Wenn wir einen kleinen Ausflug in unserer unterfränkischen Heimat machen, ist natürlich eine Kamera dabei – als lockere Kür neben der Pflicht des Praxistests. Dieses Mal sitzt das neue Sigma 35mm F1,4 DG II | Art an der Sony A7R V.
Zooms sind, da gibt es kein wenn und kein aber, sehr bequem. Ein kleiner Dreh am Brennweitenring, und schon sitzt das Motiv so im Bildfeld, wie man es gerne hätte (und wie das Seitenverhältnis des Formates es zulässt). Festbrennweiten sind da etwas fordernder. Um das Motiv bestmöglich ins Format zu setzen, muss man sich bewegen – der weit verbreitete Ausdruck „Turnschuhzoom“ trifft das recht gut.
Aber gerade die Einschränkung (eigentlich ist es keine, aber ich nenne das mal so), dass man den Bildausschnitt nicht schnell mal so ändern kann, macht den Reiz von Festbrennweiten aus – so auch beim Sigma 35mm F1,4 DG II | Art. Und genau deshalb durfte es mit zu einem Kurzbesuch im fränkischen Volkach, bekannt wegen der Lage an der Mainschleife und bei Kennern wegen einiger Weinlagen.
Das Sigma 35mm F1,4 DG II | Art ist, nebenbei bemerkt, ein direkter Nachfahre des allerersten Art-Objektivs, das Sigma 2012 zur photokina präsentierte. Und, auch nebenbei bemerkt, damals war die photokina noch die wichtigste Fotomesse …
Verglichen mit dem ersten Modell ist das neue Sigma 35mm F1,4 DG II | Art kaum kleiner, aber gute 130 g leichter und es unterbietet auch den direkten Vorgänger von 2021 – rund 15 mm kürzer und 115 g leichter.
In der Version mit E-Mount, um die es hier geht, ist die neueste Variante des lichtstarken 35ers ab Bajonettauflage rund 95 mm lang und hat einen Durchmesser von rund 73 mm. Mit der mitgelieferten 4-Segment-Streulichtblende bringt es rund 560 g auf die Waage.
Da ich es wieder an der Sony A7R V mit ihrem hochauflösenden 60-MPix-Sensor einsetze (die neue A7R VI wird in Kürze den Praxistest durchlaufen), muss ich inkl. Gurt nur rund 1,4 kg tragen. Das ist angenehm.
Angenehm ist auch das Stichwort für den Umgang mit dem Sigma. Die Konstruktion aus Aluminium und hochfestem Kunststoff macht wieder einen ausgezeichneten Eindruck. Es ist gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet.
Das größte Einstellelement am neuen 35mm F1,4 ist der Fokusring – griffig belegt und geschmeidig laufend. Er sitzt vorn.

Der Blendenring (wenn Sie mich kennen, wissen Sie, das gibt einen dicken Daumen hoch) ist ein Stückchen hinter der Mitte angeordnet. Er lässt sich mit Klick drehen und rastet dann fein in Drittenstufen zwischen 1,4 und 16. Wer die Blende lieber ohne Klicks einstellt, kann sie an einem Schalter links unten deaktivieren. Mit einem Schalter rechts kann man den Blendenring in der A-Position verriegeln oder verhindern, dass er in die A-Position gedreht wird. Das passt für mich, da Blendenvorwahl meine bevorzugte Belichtungsautomatik ist.
Weitere Einstellelemente sind der AF/MF-Umschalter und zwei Fn-Tasten, für die ich im Menü der Sony A7R V die Funktion „Fokusfeld wechseln“ aktiviere.
Vom laufenden Praxistest (er folgt in Kürze) weiß ich, dass ich in Sachen Schärfe, Auflösung, Kontrast und Korrektur der Abbildungsfehler ein exzellentes Objektiv vor mir habe. Also an die Sony A7R V ansetzen und los. (Vorsichtshalber noch mal das Speicherkartenfach öffnen … ja, eine SanDisk Extreme Pro 128GB ist an Bord. Ein bisschen überdimensioniert für einen kurzen Ausflug, aber schaden tut es ja auch nicht.)
Hinweis: Ein Klick auf eines der folgenden Praxisbilder bringt es in einer Breite bzw. Höhe von 1800 Pixeln auf Ihren Bildschirm.
Der erste Stopp, noch vor Volkach, ist die Vogelsburg …

ISO 250 | F2,8 | 1/6400 Sek.

ISO 100 | F2,8 | 1/6400 Sek.
… gelegen über der Mainschleife und Weinbergen.
Es stellt sich die Frage: Lichtstärke ausnutzen, oder nicht? Dass Blende 1,4 beim Sigma 35mm F1,4 DG II | Art eine echte Arbeitsblende ist, ist ja eine feine Sache – aber wie bei allen hochlichtstarken Objektiven mit der Tatsache verknüpft, dass die Schärfenzone sehr schmal ist, was vielen Motiven gut bekommt – aber eben nicht allen, weil das Bild natürlich unscharf wirkt, wenn nur ein sehr kleiner Teil innerhalb der Schärfenzone liegt.

