Heute wird die Olympus PEN-F offiziell vorgestellt (nachdem, wie heutzutage üblich, Bilder und Daten bereits vorab im Internet zu finden waren). Dass die microFourThirds-Kamera den Buchstaben „F“ im Namen trägt ist zwar einerseits eine Reminiszenz an die legendäre PEN-F von 1963, zeigt aber andererseits, dass sie sich von den bekannten Modellen der Pen E-Serien unterscheidet.

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Die PEN-F aus dem Jahr 1963. Das „F“ ist in gotischer Schrift ausgeführt. (Dasselbe „F“ verwendete übrigens Konrad Kujau auf den Umschlägen seiner Hitler-Tagebuch-Fälschungen, weil er es für ein „A“ hielt, was beim stern, der die Tagebücher bekanntlich für viel Geld kaufte, aber niemandem auffiel. Aber das nur nebenbei.)

Ein kurzer Blick zurück

Die erste Olympus PEN kam 1959 auf den Markt, eine Halbformatkamera. Sie sah, wie auch die nächsten Modelle, so aus, wie Sucherkameras dieser Zeit eben aussahen. Frischen Wind in das Design brachte 1963 dann die PEN-F, die von Yoshihisa Maitani entworfen worden war. Sie genießt heute Kultstatus.

Diese PEN-F stand Pate, als Olympus 2009 mit der PEN E-P1 ihre erste spiegellose Systemkamera vorstellte und die Konturen des Gehäuses erinnerten an den Oldie. Was viele an der schnuckeligen Kamera vermissten, war der eingebaute Sucher. Den bekamen auch die späteren E-P-Modelle nicht, ebenso wenig die Kameras der anderen PEN E-Serien. Wer eine Spiegellose mit Sucher von Olympus wollte, musste zu einer OM-D greifen – technisch gesehen natürlich eine exzellente Alternative, aber vom Design her ganz anders, angelehnt an die SLR-Kameras der OM-Serie in den 1970er und 1980er Jahren (die übrigens ebenfalls Yoshihita Maitani konzipiert hatte).

Und nun zur nagelneuen PEN-F

Anders als die PEN E-Modelle weist sie einen eingebauten Sucher auf, orientiert sich aber wieder an der Formensprache der alten PEN-F, kommt also im Retro-Design und ohne Sucherdach daher. Das erinnert natürlich an die GX-Kameras von Panasonic oder die X-Pro- und X-E-Modelle von Fujifilm.

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Wüsste man es nicht besser, könnte man die Olympus PEN-F für eine elegante hochwertige Kompaktkamera der 1960er oder 1970er Jahre halten. Das Einstellrad auf der Vorderseite erinnert an die erste PEN-F aus dem Jahr 1963, nur, dass man keine Verschlusszeiten einstellt, sondern Funktionen wählt, um die Bildwiedergabe zu optimieren oder die Aufnahme kreativ zu beeinflussen.

Der Sucher ist (von hinten gesehen) in der linken oberen Ecke untergebracht. Der Blick fällt auf einen Monitor mit der hohen Auflösung von 2,36 Mio. Dots. Er zeigt die bei EVFs üblichen ca. 100 % des späteren Bildes bei einer Vergrößerung von 0,62x @ [KB]. Das ist ein sehr guter Wert, kommt aber nicht an die 0,74x [@KB] heran, womit etwa die OM-D E-M5 Mark II aufwarten kann. Das kleine Einstellrad für den Dioptrienausgleich liegt neben dem Okular.

Alternativ gibt es den Rückwand-Monitor als Sucher / Informationszentrum, der mit 3“ Diagonale und 1,036 Mio. RGB-Dots dem Durchschnitt entspricht. Obwohl er ein scharfes Bild zeigt, wären einige Hunderttausend Dots mehr keine schlechte Entscheidung der Entwickler gewesen. 3,2“ und 2,36 Mio. RGB-Dots sind auf jeden Fall machbar, wie die Nikon D500 zeigt – wobei die 3“-Diagonale der PEN-F natürlich auch mit deren Gehäusegröße zusammenhängt. Positiv fällt auf, dass der Monitor beweglich untergebracht ist und im Gegensatz zu den OM-D-Modellen gedreht und geschwenkt werden kann und dass es sich um ein Touchscreen-Modell handelt. Hier kann man nicht nur diverse Einstellungen schnell vornehmen, sondern auch den AF-Punkt festlegen. Letzteres ist nicht nur im Live-View-Modus möglich, sondern auch im Suchermodus. Der Monitor dient dann als Touch-Pad oder, wie Olympus es nennt, AF-Targeting Pad.

