Olympus M.Zuiko Digital 300 mm F4 ED IS PRO – Test

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Die PRO-Serie ist das Aushängeschild der Olympus-Objektive. Die bisher getesteten Objektive konnten allesamt begeistern. Und wie sieht es mit dem Olympus M.Zuiko Digital 300 mm F4 ED IS PRO aus? Wir haben es an einer OM-D E-M1 einem Praxistest unterzogen.

Sport- und Tierfotografen sind ohne sie aufgeschmissen, aber auch Landschafts- und sogar Modefotografen mögen die Objektive mit den sehr langen Brennweiten. Man kann das Hauptmotiv aus großer Entfernung formatfüllend erfassen, es aus dem Umfeld herausholen und vom Hintergrund trennen. Für diese Fotografen stellte Olympus Anfang des Jahres das neue 300er vor.

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Typ

Das M.Zuiko 300 mm F4 gehört in die Gruppe der festbrennweitigen Superteleobjektive*. Die echte Brennweite von 300 mm lässt das auf den ersten Blick zwar nicht vermuten, aber das Objektiv kommt ja im mFT-System zum Eintz. Die 17,3  x 13 mm großen Sensoren bedingen einen Crop-Faktor von 2x. Dadurch entspricht das Olympus  mit seinem diagonalen Bildwinkel von 4,1° Vollformatobjektiven mit 600 mm Brennweite. Bezogen darauf ist es mit der Anfangsöffnung F4 als sehr lichtstark einzustufen.

Design, äußerer Aufbau, Material

Das 300er ist 227 mm lang, hat einen größten Durchmesser von 93 mm (an der Streulichtblende, am Tubus sind es nur 87 mm) und es ist 1475 g schwer (1270 g, wenn man auf den Stativadapter verzichtet). Das scheint für ein mFT-Objektiv groß und schwer zu sein. Sieht man die Abmessungen und das Gewicht aber in Relation zur Crop-Brennweite von 600 mm und zur Lichtstärke, ist es eher zierlich und leicht. Zwei wichtige Vertreter dieses Objektivtyps aus den DSLR-Vollformat-Systemen von  Canon und Nikon sind über 40 cm lang, haben Durchmesser von mehr als 16 cm und wiegen um die 3,8 kg!

Das 300er macht einen grundsoliden Eindruck. Dazu trägt der Einsatz von Metall für den mattschimmernden schwarzen Tubus bei. Er ist gegen das Eindringen von Spritzwasser und Staub geschützt und passt damit hervorragend zur OM-D E-M1.

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Das Objektiv ist in vier Teile untergliedert.

Der vordere, glatte Teil wird im Transportmodus von der 80 mm langen Streulichtblende überdeckt. Für die Aufnahmen schiebt man sie nach vorn und zieht sie mit einer leichten Drehung fest. Sie besteht aus Kunststoff. Das ist keine Kritik, sondern eine Feststellung.

Es folgt als zweites Element der 40 mm breite Fokussierring. Er ist in drei Bahnen fein geriffelt und lässt sich sicher fassen.

Der dritte, wieder glatte Abschnitt trägt links drei Einstellelemente. An einem Schiebeschalter kann man den Fokusbereich bestimmen, an einem zweiten den Bildstabilisator ein- und ausschalten und der L-Fn-Taste kann man eine von 27 Funktionen zuweisen, die dann per Tastendruck aufgerufen werden können. Ich finde, dass die Fokus-Stop-Funktion gut hierhin passt – aber es gibt ja genug Auswahl, wenn Sie anderer Meinung sind.

Ganz hinten folgt der drehbare Stativring. Der Fuß ist so gestaltet, dass er direkt auf Arca-Swiss-kompatible Stativköpfe passt. Das ist sehr gut. Aber natürlich ist auch ein Stativgewinde vorhanden. Wünschenswert wäre ein zweites Gewinde auf der rechte Seite des Übergangs vom Ring zum Fuß. Dann könnte man hier einen Gurt vom Typ Sun Sniper oder Black Rapid befestigen und dran lassen, wenn man das Objektiv auf ein Stativ setzt.

Wer aufs Stativ verzichten und Gewicht sparen will, kann den Stativring abnehmen und durch einen mitgelieferten schwarzen Ring ersetzen. (Tipp für die Zubehörhersteller: Den Ring in verschiedenen Farben oder mit verschiedenen Mustern anbieten!)

Innerer Aufbau

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Im Inneren sind 17 Linsen in 10 Gruppen angeordnet. Unter den 17 Linsen sind drei Super ED-Elemente, drei HR-Elemente und eine ist als E-HR-Element ausgewiesen.

Fokussieren

Von der OM-D E-M1 wird das 300er sehr schnell und sehr genau fokussiert – und das nicht nur sehr leise, sondern geräuschlos. Stellt man dazu den elektronischen Verschluss der Kamera ein, sind Aufnahmen auch in sensiblen Umgebungen  (Taufe, Konzert usw.) problemlos möglich, weil man nichts hört.

