Zur photokina 2014 wurde die Samsung NX1 als neues Flaggschiff der spiegellosen Systemkameras des koreanischen Herstellers präsentiert, das u. a. mit hoher Auflösung und Schnelligkeit punkten soll. Ob das klappt, haben wir in der Praxis angeschaut.

Samsung kann sehr gute Kameras bauen, das ist hinlänglich bekannt. Wir brauchen gar nicht weit zurück zu gehen und nur einen Blick auf die NX30 werfen. Und Samsung gehört auch zu den innovativen Herstellern, wie etwa durch die (mittlerweile verbreitete) Integration von WiFi Modulen in die Kameras bewiesen wurde, oder auch durch die Kombination eines Smartphone-Betriebssystems mit Kameras (auf die Spitze getrieben inzwischen von Panasonic mit der Lumix DMC-CM1, die Smartphone und ernst zu nehmende Kamera mit Topobjektiv in einem ist).

War schon die Samsung NX30 eine hervorragende Kamera, so soll nun noch eins draufgesetzt werden. Mit der spiegellosen Systemkamera NX1 drängt Samsung mit Macht in das Kamera-Oberhaus und tritt damit gegen bekannte und bekanntermaßen hervorragende Spiegellose an, wie die Pansonic Lumix DMC-GH4 und Olympus OM-D E-M1 auf dem mFT-Sektor oder die X-T1 von Fuji mit APS-Chip. Aber auch DSLR-Modelle mit APS-Sensor wie die neue EOS 7D Mark II und die nicht mehr ganz so neue Nikon D7100 sind direkte Rivalen.

Gehäuse

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Das Gehäuse der NX1 ist DSLR-ähnlich – und zwar nicht nur in der Form, sondern auch in der Größe. Der fehlende Spiegelkasten schlägt sich allerdings in einem etwas schlankeren Body nieder, als ihn etwa die eben erwähnten Modelle von Canon und Nikon aufweisen.

Das Gehäuse besteht aus einer Magnesiumlegierung, die es robust und widerstandsfähig macht, dabei das Gewicht aber moderat halten kann. Ohne Objektiv wiegt das Gehäuse gute 630 g, aber da man ohne Objektiv recht wenig damit anfangen kann, ist das eine eher unwichtige Angabe. Setzt man, wie wir bei unserem Test, das hervorragende Standardzoom 2-2,8/16-50 mm an die NX1, muss man ein Gewicht von rund 1250 g schultern. Aber das ist immer noch weniger als etwa bei einer EOS 7D Mark II  oder D7100, die mit dem jeweils passenden 2,8/17-55 mm gute 1500 g auf die Waage bringen.

Die NX1 ist gegen Staub und Spritzwasser geschützt, kann also auch bei schlechtem Wetter und in unwirtlichen Gegenden eingesetzt werden – voraus gesetzt natürlich, dass auch das Objektiv mit entsprechenden Dichtungen versehen ist. Beim angesprochenen 2-2,8/16-50 mm ist das der Fall und auch das brandneue 2,8/50-150 mm gehört in diese Kategorie. (Bei den Brennweitenangaben muss immer der Cropfaktor von 1,5x berücksichtigt werden.)

Sucher

Unter dem elegant abgerundeten Sucherdach befindet sich – die NX1 ist ja eine spiegellose Systemkamera – ein elektronischer Sucher (EVF), der ein großes Bild zeigt.  Es ist etwa so groß wie das einer Canon EOS 5D Mark III, kommt aber nicht ganz an die Olympus OM-D E-M1 heran.

Der OLED-Sucher zeigt 100 % des Bildes, das vom Sensor aufgenommen wird. Das heißt, dass man das Motiv exakt ins Bild zirkeln kann, obwohl es in der Praxis oft angebracht ist, ein bisschen Luft an den Rändern zu lassen, um bei der Bildbearbeitung mehr Spielraum zu haben, wenn etwa stürzende Linien auszugleichen sind.