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Die Rückwand wird zum größten Teil vom Monitor eingenommen, der nach links geschwenkt und um die horizontale Achse gedreht werden kann. Gut zu erkennen ist die Struktur der hochwertigen Einstellräder. Daumenmulde und sogar die Außenseite des Monitors sind mit demselben Material belegt, das auch einen großen Teil der Vorderseite bedeckt. Die Einstelltasten und die Vier-Richtungs-Wippe sind gut beschriftet und geben keine Rätsel auf.

Ebenfalls neu, und das nicht nur in einer PEN, sondern generell in einer CSC von Olympus: der 20-MPix-Sensor, der natürlich das FourThirds-Format von 17,3 x 13 mm aufweist. Mit dem Schritt auf 20 MPix  war  zu rechnen, nachdem Panasonic mit der Lumix GX8 bereits im letzten Herbst die lange geltende Grenze von 16 MPix  auf FT-Sensoren überschritten hatte (einen Hand-on-Bericht über die GX8 finden Sie hier auf unserer Seite). Um Missverständnisse zu vermeiden: Die Bezeichnung FourThirds (FT) bezieht sich auf die Sensorgröße von 17,3 x 13 mm, die es schon in DSLR-Kameras gab, die Bezeichnung microFourThirds (mFT) bezieht sich auf das System mit  spiegellosen Gehäusen.  20 MPix bedeutet, dass die Bilder maximal 5184 x 3888 Pixel groß sind. Damit sind bei 300 ppi mindestens Druckgrößen von 438 x 328 mm möglich.

Vor dem Sensor ist kein Tiefpassfilter untergebracht, was der Bildqualität zugutekommen soll. Da es diesen Sensor aber nicht auch mit Tiefpassfilter gibt,  lässt sich nicht feststellen, wieviel das Fehlen des Tiefpassfilters tatsächlich zur ausgezeichneten Abbildungsleistung beiträgt (die natürlich auch davon abhängt, welches der über 40 mFT-Objektive, die es zur Zeit gibt, an der PEN-F sitzt).

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Die Oberseite ist aufgeräumt. Auf dem Betriebsartenwählrad fällt auf, dass es vier Positionen für Einstellungen gibt, die man sich als Fotograf für unterschiedliche Lieblingsmotive zusammenstellen kann. Dass Korrekturfaktoren im Bereich vom +-3 EV schnell direkt eingegeben werden können, ist praktisch, da man immer wieder Motive antrifft, die man lieber etwas heller oder etwas dunkler ins Bild setzen möchte.

Wenn die 20 MPix für Aufnahmen einmal nicht reichen und ein Motiv abgebildet werden soll, das sich nicht bewegt, kann man nun auch mit einer PEN per Pixelshift eine höhere Auflösung erzielen. Es entstehen in sehr schneller Folge acht Aufnahmen, zwischen denen der Sensor in 0,5-Pixel-Schritten waagerecht und senkrecht verschoben wird. Schon in der Kamera wird dann ein 50-MPix-Bild berechnet. Bekannt ist diese Technik von der OM-D E-M5 Mark II (hier und hier finden Sie Beiträge auf unserer Seite).

Die Beweglichkeit des Sensors wird auch für den 5-Achsen-Bildstabilisator verwendet, der bis zu 5 Verschlusszeitenstufen gegenüber der normalen Freihandgrenze bringen soll.

Als Empfindlichkeiten lassen sich Werte von ISO 80 (LOW) bis maximal ISO 25.600 einstellen. Die Grundeinstellung ist LOW bis ISO 1600, woraus man aber nicht schließen sollte, dass Olympus den Werten ab ISO 3200 misstraut.

Die eben angesprochene Pixel-Shift-Funktion zeigt, dass der Bildprozessor True Pic VII sehr schnell und leistungsfähig ist. Das schlägt sich auch anderswo nieder. Die PEN-F startet schnell, zwischen Auslösen und Aufnahme vergeht keine wahrnehmbare Zeit und in der schnellen Serienbildschaltung bringt sie es auf rasante 10 B/Sek. Man wird sie selten brauchen, aber es ist gut zu wissen, dass die Möglichkeit besteht. In der L-Einstellung bekommt man 5 B/Sek. Speichert man RAW-Daten, ist die Serie nach 16 Bilder zu Ende. Die Länge von JPEG-Serien hängt von der Speicherkarte ab.

In diesem Zusammenhang muss auch die schnelle AF-Geschwindigkeit erwähnt werden – obwohl Olympus beim Kontrast-AF bleibt und auf die Integration von Phasen-AF in ein Hybridsystem verzichtet. Je nach Modus stehen zwischen 81 und 800 Messfelder zur Wahl.

Die AF-Modi entsprechen dem, was heute üblich ist, AF-Tracking und Augenerkennung inklusive.

Noch nicht üblich, aber auch nicht ganz neu ist Fokus-Bracketing, mit dem bis 999 Aufnahmen mit unterschiedlichen Schärfenebenen gemacht werden können.

Wenn manuell fokussiert werden soll, hilft Fokus-Peaking, eine nicht mehr neue, aber sehr praktische Funktion.