ISO 250 | F2,8 | 1/6400 Sek.
Ich entscheide mich für einen Kompromiss. Blende 2,8 bringt die vorderen Weinblätter knackig scharf ins Bild, lässt die Reihen der Rebstöcke dann aber verschwimmen. Das 35er kann auch samtige Unschärfe.

ISO 250 | F5 | 1/2000 Sek.
Für ein etwas größeres Bild der leuchtenden Blätter gehe ich näher heran – die Nahgrenze liegt bei 28 cm – und blende auf 5 ab, um ein bisschen mehr Schärfenzone zu erzielen.
Von einer Plattform an der Vogelsburg dann der Blick auf die ganze bekannt Mainschleife. Da 35 mm nicht ganz ausreichen, um den Ausblick in einem Bild festzuhalten, kommt sogar einmal der Fokusring zum Einsatz.

ISO 100 | F5,6 | 1/250 Sek.
Für ein Panorama aus sechs Bildern stelle ich die Entfernung manuell ein, ebenso Belichtung und Weißabgleich, um Sprünge zwischen den Einzelbildern zu vermeiden.

ISO 100 | F5,6 | 1/500 Sek.
Der nächste Halt ist die Anlegestelle der Ausflugsschiffe unter der (laut Google-Maps namenlosen) Mainbrücke, die gerade von der Undine passiert wird.

ISO 100 | F4 | 1/1250 Sek.
Einmal umdrehen – da ist das nächste Motiv: der Turm der St. Bartholomäus Kirche über den Bäumen. Er markiert die Altstadt und dort wollen wir hin.

ISO 100 | F5,6 | 1/80 Sek.
Der Durchgang neben dem alten Stadttor bietet sich beim Nieselregen an, um sich unterzustellen. Aber wir sind nicht aus Zucker, sowohl das Sigma wie auch die Sony haben Dichtungen, also gehen wir weiter. Die Belohnung: Das Nieseln hört auf …

ISO 100 | F5,6 | 1/640 Sek.
… und ich kann das schon verzierte Nasenschild des Turmdiebs vor blauem Himmel fotografieren. (Nasenschilder ragen von der Hauswand über einen Gehweg oder eine Gasse.)

ISO 100 | F5,6 | 1/60 Sek.
Noch schnell ein Beweisfoto, dass es tatsächlich genieselt hat.
Noch ist es nicht schön genug, um draußen zu sitzen …

ISO 100 | F1,4 | 1/1600 Sek.
… aber die Cafés und Gasthäuser sind vorbereitet. Die ganz offene Blende bringt die Blüte sauber ins Bild.
Wir hatten ihn ja schon von weitem gesehen, jetzt stehen wir vor resp. unter dem Turm der St. Bartholomäus Kirche. Gerade kann jeder …

ISO 100 | F5,6 | 1/1000 Sek. | -0,3 EV
… also einfach mal einen ganzen Turm schief und als Eckläufer. (Dass Eckläufer als Gestaltungselement überschätzt sind, ist eine andere Geschichte und mir in diesem Fall egal.)
Als nächstes verleitet vor dem (leider eingerüsteten) Rathaus das aus Fassreifen gefertigte Eisenpferd von Clemens Hegler zum Druck auf den Auslöser.

ISO 100 | F2,8 | 1/500 Sek. | +0,3 EV
Blende 2,8 und Fokus aufs Auge bringen die wichtigen Teile scharf ins Bild, drücken aber den nicht so schönen Hintergrund in die Unschärfe. Durch die geringe Entfernung zum Kopf kommt schon die steile Perspektive ein wenig ins Spiel.
Gleich daneben der Brunnen mit vier plätschernden Röhren und ein wenig Kleingeld.

ISO 100 | F2,8 | 1/8000 Sek. | +0,3 EV

ISO 100 | F2,8 | 1/2000 Sek. | +0,3 EV
Darüber thront die Immaculata-Statue.

ISO 100 | F4 | 1/25 Sek. | +0,3 EV
Nach einer Pause im Eiscafé schlendern wir gemächlich durch einige Gassen in der Altstadt …

ISO 100 | F4 | 1/1600 Sek. | +0,3 EV
… mit hübschen Fachwerkhäusern …

ISO 100 | F4 | 1/160 Sek. | +0,3 EV
… und fotogener Begrünung.
Vor einem hochherrschaftlichen Portal bedaure ich zum ersten Mal, kein Objektiv mit kürzerer Brennweite dabei zu haben. Aber im Photoshop lässt es sich …

ISO 100 | F4,5 | 1/160 Sek. | +0,3 EV
… aus zwei Aufnahmen zusammensetzen. Dank des hochlösenden Sensors der Sony A7R V ist das Bild dann 12.000 Pixel hoch und zeigt dank des Zusammenspiels des Sensors mit dem exzellenten Sigma 35mm F1,4 DG II Art feinste Details.
Von da aus geht es zurück zum Auto.
Mal sehen, wohin uns der nächste Ausflug führt.
TEXT UND ALLE BILDER © HERBERT KASPAR
ES IST UNTERSAGT, FOTOS DIE AUF DIESER SEITE GEZEIGT WERDEN FÜR DAS TRAINING VON KI ZU VERWENDEN





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