Vorgestern wurde der Aufsteckblitz Rollei HS Freeze 46 Lite vorgestellt. Ich konnte die Version für Sony schon testen. Die zweite Version lässt sich im Menü auf den Einsatz mit Kameras von Fujifilm, Canon, Nikon, OM System und Panasonic einstellen.

 

Der Rollei HS Freeze 46 Lite / Lite S ist ein kompakter Aufsteckblitz, der, statt einen der typischen rechteckigen, einen runden Reflektor (Durchmesser rund 6,5 cm) aufweist. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal, fällt aber immer noch auf und verspricht eine gute Ausleuchtung des Bildkreises.

Der Reflektor sitzt in einem Blitzkopf, der um bis zu 90° nach oben geschwenkt und bis 7° nach unten geneigt werden kann.

Schwenken nach oben macht indirektes Blitzen über die Decke oder eine Reflexionsfläche möglich. Um Überraschungen durch Farbstiche zu vermeiden ist zu bedenken, dass das reflektierte Licht die Farbe der Reflexionsfläche „mitnimmt“!  Zu empfehlen sind weiße, silber- oder goldfarbene Oberflächen, die neutrales, kälteres oder wärmeres Licht bringen. Das nur nebenbei. Die 7° nach unten sind für Nahaufnahmen wichtig.

Dreht man den Ring vorn am Blitzkopf, wird der Leuchtwinkel enger. Leider gibt es weder am Gerät noch in den technischen Daten Angaben dazu, welchen Brennweiten [@KB] die Endstellungen entsprechen. Einige Versuche zeigen, dass rund 35 mm Brennweite [@KB] gut ausgeleuchtet werden. Bei 28 mm ist ein geringer Helligkeitsabfall zu den Ecken zu erkennen.

Der Blitzkopf kann zwar nicht gedreht werden, aber es gibt Abhilfe. Der HS Freeze 46 Lite kann entfesselt eingesetzt werden, wenn man die Möglichkeit der Funk-Fernsteuerung nutzt.

Rollei gibt für die Leistung LZ 46 an – weist aber leider nicht darauf hin, für welchen ISO-Wert, welche Entfernungseinheit und welche Reflektoreinstellung sie gilt. (Zur Erinnerung: Die LZ errechnet man nach der Formel „Entfernung für eine korrekte Belichtung mal Blendenzahl“ und üblich ist die Angabe für ISO 100 und Entfernungsangaben in Meter.)

Beim Test mit einem Sekonic L-508 im Modus „kabelloser Blitz“ kam ich mit den Einstellungen Manuell-Modus mit voller Leistung, Reflektor auf größten Leuchtwinkel, 4 m Entfernung und ISO 100 auf Blende 8,5, bei ISO 200 auf Blende 11,5. Das heißt, dass für ISO 100, m die LZ bei 34 liegt und die angegebene LZ 46 für ISO 200, m gilt.

Eben wurde der Manuell-Modus angesprochen. Er reicht von 10 (volle Leistung) über 9 Stufen bis 1, wobei jede ganze Stufe 1 EV bzw. der Halbierung der Lichtmenge entspricht. Da sich die Leistung in 1/10 Stufen einstellen lässt, ist präzises Arbeiten möglich. Bestens dazu passt ein Blitzbelichtungsmesser, der kabellos am Motiv platziert wird und für den vorgegebenen ISO-Wert die Blende anzeigt, die eingestellt werden muss. Je nach Umgebung sind kleine Korrekturen nötig – im Büro mit weißen Möbeln fielen die Aufnahmen nach Vorgabe ein wenig zu hell aus. Als Kamera war hier meine Sony A7R V im Einsatz.

In der Regel wird man den HS Freeze 46 Lite aber im TTL-Modus einsetzen. Hier sind Korrekturen am Blitz im Bereich von +3 EV bis -3 EV möglich. Bei meinen Testaufnahmen mit der Sony A7R V und einer Sony A7 II brachten Korrekturen von -1,3 EV bis -2 EV am Blitz die besten Ergebnisse.

Der Wechsel zwischen beiden Betriebsarten erfolgt über das große Farbdisplay auf der Rückwand, das eine berührungssensitive Oberfläche aufweist (Touchscreen).

Als physische Einstellelemente gibt es nur drei Tasten: Ein/Aus, Aufrufen des Hauptmenüs und den Blitzauslöser, der als LED ausgelegt ist und grün leuchtend Blitzbereitschaft anzeigt.

Wenn man den Ein/Aus-Schalter betätigt, aktiviert man das Gerät – aber um damit Blitzen zu können, muss man erst noch den virtuellen Hauptschalter …

… auf dem Display betätigen. Ich nehme an, dass sich jemand etwas dabei gedacht hat. Fürs Ausschalten genügt dann die Ein/Aus-Taste.

Als erstes sieht man das Hauptmenü mit vier Kacheln: Speedlite / Master / Receiver / Settings.

Hinter Master und Receiver verbergen sich die Einstellungen für einen Aufbau mit mehreren Geräten. Da ich nur einen HS Freeze 46 Lite hatte, kann ich dazu nichts sagen, außer, dass man 31 Kanäle zu Wahl hat, über die die Blitze im Aufbau kommunizieren können.

Im Speedlite Menü wechselt man nicht nur zwischen TTL- und Manuell-Modus, sondern kann auch ein Untermenü mit sechs Einstellmöglichkeiten aufrufen, indem man oben rechts tippt. 

Hier legt man fest, ob die Synchronisation auf den ersten oder den zweiten Vorhang erfolgen soll. Letzteres ist wichtig, um etwa Nachtaufnahmen mit Leuchtspuren von Autos so ins Bild zu bekommen, dass das angeblitzte Auto am Ende der Leuchtspur zu sehen ist und sie nicht vor sich herschiebt.