Die Auflösung des Sucherbildes entspricht der guten alten XGA- Auflösung, und es ist noch gar nicht so sehr lange her, dass man sich über einen 15“ PC-Monitor freute, der 1024 x 768 Pixel aufzuweisen hatte. Bei der NX1 sitzen diese 786.432 Bildpunkte (von denen sich jeder aus 3 RGB-Subpixeln zusammensetzt) auf einem Monitor mit einer Diagonalen von 0,39 Zoll – man kann sich also leicht vorstellen, dass man hier ein sehr scharfes Bild zu sehen bekommt. Auch Kontrast und Farbwiedergabe sind sehr gut. Erst in dunklen Umgebungen kommt leichtes Rauschen ins Spiel, das aber nicht störend wirkt.

Die Farbwiedergabe des kleinen Monitors ist in der Grundeinstellung sehr gut, kann aber bei Bedarf angepasst werden.

Blitz

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Im Sucheraufbau hat ein ausklappbarer Blitz seinen Platz, der mit einer Leitzahl von 11 (ISO 100, m) nicht sehr leistungsstark ist, aber das sind die eingebauten Blitze anderer Kameras auch nicht. Zum Aufhellen ist die Blitzleistung allemal gut, und man kann auch mal mittelgroße Räume ausleuchten – mit den üblichen Nachteilen eines nicht sehr schönen, flachen und harten Lichtes.

Wird mehr Blitzlicht gebraucht, kann man ein als Zubehör erhältliches, stärkeres Gerät in den Blitzschuh setzen. Mit Schwenkreflektor und indirekter Ausleuchtung lassen sich dann deutlich bessere Ergebnisse erzielen.

Was fehlt, ist eine Blitzbuchse, um die Kamera schnell per Synchronkabel in eine Blitzanlage einzubinden. Das ist bei einer Kamera, die in den Profibereich vorstoßen möchte, schade. Aber damit ist die NX1 nicht allein – z. B. kommt auch die Nikon D750 ohne Blitzbuchse daher.

Direktzugriff

Links vom Sucherdach ist ein Doppeleinstellelement zu finden, das ein wenig an die „großen“ Nikon DSLR-Modelle – D4, D4S – erinnert.

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Zum einen ist da der Einstellring für die Bildfolgefunktionen. Hier wählt man Einzelbild, Serienbild (normal), Serienbild (hoch), Selbstauslöser oder Bildreihen (Bracketing), die nicht nur bei der Belichtung, sondern auch beim Weißabgleich, bei den Bildstilen oder bei der Ausdehnung der Schärfenzone mehrere Varianten eines Motivs aufnehmen. Letzteres ist interessant, wenn man trotz Betätigung der lobenswerterweise vorhandenen Abblendtaste nicht abschätzen kann, ob die eingestellte Blende für eine ausreichend große Schärfenzone sorgen kann.

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Der Ring umgibt vier Tasten für den Direktzugriff auf vier Grundeinstellungen, und zwar Empfindlichkeit, AF-Modus, Weißabgleich und Messfeldcharakteristik für die Belichtungsmessung.

Außer diesen vier Tasten gibt es noch einen weiteren Knopf, mit dem man direkt zu einer Funktion gelangt, nämlich den für die Belichtungskorrekturfaktoren.

Quickmenü

Diese Zurückhaltung in Sachen Direktzugang wird durch die Fn-Taste auf der Rückwand wieder wettgemacht. Wenn man sie drückt, wird auf dem aktiven Monitor – also entweder im Sucher oder auf der Rückwand – das Quickmenü angezeigt, in dem sich bis zu 12 Funktionen schnell aufrufen und verändern lassen. Die maximale Zahl an Funktionen steht dann zur Wahl, wenn man Verschlusszeit und Blende manuell einstellt.

