Schon seit Wochen wird im Internet über eine neue Nikon Z-Kamera mit Vollformatsensor spekuliert, mit teilweise sehr genauen technischen Daten. Nun ist es offiziell: Es gibt diese Kamera. Sie heißt Nikon Z f.

Schon im Programm der Nikon DSLRs gab es eine Kamera im Retro-Look – das 16-MPix-Vollformat-Modell Nikon Df, die im November 2013 vorgestellt wurde. Im Juni 2021 wurde die erste spiegellose Systemkamera im Retro-Look präsentiert – die Nikon Z fc als Schwestermodell der Nikon Z 50 mit 21-MPix-APS-C-Sensor. (Beide sind noch im Angebot.)  Der Erfolg dieser Modelle, die Nostalgie-Look mit aktueller Technik kombinieren, überzeugte die Entscheider bei Nikon, nun auch eine DLSM im Z-System als Retro-Kamera auf den Markt zu bringen.

Die neue Kamera heißt Nikon Z f.

Ihr kantiges Design orientiert sich an Kameras der 1970er Jahre, z. B. an der Nikon FE oder Nikon FM. Wie bei diesen Modellen gibt eine griffig genoppte Belederung guten Halt, wie ich bei einem ersten Kennenlernen der Kamera feststellen konnte. Dass sie auch auf dem Sucheraufbau zu finden ist, gefällt mir gut, ebenso, dass der alte Nikon Schriftzug verwendet wird und dass der Auslöser ein Gewinde für einen Drahtauslöser aufweist (wie man es schon von Fujifilm-Modellen kennt).

Wie immer bei Retrokameras hadere ich ein wenig mit dem angedeuteten Handgriff. Er erhöht den Komfort beim längeren Fotografieren, stört für mich aber die Frontansicht – mehr als das praktische kleine Einstellrad, das oben links aus der Fronseite schaut und einen Gegenpart zum Einstellrad in der oberen rechten Ecke der Rückwand bildet.

Die drei großen Wahlräder bestimmen die Oberseite. Auf der rechten Gehäuseschulter das Verschlusszeitenrad und das Rad für Korrekturfaktoren, auf der linken Schulter das ISO-Einstellrad, kombiniert mit dem Wahlschalter für die PASM-Modi und eine Vollautomatik.

Auf der rechten Schulter ist neben den Auslösern für Foto und Video wieder ein Mini-LCD-Monitor für die Anzeige der Blende zu finden.

Auf der Rückwand ist Schluss mit Nostalgie. Hier ist die Nikon Z f eine typische spiegellose System-Digitalkamera mit neun Einstellknöpfen, einer Vierrichtungswippe und dem schwenk- und drehbaren Monitor. Das ist neu für Vollformatkameras von Nikon und macht nicht nur Fotografinnen und Fotografen das Leben oft einfacher, sondern auch allen, die gerne Videos aufnehmen und dabei selbst im Bild sein wollen. Eine Besonderheit des Monitors ist, dass vier Bereiche des Monitors als Fn-Tasten genutzt werden können – auch hier wird der Praxistest zeigen, wie praktisch das ist.

Das Gehäuse besteht aus Magnesiumlegierung und ist gegen das Eindringen von Staub und Spritzwasser abgedichtet.

Unter diesem nostalgisch-robusten Äußeren übernimmt die Nikon Z f viel aus der Nikon Z 6II und auch aus den Profimodellen Z 8 und Z 9. Aus letzteren wurde z. B. der Sucher übernommen, der dieselbe Auflösung bietet, aber nicht dieselbe Leuchtdichte.

Neu ist, dass man an einem Wahlhebel nicht nur Foto und Video einstellen kann, sondern auch gleich Zugriff auf die S/W-Modi hat. Neu im Angebot sind „Neutral monochrom“ und „Tiefe Tonwerte monochrom“, die die Standard-S/W-Einstellung ergänzen. Sie sahen bei der Präsentation der Kamera auf dem Rückwand-Monitor gut aus. Was sie wirklich bringen, wird ein Praxistest zeigen.

