Nacht-Landschaften

Nachdem ich bereits viel Nachtaufnahme-Erfahrungen in der Stadt gesammelt hatte, wollte ich herausfinden, wie Bilder bei noch weniger Licht gelingen können. So nahm ich mir vor Landschaften bei Nacht abzulichten. Ich wollte Bilder machen, in denen die Sterne einen Bewegungskontrast zur statischen Landschaft bilden.

Leuchtfeuer Hohenzollern bei Mondschein</br> Olympus E-520, 42 mm [@KB], ISO 100, 1:9,5, 60 Sek.
Leuchtfeuer Hohenzollern bei Mondschein
Olympus E-520, 42 mm [@KB], ISO 100, 1:9,5, 60 Sek.
Ein Landschaftsmotiv bei Nacht und Gegenlicht verhält sich im Grunde nicht anders als am Tag. Der Vollmond ist wie die Sonne eine starke, punktförmige Lichtquelle und führt schnell zu einer Überbelichtung. Die ziehenden Wolken haben hier die Leuchtkraft des Mondes abgeschwächt und bilden über die Belichtungszeit einen Bewegungskontrast zur statischen Umgebung. Um den Leuchtturm nicht als Silhouette abzubilden, habe ich ihn mit einer starken Taschenlampe aufgehellt.
Nachts gibt es natürlich für Fotografen ein generelles Problem: Es ist dunkel. Das führte dazu, dass ich zunächst kaum Motive sah. Ich musste sie mir bei Tag anschauen und überlegen, wie sie nachts wirken könnten. Dazu ist eine gewisse Vorstellungskraft nötig, die sich durch häufiges Training immer mehr ausgeprägt. Für einen bewegten Sternenhimmel machte ich mir auch Gedanken über die Rotationsrichtung und dessen Auswirkung auf die Bildkomposition. Bei meinen ersten Versuchen stellte ich schnell fest, dass das nicht reichte. Auch Kamerastandpunkt und Perspektive wollten vorher gut durchdacht und gegebenenfalls bei Tag ausprobiert werden. Das führte unweigerlich zu sehr überlegten Bildkompositionen, zumal ich auch nicht mehrere Bilder in einer Nacht aufnehmen konnte. Mitunter hatte ich Belichtungszeiten von 16 Minuten und anschließender Dunkelbilderstellung von derselben Zeit.

NachtAnsitz - und sie dreht sich doch!</br> Olympus E-520, 28 mm [@KB], ISO 100, 1:4,5, 480 Sek.
NachtAnsitz – und sie dreht sich doch!
Olympus E-520, 28 mm [@KB], ISO 100, 1:4,5, 480 Sek.
Dieses Motiv hatte mich schon oft bei Tag beschäftigt. Irgendwann fiel mir auf, dass die Himmelsrichtung mit der Position des Polarsterns harmoniert. Acht Besuche bei Nacht waren nötig, bis ich die Aufnahmetechnik im Griff hatte und das Wetter mitspielte. Der Baum im Vordergrund und die Baumgruppe mit Jägersitz leuchtete ich je eine Minute von links und rechts mit einer starken Taschenlampe aus. Zu guter Letzt setzte ich einen Spot von etwa 10 Sek. auf den Hochsitz, um ihn zu betonen.

Dunkelbild

Bei elektronischen Bildsensoren entsteht ein Großteil des Rauschen durch den Dunkelstrom. Ein Dunkelbild (engl. Darkframe) wird bei gleicher Belichtungszeit und Betriebstemperatur wie das zuvor gemachte Bild aufgenommen, allerdings mit geschlossenem Kameraverschluss. Es erfasst auf diese Weise den während der Belichtungszeit aufgelaufenen Dunkelstrom und wird von der eigentlichen Aufnahme „abgezogen“. Die Dunkelbildaufnahme wird bei den meisten Kameras mit der Funktion „Rauschreduzierung“ aktiviert. Die dadurch entstehende Wiederaufnahmeverzögerungszeit wird aber erst bei recht langen Belichtungszeiten deutlich. Im Serienbildmodus ist diese Funktion abgeschaltet, um die Bildaufnahmefrequenz zu steigern. Um wirklich deutliche Sternspuren aufnehmen zu können, kann man die Serienbildfunktion nutzen und eine deutlich längere, effektive Belichtungszeit erreichen, ohne dass es zu Überbelichtungen führt. Die sogenannten Startrails lassen sich mit gleichnamigen Freeware-Programm vom Hobby-Astronom Achim Schaller sehr leicht zu einem Bild zusammenrechnen. Um das Rauschen zu dezimieren ist bei dieser Technik ein zuvor oder hinter der Serie erstelltes Dunkelbild mit gleichen Einstellparametern ratsam.

