Die Olympus PEN-F ist nicht das neueste Modell unter den spiegellosen Systemkameras von Olympus – aber ein überaus interessantes.

Zwei Wochen Urlaub. Neben top-aktuellen DSLR-Modellen und einigen Objektiven soll auch eine kleine leichte spiegellose Systemkamera mit nach Blåvand in Südwest-Dänemark, einfach so, für Bilder zwischendurch.Die Auswahl ist nicht sehr groß, aber groß genug, um ein bisschen Bauchweh zu machen. Letztendlich kann es aber doch nur eine geben, denn der Laderaum des Autos ist schon ausgefüllt – ordentlich ausgefüllt, wenn ich das selbst sagen darf.

Da spielt Übung auch eine gewisse Rolle. Und da wir das vierte Mal nach Blåvand fahren, bin ich geübt.

Vier Mal Blåvand? Ist das nicht langweilig? Lassen Sie es mich so sagen: Der Ort ist nicht der Brüller.

Blavand, Shop

Die Hauptstraße ist im Grunde die einzige größere Straße, mit Shops für die Touristen (und ihre Kinder), Lokalen und mit Eisdielen, die zwar anders sind, als wir sie gewohnt sind – aber extrem leckeres Softeis bieten. Besonders extrem lecker auf frischen dänischen Waffeln.

Aber die Landschaft, in die sich die Ferienhäuser kuscheln ist toll, der Leuchtturm mehrere Besuche wert …

Blavand, Leuchtturm, Abend

Der Leuchtturm am Ende der Leuchtturmstraße – des Fyrvej. Man sollte tagsüber, abends und in der Nacht mindestens je einmal hier sein. Blåvandshuk Fyr steht am westlichsten Punkt Dänemarks, ist 39 m hoch und man muss 170 Stufen steigen, um weit  über die Nordsee und die Heidelandschaft blicken zu können.

und der Strand … einfach genial.

Blavand, Strand, schlechtes Wetter

Der Strand. Kilometer lang. Schmal genug, um schnell von den Dünen zum Wasser zu kommen, breit genug, um sich frei zu fühlen. Auch bei aufziehendem Regen definitiv einen Besuch wert. Weil Wolken und Meer gleich wichtig sind,, liegt der Horizont hier einmal genau in der Mitte!

Die Entscheidung fällt dann zugunsten der Olympus PEN-F. Sie kam Anfang 2016 auf den Markt, und damit rund 53 Jahre nach der ersten PEN F, einer Halbformatkamera, wie sie sich damals großer Beliebtheit erfreuten.

Olympus PEN-F

Als die digitale PEN-F auf den Markt kam, war sie die zweite Kamera im mFT-System mit einem 20 MPix-Sensor. Die maximale Bildgröße liegt bei 5184 x 3888 Pixel. Bei einer Druckauflösung von 300 ppi (Standard bei vielen Zeitschriften und auch bei der d-pixx) können Bilder in einer Größe von mindestens 438 x 329 mm gedruckt werden!

Das Design der digitalen PEN-F, das sich stark an jenem der ersten PEN F orientiert, gefällt mir ausgesprochen gut. Ich mag diese Digitalkameras im Leica-Look, seit die Olympus E-300 / E-330 und die Panasonic Lumix DMC-L1 – alles noch DSLR-Modelle, aber schon mit FourThirds-Sensor – ihn vor 13 bzw. 11 Jahren erstmals zeigten.

Olympus PEN-F

Passend zum Retro-Look sind die „Belederung“, die auch die Außenseite des schwenk- und drehbaren Monitors umfasst, und der Drahtauslöseranschluss im Auslöser, den nur die Älteren unter unseren Lesern werden würdigen können. (Ehrlich gesagt, liegen meine Drahtauslöser immer noch in der Vitrine bei den etwas älteren Kameras und ich habe stattdessen den Olympus RM-UC1 im Einsatz).

Ebenfalls eine Verbeugung vor dem Design der ersten PEN F: Das Einstellrad auf der Vorderseite. Damals konnte hier der ISO-Wert eingestellt werden, heute wählt man zwischen verschiedenen Funktionen, die die Bildwirkung beeinflussen (dazu mehr in späteren Folgen).

Eine Besonderheit des Gehäuses, das aus Aluminium und Magnesium besteht: Man kann schauen, wie man will: Es sind keine Schrauben zu sehen! Das hat keinen Einfluss auf die Arbeit mit der PEN-F und schon gar nicht auf die Qualität der Bilder. Aber es macht Freude.

Olympus PEN-F

Außer dem eben erwähnten Rad sind auf dem schlanken Gehäuse schön viele direkte Einstellelemente vorhanden. Dazu gehören das arretierbare Betriebsartenwählrad, ein Wählrad für Belichtungskorrekturfaktoren, zwei Einstellräder, eine 4-Richtungswippe, und 12 Tasten und Schalter, von denen nicht nur die beiden Fn-Tasten passend zu den eigenen Vorstellungen umprogrammiert werden können.

Die Fn1-Taste belege ich mit der AF-Home-Funktion. Nach einem Druck wird mir das AF-Messfeld oder auch das Neuner-Raster aus AF-Punkten, das ich gerne nutze, sofort in die Mitte des Bildfeldes gelegt (andere Einstellungen sind auch möglich).

Mit Fn2 rufe ich die HDR-Funktion auf (zunächst mal, das kann sich ändern, und wenn ich es ändern will, geht es schnell).

