Tipp – Fotografieren im Nebel

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Urlaub im dänischen Blavand heißt: Lange Strandspaziergänge. Besonders gern bei ausgesprochen schönem und windstillem Wetter. Bei einem passierte es dann – plötzlich standen wir im Nebel. Normalerweise pflegt man dann zu sagen, man habe die Hand vor den Augen nicht gesehen. So schlimm war es nun wirklich nicht, aber alles in Abständen von fünf, zehn, fünfzehn Metern war zunehmend schemenhaft zu sehen. Also aufs Fotografieren verzichten? Aber auf gar keinen Fall. Aber das gilt natürlich nicht nur für Blavand …

Nebel ist ein natürlicher Weichzeichner. An den zahllosen winzigen Tröpfchen in der Luft wird das Licht gestreut und fällt damit von allen Seiten auf ein Objekt im Nebel. Schatten entstehen erst gar nicht oder werden deutlich aufgehellt. Die Kontraste im Bild sind also minimal. Gleichzeitig nimmt die Sättigung der Farben ab, alles tendiert zu einem aquarelligen Effekt.

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Das wirkt schon für sich alleine.

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Kommen dazu Motivteile ins Bild, die als Schemen im Nebel zu sehen sind, vermitteln sie einen Eindruck von Tiefe, da wir es gewohnt sind, dass weit Entferntes weniger kontrastreich ist, als Objekte in der Nähe.

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Auch im Nebel kann man für den Tiefeneindruck Objekte nutzen, die nah vor der Kamera sind und sich daher mit fast normalem Kontrast und kräftigen Farben vom Rest des Bildes abheben.

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Wenn man die Belichtung auf den hellen Hintergrund abstimmt kann man Objektive im Vordergrund bis zur Silhouette abdunkeln.

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Nicht nur für Landschaftsaufnahmen lässt sich Nebel, wenn er nun schon mal da ist, nutzen, sondern auch für Nahaufnahmen. Das gestreute, weiche Licht bringt eine fast schattenfreie Ausleuchtung und „sanfte“ Farben.

Nebel streut Licht nicht nur, sondern kann es auch sichtbar machen. Wenn von einer eher kleinen Quelle Licht, das ein bisschen gebündelt ist, in den Nebel fällt, wird es als heller Strahl sichtbar. Das kann etwa in einem Nebelwald passieren, wenn Sonnenlicht durch kleine Öffnungen im Astgewirr fällt, aber auch in einer Stadt, wenn Licht aus einem Fenster kommt oder eine Sehenswürdigkeit angestrahlt wird.

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Nebelbilder lassen sich nicht sehr präzise planen. Nebel entsteht sehr oft früh und abends, besonders in Flusstälern, an Seen oder am Meer. Im Gebirge können tiefhängende Wolken Bodenkontakt bekommen und werden dann zu Nebel.

Nebel kommt einem oft wie eine „trübe Suppe vor“, ist aber eher hell: Das heißt, dass der Belichtungsmesser von einem neutralgrauen, aber hell beleuchteten Motiv ausgeht und es etwas zu knapp belichtet, um es neutralgrau ins Bild zu bekommen. Mit einer Pluskorrektur um etwa 2/3 EV bis 1 EV steuert man dagegen. Alternativ nimmt man einen dunkleren Teil des Motivs als Grundlage für die Belichtungsmessung und speichert das Ergebnis bis zur Aufnahme. Für die Belichtungssteuerung kann man ruhig eine weit offene Blende nutzen. Die breite Schärfenzone, die man mit einer kleinen Blende erzielt, wird vom Nebel ohnehin „geschluckt“.

Was man auf jeden Fall tun sollte ist, die Bilder im RAW-Format zu speichern, da man sich damit alle Möglichkeiten für die spätere Optimierung der Bilder offen hält.

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Bei der Bildbearbeitung sollte man dann Kontraste und Sättigung nicht generell erhöhen, weil das dem Weichzeichner- und Pastelleffekt entgegenwirkt. Motivteile im Vordergrund können aber verstärkt werden, damit sie sich noch besser vom flauen Hintergrund trennen.

 

Text und Bilder (c) Herbert Kaspar

 

 

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