Sun-Sniper Rotaball Pro im Test

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Das System der Sun-Sniper Gurte wurde um ein neues Modell erweitert, den Sun-Sniper Rotaball Pro. Wir haben ihn in der Praxis getestet.

Die Idee, die Kamera an einer großen Öse über einen Gurt laufen zu lassen, der diagonal von Schulter zu Hüfte über den Oberkörper läuft, ist toll. Man hat die Hände frei, die Kamera hängt sicher, baumelt nicht vor dem Bauch, hängt aber sicher und ist jederzeit schnell aufnahmebereit.

Hinzu kommt Positives in Sachen Sicherheit. Ein Gurt, der diagonal getragen wird, rutscht nicht von der Schulter, wenn man sich bückt, entsprechend kann die Kamera nicht einfach mal auf den Boden dotzen. Und so ein Gurt kann nicht einfach von der Schulter gezogen werden (es gibt auch Menschen, die nicht so nett sind, wie Sie und ich).

Einer der ersten, vielleicht sogar der erste, der das Prinzip des „Diagonalgurtes“ konsequent umsetzte, war Wolfgang Peter Geller von California Sunbounce mit seinen Sun-Sniper Gurten. Obwohl ich den Namen dämlich finde (Sniper sind Scharfschützen / Heckenschützen, also Menschen, die aus dem Hinterhalt töten) bin ich ein eifriger Nutzer, seit es die Sun-Sniper Gurte gibt. Ich setze sowohl einen Sun-Sniper The Pro II  für DSLRs bis zu den größten Größen ein, wie auch einen schmaleren The Traveler für kleine DSLRs und CSCs.

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Über die oben genannten allegmeinen Vorteile hinaus gibt es bei den Sun-Sniper Gurten weitere. Das breite Schulterpolster sorgt generell dafür, dass die Kamera nicht zu sehr auf die Schulter drückt. So genannte Shock Absorber zwischen Schulterkissen und Gurtband federn zudem das Gewicht der Kamera beim Laufen oder einem Sprung von einer Treppe oder einem Mäuerchen ab. Und in das Material der meisten Sun Sniper Gurt-Varianten ist ein Metallband eingearbeitet, das verhindern soll, dass der Gurt mit einem Messer durchtrennt und die Kamera geklaut wird. Sollte das doch passieren, ist eine Versicherung im Kaufpreis enthalten, die bis zu 1000 € des Schadens abfedert. (Ehe Sie nun nachfragen: Nein, ich habe es noch nicht probiert einen Sun Sniper mit dem Messer zu durchtrennen …)

Die Summe der Vorteile tröstete mich über die Nachteile des Systems hinweg.

  • Zum ersten: Das Gurtband muss immer wieder mal entzwirbelt werden. Nicht so schlimm.
  • Zum zweiten: Nach etlichen Kamera-ans-Auge-Kamera-zurück-an-die-Hüfte-Zyklen ist das Schulterpolster verrutscht. Auch nicht wirklich schlimm, aber ärgerlich.
  • Zum dritten: Der „Gleiter“, der die Kamera am Gurt hält, wird ins Stativgewinde geschraubt, das für seine eigentliche Aufgabe nicht mehr zur Verfügung steht. Bei abendlichen Fotospaziergängen heißt das: oft abschrauben, anschrauben, abschrauben … usw. Bei Objektiven mit eigenem Stativring kann man das Problem (einigermaßen) elegant umgehen. Dennoch ist das sehr ärgerlich.

 

Als nun vor ein paar Tagen das neue Modell Sun Sniper Rotaball Pro ankündigt wurde, hoffte ich, dass diese Ärgernisse nun gelöst wären. Inzwischen ist der Rotaball Pro auch in der Redaktion angekommen und wurde schon mehrfach eingesetzt, u. a. mit der Nikon D5, die auch gerade getestet wurde. Wie schlägt er sich in der Praxis?

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Die Kameraschraube, der Connector, ist nun mit einem Kugellager versehen. Die Kamera kann sich frei drehen und der Gurt wird nicht mehr verzwirbelt. Problem eins: gelöst.

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Außerdem gibt es einen zweiten schmalen Gurt. Er läuft unter der Schulter durch und verbindet mit einem Klickverschluss den über den Rücken laufenden Teil des Gurtes mit dem Teil, der über die Brust verläuft. Wenn man den Gurt anlegt, kommt man sich ein bisschen vor wie G-Man Jerry Cotton, der sein Schulterhalfter anzieht.

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Das ist ein wenig fummelig, und auch die Längenverstellung des Verbindungsgurtes (offiziell heißt er Unter-Arm-Gurt Pitt) geht nicht einfach mal so. Tut Pitt seine Arbeit? Im Prinzip ja. Es dauert auf jeden Fall sehr viel länger, bis man den Sitz des Schulterpolsters korrigieren muss. Problem zwei: Ziemlich gelöst.

Die Befestigung an der Kamera erfolgt immer noch über das Stativgewinde. Problem drei: Nicht gelöst. Allerdings kann man es lösen, wenn man „fremd geht“ und z. B. die Sirui Stativplatte TY-LP40 verwendet. Sie wird ins Stativgewinde der Kamera geschraubt und ist mit dem Arca-Swiss-System kompatibel. Im Stativgewinde der Platte kann man dann den Gurt befestigen.

Neu sind der Connector Blokker, der verhindert, dass jemand im Gedränge die Kamera abschraubt und damit verschwindet …

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… und der Limiter, mit dem man einstellen kann, wie weit die Kamera nach unten rutscht.

Alles in allem

Werde ich einen Rotaball Pro einsetzen? Ja – und zwar für alle großen, schweren Kameras (Nikon D5, Canon EOS-5D Mark III mit Batteriegriff usw.), da das Schulterpolster für Tragekomfort sorgt. Der Traveller wird dagegen künftig viele Ruhetage erleben, denn alle Kameras, die gewichtsmäßig unter den Boliden liegen, werden an einem Peak Design Slide hängen, der nicht nur als Gurt allein, sondern als Teil eines durchdachten Systems überzeugt. Mehr dazu in den nächsten Tagen.

Der Preis (UVP) soll bei 89,- € liegen.

 

GUT – SEHR GUT – HERVORRAGEND – HERVORRAGEND PLUS

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Text und Bilder (c) Herbert Kaspar

 

 

1 KOMMENTAR

  1. Hallo Allerseits,
    ich habe meinen Sun Sniper Rotaball Pro seit 2 Jahren, bis der Rotaball aus der Kugelhalterung gefallen ist (am Gelenk, nicht am Schraub-Gewinde!). Meine Mark 3 ist aus ca. 1 Meter auf Aspahlt geknallt und hat einige Schäden. Ich habe den Gurt über meinen Händler einschicken lassen und warte noch auf Antwort. Ich bin stinksauer und hätte nie gedacht dass dies bei diesem Markenprodukt passieren kann. Auch mein Händler hatte davon bisher von diesem Mangel noch nichts gehört. Ich bin gespannt ob Sun-Sniper für die Schäden aufkommen wird.