Wie die DGPh mitteilt, wird am am 06. Februar 2010 der Dr.-Erich-Salomon-Preis an die US-amerikanische Fotografin Sylvia Plachy verliehen. Während ihrer 30 Jahre andauernden Karriere wurden Arbeiten der Fotografien unter anderem in den Magazinen „Newsweek“, „Geo“, „Vogue“ und dem „Time Magazine“ veröffentlicht. Zeitgleich mit der Übergabe des Preises wird zudem unter dem Titel „Waiting“ eine Ausstellung mit Arbeiten aus dem Gesamtwerk eröffnet.

 

Original Pressemeldung:

Die US-amerikanische Photographin Sylvia Plachy wird am 6. Februar 2010 im Willy-Brandt-Haus in Berlin mit dem Dr.-Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) ausgezeichnet. Unter dem Titel „Waiting“ wird zeitgleich eine Ausstellung mit Arbeiten aus dem Gesamtwerk der Photographin eröffnet, die dort bis zum 28.März 2009 gezeigt wird.

Der seit 1971 alljährlich für „vorbildliche Anwendung der Photographie in der Publizistik“ vergebenen Preis erinnert an Dr. Erich Salomon, den großen Photographen der Weimarer Republik, dem der moderne Bildjournalismus starke Anregungen verdankt.

Mit der 1943 in Budapest geborenen Sylvia Plachy ehrt die DGPh eine international renommierte Photographin, die neben ihrer 30jährigen Tätigkeit für das New Yorker Magazin „Village Voice“ für viele bekannte Publikationen, wie „Newsweek“, „GEO“, „Vogue“ und „Time Magazine“ arbeitete, mehrere Bücher herausbrachte und zahlreiche, teilweise permanente Ausstellungen in verschiedenen Museen hat, so im „George Eastman House“, „The San Francisco Museum of Modern Art“ und dem „Museum of Modern Art“ in New York (MoMA).

Plachys Bilder stehen in bester Tradition der modernen amerikanischen Dokumentarphotographie, so wie sie von Robert Frank definiert wurde. Sie mischt sich auf ergreifende Art mit der liebenden Leichtigkeit eines Jacques Henri Lartigue und der expressiven Weltsicht von André Kertész, ihrem großen Vorbild und Förderer. Ihre Bildwelt ist poetisch und melancholisch, zugleich oft witzig oder gar skurril und bisweilen auch ernüchternd, aber immer bewegend. Sie ist eine Entdeckerin, die für all das offen ist, was ihr am Wegesrand auffällt. Menschen, Räume, Dinge, alles kann bei ihr zum Bild werden. Einige Sujets begegnen uns immer wieder, Tiere etwa oder ihr Sohn Mishi, der als Adrian Brody inzwischen zu eigenem Ruhm gekommen ist. Auch die Auseinandersetzung mit ihrer verlorenen Heimat und dem damit verbunden Gefühl vom Verlorensein in der Welt ist spürbar; Sehnsucht als treibende Kraft. Kameras und Aufnahmeformat setzte sie dabei ein wie es ihr gerade passt – und es passt immer, egal ob chinesische Spielzeugkamera oder Leica, Panorama, Schwarz-Weiß oder Farbe. Plachy verbindet die unterschiedlichsten Techniken souverän zu einem organischen Ganzen.

Ihr großes Einfühlungsvermögen und die Kunst mit einem Photo eine Geschichte zu erzählen, beweist sie besonders mit ihrer Arbeit als Photographin für das New Yorker Magazin „Village Voice“. Elf Jahre lang hatte sie dort wöchentlich ihre Kolumne ohne Worte, ein Einzelphoto, das eine New Yorker Geschichte erzählte. Aus diesen Bildern subsumierte sie 1990 unter dem Titel „unguided tour“ ihr erstes Buch- inzwischen ein gesuchter Klassiker. „Kein Buch seit Robert Franks „Die Amerikaner“ hat mich so inspiriert. Ein umfassendes Werk voller Kraft. Sie bringt mich zum Lachen und bricht mein Herz“ schrieb Richard Avedon über „unguided tour“. Das New Yorker „International Center of Photography“ erhebt das Buch gar zur besten Publikation des Jahres. Der Titel „unguided tour“ ist durchaus als Credo zu verstehen. Sylvia Plachy befindet sich auf ihrer nicht endenden Reise, die 1956 in den Wirren der Ungarischen Revolution, versteckt unter einer Ladung Maiskolben, begann. Über Österreich gelangte sie endlich nach New York. Mitte der 60er Jahre lernte sie dort André Kertész kennen, der gerade durch eine umfassende Ausstellung im Museum of Modern Art in das Pantheon der Photographie erhoben worden war. Er ermutigt sie, ihre Arbeiten im „MoMA“ vorzustellen, und über den spontanen Ankauf ihrer Bilder durch das berühmte Haus wundert sich die Photographin noch heute. 1974 bekam sie ihren ersten Job als Bildredakteurin und Photographin beim „New York Magazine“ und wechselte 1974 schließlich zur „Village Voice“. Seit dem sind mehr als 30 Jahre vergangen und Sylvia Plachy hat inzwischen auch für zahlreiche andere Magazine, wie „Newsweek“, „Art Forum“, „GEO“, „Times Magazine“, „Vogue“, „Fortune“, „Conde Nast Traveler“, „New Yorker“ und andere gearbeitet. Für die Organisation „Women for Women International“ photographierte sie in Ruanda und Sarajewo Frauen, die die dortigen Kriege überlebt hatten.

Plachy hat den „Bachelor of Art des Pratt Institute“ und ist „Guggenheim Fellow“. Zu den vielen Auszeichnungen Plachys zählen der „Page One Award“ der Columbia School of Journalism und der „Lucie Award“, der für herausragende Leistungen von Frauen in der Photographie vergeben wird.

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