Es gibt sehr viele Motive, überaus sehr viele Motive, unzählige Motive – unmöglich, sie alle zu benennen. Aber darunter sind einige, die muss man in seinem Leben als Hobbyfotograf einfach vor der Kamera gehabt haben. Wir stellen ihnen zunächst einmal sechs Dutzend vor …

… sechs Wochen lang jeden Mittag ein Dutzend. Und damit geht es in der fünften Folge weiter (wegens des Feiertags mit etwas Verspätung) …

Sonnenbrillenblick

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Nick8889 | Dreamstime.com

Am Strand liegen und dösen ist ja schön und gut, aber irgendwann wird es langweilig und es kribbelt im Auslösefinger. Gut, wenn man eine Kamera dabei hat, besser, wenn man eine Kamera dabei hat, die einen schwenkbaren Monitor aufweist, denn dann kann man die Sonnenbrille, die auf dem Badetuch liegt bequem aufnehmen. Sie erzeugt durch ihren Doppelrahmen einen pfiffigen Touch, unterstrichen durch die partielle Abdunkelung. Wenn man mit einer großen Blende arbeiten kann, bringt der Übergang von schmaler Schärfenzone im Vordergrund zur Unschärfe im Hintergrund Tiefe ins Bild. Eine leichte Minuskorrektur sorgt dafür, dass dunklen Gläser noch ein bisschen knackiger wirken.

 

Paprika

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Foto: Ed Isaacs | Dreamstime Stock Photos

Mit dem Essen spielt man nicht – aber man kann es erst fotografieren und dann seiner eigentlichen Bestimmung zuführen. Zu den beliebten Motiven in der Küche zählen Zitronen und Orangen, gern auch in dünnen Scheiben auf einer Leuchtplatte. Aber auch Paprika ist sehr fotogen, besonders durch das Nebeneinander von Rot und Grün in Frucht und Stängel. Weiches Licht bringt die Farben schön heraus, aber wenn ein paar Glanzlichter zu sehen sind, machen sie das Bild lebendiger. Auch Wassertropfen aus einer Sprühflasche haben diese Wirkung. Wer ganz pingelig ist, bringt die Tropfen mit einer Pipette an die richtige Stelle.

 

Oldtimer

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Foto: Fottoo | Dreamstime.com

Natürlich ist Kuba ein Dorado für alle Freunde alter amerikanischer Straßenkreuzer, aber man muss nicht unbedingt so weit reisen. Besonders Oldtimer-Rallyes bieten guten Gelegenheiten für einige Bilder von chromblitzenden alten Schätzchen. Ein Problem ist, dass auch andere die Oldtimer schön finden und den Bildaufbau doch erheblich stören können. Dagegen hilft, einen tiefen Standort für die Kamera zu finden und den Himmel als Hintergrund zu wählen – umso besser, wenn sein Blau einen schönen Kontrast zum Lack bietet. Man kann in so einem Fall versuchen, Lack und Himmel mit einem Polfilter satter ins Bild zu bekommen, muss aber bedenken, dass der Filter bei sehr geschwungenen Formen nur partiell wirkt. Man sollte sich zudem darauf einstellen, einige Zeit am Rechner damit zu verbringen, tote Fliegen und andere Flecken vom Lack zu entfernen, was z. B. mit einem Bereichsreparaturwerkzeug gut gelingt. Es kopiert (meistens) passende Pixel aus der Nachbarschaft über die Problempunkte.

 

Rost

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Foto: Herbert Kaspar

Rost ist eine einfache Sache. Wenn Eisen, Sauerstoff und Wasser zusammenkommen entsteht er von allein. Aber er  bleibt nicht einfach so auf der befallenen Oberfläche, wie er ist, sondern er verändert sich und dabei entstehen unterschiedliche Farben zwischen Orange und Rotbraun und ebenso unterschiedliche Strukturen. Wenn man den Blickwinkel verändert, kann man aus diesen Unterschieden eine Bildserie gestalten. Eine andere Möglichkeit ist, eine rostige Fläche oder einen verrosteten Gegenstand aus geringer Distanz (Makroobjektiv muss nicht sein, ist aber praktisch) zu erkunden und immer wieder neue „Rostlandschafte“ zu entdecken. Durch eine etwas knappere Belichtung kann man die Farben betonen.

 

Süßkram

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Foto: Herbert Kaspar

Wenn man es beim Fotografieren einmal bunt treiben möchte, ist ein Blick ins Süßigkeitenregal des Supermarkts keine schlechte Idee. Hier findet man knallige Farben, die man mit einer entsprechenden Einstellung an der Kamera sogar noch ein bisschen satter ins Bild holen kann. Hier ist kräftiges Licht durchaus erwünscht, besonders wenn der Süßkram mit Kristallzucker bestreut ist, der anfängt zu glitzern, wenn das Licht aus der richtigen Richtung kommt. Man muss nicht unbedingt ein Makroobjektiv nutzen, aber man sollte schon nah an das Motiv herangehen. Sehr angenehm: Was den Bildaufbau stört, wird weggenascht.

 

Ziffern

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Foto: Herbert Kaspar

Das Motiv würde auch zum „Stichpunkt“ Rost passen, aber hier geht es um das, was jemand auf die Fläche geschrieben hat: die „5“. Wenn man die Augen offen hält, findet man immer wieder Ziffern, die man fotografieren und sammeln kann. Natürlich achtet man darauf, dass man unterschiedliche „Charaktere“ einfängt, die man dann später als Serie von 1 bis … präsentieren oder zu Geburtsdaten zusammensetzen kann, die dann eine gute Grundlage für die Produktion eigener Glückwunschkarten darstellen.

