Im Nikon Z-Programm gibt es zwei Makroobjektive – eines mit 50 mm Brennweite und das Nikkor Z MC 105 mm 1:2,8 VR S, um das es hier geht.

Was fehlt bei den beiden Makro-Objektiven mit Z-Bajonett, die an den Nikon Vollformatkameras Z 9, Z 7II und Z 7, Z 6II und Z 6 sowie Z 5, aber auch an den DX-(APS-C)-Modellen Nikon Z 50 und Z fc eingesetzt werden können? Die seit Jahrzehnten bekannte Bezeichnung „Micro“ im Namen, mit denen sich Nikon von den „Macro“- und „Makro“-Objektiven der anderen Hersteller unterschied.

Micro-Nikkore mit 105 mm Brennweite wurden zum ersten Mal 1983 vorgestellt, noch mit manueller Fokussierung. Die letzte AF-S Version kam 2006 auf den Markt.

Das neue 105-mm-Makroobjektiv für die Kameras der Nikon Z-Serie ist wuchtig, aber dank des Einsatzes von Kunststoff im Tubus und Aluminium fürs Bajonett nicht so schwer, wie es aussieht.

In Zahlen heißt das: 140 mm lang (dank Innenfokussierung bei allen Entfernungseinstellungen), 85 mm Durchmesser, Filtergewinde 62 mm, Gewicht 630 g.

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Wer vom AF-S Micro-Nikkor 105 mm zum neuen Objektiv wechselt, kann vorhandene Filter weiterverwenden.

Der Tubus ist gegen gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet.

Wenn man ihn braucht, läuft der Fokussierring, der den vorderen Teil des Objektivs einnimmt, mit dem richtigen Widerstand für flottes und exaktes Arbeiten.

Ganz hinten liegt der konfigurierbare Einstellring. Für mich ist er der Blendenring, aber auch ISO-Wert oder Belichtungskorrekturfaktoren können hier gewählt werden.

Auf dem Abschnitt zwischen den Ringen ist der kleine OLED-Statusmonitor untergebracht, den einige der Nikkor Z Objektive aufweisen. Durch Drücken des Display-Knopfes links davon kann man verschiedene Anzeigen aufrufen, wie Blende, Entfernung oder Abbildungsmaßstab. Ich für mich würde den Mini-Bildschirm nicht unbedingt vermissen, aber die Anzeige des Abbildungsmaßstabes ist schon praktisch.

Dazu kommen die L-Fn Taste, die man mit verschiedenen Funktionen belegen kann, der AF/MF-Umschalter und der Fokusbereichsbegrenzer.

Die Beschränkung auf Entfernungen zwischen 50 cm und der kürzeste Einstellentfernung von 29 cm beschleunigt die Fokussierung im Nahbereich. Bei kürzester Einstellentfernung und größtem Abbildungsmaßstab von 1:1 liegen noch rund 13 cm zwischen Frontfassung und Objekt bzw. rund 7 cm zwischen Front der mitgelieferten Streulichtblende und Objekt.

Auf den Autofokus, der von einem Schrittmotor durchgeführt wird, ist im ganzen Bereich von Unendlich bis 29 cm Verlass (ausprobiert an der Nikon Z 5 und später auch der Nikon Z 9). Er arbeitet schnell und leise.

Beim Fokussieren in die Nähe nimmt die Lichtstärke ab und erreicht F4,5 beim größten Abbildungsmaßstab.

Manuelles Fokussieren ist natürlich auch möglich und man kann gegebenenfalls präzise auf teilweise verdeckte Motivteile scharfstellen.

Das Objektiv ist mit einem Stabilisator ausgestattet, mit dem ich bis 4 EV ausgleichen konnte.

Der optische Aufbau besteht aus auf 16 Linsen in 11 Gruppen. Darunter sind drei ED-(Extra-Low-Dispersion)-Linsen und eine Asphäre als Hinterlinse, die die Bildfeldwölbung eliminieren soll und das auch in sehr hohem Maße tut.

 

Im Bereich von Blende 2,8 bis Blende 11 überzeugt das Objektiv durch eine sehr hohe Abbildungsleistung über das gesamte Bildfeld. Dass die Bildecken minimal schwächer ausfallen, kann man testen – man wird es im Fotoalltag nicht wahrnehmen. Feinste Details werden präzise aufgelöst.

Wenn es einmal darum geht, eine möglichst große Schärfenzone zu erzielen, kann man auch über Blende 11 hinaus abblenden. Wenn man den Beugungsausgleich der Kamera aktiviert hat, sind auch Bilder mit Blende 32 knackscharf. Bei 1:1 entspricht Blende 32 von der Belichtung her Blende 51 – mit der entsprechenden Auswirkung auf die Belichtungszeit!

Vignettierung, Verzeichnung und chromatische Aberration spielen keine Rolle. Hier kommen neben der echten hohen Abbildungsleistung auch die Korrekturen in der Kamera zum Tragen.