Zieht man den bereits angesprochenen Fokussierring um rund 3,5 mm nach hinten, wechselt man vom AF- in den MF-Modus. Beim manuellen Scharfstellen durchfährt man mit einer Drehung um 90° den Bereich von unendlich bis zur Nahgrenze. Eine Skala mit vier Eintragungen in Metern und drei in Fuß gibt eine grobe Orientierung über die eingestellte Entfernung.

Wählt man die manuelle Fokussierung an der Kamera, bleibt der Fokusring in der vorderen Position und lässt sich nun ohne Anschlag drehen. Dadurch kann man feinfühliger den exakten Schärfenpunkt festlegen, was durch Lupen- und Peakingfunktion unterstützt wird.

Auch beim manuellen Fokussieren kommt der AF-Motor zum Einsatz.

Die Naheinstellgrenze liegt bei 1,4 m. Aus dieser Entfernung kann man ein Feld von rund 72 x 55 mm formatfüllend erfassen. Der Abbildungsmaßstab liegt bei 1:4,2. Das ist für so ein Objektiv bemerkenswert.

Um das ohnehin schnelle automatische Fokussieren noch schneller zu machen, kann man den Fokusbereich begrenzen, und zwar auf 1,4 m bis 4 m und auf 4 m bis unendlich.

Bildstabilisator

Bislang setzte Olympus auf Bildstabilisatoren in den Gehäusen der mFT-Kameras und erreichte damit hervorragende Ergebnisse. Das 300er ist das erste mFT-Objektiv, das ebenfalls einen Stabilisator aufweist, der aber nicht für sich, sondern nur in Kombination mit dem Stabilisator des Gehäuses gemeinsam eingesetzt werden kann. Schaltet man den Stabilisator am Objektiv aus, ist auch der im Gehäuse nicht mehr aktiv! Olympus spricht von IS-Sync-Mechanismus und verspricht eine Verschiebung der Freihandgrenze um 6 Verschlusszeitenstufen. (An Gehäusen der Panasonic Lumix DMC G-Serie wirkt der Stabilisator im Objektiv!)

Berechnet man die Freihandgrenze für das 300er nach alter Väter Sitte (1/Brennweite), kommt man auf 1/600 Sek., da man ja von der Crop-Brennweite ausgehen muss. Bei einer Digitalkamera sollte man lieber mit 1/1000 Sek. rechnen. In der Praxis war es möglich, mit Verschlusszeiten bis zu 1/8 Sek. aus der freien Hand unverwackelte Aufnahmen zu erzielen, wenn man eine Serie aufnahm, zu der dann auch verwackelte Bilder zählten. Mit 1/15 Sek. war die Quote unverwackelt:verwackelt dann schon 8:2 bei einer 10er Serie. Aber das ist natürlich auch vom Fotografen und von der Situation abhängig.

Abbildungsleistung

Auflösungsvermögen, Schärfe und Kontrast lassen sich kurz beschreiben. Sie sind bei Blende 4, 5,6 und 8 auf dem Stand hervorragend plus, gehen bei Blende 11 auf hervorragend zurück, fallen bei Blende 16 ein wenig ab und sind bei Blende 22 immer noch sehr gut. Und das jeweils von Ecke zu Ecke.

Abbildungsfehler wie Verzeichnung, Vignettierung und chromatische Aberration sind nicht sichtbar. Vielleicht können sie im Labortest festgestellt werden – in der Praxis spielen sie keine Rolle.

Reflexe und Überstrahlungen sind ebenfalls kein Thema.

Natürlich kann auch diese Top-Leistung eingeschränkt werden. Dabei spielt zweimal der Fotograf eine Rolle. Zum einen, wenn er den Fokuspunkt falsch setzt oder es der Automatik überlässt, den Fokuspunkt festzulegen, denn bei Blende 4 ist die Schärfenzone sehr schmal, und wenn das Hauptmotiv nicht davon erfasst wird, wirkt das Bild unscharf. Zum zweiten ist es sehr leicht, sich auf die hervorragende Bildstabilisierung zu verlassen, sich selbst dabei aber zu überschätzen. Auch das Gehäuse kann an der Leistung des Objektivs knabbern. Dabei ist weniger leichtes Rauschen ein Problem, sondern die Rauschreduzierung, wenn sie beginnt, Details zu „übertünchen“. Es empfiehlt sich, mit einigen Aufnahmen bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen auszutesten, bis zu welchem ISO-Wert man gehen möchte.

Alles in allem ist das M. Zuiko Digital 300 mm F4 ED IS PRO ein Top-Objektiv, für das wir erstmals die Wertung „Hervorragend Doppel-Plus“ vergeben. Leider ist diese Leistung nicht für einen Appel und ein Ei zu haben – die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 2.499,- €.

