Mit dem neuen Tamron 35-100mm F/2,8 Di III VXD wird ein Objektiv ins System genommen, das sich als Konkurrenz für ein vorhandenes Tamron Zoom der Spitzenklasse erweisen könnte. Schaun wir mal.
Ich habe einige Lieblingsobjektive – eines davon ist das Tamron 35-150mm F/2-2,8 Di III VXD. (Einen kleinen Bericht finden Sie hier.) Es bietet einen sehr schönen Brennweitenbereich vom neutralen Standardweitwinkel bis in den kurzen Telebereich (aus dem ich mit der Sony A7R V und ihrem 60-MPix-Sensor für viele Anwendungen per Crop einen langen Telebereich machen kann). Und es bietet die sehr hohe Lichtstärke von 1:2-2,8. Nicht zu vergessen: Die Abbildungsleistung ist stark. Das geht allerdings Hand in Hand mit einer Länge von 158 mm, einem Durchmesser von 89 mm und einem Gewicht von 1165 g! Ich habe deshalb für die Arbeit mit Stativ eine Stativschelle angeschafft, die leider von Tamron selbst nicht angeboten wird. Sie macht es einfacher, die Kamera mit dem Trumm von Objektiv auf dem Kugelkopf präzise auszurichten!
Und nun kommt also das Tamron 35-100mm F/2,8 Di III VXD …

Das 35-100 ist nicht gerade zierlich, aber doch deutlich kompakter als das 35-150. Es ist 119 mm lang. Der Durchmesser ist mit 81 mm nicht sehr viel, aber doch geringer. In der Praxis wichtiger: Das 35-100 bringt mit 565 g weniger als die Hälfte des 35-150 auf die Waage!

Und während das 35-150 ein Filtergewinde von 82 mm aufweist (besser gesagt: für diese Eckdaten aufweisen muss), hat das 35-100 ein 67-mm-Filtergewinde, wie die meisten Zooms von Tamron. Wer es also mit dem 16-30mm F/2,8 Di III VXD G2 und dem 70-180mm F/2,8 Di III VXD G2 zum lichtstarken Trio ausbaut, kommt mit einem Filtersatz zurecht.
(Dass das neue 35-100 nicht als G2-Objektiv (2. Generation) ausgewiesen ist, liegt wohl daran, dass es kein Vorgängermodell gibt. Das ist ein bisschen verwirrend, da es vom Zeitrahmen her in die G2-Familie gehört.)
Kompakter und leichter ist die eine Seite. Die andere Seite ist natürlich, dass man mit dem 35-100 am langen Ende 50 mm an Brennweite und am kurzen Ende 2/3 Blendenstufen an Lichtstärke gegenüber dem 35-150 verliert. Die wiederum andere Seite ist aber, dass man das oft genug durch einen Crop und durch die Wahl einer um 2/3 ISO-Stufen höheren Empfindlichkeit ausgleichen kann. Auflösung und Rauschverhalten der neuen DSLMs von Nikon und Sony (mit diesen Anschlüssen wird das 35-100 angeboten) machen das möglich.

Auch das neue Zoom macht wieder einen sehr soliden Eindruck. Obwohl für den Tubus viel Kunststoff zum Einsatz kommt, wirkt er wertig.

Das Bajonett ist aus Metall. Dichtungen gegen Staub und Feuchtigkeit sind vorhanden. Dass es leicht regnete, war für die ersten Aufnahmen im Garten kein Hinderungsgrund. Die aufgesetzte Vier-Segment-Streulichtblende (sie ist im Lieferumfang) verhinderte, dass Tropfen auf der Frontlinse gelangten, die der Bildwirkung nicht zuträglich sind. Sollten doch einmal Spritzer den Weg auf die Frontlinse finden, lässt sie sich dank der Fluor-Vergütung gut reinigen.
Das 35-100 weist zwei Einstellringe auf.
Der breitere Zoomring liegt hinten. Er dreht sich schön geschmeidig. Eine 90°-Drehung reicht, um den Brennweitenbereich zu durchfahren.

Beim Zoomen legt es 16 mm an Länge zu, die aber im Sinne des Wortes nicht ins Gewicht fallen, wenn es um die Ausgewogenheit in der Hand geht.
Der Fokusring liegt ganz vorn. Er ist schmaler und etwas feiner geriffelt. Er ist etwas leichtgängiger als der Zoomring, aber wenn man manuell fokussieren möchte, kann man die Schärfe feinfühlig präzise einstellen.
Für die automatische Scharfstellung ist ein VXD-Motor (Voice-coil eXtreme-torque Drive = Schwingspulenantrieb mit extremem Drehmoment) verbaut.
Beim Fokussieren ändert sich die Länge nicht und die Orientierung der Frontfassung bleibt gleich.