Das Gegenlicht-Verhalten ist tadellos, auch bei hellen Lichtquellen im Bildfeld. Dafür verwendet Nikon auch bei diesem Objektiv die Arneo- und die Nanokristallvergütung.

Die Blende aus 9 Segmenten bildet eine nahezu kreisförmige Öffnung. Das trägt zum angenehmen Bokeh bei. Das ist z. B. bei Aufnahmen von Blüten wichtig – aber auch für Porträts, für die sich das Objektiv dank seiner Brennweite und Lichtstärke natürlich ebenfalls empfiehlt. Generell: Es ist nicht nur ein Makro-, sondern auch sehr vielseitiges kurzes Tele.

Nicht zu vergessen: Das Objektiv kann auch an den DX-Modellen Z 50 und Z fc verwendet werden und der Bildwinkel entspricht dem eines (ca.) 160-mm-Objektivs an einer Vollformatkamera.

 

Alles in allem ist das Nikkor Z MC 105 mm 1:2,8 VR S ein langes Makroobjektiv der Spitzenklasse. Allerdings ist es nicht eben preisgünstig. Wer diesen Betrag nicht investieren möchte / kann und mit 50 mm Brennweite auch zufrieden ist, findet im Nikkor Z MC 50 mm 1:2,8 eine Alternative, die von Abbildungsleistung fast auf dem Niveau des 105ers ist.

 

Preis

1199,- € (idealo.de | KW15)

 

Der Test wurde im Juli 2021 durchgeführt und in d-pixx foto 3/2021 veröffentlicht.

 

BEWERTUNG NIKON NIKKOR Z MC 105 MM 1:2,8 VR S

GUT – SEHR GUT – HERVORRAGEND – HERVORRAGEND PLUS – HERVORRAGEND DOPPEL PLUS

 

 

Text und Bilder © Herbert Kaspar
Grafiken 
© Nikon

 

PRAXISBILDER

Ein Klick auf eines der Praxisbilder bringt es mit einer Länge von 1800 Pixeln über die lange Seite auf Ihren Bildschirm. Die Bildgröße wurde im aktuellen Adobe Photoshop reduziert.

Zu einigen Bildern zeigen wir einen entsprechend gekennzeichneten 100-%-Crop aus dem Bild darüber. 

Beachten Sie bitte, dass die Bildqualität, besonders die Farbwiedergabe, auch von den Einstellungen Ihres Monitors abhängt!

 

OBJEKTIV NIKON NIKKOR Z MC 105 MM 1:2,8 VR S
KAMERA NIKON Z5

 

105 mm | ISO 320 | F5,6 | 1/1000 Sek. | -0,33 EV
105 mm | ISO 320 | F5,6 | 1/640 Sek. | -0,33 EV
Der Hintergrund verschwimmt schön weich.
100-%-Crop aus 6016 x 4016 Pixel
105 mm | ISO 320 | F5,6 | 1/400 Sek. | -0,33 EV
Die Schärfenzone ist auch um zwei Stufen abgeblendet sehr schmal. Hier liegt die Schärfe auf dem Haus …
105 mm | ISO 320 | F5,6 | 1/320 Sek. | -0,33 EV
… und hier auf dem Kopf der Schnecke.
105 mm | ISO 500 | F11 | 1/320 Sek. | +0,33 EV
105 mm | ISO 1000 | F8 | 1/1600 Sek. | +0,33 EV
105 mm | ISO 1000 | F9 | 1/200 Sek. | -0,67 EV
105 mm | ISO 1000 | F6,3 | 1/2000 Sek.
100-%-Crop aus 6016 x 4016 Pixeln
105 mm | ISO 4000 | F11| 1/1600 Sek.
105 mm | ISO 4000 | F11| 1/3200 Sek. | -0,33 EV
100-%-Crop aus 6016 x 4016 Pixeln
105 mm | ISO 1600 | F8 | 1/3200 Sek. | -0,33 EV
105 mm | ISO 200 | F9 | 1/125 Sek. | +0,33 EV
100-%-Crop aus 6016 x 4016 Pixeln
105 mm | ISO 200 | F20 | 1/50 Sek.
105 mm | ISO 100 | F8 1/50 Sek.
Formatfüllende Aufnahme eines Blattes aus “Zwölf Ansichten von der Universitäts-Stadt Bonn … nach der Natur gezeichnetmvon Dr. B. Hundeshagen, in Kupfer gestochen von E. F. Grünwald, E. Rauch, C . Rauch und J. J. Wagner”
105 mm | ISO 100 | F3,8 | 1/160 Sek.
Ausschnitt aus dem genannten Blatt im Abbildungsmaßstab 1:1
105 mm | ISO 100 | F32| 1,3 Sek.
100-%-Crop aus 6016 x 4016 Pixeln
105 mm | ISO 200 | F22 | 10 Sek. | +1 EV
100-%-Crop aus 6016 x 4016 Pixeln

 

Praxisbilder © Herbert Kaspar