Dass es eine Abblendtaste gibt, finde ich sehr lobenswert. Im Gegensatz zum optischen Sucher werden die Suchermonitore der PEN-F nicht dunkel, wenn man die Blende schließt, sondern man sieht im hellen Bild, wie sich die Ausdehnung der Schärfenzone verändert. Das ist optimal für die Bildgestaltung mit Blendenvorwahl, die ich gern verwende.

Als praxisnahe Ergänzung zu den physischen Einstellelementen gibt es das Quick-Menü, das nach dem Druck auf die OK-Taste auf dem Monitor erscheint und Zugriff auf 21 Funktionen erlaubt. Wie viele Einstellmöglichkeiten das Hauptmenü bietet, habe ich nicht gezählt. Es sind viele und jeder sollte hier, ggf. nach einigem Scrollen, finden, was ein- oder umgestellt werden sollte.

Olympus PEN-F

Der bereits angesprochene Rückwandmonitor der PEN-F macht mir durch seine Beweglichkeit (nicht nur) Aufnahmen aus der Froschperspektive einfacher. Er lässt sich um 180° nach links schwenken und dann um die Längsachse drehen. Damit gibt es einerseits deutlich mehr Richtungen, aus denen man das Bild sehen kann, als bei einem „nur“ nach oben und unten schwenkbaren Monitor, andererseits wird die Kamera breiter, was mich aber nicht stört. Mit 3“ Diagonale und 1,04 Mio. Dots ist er immer noch auf einem Top-Niveau – wozu auch gehört, dass er eine berührungssensitive Oberfläche aufweist (Touchscreen).

Touchscreen ist wichtig, aber wichtiger ist mir der Sucher mit dem Einblick in der linken oberen Ecke. Mit seiner Vergrößerung von 0,62x [@KB] kommt er zwar nicht an die Sucher der aktuellen OM-D Modelle heran, aber die Größe ist auf jeden Fall sehr gut und die Auflösung von 2,36 Mio. Dots bringt ein kristallklares Bild.

Was ebenfalls für die PEN F als Begleiterin nach Dänemark spricht: Im Schrank warten drei interessante M.Zuiko-Objektive, die zusammen gerade mal 482 g auf die Waage bringen, darauf, wieder einmal eingesetzt zu werden.

Und so wird noch eine kleine Golla-Fototasche gepackt, die nur 27 x 20 x 16 cm misst, voll knappe 1600 g schwer ist und Folgendes enthält:

1x Olympus PEN F Gehäuse
1x Olympus M. Zuiko Digital 3,5-6,3/12-50 mm EZ ED MSC
1x Olympus M. Zuiko Digital 1,8/17 mm MSC
1x Olympus M. Zuiko Digital 1,8/45 mm MSC
1x Olympus Remote Cable RM-UC1
1x Box mit Speicherkarten

Olympus PEN-F und Objektive

Da fehlt etwas? Ja. Aber das Akkuladegerät ist natürlich dabei, jedoch anderweitig untergebracht!

Auf geht’s.

Bis hierher wurde dieser Text vor der Abreise geschrieben. Da ahnte ich noch nicht, dass wir statt der rund neun Stunden in den letzten Jahren in diesem Jahr rund fünfzehn Stunden auf der Autobahn verbringen würden.

Aber dann zum Strand … alles wieder gut!

Blavand, Strand

Genau dieses Bild muss sein. Am ersten Tag zu einem der Dünen-Übergänge und dann … der Strand, das Meer, unendliche Weiten. Nun – ganz unendlich nicht. Aber von hier aus kann man rund 15 km nach links laufen und dann nach Esbjerg schauen. Nach rechts kommt man, wenn man den Truppenübungsplatz bei Blåvand passieren darf, nach rund 55 km nach Hvide Sande und dann geht der Strand weiter und weiter und weiter … 

Blavand, Strand

Ein gefundenes Stillleben am Strand. Vielleicht auch nicht ganz gefunden … die Feder mag vorher anderswo gelegen haben.
Um den hellen Sand gut ins Bild zu bekommen, war eine Korrektur um +0,7 EV eingestellt.

Blavand, Strand, Sonnenuntergang

Am Strand von Blåvand sind vier Bunker des ehemaligen Westwalls mit Muli-Köpfen- und Schwänzen versehen worden. Mulis deshalb, weil diese Tiere sich nicht fortpflanzen können – so wie die Bunker und die Idee dahinter sich nicht fortpflanzen sollen.

Ehemaliger Westwall-Bunket am Strand von Blavand

Zwischen dem Bild oben und diesem liegen nur wenige Minuten, aber die Stimmung ist eine ganz andere, da hier das warme Licht der tief stehenden Sonne eingefangen wird.

Blavand, Strand, Sonnenuntergang

Noch ein paar Minuten und ein paar Schritte am Strand entlang später entstand dieses Bild. Man ist selten ganz allein am Strand, aber er ist nie überfüllt. Wenn man es darauf anlegt und Geduld hat, kann man abends den Strand auch menschenleer ins Bild bringen.

 

Text und alle Bilder (c) Herbert Kaspar

 

Weiterführende Links

Olympus OM-D E-M10 Mark III – Erster Test und Praxisbilder

Olympus OM-D E-M1 Mark II – ISO-Reihe 

Olympus OM-D E-M1 Mark II – Hands-on 

Ein paar Tage Urlaub mit der Olympus PEN-F / 2

Ein paar Tage Urlaub mit der Olympus Pen-F / 3

Ein paar Tage Urlaub mit der Olympus PEN-F / 4

Ein paar Tage Urlaub mit der Olympus PEN-F / 5

Über den Autor

Herbert ist der Chefredakteur von d-pixx und d-pixx.de.