Die Praxistests für die d-pixx foto und d-pixx.de machen Spaß – aber sie sind trotzdem Arbeit. Deswegen nehme ich immer wieder eines der Testprodukte, um einfach mal so für mich zu fotografieren. Neulich z.B. mit dem Sigma 15mm F1,4 DC | Contemporary.
Kleine Erklärung vorab: Die Buchstaben DN zeigten jahrelang an, dass das entsprechende Sigma Objektiv speziell für den Einsatz an spiegellosen Systemkameras gerechnet wurde. Nun passt das auf alle aktuellen Sigma Objektive und die Objektivnamen werden um diese Buchstaben kürzer. DG steht aber nach wie vor für die Vollformattauglichkeit eines Sigma Objektivs, und DC bleibt, wenn es sich um Objektive für Kameras mit kleinen Sensoren handelt.
Zu den letzteren gehört das Sigma 15mm F1,4 DC | Contemporary. Es steht für APS-C-Kameras von Canon, Fujifilm und Sony zur Verfügung – leider nicht für MFT.
Das kleine C hinten am Tubus zeigt an, …
… dass das Objektiv in der Contemporary Familie zu Hause ist und deutlich kleiner ausfallen kann als ein Art Objektiv.
In der Redaktion ist das lichtstarke Objektiv Anfang September in der Variante mit Fujifilm X-Mount …
.
… und mich sticht mal wieder der Hafer. Vor dem Sensor einer APS-C-Kamera wirkt das Objektiv mit seinem Bildwinkel von (rund) 87° wie ein (rund) 23-mm-Objektiv an einer Vollformatkamera. Da ist es nicht gerade eine Universalbrennweite … aber ich möchte mit dem 15er an einer Fujifilm X-T5 einen Stadtbummel abdecken.
Dass ich von Kamera und Objektiv top Leistungen erwarten kann, weiß ich von meinen Praxistests: Note „Exzellent“ für die Fujifilm X-T5 in d-pixx foto 1/2023 und „Hervorragend ++“ für das Sigma 15mm F1,4 DC |Contemporary in d-pixx foto 2/2026. (Die beiden Ausgaben können als Heft oder ePaper hier nachbestellt werden! Und wenn Sie schon im Shop sind: In d-pixx foto 3/2026 finden Sie den Praxistest des Sigma 35mm F1,4 DG II | Art – und auch schon der neuen OM System PEN. So viel Eigenwerbung muss sein.)
Also setze ich das 15er an die X-T5 (zur Erinnerung: 40 MPix mit typischem Fujifilm X-Trans-RGB-Mikrofilterraster) und nehme die Kombi mit nach Bad Nauheim, wo uns besonders der reichlich vertretene Jugendstil lockt.
Das Objektiv ist mit einer Länge von 65 mm, einem Durchmesser von 64 mm und einem Gewicht von rund 240 g (inkl. Streulichtblende) kompakt und leicht.
Zusammen mit der X-T5 werde ich rund 870 g (inkl. Gurt) tragen. Sowohl das Objektiv als auch Gehäuse sind gut zu handhaben. Mir gefällt: Das Objektiv hat einen Blendenring, der zwischen 1,4 und 16 sauber in Drittelschritten rastet und eine A-Position aufweist, die ich kaum einmal brauche, …
… da ich gern mit Blendenvorwahl fotografiere. Dass es keine Sperre gibt, die verhindert, dass man den Ring über die 16 hinaus versehentlich in die A-Position dreht, ist einerseits schade. Andererseits wird man ihn kaum einmal bis Blende 16 drehen.
Mir gefällt auch: Die Kamera hat Einstellräder für Verschlusszeiten, ISO-Wert und Korrekturfaktoren … dazu einen sehr guten Sucher und einen mehrseitig neigbaren Monitor. Mit anderen Worten: Ich sehe ich dem Rundgang entspannt entgegen.
Dass es nicht einfach Nauheim, sondern seit 1869 Bad Nauheim heißt, liegt an den Solequellen. Schon die Kelten gewannen daraus Salz – in fast schon industrieller Fertigung. Später waren es die Römer, die das weiße Gold nutzten. Und wenn man heute in die zweitgrößte Stadt im hessischen Wetteraukreis fährt, kommt man an mehreren großen Gradierbauten vorbei. Hier wird durch Verdunstung der Salzgehalt der Sole von rund 3 % auf rund 22 % erhört.
Wir lassen die imposanten Bauten mit ihren hohen „Wänden“ aus Schwarzdornbündeln aber links (oder war es doch rechts?) liegen und steuern ein Parkhaus am Rand der Innenstadt an. Zurück am Tageslicht befinden wir uns in der Parkstraße mit Blick auf den Turm der Dankeskirche …