 

Schatten

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Foto: Herbert Kaspar

Wenn der Himmel weißlich bedeckt ist, wirkt er wie ein großes Hazylight und man kann Motive schattenfrei ins Bild setzen, was für Nah- und Makroaufnahmen sehr vorteilhaft sein kann. Aber die meisten Fotografen haben doch lieber einen mehr oder weniger bewölkten blauen Himmel – und dann werfen Gegenstände Schatten. Man kann sich nun dafür entscheiden, das Objekt zu fotografieren oder den Schatten oder beides zusammen. Bei so einer Kombination aus einem Objekt und seinem Schatten legt man durch die Wahl des Schärfepunktes fest, was von beidem das Hauptmotiv sein soll. Eine knappere Belichtung bringt den Schatten satter ins Bild. Erscheint der Schatten in einem Bild dunkelblau, so ist das kein Fehler, sondern zeigt nur, dass der Sensor unvoreingenommen das aufgenommen hat, was da war (ein blauer Schatten nämlich), während unser Gehirn uns einen schwarzen Schatten wahrnehmen ließ.

 

Wasser als Spiegel

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Foto: Christian Kornacker | Dreamstime.com

Manchmal sind Spiegelungen auf einer Wasseroberfläche einfach nur nervig – wenn man beispielsweise Fische im Teich fotografieren möchte und man statt der Koi-Karpfen nur die Blätter der umstehenden Bäume zu sehen bekommt. In so einem Fall kann der der Griff zum Polarisationsfilter helfen. Viel öfter aber will man die Spiegelungen im Wasser gar nicht eliminieren, sondern sie bildgestalterisch nutzen. Dabei kann die Spiegelung das Hauptmotiv verdoppeln, sie kann selbst zum Motiv werden oder sie kann ganz prosaisch einen langweiligen Vordergrund füllen.

 

Spiegelung als Fischaugenersatz

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Foto: Herbert Kaspar

Wenn man die Fassaden zweier gegenüber liegender Häuser ein einem Bild zeigen möchte, tut man sich schwer – aber es geht. Man kann beispielsweise ein Fischauge einsetzen oder die Schwenkpanoramafunktion der Kamera nutzen. Man kann aber auch eine kugelig gewölbte spiegelnde Oberfläche fotografieren, in der, natürlich verzerrt, alles zu sehen ist, was sich davor und seitlich davon befindet. Dazu gehört dann auch der Fotograf. Natürlich können nicht nur polierte Helme als Spiegel dienen, sondern auch Motorhauben, geschwungene Windschutzscheiben und für Gartenaufnahmen die glänzenden Zierkugeln auf ihren dünnen, schwankenden Stangen.

 

Kirmes

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Foto:Herbert Kaspar

Auf Großereignissen wir Oktoberfest, Dom oder Wasen herrscht so viel Gedränge, dass es für Fotografen schwer ist, einen Standort zu finden, von dem aus man das ausgewählte Motiv gut ins Bild setzen kann, ohne angerempelt zu werden oder mit dem Stativ anderen Leuten im Weg zu sein. Die kleinen Frühjahrs- oder Kirchweihfeste bieten zwar weniger und nicht so spektakuläre Motive, aber man kann seine Bildideen besser umsetzen. Wenn es ein bisschen dauert, bis genug Vergnügungswillige zusammengekommen sind, damit das Karussell fährt, kann man einige Detailstudien betreiben. Eine leichte Minuskorrektur bringt die Farben leuchtender ins Bild, ein Graufilter verhilft zu längeren Verschlusszeiten und eine kleine Taschenlampe macht es möglich, auch bei wenig Umgebungslicht die richtigen Knöpfe und Schalter an der Kamera auf Anhieb zu finden. (Die passenden Städte zu den oben genannten Festen sind natürlich: München, Hamburg und Cannstadt).

 

Liebesschlösser

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Foto: Herbert Kaspar

Stadtverwaltungen sind sie ein Dorn im Auge, Verliebten nicht – die Liebesschlösser, die teils schon so viel Gewicht auf Brücken bringen, dass diese vom Einsturz bedroht sind. Um sich dieser Art des Liebesbeweises fotografisch zu nähern, braucht man aber nicht unbedingt die große Masse. Einige Schlösser reichen schon, um mit verschiedenen Blenden und verschiedenen Fokuspunkten zu spielen. Da die Schlösser oft kräftige Farben aufweisen, ist eine Einstellung an der Kamera empfehlenswert, die dies unterstützt.

 

Technik und Natur

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Foto: Herbert Kaspar

Der Widerspruch zwischen Technik und Natur ist ein großes Motivgebiet. Man kann es von der „großen Seite“ her angehen und z. B. Kühltürme von Kraftwerken zeigen, neben denen Bäume klein und verloren wirken. Oder man nähert sich dem Motiv von der „kleinen Seite“ und setzt ins Bild, wie ein Löwenzahn den Asphalt durchbricht. Aber man muss gar nicht die Extreme wählen – ein Birkenstamm mit seinen unregelmäßigen Strukturen und eine geradlinige Blechjalousie tun es auch. Ein Blick auf die Wasserwaage in der Kamera hilft, späteres Korrigieren zu vermeiden. Wählt man bei der Aufnahme mit einem Zoom eine der mittleren Brennweiten, hat man gute Chancen, dass weder tonnen- noch kissenförmige Verzeichnung sichtbar werden. Aber natürlich spielen hier auch die Automatikkorrekturen per Firmware eine Rolle.

 

Texte und Aufmacherbild (c) Herbert Kaspar

 

 

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