Was man im Quickmenü einstellen möchte, kann man mit einem Einstellrad, der Vierrichtungswippe oder durch Antippen des Monitors wählen, denn der Monitor hat eine berühungssensitive Oberfläche (Touchscreen). Wir kommen darauf noch zurück.

iFn (i-Function)

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Hinzu kommt, wenn das Objektiv mit der iFunction-Taste ausgestattet ist, eine weitere Möglichkeit, um sechs Einstellungen vorzunehmen: Blende, Verschlusszeit, Belichtungskorrektur, Empfindlichkeit, Weißabgleich und die Einstellung des „Intelli-Zooms.“ Nach dem Druck auf die iFn-Taste bzw. durch mehrfaches Drücken wird ein passendes virtuelles Einstellrad angezeigt und man kann man den entsprechenden Wert über den Touchscreenmonitor oder durch Drehen des echten Einstellrings am Objektiv verändern. Besonders die letzte Möglichkeit ist sehr praktisch, wenn man die Kamera am Auge hat und schnell eine der Einstellungen ändern möchte.

Betriebsartenwähler

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Auf der rechten Schulter der NX1 findet man das große Betriebsartenwählrad. Man kann es verriegeln, indem man den Knopf in der Mitte drückt, aber das wird kaum einmal nötig sein. Das Rad rastet sehr gut und kann praktisch nicht versehentlich verdreht werden, wenn man die Kamera beispielsweise in eine enge Fototasche drückt.

Mit dem Rad können alle, die selbst über Blende und Verschlusszeit bestimmen wollen, zwischen Zeitautomatik, Blendenautomatik und Manuellmodus wählen. Auch die Programmautomatik macht es dank der Shift-Funktion möglich, das von der Kamera vorgegebene Zeit/Blende-Paar zu verändern und damit Bewegungseffekt und Schärfenzone im Bild zu beeinflussen. Wie inzwischen nicht unüblich, kann auch die ISO-Automatik für die automatische Belichtungssteuerung genutzt werden, so dass man bei wechselnden Lichtverhältnissen Zeit und Blende unverändert lassen kann.

Für Einsteiger und für alle, die es mal ganz bequem haben möchten, gibt es eine Vollautomatik, die sich dann nicht nur um die Belichtung, sondern auch um den Weißabgleich oder eventuell nötige Belichtungskorrekturen kümmert. Das funktioniert sehr gut. Dazu kommen noch 13 Motivprogramme, die bei Samsung  unter dem Oberbegriff „Smart Modus“ zusammen gefasst sind und sich hinter dem Kamerasymbol auf dem Einstellrad verbergen. Sie werden dann über den Monitor aufgerufen.

Unter den 13 Programmen sind einige der üblichen Verdächtigen, wie Landschaft oder Momentaufnahmen (anderswo als Sport- oder Actionprogramm im Angebot) und auch Spezialitäten, wie die „Automatische Aufnahme von Samsung“. Dahinter verstecken sich zwei Programme für Baseball- und Sprungaufnahmen. Wir haben sie ehrlich gesagt nicht ausprobiert – die Panorama- und HDR-Funktionen dagegen schon. Sie funktionieren einfach und bringen tadellose Ergebnisse.

Wer immer wieder unter denselben Bedingungen fotografiert, kann die dafür passenden Einstellungen speichern. Das geht schnell, indem man ein kleines Icon links auf dem Monitor antippt, die nun angezeigten aktiven Einstellungen prüft und schließlich bestätigt. Zwei Speicherplätze stehen zur Verfügung. Will man die eigenen Programme nutzen, dreht man das Wählrad auf C1 oder C2.

Auslöser, Einstellräder und mehr

Auf dem ausgeprägten Handgriff, der den Umgang mit der Kameras sicher und bequem macht, findet man den Hauptschalter, der den Fotoauslöser umgibt, den speziellen Auslöser für die Filmfunktion, die bereits erwähnte Taste für den direkten Zugriff auf die Belichtungskorrekturfaktoren und das erste von insgesamt drei Einstellrädern, die es möglich machen, die Kamera in jeder Situation problemlos zu beherrschen.

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Das zweite Einstellrad ragt rechts oben ein  Stückchen aus der Rückwand und wird gut mit dem rechten Daumen erreicht, wenn man die Kamera am Auge hat. Auch das dritte Einstellrad wird in Aufnahmeposition mit dem rechten Daumen gedreht. Es erinnert an die zu Recht oft gelobten Daumeneinstellräder der zwei- und einstelligen Canon EOS-Modelle, ist aber, anders als dort, gleichzeitig als Vierrichtungswippe ausgelegt.