NachtRuhe</br> Olympus E-520, 28 mm [@KB], ISO 200, 1:4, 16 x 60 Sek.
NachtRuhe
Olympus E-520, 28 mm [@KB], ISO 200, 1:4, 16 x 60 Sek.
Zufällig stieß ich auf der Suche zu einem Nachtmotiv auf einer Baustelle auf diesen abgestellten Bagger. Er stand so günstig zum Polarstern, dass ich sofort handeln musste, denn in der nächsten Nacht hätte der Bagger schon wieder wo anders abgestellt sein können. Weil ich die Sterne sehr gewichtig ins Bild holen wollte, entschied ich mich für die Startrail-Technik und machte 16 Bilder a eine Minute Belichtungszeit und ein Dunkelbild. Den Bagger leuchtete ich während einer Einzelbelichtung mit der Taschenlampe an. Ich hatte Glück, denn ein Flare-Iridium (Iridium-Satellit) und drei Flugzeuge sind in der Sternenrotation mit abgebildet.

Licht ins Dunkel bringen

Richtig „spaßig“ wird die Nachtfotografie, wenn man bestimmte Motivteile ausleuchtet. Dazu kann man entkoppelte oder ferngesteuerte Blitzgeräte oder leistungsfähige Taschenlampen nutzen. Man muss allerdings ein paar Dinge beachten. Helle Objekte dürfen nicht zu lange angestrahlt werden, sonst werden sie schnell überbelichtet. Dasselbe trifft auf die Entfernungen der auszuleuchtenden Motivteile zu. Je näher sie am Kamerastandpunkt sind, desto weniger dürfen sie angestrahlt werden. Ist im Winter Schnee gefallen und reichlich im Motiv vorhanden, so muss die Ausleuchtung sehr sparsam erfolgen. Meistens komme ich mit Zeiten zwischen ein und zwei Minuten Ausleuchtung aus. Dabei setze ich Akzente mit dem Spot und / oder fahre die Objekte mit einem breit gefächerten Strahl mehrmals, mit möglichst gleichmäßiger Lichtverteilung ab.

KalteNacht</br> Olympus E-520, 28 mm [@KB], ISO 100, 1:4, 60 Sek.
KalteNacht
Olympus E-520, 28 mm [@KB], ISO 100, 1:4, 60 Sek.
Bäume haben es mir wirklich angetan. Sie sind aber auch ideal für die Taschenlampen-Ausleuchtung. Man muss das Licht nur gut verteilen und darf die Astspitzen nicht vernachlässigen. Hier musste ich die Ausleuchtung aus verschiedenen Gründen sehr rasch vornehmen. Der Baum stand an einer Landstraße und es fuhren einige Autos vorbei, mein Standpunkt war recht nahe am Baum und dieser war mit Schnee bedeckt. Alles Faktoren, die schnell zu einer Überbelichtung führen können. Aber nach nur drei Versuchen gelang mir dieses Bild.
Weiter ist noch zu bedenken, dass ein frontal angestrahltes Motiv eher flach wirkt. Es ist besser eine seitliche Beleuchtung vorzunehmen oder von mehreren Seiten. Wie häufig, in welcher Geschwindigkeit und wie lange die Ausleuchtung erfolgen muss, kann man mit einer Testaufnahme ausprobieren. Am Anfang fällt es sicher schwer und man braucht eine gute Portion Geduld und Ausdauer aber nach ein paar Versuchen wird es immer besser klappen und dann kommen ständig neue Ideen hinzu. Auf diese Weise entstehen komplexe, sehr überlegte Bildkompositionen, die auf Betrachter sehr ungewöhnlich wirken.