 

*Alles über den Einsatz der verschiedenen Brennweiten lernen Sie in der großen d-pixx Brennweitenschule, die in den Ausgaben d-pixx 5/2013 bis 4/2014 erschien. Die Ausgaben können in unserem Shop nachbestellt werden!

 

 

GUT – SEHR GUT – HERVORRAGEND – HERVORRAGEND PLUS – HERVORRAGEND DOPPEL-PLUS

 

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Text (c) Herbert Kaspar

Produktabbildungen (c) Olympus

 

Schon interessiert am Olympus M.Zuiko Digital ED 300 mm F4 IS PRO?

Hier können Sie das Objektiv für 2599,- € vorbestellen. (Stand 10. März 2016)

 

Praxisbilder (mit Olympus OM-D E-M1)

Hinweis: Ein Klick auf ein Beispielsbild bringt es in der vollen Größe von 4608 x 3456 Pixel auf Ihren Bildschirm. Beachten Sie bitte, dass die Bildqualität, besonders die Farbwiedergabe, auch von den Einstellungen Ihres Monitors abhängt!

Alle Bilder sind unbearbeitete JPEGs aus der Kamera. Ausnahmen stehen im Bildtext.

 

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Der Wetterhahn auf dem alten Feuerwehrschuppen in Hammelburg.
Olympus OM-D E-M1 | 300 mm | ISO 200 | F9 | 1/1250 Sek.
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Hier sieht man, weshalb man Schlafwandler nicht aufwecken sollte …
Olympus OM-D E-M1 | 300 mm | ISO 200 | F7.1 | 1/640 Sek.
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Die raffende Wirkung von 600 mm Brennweite [@KB] wird schon hier deutlich …
Olympus OM-D E-M1 | 300 mm | ISO 200 | F6.3 | 1/1000 Sek.
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… ist aber hier wirklich frappierend. Die Schärfe wurde auf das Haus links gelegt, es ist rund 60 m entfernt. Bis zum Haus mit dem roten Giebel sind es rund 90 und bis zum Turm von Schloss Saaleck rund 1,5 km.
Olympus OM-D E-M1 | 300 mm | ISO 200 | F5.6 | 1/640 Sek.
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Jakob und Adele, die Hammelburger Störche, die in diesem Winter hier waren.
Olympus OM-D E-M1 | 300 mm | ISO 200 | F9 | 1/640 Sek.
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Noch einmal Jakob und Adele, dieses Mal etwas aktiver. (Bild aus einer langen Serie.)
Olympus OM-D E-M1 | 300 mm | ISO 200 | F9 | 1/500 Sek.
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Wie schon im letzten Post zum Olympus gesagt: Eigentlich sollte man mit dem 300 mm Geparde in Kenia fotografieren … aber man kann nicht alles haben.
Olympus OM-D E-M1 | 300 mm | ISO 800 | F5.6 | 1/1000 Sek. | + 0.3 EV
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Das Objektiv erlaubt noch geringere Abstände … die Ente aber nicht.
Olympus OM-D E-M1 | 300 mm | ISO 800 | F4.5 | 1/1000Sek. | +0.3 EV
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Schild vor samtweichem Hintergrund.
Olympus OM-D E-M1 | 300 mm | ISO 400 | F5 | 1/800 Sek.
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Auch hier ein schön verschwimmender Hintergrund, von dem sich  die Weidenkätzchen trotz ähnlicher Farbe gut abheben.
Olympus OM-D E-M1 | 300 mm | ISO 200 | F4 | 1/640 Sek.
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Noch einmal die stark raffende Wirkung des Superteles. Zwischen den Bäumen und Schloss Saaleck liegen rund 1,6 km,
Olympus OM-D E-M1 | 300 mm | ISO 400 | F9 | 1/800 Sek. | -0.3 EV
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Manchmal ist nur die lange Brennweite wichtig, und die hohe Abbildungsleistung wird nicht gebraucht. Blick über das Saaletal.
Olympus OM-D E-M1 | 300 mm | ISO 400 | F9 | 1/400 Sek.
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Und doch einmal etwas größere Tiere, wie dieser Elch im „Wildpark an den Eichen“ in Schweinfurt …
Olympus OM-D E-M1 | 300 mm | ISO 1600 | F4 | 1/400 Sek. | Tonwertkorrektur
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… oder auch dieses Damwild. Die Luchse, die es dort auch gibt, waren sogar mit 600 mm [@KB] an diesem Tag nicht zu erwischen.
Olympus OM-D E-M1 | 300 mm | ISO 800 | F5 | 1/2500 Sek. | Tonwertkorrektur
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Olympus OM-D EM-1 | 300 mm | ISO 800 | F4 | 1/6400 Sek.
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Olympus OM-D EM-1 | 300 mm | ISO 800 | F5,6 | 1/4000 Sek.
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Olympus OM-D EM-1 | 300 mm | ISO 800 | F4 | 1/1250 Sek.

 

Bilder (c) Herbert Kaspar

 

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