Ebenfalls neu für eine Nikon-DSLM ist die Pixelshift-Funktion. Sie bietet vier Modi und der Sensor wird wahlweise 4x, 8x, 16x oder 32x verschoben. Dabei werden wahlweise die Zwischenräume zwischen den Pixeln für eine höhere Auflösung abgedeckt oder zusätzlich auch alle drei RGB-Grundfarben für jedes Pixel erfasst, was die Farbwiedergabe verbessert und durch Wegfall der Interpolation auch der Schärfe des Bildes zugutekommt.

Für schönere Aufnahmen von Menschen sollen die Funktionen „Haut-Weichzeichnung“ und „Ausgewogener Porträteindruck“ sowie „Portrait mit hohem Tonwertumfang“ sorgen.

Als weltweit erste Kamera bietet die Nikon Z f einen Fokusmessfeld-VR. Er soll die Unschärfe rund um das Fokusmessfeld unterdrücken und dadurch herausragende Ergebnisse bei der Scharfstellung garantieren. Dazu trägt laut Nikon auch bei, dass die von der Bildaufnahme entkoppelten Autofokus-Pixel auch bei kritischer Beleuchtung Motive hervorragend erfassen können.

Insgesamt stehen 273 AF-Messpunkte zur Verfügung. Die Wahlmöglichkeit, welche Punkte in welcher Gruppierung verwendet werden, wurde von den Profimodellen übernommen. Insgesamt stehen 77 Muster fürs Fotografieren und 66 für Videoaufnahmen zur Wahl.

Der AF soll bis zum Lichtwert -10 arbeiten – auch das eine interessante Sache für den Praxistest.

Als Sensor kommt ein neues Modell mit 24,5 MPix zum Einsatz, das mit einem EXPEED 7 Bildprozessor zusammenarbeitet, der auch im Spitzenmodell Nikon Z 9 verwendet wird. Dieser soll das Rauschen in flächigen Bereichen des Motivs minimieren und auch für schnelle Serien sorgen. Bis zu 30 B/Sek. sind möglich. In diesen Zusammenhang gehört auch die Pre-Release Capture Funktion. Schon vor dem endgültigen Druck auf den Auslöser werden bis zu 1 Sek. aufgenommen und zwischengespeichert.

Auch wenn die Nikon Z f vom Äußeren her einer Fotokamera der 1970er Jahre entspricht, kann sie nicht auf Videofunktionen verzichten. Dazu gehören die 10-Bit-H.265-Videoaufzeichnung direkt in der Kamera sowie die Möglichkeit, bis zu 125 Minuten Video in 4K UHD ohne Unterbrechung aufzuzeichnen. Weitere Funktionen wurden von der Z 9 übernommen, darunter die Möglichkeit, die ISO-Empfindlichkeit in Schritten von 1/6 LW anzupassen und die Anzeige eines roten Rahmens während der Filmaufnahme.

Für die Aufzeichnung der Daten stehen zwei Slots zur Verfügung, und das ist bei der Nikon Z f sehr pfiffig gelöst. Um Platz zu sparen, nimmt der eine Slot SD-Karten auf – der andere die kleinen Micro-SD-Karten. Neben JPEGs und RAWs können auch HEIF-Dateien geschrieben werden, die man dann im Nikon NX Studio (plus passendem Codec) bearbeiten kann.

Wer sich für moderne Technik im Retro-Gehäuse begeistern kann und im Nikon-System zu Hause ist oder dort einsteigen möchte, hat die Qual der Wahl. Die Nikon Z f steht nicht nur ganz in Schwarz, sondern auch mit sechs verschieden farbigen Belederungen zur Verfügung. Was mir fehlt, ist die Variante mit schwarzer Belederung und silberfarbenem Deckel und Boden, wie man sie von der Z fc kennt.

 

Verfügbarkeit

Voraussichtlich Oktober 2023

 

Preise (UVP)

Gehäuse …… 2499,- €
Kit mit Nikkor Z 40 mm 1:2 SE …… 2749,- €
Kit mit Nikkor Z 24-70 mm 1:4 S …… 3129,- €

 

 

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