel bleiben. Das entstehende Bild wird ständig angezeigt! Dadurch können „Lichtspiele“ in einer Art und Weise eingefangen werden, wie bei keiner anderen Kamera.

Für Aufnahmen dieser Art ist ein Stativ natürlich zwingend notwendig, ebenso für die 40 MPix-Bilder, über die, wie gesagt, bereits berichtet wurde. Hier ist auch der Bildstabilisator der OM-D EM-5 Mark II überfordert.

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Aber das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der 5-Achs-Stabilisator in allen anderen Situationen wirklich sehr gut arbeitet. Er ist nicht nur beim Fotografieren, sondern auch beim Filmen sehr effizient und macht ruhige Aufnahmen aus freier Hand möglich, während man sich mit der Kamera bewegt. Aber das ist eine andere Geschichte.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Die Fensterreihe wurde mit 80 mm [@KB] aus freier Hand aufgenommen. Als normale Freihandgrenze kann 1/80 Sek. angenommen werden. Belichtet wurde aber 1/8 Sek. lang. Der Stabilisator glich also rund 3 1/3 EV problemlos aus.
12-40 mm @ 40 mm | ISO 100 | 1:7,1 | 1/8 Sek.

Allerdings hatte ich beim ersten Kennenlernen der OM-D E-M5 Mark II nur Brennweiten bis 90 mm im Freihandbetrieb im Einsatz – wo die Grenzen des Stabilisators liegen, werden wir im Praxistest, der hoffentlich bald durchgeführt werden kann, mit längeren Brennweiten erkunden.

Dann werden wir auch feststellen, was man den kürzesten Verschlusszeiten von 1/8000 Sek. (mechanischer Verschluss) und 1/16.000 Sek. (elektronischer Verschluss) anfangen kann, wie gut der mitgelieferte kleine Blitz ist (die E-M5 II hat keinen eingebauten), was man mit 40 MPix in der Architektur- und Makro-Fotografie anfangen kann und wie gut der Autofokus im Alltag ist.

Was es mit den 64 MPix Auflösung im RAW-Format auf sich hat, kann hoffentlich schon vorher geklärt werden, im Moment muckert mein normalerweise nicht langsamer Rechner beim Entwickeln und Speichern der 9216 x 6912 Pixel großen ORF-Dateien.

Alles im allem ist die neue Olympus OM-D E-M5 Mark II eine bewerkenswerte Kamera, die eine bemerkenswerte Position im Olympus-System einnimmt. Sie ist nämlich in etlichen Belangen dem Top-Modell OM-D E-M1 ebenbürtig, in etlichen sogar überlegen, trägt aber die Bezeichnung des Mittelklassemodells. Von der Leistung her, die im großen Praxistest noch einmal überprüft werden wird, stünde ihr der Name OM-D E-M3 sicher auch sehr gut! (Aber wer weiß, was die Olympus-Ingenieure noch so alles in Petto haben …)

 

PRAXISBILDER

Ein Klick auf die Praxisbilder (auch die im Text) zeigt das Bild in voller Größe.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

45 mm | ISO 800 | 1:1,8 | 1/40 Sek. | Weißabgleich “Warme Farbe behalten”

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

12-40 mm @ 40 mm | ISO 400 | 1:5,6 | 1/15 Sek. | -0,3 EV

 

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

12-40 mm @ 40 mm | ISO 200 | 1:2,8 | 0,4 Sek. | -0,3 EV

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

12-40 mm @ 40 mm | ISO 1600 | 1:2,8 | 1/10 Sek. | Weißabgleich “Warme Farben behalten”

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

12-40 mm @ 30 mm | ISO 200 | 1:8 | 8 Sek.
Gerade gerichtet und auf 3600 x 2700 Pixel beschnitten

 

 

Texte und Praxisbilder (c) Herbert Kaspar

Produktaufnahmen (c) Olympus

 

7 Responses

  1. Pentax Vollformat mit Pixel-Shift? | d-pixx

    […] Wie Photo Rumors heute meldet, wird die zu erwartende Vollformat-Kamera von Pentax (erste Infos gibt es hier) mit Pixel-Shift Technologie ausgestattet sein, die aber anders genutzt wird, als bei der Olympus OM-D E-M5 Mark II, die damit aus einem 16-MPix-Sensor 40 MPix im JPEG-Modus und 64 MPix bei der RAW-Entwicklung herausholt (Hands-on mit Praxisbildern gibt es hier). […]

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