NachtWind</br> Olympus E-520, 32 mm [@KB], ISO 100, 1:6,7, 60 Sek.
NachtWind
Olympus E-520, 32 mm [@KB], ISO 100, 1:6,7, 60 Sek.
Hier habe ich mit einem Freund zusammen die Szene ausgeleuchtet. Das Licht für die Büsche im Vordergrund, den Mast und den Spot auf das Zentrum des Propellers kam aus der Taschenlampe. Der Freund hat drei Blitzlichter auf den Propeller gerichtet, gleichzeitig gezündet und damit die Rotorblätter eingefroren. Etwas Glück gehörte dazu, dass die Rotorblätter genau in diesem Winkel abgebildet wurden.
Vielen Dank an Udo Altmannshofer, für diese windige Nacht!

Technik

Um im Langzeitbelichtungsmodus, also in der sogenannten Bulb-Stellung zu fotografieren, ist ein Fernauslöser nötig. Es gibt sie in unterschiedlichen Ausführungen und mit zahlreichen Funktionen, wie zum Beispiel den Möglichkeiten der Serien- oder Intervallprogrammierung oder auch für automatisierten Belichtungsreihen. Welcher Fernauslöser zu welcher Kamera passt lässt sich durch einen Blick ins Handbuch klären. Fremdgeräte bieten meistens umfangreichere Funktionen, hier sollte man im Internet Erfahrungen anderer Nutzer recherchieren, um das für die eigenen Vorstellungen passende Zubehör zu finden.

Wer über eine Olympus-Kamera mit der Live-Bulb-Funktion verfügt, ist bei dieser Aufnahmetechnik klar im Vorteil, weil sich das Ergebnis bei der Aufnahme kontrollieren und künstliches Licht so viel genauer verteilen lässt. Die Olympus OM-D E-M10 verfügt zudem noch über den Live-Composite-Modus, dass im Prinzip wie das Startrails-Programm funktioniert und sich somit prima für Sternspuren oder Lichtmalereien eignet.

Copyright Fotos und Text: © Kai Kinghorst

4 Kommentare

  1. Hallo Kai,
    vielen Dank für diesen interessanten Beitrag zur Nachtfotografie.
    Eine Frage noch zum Dunkelbild. Legt die Kamera intern das Dunkelbild zur Verrechnung auch über das RAW oder nur über das von der internen jpg-engine erzeugte JPG?
    Wenn sie das auch mit dem RAW verrechnet, wäre ja mal wieder ein Blick in die mit der Kamera mitgelieferten Software nötig. Habe ich bisher nicht benutzt.
    LG Garcia

  2. Hallo Garcia,
    das Dunkelbild wird bei Langzeitbelichtungen von der Kamera automatisch mit geschlossenem Verschluss aufgenommen, wenn die Rauschunterdrückung aktiviert ist. Egal ob man RAW oder JPG speichert. Das Dunkelbild wird gleich mit der Aufnahme verrechnet, was die effektive Belichtungszeit verdoppelt. Im Serienbildmodus ist die Rauschunterdrückung abgeschaltet, das ist wichtig zu beachten, wenn man Startrails machen möchte. Denn dann muss man das Dunkelbild separat mit abgedecktem Objektiv machen.
    Ich hatte dahingehend im Kamera-Handbuch keine tiefer gehenden Erklärungen gefunden. Ein Anruf beim Hersteller-Service brachte mich aber weiter. Die unterschiedlichen Kamerahersteller verfahren mit dem Dunkelbild auch etwas unterschiedlich. Das hängt wohl auch mit der Rauschempfindlichkeit des jeweils verbauten Sensors ab.
    Ich hoffe das hilft Dir weiter. Ein wenig mehr zur technischen Erklärung findest Du auf wikipedia.org unter “Bildsensorkalibrierung”.

    Viele Grüße Kai

  3. Bin gerade dabei nach langer Zeit wieder ins Fotografier-Hobby einzusteigen und bin für Motivanregungen samt zugehöriger Technik dankbar. Gute Aufnahmen sind Dir da gelungen. 🙂

    Zusätzlich zur klassischen Langzeitaufnahme nachts gibt es die HDR-Technik, die unterschiedlich belichtete Aufnahmen digital zusammenführt. Hier ein Hobby-Kollege, der die Welt nachts im Ruhrgebiet eingefangen hat. Laß die Fotos mal auf Dich wirken. http://www.nachtzeichen.de

    Gleichzeitig entwickelt er gerade eine CI-konforme Version seines HDR-Knechts, der das Aufnehmen von Mehrfachbelichtungen deutlich vereinfacht. http://www.nachtzeichen.de/styled-4/styled-27

    Grüße

    Rüdiger