Auch der HSS-Modus für Aufnahmen mit Verschlusszeiten, die kürzer sind als die Synchronisationszeit kann hier gewählt werden – wichtig fürs Aufhellblitzen im Freien bei hoher Umgebungshelligkeit.

Ebenfalls im Speedlite Submenü kann man die Funktion Sync X aktivieren und damit sicherstellen, dass der Blitz auch bei schnellen Serien bei jeder Belichtung aufleuchtet.

Ein dritter wichtiger Unterpunkt betrifft die Multiblitzfunktion. Man legt fest wie viele Blitze mit welcher Frequenz während einer Belichtung abgegeben werden. Dadurch kann man ein Objekt, das sich bewegt, in mehreren Phasen in einem Bild festhalten.

Die drei anderen Menüpunkte betreffen die Sperre des Monitors, um versehentliches Verstellen von Vorgaben zu vermeiden, den Standby-Modus und den Signalton.

Die vierte Kachel im Hauptmenü öffnet die Einstellungen (Settings), …

.. wo man u. a die Helligkeit des Monitors ändern kann – nicht sehr wichtig, aber praktisch, um (ich gehe mal davon aus) ein bisschen Strom zu sparen. Die Funktion heißt Backlight, hat aber, wie man sieht, nichts mit dem Licht im Motiv zu tun.

Die (für mich) interessanteste Einstellung ist verwirrenderweise mit Freeze Display bezeichnet, obwohl sie mit dem Display nichts zu tun hat. Hier kann man ultrakurze Blitzleuchtzeiten einstellen – maximal (oder sollte man eher minimal sagen) 1/32.000 Sek. Wer sehr schnelle Bewegungen einfrieren möchte, wird das sehr zu schätzen wissen.

Über LZ 46 wurde eingangs schon gesprochen. Dass Rollei parallel die Leistung vom 46 Ws angibt, dürfte damit zu tun haben, dass man den HS Freeze 46 Lite mit seinem Standfuß mit Stativgewinde …

… auch in einer Studioumgebung einsetzen kann. Für Studioblitze wird die Leistung in der Regel in Wattsekunden angegeben – und mit der Angabe 46 Ws lässt sich nun einschätzen, wie sich der HS Freeze 46 Lite in einen Studioaufbau integrieren lässt. Dort ist dann auch wichtig, dass man Lichtformer ans Bajonett am Reflektor ansetzen kann.

Alles in allem ist der kleine und leichte Rollei HS Freeze Lite ein sehr angenehmer Begleiter für alle, die auch mal im Dunkeln Licht zum Fotografieren brauchen, die in gut ausgeleuchteten Umgebungen Schatten aufhellen oder schnelle Bewegungen einfrieren möchten. Besonders der Mehrfachblitz, der einen Bewegungsablauf in ein Bild bannt, oder die präzise Steuerung im Manuell Modus haben mir persönlich gut gefallen und sind mehr als einen Blick auf den Kleinen wert. Wer noch mehr Blitz möchte, wird bei Rollei ebenfalls fündig: Der HS Freeze 1X bietet 100 Ws, Leuchtzeiten bis 1/55.600 Sek. und einen drehbaren Blitzkopf. Er ist allerdings aktuell im Rollei Shop auch gut doppelt so teuer wie der HS Freeze 46 Lite, der mit 99,- € (UVP: 149,- €) zur Markteinführung ein echtes Schnäppchen ist.   

 

BEWERTUNG FÜR ROLLEI HS FREEZE 46 LITE S

GUT – SEHR GUT – HERVORRAGEND – HERVORRAGEND PLUS – HERVORRAGEND DOPPEL-PLUS – EXZELLENT

PRAXISBILDER

Ein Klick auf eines der Praxisbilder bringt es mit einer Länge von 1800 Pixeln über die lange Seite auf Ihren Bildschirm. Die Bildgröße wurde im aktuellen Adobe Photoshop reduziert.

Beachten Sie bitte, dass die Bildqualität, besonders die Farbwiedergabe, auch von den Einstellungen Ihres Monitors abhängt!

HINWEIS Fast alle Fotos, die mit dem Rollei HS Freeze 46 Lite an einer Sony A7R V und Sony A7 II entstanden, zeigen mir zwar die technische Qualität des Blitzes, sind aber von den Motiven her nicht vorführfähig. Sollte ich dazu kommen, reiche ich Fotos nach. Schauen Sie einfach ab und zu vorbei. Hier schon mal fünf Beispiele.

 

Viltrox 75mm F1.8 E (112 mm [@KB]) @ Sony A7 II
ISO 125 | F3.2 | 1/80 Sek. | Blitz -2
Viltrox 75mm F1.8 E (112 mm [@KB]) @ Sony A7 II
ISO 125 | F1.8 | 1/80 Sek. | Blitz -2

Tamron 28-75mm F2.8 @ Sony A7R V
@ 75 mm | ISO 100 | F4 | 1/60 Sek. | Blitz -3
Tamron 35-100mm F2.8 @ Sony A7 II
@ 100 mm | ISO 250 | F2.8 | 1/125 Sek. | Blitz -2
Aufnahme in der Nacht ohne weitere Beleuchtung. Der Fokus liegt leider auf der falschen Blüte.
Tamron 35-100mm F2.8 @ Sony A7 II
@ 100 mm | ISO 250 | F2,8 | 1/125 Sek. 
Aufnahme in der Nacht ohne weitere Beleuchtung. Entfernung zur Spitze des Giebels rund 10 m.

 

TEXT UND ALLE BILDER © HERBERT KASPAR

 ES IST UNTERSAGT, HIER GEZEIGTE BILDER FÜR DAS TRAINING VON KI ZU VERWENDEN

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