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Auf der rechten Schmalseite sind die Buchsen für den HDMI- und USB-Anschluss sowie AV/Out hinter einer Klappe untergebracht.

In Sachen Belichtungsmessung gibt es eine Neuerung: Das Spot-Messfeld kann an das aktive AF-Messfeld gekoppelt werden. Das ist in der Praxis mit Vorsicht zu genießen. Wenn die Schärfe auf eine  sehr helle oder sehr dunkle Stelle im Motiv gelegt wird, kann das die Spotmessung in die Irre führen.

Außer der Spotmessung stehen Mehrfeld- und mittenbetonte Integralmessung zur Wahl, außerdem die Messung mit Lichter- bzw. Schattenpriorität, wie man sie von Olympus schon kennt.

Die Belichtungssteuerung bietet neben Programm-, Zeit-, Blendenautomatik und manuellem Modus auch alles, was Aufsteiger in dieses Kamerasegment sich wünschen könnten: Vollautomatik und 24 Aufnahmeprogramme, darunter Handheld-Starlight, das 8 Aufnahmen zu einer verrechnet, wobei Rauschen auf der Strecke bleiben soll.

Dazu kommt die Olympus-typische Funktion „Live Composite“, um Langzeitbelichtungen exakt steuern zu können, und auch die Photo-Story ist an Bord, um aus mehreren Bildern gleich bei den Aufnahmen eine Collage zu erstellen.

Vom mechanischen Verschluss werden Zeiten von 1/8000 Sek. bis 60 Sek. bereitgestellt. Mit dem elektronischen Verschluss kommt man noch eine Stufe weiter bis 1/16000 Sek.

Erstmals in einer PEN ist es bei der PEN-F möglich, über die Gradationskurve Einfluss darauf zu nehmen, wie Lichter und Schatten in Farb- und Monochrome-Aufnahmen ins Bild kommen.

Diese beiden Modi erreicht man über ein neues Einstellrad auf der (von hinten gesehen) rechten Vorderseite der PEN-F. Das ist eine weitere Verbindung zur Original PEN-F, die an dieser Stelle das Verschlusszeitenrad aufwies (das die neue PEN-F auch an anderer Stelle nicht zu bieten hat).

Am Front-Einstellrad lässt sich auch die Art-Filter-Funktion wählen. Als sie mit der PEN E-P1 vorgestellt wurde, wurde sie durchaus auch mal belächelt, ist aber heute – nicht nur bei Olympus – als interessante Erweiterung des kreativen Funktionsangebots voll akzeptiert. Wer sich nicht entscheiden kann, kann mit einer Aufnahme mehrere Art-Filter-Ansichten speichern.

Nachdem Panasonic in seinen mFT-Modellen 4K nicht nur fürs Filmen, sondern auch fürs Fotografieren anbietet (hier und hier finden Sie Beiträge dazu) fällt auf, dass Olympus bei der PEN-F auf diese Techniken verzichtet. Zwar kann gefilmt werden, aber maximal mit Full-HD-Auflösung mit einer Frequenz  von 60p.

Wenn schon kein 4K, dann wenigstens WLAN – ein entsprechendes Modul ist eingebaut und man kann die Verbindung über einen QR-Code herstellen.

Nach dem Blick auf Innenleben und Ausstattung nun ein Blick aufs Gehäuse, das mit 124,8 x 72,1 x 37,3 mm (ohne überstehende Teile) ebenso breit ist, wie die OM-D E-M5 Mark II, aber wegen des fehlenden Sucherdachs rund 13 mm niedriger. Olympus setzt auf Metall, um dem Body ein Höchstmaß an Robustheit / Widerstandsfähigkeit mit auf den Weg zu geben, der sicher auch in Profi-Gefilde führen wird. Der Belag ist griffig und sieht dazu auch noch gut aus. Mehr dazu in den Texten zu den Ansichten der Kamera.

Zum Schluss

In der Pressemittteilung heißt es über die PEN-F, sie sei ein „Sammlerstück für Designliebhaber dank exzellenter Verarbeitungsqualität und der Verwendung hochwertiger Materialien“. Dem möchte ich nicht widersprechen. Aber ich bin mir trotzdem sicher, dass die PEN-F bei den meisten Käufern für’s  Bildermachen eingesetzt und dabei als Kamera überzeugen wird.

 

Verfügbarkeit

Ende Februar 2016

Preis (UVP)

Gehäuse

  • 1199,- €
  • 1399,- CHF

Set mit M.Zuiko Digital ED 17 mm F1.8

  • 1499,- €
  • 1699,- CHF

Set mit M.Zuiko Digital  ED 14-42mm F3.5-5.6 Z Pancake

  • 1399,- €
  • nicht in der Schweiz

 

Hinweis

Praxisbilder in Originalgröße finden Sie hier.

 

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