ISO 200 | F4 | 1/480 Sek. | +1 EV
… und viele Verkehrsschilder.
Da wir Appetit haben, führt uns der Weg zum Café Müller, wo es leckere Kleinigkeiten geben soll, aber wegen Personalmangels in der Küche nichts gibt. Macht nichts – der gedeckte Apfelkuchen ist sehr lecker. Er bringt uns auch in den Genuss, die Perlenketten-Damenrunde am Nachbartisch zu erleben. Fast sofort höre ich Udo Jürgens in meinem inneren Ohr erklingen „… und Juliane, aber bitte mit Sahne.“ (Fotos davon gibt es natürlich nicht … weder von der Damenrunde, noch von meinem inneren Ohr.)
Dann brechen wir zu unserem Rundgang auf.
Erster kurzer Fotostopp: Aliceplatz mit dem Brunnen. Besonders haben es mir die Löwenköpfe angetan.

ISO 200 | F1,4 | 1/220 Sek. | +1 EV
Trotz sehr kurzer Brennweite kann ich mich mit Blende 1,4, die eine echte Arbeitsblende ist, einmal auf die Nase und einmal auf die Augen konzentrieren.
Beide Aufnahmen lasse ich im Photoshop zu einem Bild verrechnen, in dem Nase und Augen scharf sind. Warum kein Bild mit kleiner Blende? Weil der Hintergrund störend scharf würde.
Vorbei an den Kolonnaden, wo (wenn man den Blick schweifen lässt) schon zum ersten Mal …

ISO 200 | F2,8 | 1/30 Sek.
… Jugendstilornamente zu sehen sind, an der Tennisanlage, wo die Spielerinnen hinter dem Gitterzaun noch Luft nach oben haben (Spieler sind nicht aktiv), weiter durch den weitläufigen Kurpark, wo der Herbst schon grüßen lässt …

ISO 200 | F16 | 1/90 Sek.
… kommen wir zum Sprudelhof (erbaut zwischen 1905 und 1911), …

ISO 200 | F8 | 1/680 Sek.
… wo der Jugendstil dank Restaurierungen teils seine ganze Pracht entfaltete, aber es bleibt immer noch einiges zu tun.
Dass ich mich immer wieder an das Jugendstil-Ensemble der Mathildenhöhe in Darmstadt erinnert fühle, liegt zum einen natürlich daran, dass viele Stilelemente auftauchen, die einfach in diese Epoche gehören – zum anderen wohl auch daran, dass Künstler aus der Darmstädter Künstlerkolonie in Bad Nauheim mitwirkten.
Das Becken der namensgebenden Sprudel ist leider …

ISO 200 | F6,4 | 1/1000 Sek.
… hinter Bauabdeckungen verborgen, ein Blick durch eine Lücke ist aber möglich.
Der große Bildwinkel des Sigma erfasst durch einen Spalt aus der recht kurzen Entfernung eine der Figuren, …

ISO 200 | F6,4 | 1/110 Sek.
… leider nicht frontal.
Umso erfreulicher, dass die eindrucksvolle symmetrisch ausgerichtete Anlage sich in sehr großen Teilen in einem sehr schönen Zustand präsentiert.

ISO 200 | F6,4 | 1/1250 Sek.
Die langen Fluchten der Arkadengänge zeigen fotogenes Licht/Schatten-Spiel …

ISO 200 | F2,8 | 1/2000 Sek.
… Details ziehen den Blick auf sich …

ISO 200 | F2,8 | 1/480 Sek.

ISO 200 | F6,4 | 1/160 Sek.
… und an manchen stellt sich dann heraus, dass die Idee, mit 15 mm Brennweite (wie gesagt rund 23 mm [@KB]) auskommen zu wollen, sportlich war.

ISO 200 | F5,6| 1/1400 Sek.