Ein drittes Einstellelement ist die Fn-Taste. Sie lässt sich bei Querformataufnahmen gut mit dem linken Daumen erreichen. Eine zweite für Hochformat gibt es leider nicht.
Mit einem Schiebeschalter oberhalb der Fn-Taste kann man ihr drei unterschiedliche Funktionen zuweisen – dass z. B. sofort auf eine voreingestellte Entfernung fokussiert wird.

Ganz hinten sitzt ein USB-C-Anschluss, um das Objektiv mit dem Rechner verbinden zu können.
Was man nicht findet, ist ein Schalter für den internen Stabilisator – den gibt es leider nicht.
Das Zoom liegt mit der Sony A7R V sehr gut in der Hand.

Der Autofokus reagiert sehr schnell auf die Kommandos der Kamera und setzt sie sicher um. Dabei ist praktisch nichts zu hören. Focus-Breathing fällt nicht auf.
Bei kürzester Brennweite kann man bis 22 cm ab Sensorebene fokussieren und erreicht einen größten Abbildungsmaßstab von 1:3,3. Allerdings liegen dann nur rund 8,5 cm zwischen Frontfassung und Objekt (mit Streulichtblende sind es nur rund 5 cm). Bei 100 mm kommt man bis 65 cm ans Objekt heran und der größte Abbildungsmaßstab beträgt 1:5,9.
Die hohe Lichtstärke von 1:2,8 bleibt über den gesamten Einstellbereich erhalten und Blende 2,8 ist eine echte Arbeitsblende. Sie lässt sich bei allen Brennweiten sehr gut für Aufnahmen nutzen, die durch hohe Auflösungs- und Kontrastwerte überzeugen. Dass bei 35 mm und ganz offener Blende die Bildecken etwas weicher sind als die Bildmitte, fällt nur bei planen Motiven auf. Abblenden um eine Stufe sorgt dann auch bei 35 mm für eine hervorragende Leistung über das gesamte Bildfeld.
Vignettierung, Verzeichnung und Farbsäume sind im Fotoalltag kein Thema, was auch an der Korrekturfunktionen der Sony A7R V liegt.
Das Gegenlichtverhalten ist sehr gut. Wenn einmal Reflexe auftreten, sind sie nur schwach ausgeprägt.
Mit seinen Brennweiten zwischen 70 mm und 100 mm deckt das Zoom den typischen Porträtbereich ab und macht es in Kombination mit der hohen Lichtstärke gut möglich, das Modell vor einen unscharfen Hintergrund zu stellen. Das Bokeh ist dabei angenehm weich. Bei Blende 2,8 sind die Unschärfescheibchen bis nah an den Bildrand rund und bilden erst dort „Katzenaugen“.

Alles in allem ist für mich das 35-150 im Studio oder für kurze Fotospaziergänge immer noch eine Überlegung wert, aber wenn eine längere Tour ansteht, hat das 35-100 bessere Chancen, weil es mit seinem Brennweitenbereich sehr vielseitig ist, hier die gleiche Qualität liefert, aber viel weniger auf der Schulter zu spüren ist. Wer ein hervorragendes Standardzoom mit hoher Lichtstärke sucht, hat also die Wahl und macht mit keinem der beiden Objektive etwas falsch.
Mit dem neuen Tamron 35-100mm F/2,8 Di III VXD entlastet man allerdings nicht nur die Schulter sondern auch das Budget. Im Tamron Shop werden für das 35-150 Anfang März 2026 1699,- € verlangt, für das 35-100 sind es 899,- €.
BEWERTUNG FÜR TAMRON 35-100mm F/2,8 Di III VXD
GUT – SEHR GUT – HERVORRAGEND – HERVORRAGEND PLUS – HERVORRAGEND DOPPEL-PLUS – EXZELLENT
TEXT © HERBERT KASPAR
PRODUKTBILDER © HERBERT KASPAR
PRAXISBILDER
Ein Klick auf eines der Praxisbilder bringt es mit einer Länge von 1800 Pixeln über die lange Seite auf Ihren Bildschirm. Die Bildgröße wurde im aktuellen Adobe Photoshop reduziert.
Die RAW-Dateien wurden in der aktuellen Version von Adobe Camera RAW entwickelt.
Die Originalbilder aus der Sony A7R V sind 9504 x 3663 Pixel groß. Das entspricht bei einer Druckauflösung von 300 ppi einer Größe von 804 x 536 mm.
Von einigen Bildern zeigen wir aus dieser Größe einen 100-%-Crop in der Größe von 1800 x 1200 Pixeln.
Beachten Sie bitte, dass die Bildqualität, besonders die Farbwiedergabe, auch von den Einstellungen Ihres Monitors abhängt!






Die Fassade einmal aus der Nähe …


… und einmal das Detail aus etwas größerer Entfernung.














PRAXISBILDER © HERBERT KASPAR
ES IST UNTERSAGT, BILDER VON DIESER SEITE FÜR DAS TRAINING VON KI ZU NUTZEN!







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