Drückt man die Wippe nach oben, kann man die Anzeigen auf den Monitoren ändern und Histogramm oder Wasserwaage einblenden lassen, beides Anzeigen, die man in der Praxis sehr schnell zu schätzen lernt. Mit einem Druck nach rechts werden die Pegel für Stereo-Tonaufzeichnung angezeigt. Drückt man die Wippe auf der linken Seite, kann man das aktive AF-Messfeld wählen oder einstellen, dass die Automatik die Messfeldwahl übernehmen soll.

Drückt man die Wippe unten, wird der Bildassistent aktiviert, mit dessen Hilfe man den Bildern schnell einen bestimmten Look verleihen kann. Das kennt man auch von anderen Kameras – bei Canon zum Beispiel als Picture Styles / Bildstile. Bei den Looks der Samsung NX1 gibt es nichts Neues zu entdecken: „Lebhaft“ verstärkt die Farben, „Natur“ bringt leuchtendere Grüntöne, „Retro“ einen leichten Sepia-Stich und wenn man „Klassisch“ einstellt, erhält man S/W-Bilder. In der guten Gebrauchsanleitung, die als pdf-Datei vorliegt, wird vermutlich ungewollt aber trotzdem anschaulich gezeigt, dass man Bildstile wie Landschaft oder Natur nicht nur für die entsprechenden Motive nutzen kann, sondern dass es interessante Effekte geben kann (!), wenn man sie auf „unpassende“ Motive anwendet – in der Anleitung sind es Porträts.

Hauptmenü

Über die Fn-Taste und die Vierrichtungswippe kann man direkt zu Funktionen gelangen, die man immer wieder braucht. Man kann sie auch im Hauptmenü ändern, aber das dauert natürlich länger. Das Hauptmenü ist, wie üblich, dafür da, die Grundeinstellungen vorzunehmen. Der Aufbau des Hauptmenüs ist übersichtlich: Fotoaufnahme, Filmaufnahme, Benutzerdefinierten Modus verwalten und Grundeinstellungen. Entsprechend muss man gegebenenfalls ein Stück weit scrollen, um zu der Einstellung zu gelangen, die man ändern möchte. Aber da das nicht oft nötig ist, kann man damit gut leben. Und wie gesagt: es gibt zwei Plätze, um bestimmte Konfigurationen zu speichern und damit zu vermeiden,  in bestimmten Situationen Einstellungen über das Menü vornehmen zu müssen.

Monitore

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Hauptmenü, Schnellmenü und bei Bedarf natürlich auch das Sucherbild werden auch auf dem AMOLED Rückwandmonitor angezeigt. Natürlich wäre es schön, würde die ganze Fläche des Monitors für das Bild genutzt, denn dann hätte es eine Diagonale von gut 3,5“. Aber auch die tatsächliche Bildschirmdiagonale von 3“ ist auf der Höhe der Zeit und in Ordnung. Die Auflösung liegt bei 1,036 Mio. Dots, was zwar von einigen Displays überboten wird, aber für ein sehr scharfes Bild sorgt. Es ist auch in hellen Umgebungen gut zu sehen.

Die Oberfläche des Monitors ist berührungssensitiv, man kann ihn also für die Bedienung der Kamera nutzen. Besonders angenehm ist in der Praxis die Möglichkeit, durch einen Fingertipp auf den Bildschirm den Autofokuspunkt festzulegen und, wenn man möchte, gleichzeitig auslösen.

Damit spielt perfekt zusammen, dass der 3-Zöller der NX1 beweglich gelagert ist. Er lässt sich zwar nicht zur Seite schwenken und dann drehen – das Bild auf dem Monitor ist also nie zu sehen, wenn man vor der Kamera steht. Das ist Pech für die Selfie-Fans und schade bei Gruppenaufnahmen, wenn der Fotograf zur Gruppe gehört. Aber der Monitor kann nach oben und unten geneigt werden. Bei Aufnahmen mit einem tiefen Standort ist es deshalb sehr bequem möglich, ohne sich zu verrenken den Bildausschnitt zu bestimmen und den Fokuspunkt auf den wichtigsten Teil des Motiv zu legen.