Aber weil die top Abbildungsleistungen des Objektivs und der Fujifilm X-T5 Ausschnittsvergrößerungen problemlos möglich machen, ist am Ende doch alles gut.

ISO 200 | F8 | 1/420 Sek. | 0,67 EV
Nicht nur die Jugendstil-Kuranlage beeindruckt, auch eine Reihe von Bürgerhäusern zeigt, dass es unter den damaligen Bürgern von Bad Nauheim etliche gab, die gleichermaßen vermögend wie kunstsinnig waren.
Sehr vermögend, aber herzkrank war der amerikanische Großindustrielle William G. Kerkhoff, der sich in Bad Nauheim mehrmals behandeln ließ und aus Dankbarkeit einer gemeinnützigen Stiftung Millionen vermachte – was ihm im Gegenzug …

ISO 200 | F2,8 | 1/640 Sek. | +0,67 EV
… ein Denkmal einbrachte.
Im Zusammenhang der gesundheitsfördernden Kuren ist auch der „Kurbrunnen“ zu sehen, eine der fünf Trinkquellen in Bad Nauheim. Dass sein Wasser einen pH-Wert von 5,90 und eine Temperatur von 21 °C aufweist, interessiert mich im Moment weniger – viel mehr aber die Fassung des Brunnens. Es dauert ein wenig, bis einige junge Frauen ihre Wasserfalschen gefüllt (und eine Tasche gewaschen ?!?) haben …

ISO 200 | F4 | 0,11 Sek.
… aber dann komme ich zum Schuss, der Bildwinkel des 15ers passt genau und ich freue mich über den Stabilisator in der X-T5.
Aus dem kleinen Tempelbau, der den Kurbrunnen umgibt, fällt der Blick auf und durch das verzierte Gitter auf die Trinkkuranlage.

ISO 200 | F4| 1/800 Sek.
Ein Stück liegt die Dankeskirche, die wir gleich zu Beginn gesehen haben.

ISO 200 | F2,8 | 1/750 Sek. | +1,33 EV | In ACR aufgehellt
Wir besuchen auch den schlicht-ruhigen Innenraum mit der schönen Orgel …

ISO 200 | F1,6 | 1/20 Sek.

ISO 200 | F1,6 | 1/30 Sek.
… ehe wir noch eine Runde durchs Zentrum drehen.
Der Markttag, den wir zufällig erwischt haben, geht gerade zu Ende, aber noch brummt der Bär, vor allem, da es einige Stände der Winzer aus der Umgebung gibt.

ISO 200 | F4,5 | 1/80 Sek. | +1,33 EV |
Das Sigma 15er an der der Fujifilm X-T5 ist zwar ein schönes Gespann für Streets („Greift nur hinein ins volle Menschenleben“ / Goethe, Faust I, Vorspiel auf dem Theater), aber die mir eigene Zurückhaltung bringt es mit sich, dass nur wenige Bilder …

ISO 200 | F4,5 | 1/1500 Sek. | In ACR aufgehellt.
… des Getümmels entstehen.
Das eigentliche Ziel unseres Kurztrips nach Bad Nauheim waren die Gebäude aus der Zeit des Jugendstils (und drum herum) – aber da war doch noch was?

ISO 200 | F4 | 1/500 Sek. | +1 EV |
Richtig: vom 3. Februar 1959 bis 2. März 1960 war Elvis Presley hier stationiert. Ich erwähne das lieber, ehe mir eingefleischte Fans mit dem Jailhouse (Rock) drohen.
Von hier aus: Parkhaus, Heimfahrt … und wir freuen uns längerfristig auf den nächsten Stadtbummel und kurzfristig darauf, die Bilder anzuschauen, die mit dem Sigma 15mm F1,4 DC | Contemporary entstanden sind, ehe es zurück nach Rödermark muss.
HINWEIS Die Praxisbilder wurden in der aktuellen Version von Adobe Camera RAW entwickelt. Gegebenenfalls wurden gewisse „Schräglagen“ ausgeglichen und störende Elemente entfernt. Durch einen Klick auf eines der Praxisbilder können Sie es sich mit 1800 Pixel über die längere Seite anzeigen lassen.
TEXT UND ALLE BILDER © HERBERT KASPAR
ES IST UNTERSAGT, BILDER DIESER SEITE FÜR DAS TRAINING VON KI ZU VERWENDEN.










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