Der mit der Fingerspitze gewählte AF-Punkt kann auch als Startpunkt für das AF-Tracking dienen, das auch bei Motiven, die sich schnell bewegen, sehr gut funktioniert und auch bei schnellen Bildserien genutzt werden kann.

Natürlich ist der große Rückwandmonitor auch das Informationszentrum, wo der Fotograf alle nötigen Informationen erhält. Zusätzlich bietet die NX1 einen kleinen Monochrom-Monitor auf der rechten Gehäuseschulter, der über den aktuellen Kamerastatus informiert. Er kann beleuchtet werden, was bei schlechten Lichtverhältnissen praktisch ist.

Die Umschaltung zwischen dem Sucher- und dem Rückwandmonitor kann manuell, aber auch automatisch erfolgen.

Weitere Ausstattungsdetails

Bleiben wir noch einen Moment beim Gehäuse. Auf der rechten Schmalseite ist das Kartenfach für eine SD-Karte untergebracht. Ein zweites Fach, gegebenenfalls für eine CF-Karte, wäre auf jeden Fall eine gute Sache, aber leider haben die Entwickler darauf verzichtet – bei einer Kamera, die ins Profisegment drängt, ist das nicht ganz nachvollziehbar.

Auf der linken Schmalseite verdecken zwei Klappen die Kameraanschlüsse. Wichtig für Filmer sind die Buchsen für Stereokopfhörer und –mikrophon. Für Kabelverbindungen zu anderen Geräten gibt es HDMI- und USB-Buchsen. Letztere kann auch für den Anschluss eines Fernauslösers genutzt werden.

Die Vorderseite der NX1 hat als Bedienelement nur die Vorschautaste (Abblendtaste) zu bieten. Dazu kommen die Objektiventriegelungstaste und eine kleine Leuchte, die den Ablauf des Selbstauslösers anzeigt und gegebenenfalls dem Autofokus bei zu wenig Licht auf die Sprünge hilft.

Am Kameraboden schließlich findet man das Stativgewinde in der optischen Achse, was leider nicht mehr bei allen Kameras der Fall ist, und die Kupplungselemente für den Batteriegriff. Außerdem hat man vom Boden aus Zugang zum Akkufach. In diesem Fach muss der Akku auch sein, wenn man ihn lädt, denn Samsung legt der NX1 zwar ein Ladekabel bei, das die Steckdose mit dem USB-Port verbindet, verzichtet aber auf eine Ladeschale. Das darf bei einer Kamera wie der NX1 eigentlich nicht wahr sein – ist es aber! Aber die NX1 ist nicht die einzige Kamera mit diesem Defizit, auch Sony ist bei den A7-Modellen so sparsam.

Kommen wir nun von den „Äußerlichkeiten“ zu den „inneren Werten“.

Der Sensor

BSI-Sensoren sind keine wirklich neue Sache mehr. Bisher gab es sie aber nur in kleinen Formaten, z. B. für Smartphones. In der Samsung NX1 steckt der erste APS-Sensor dieser Bauart. Bei „Backside Iluminated Sensoren“ fällt das Licht aber nicht von hinten auf den Chip, sondern er ist andersherum in die Kamera gebaut, als „Frontside Iluminated Sensoren“ – aber das führt hier zu weit.

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Wichtig ist, dass bei BSI-Sensoren die lichtempfindliche Fläche größer ist, als bei herkömmlichen Sensoren. Samsung nutzt das für opulente 28 MPix, eine Rekordmarke für APS-Sensoren und auch bei Vollformat gibt aktuell es nur wenige Kameras von Nikon und Sony, die eine höhere Auflösung zu bieten haben. Für eine optimale Ausnutzung der hohen Auflösung wird auf einen Tiefpassfilter vor dem Sensor verzichtet. In der Tat kann die NX1 – ausgestattet mit dem NX 2,8/60 mm Macro ED OIS SSA oder auch dem NX 2-2,8/16-50 mm S ED OIS Premium – feinste Details sauber trennen und durch knackscharfe Bilder überzeugen. Erst bei ISO-Werten jenseits von 800 wird die Detailwiedergabe etwas schwächer.  Der Sensor kommt auch mit hohen Kontrastumfängen im Bild bestens zurecht.

Der Empfindlichkeitsbereich spannt sich von ISO 100 bis 25.600 und kann bis 51.200 erweitert werden. Die Werte bis ISO 1600 können jederzeit genutzt werden. Erst bei ISO 3200 kann leichtes Rauschen zu entdecken sein. ISO 6400 ist in vielen Situationen noch alltagstauglich. Bei ISO 12.800 gehen dann feine Details verloren – ob man das Helligkeitsrauschen tolerieren kann, muss von Fall zu Fall entschieden werden. Auch bei ISO 25.600 ist nur Helligkeits- und kein Farbrauschen zu erkennen, aber von der Detailwiedergabe sollte man sich jetzt nicht mehr zu viel erwarten. (Die ISO-Reihe mit 100 %-Crops ist am Ende des Beitrags zu finden!)  Damit ist der Sensor der NX1 trotz höherer Auflösung besser, als der 20-MPix-Chip der NX30 – und schon die ist eine hervorragende spiegellose Systemkamera.

Geschwindigkeit

Die NX1 ist praktisch mit dem Einschalten aufnahmebereit. Und Tempo ist auch die Devise bei der Serienbildfunktion. Maximal sind 15 B/Sek. möglich. Man wird sie im Fotoalltag nicht so sehr oft brauchen, aber wenn es darum geht, Bewegungen in Einzelbilder aufzulösen, ist diese Bildfrequenz wirklich beeindruckend.

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Andere schnelle Kameras, wie die Sony Alpha 6000 mit 11 B/Sek., die Sony SLT A77 II mit 12 B/Sek. oder die Canon EOS 7D Mark II mit 10 B/Sek.,  werden auf die Plätze verwiesen. Mit einer Sandisk Extreme Pro 16 GB (95 MB/s) konnten wir Serien mit insgesamt 71 Bildern (JPEG Super Fine) aufzeichnen, ehe die Geschwindigkeit nachließ. Das entspricht einer Aufnahmedauer von nicht ganz 5 Sek. Bei 10 B/Sek. haben wir die Serie nach etwa 15 Sek. abgebrochen, weil es langweilig wurde.

Autofokus

Das Schöne bei diesen schnellen Bildserien ist, dass der Autofokus mitkommt und Motive, die sich bewegen, von Bild zu Bild  in der Schärfe halten kann. Das gilt in den allermeisten Fällen, wenn man 15 B/Sek. aufnimmt. Bei 10 B/Sek. gibt es praktisch gar keine Aussetzer mehr. In der Praxis ist die automatische Umschaltung zwischen Schärfenspeicherung und Schärfennachführung eine feine Sache.

Die NX1 nutzt ein Hybrid AF-System mit insgesamt 414 Messfeldern, die insgesamt rund 90% des Bildfeldes abdecken. Bei 205 AF-Sensoren, von denen stattliche 153 Kreuzsensoren sind, kommt die Phasendetektion zum Einsatz. Sie werden von 209 Sensoren ergänzt, die mit Kontrastdetektion arbeiten.

Wenn die Schärfe bei schnellen Bildserien nachgeführt werden kann, ist es logisch, dass der AF auch in allen anderen Situationen sehr, sehr schnell arbeitet. Dabei ist er praktisch lautlos. Auch bei schlechten Lichtverhältnissen ist auf die Schärfenautomatik der NX1 Verlass.

Moviefunktion

Dass der Autofokus praktisch nicht zu hören und, wie gesagt, sehr, sehr schnell ist, ist natürlich auch beim Filmen vom Vorteil. Hier ist die NX1 auf der Höhe der Zeit. Filme können im 4K-Modus aufgezeichnet werden, wobei es nicht nötig ist, einen externen Recorder zu verwenden. Die 4K- Movies werden direkt auf die Speicherkarte geschrieben, die mindestens 30 MB/s schreiben können sollte – noch höhere Schreibgeschwindigkeiten sind aber empfehlenswert.

Wenn eine Karte mit einer Kapazität von 64 GB oder mehr zum Einsatz kommt, können Movies mit einer Länge von maximal 29 Min. 59 Sek. aufgezeichnet werden, unabhängig davon, wie groß die Datei wird. Dass für die Nachbearbeitung solcher Filme leistungsfähige Rechner nötig sind, versteht sich von selbst.

Bei der NX1 bedeutet 4K übrigens nicht nur UHD mit 3820 x 2160 Bildpunkten, sondern auch Cine 4K mit 4096 x 2160 Bildpunkten.

Konnektivität

In Sachen Anbindung an externe Geräte ist die NX1 mustergültig. Sie bietet sowohl WiFi, wie auch NFC (Nearfield-Communication) und Bluetooth und lässt sich mit der Remote-Viewfinder-Funktion vom Smartphone oder Tablet aus steuern, wenn dort der Samsung Camera Manager installiert ist. Außerdem kann das externe Gerät genutzt werden, um GPS-Daten zu speichern.

Alles in allem

Das Auflösungsvermögen des Sensors, die Leistung des Autofokus, das Rauschverhalten bis ISO 800/ISO 1600 und die interne Bildverarbeitung sorgten zusammen mit den hervorragenden Abbildungsleistungen des 2-2,8/16-50 mm und erst recht des 2,8/60 mm Makro bei unserem Praxistest für hervorragende Ergebnisse. Die Kamera ist sehr empfehlenswert.

GUT – SEHR GUT – HERVORRAGEND – HERVORRAGEND PLUS

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Interessiert an der Samsung NX1?

Hier gibt es z. B. ein Set mit dem 3,5-5,6/16-50 mm OIS ED Power Zoom.

Das lichtstärkere 2-2,8/16-50 mm S ED OIS Premium ist z. B. hier zu finden.

(Stand 2. 1. 2015)

 

Praxisbilder mit dem NX 2-2,8/16-50 mm S ED OIS Premium

Ein Klick auf ein Bild öffnet es in der Originalgröße von 6480 x 4230 Pixel

 

SAMSUNG CSC

45 mm | ISO 200 | 1:5,6 | 1/80 Sek.

 

SAMSUNG CSC

50 mm | ISO 200 | 1:11 | 1/160 Sek.

 

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16 mm | ISO 100 | 1:5,6 | 1/320 Sek.

 

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26 mm | ISO 100 | 1:11 | 1/250 Sek.

 

SAMSUNG CSC

35 mm | ISO 100 | 1:11 | 1/125 Sek.

 

SAMSUNG CSC

16 mm | ISO 100 | 1:11 | 1/125 Sek.

 

SAMSUNG CSC

50 mm | ISO 200 | 1:11 | 1/160 Sek

 

Praxisbilder mit dem NX 2,8/60 mm Macro ED OIS SSA

Ein Klick auf ein Bild öffnet es in der Originalgröße von 6480 x 4230 Pixel

 

SAMSUNG CSC

60 mm | ISO 100 | 1: 4,5 | 1/13 Sek. | +1 EV

 

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60 mm | ISO 100 | 1: 8 | 1/4 Sek. | +1 EV

ISO-Reihe

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Das Bild oben zeigt den Aufbau. Die nachfolgenden Bilder zeigen jeweils einen 100-%-Crop aus den 6480 x 4320 Pixel großen Aufnahmen. Klicken Sie auf ein Bild, um den 3000 x 2000 Pixel großen Crop zu öffnen.

 

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ISO 1600

 

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ISO 3200

 

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ISO 6400

 

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ISO 12.800

 

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ISO 25.600

 

Text, Praxisbilder, ISO-Reihe (c) Herbert Kaspar

Technikbilder (c) Samsung

Über den Autor

Herbert ist der Chefredakteur von d-pixx und d-pixx.de.