Ich möchte nicht schon wieder Mark Twain zitieren, wie in meinem letzten Kommentar, aber auf den Satz von den Totgesagten, die länger leben, möchte ich doch noch einmal zurückkommen.

Totgesagt sind außer der analogen Fotografie die Digital-Kompaktkameras, also die  Kameras, mit denen der Siegeszug der Digitalfotografie begann, weil sich die durchaus schon vorhandenen DSLR-Modelle außer Bildagenturen, Profis und wirklich begüterten Zeitgenossen niemand leisten konnte.

Dumm nur, dass es „die“ Digital-Kompaktkameras nicht mehr gibt.

Anfangs war Digital-Kompaktkamera ein recht klarer Begriff: Ein kompaktes Gehäuse mit einem Objektiv (oft noch eine Festbrennweite), ein kleiner Sensor mit (nach heutigen Maßstäben) geringer Auflösung und eine zweckmäßige Ausstattung, wobei (nach heutigen Maßstäben) die Betonung auf mäßig lag.

Inzwischen gibt es aber viel mehr Typen, und nicht alle sind vom Aussterben bedroht.

Betroffen sind in erster Linie all jene Kameras, die nicht so sehr viel mehr können, als eine Smartphone-Kamera. Und Smartphone-Kameras können schon recht viel … Sie werden auch nicht auf dieser Stufe stehenbleiben, sondern noch besser werden. So hat z. B. Sony vor kurzem einen sehr interessanten kleinen Sensor vorgestellt und Huawei und Leica haben gerade eben eine langfristige Zusammenarbeit vereinbart.

Diese schon hohe und noch bessere werdende Qualität ist vereint mit Vorteil, dass man das Smartphone ohnehin immer dabei hat. Somit werden in absehbarer Zeit noch mehr einfache  Digital-Kompaktkameras überflüssig. Sie werden zwar nicht aussterben – mancher leistet sich kein Smartphone mit guter Kamera, mancher möchte lieber mit einem Fotoapparat fotografieren -, aber es werden drastisch weniger werden.

Bessere Überlebenschancen haben Kompaktkameras, die sich von den Kameras in Smartphones abheben, und da gibt es eine ganze Reihe verschiedene Typen.

Die Superzoomkameras haben, wie der Name schon vermuten lässt, den deutlich größeren Brennweitenbereich auf ihrer Seite. Über 1000 mm [@KB] sind keine Seltenheit mehr, 2000 mm [@KB] werden auch schon erreicht. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: 1 m Brennweite. 2 m Brennweite. Das wäre ja fast schon einen eigenen Kommentar wert. Ab 500 mm wird es zwar zunehmend schwieriger, die langen Brennweiten zu nutzen, aber mit Übung, Bildstabilisator und (mindestens Einbein-)Stativ kann man nicht nur interessante Tierbilder machen, sondern z. B. auch sehenswerte Effekte in der Landschaftsfotografie erzielen oder den Mond wirklich groß ins Bild holen.

Die designorientierten Modelle sind zum einen kleine Schmuckstücke, was lifestyle-affine Fotografinnen und Fotografen anzieht – und sie haben eine umfassendere Fotoausstattung, als die Smartphone-Kamera.

Auch die so genannten Edelkompakten sind oft vom Design her ansprechend – vielleicht mit Betonung der technischen Aspekte. Wichtiger ist aber, dass sie durch die Kombination von hochlichtstarkem Hochleistungsobjektiv (Festbrennweite oder kleines Zoom) und großem Sensor (1″ bis Vollformat) jedes Smartphone in Sachen Bildqualität in die Tasche stecken und darüber hinaus Möglichkeiten der Bildgestaltung bieten, die ein Smartphone einfach nicht bieten kann.

Und wenn es einmal etwas rauer zugeht, ist eine Outdoor-Kompaktkamera besser zum Fotografieren geeignet, als das Smartphone. Regen, Schnee und Schmutz machen diesen  Kompakten nichts aus, sie überstehen einen Sturz aus ein Meter Höhe oder mehr und man kann sie auch mit ins und unter Wasser nehmen, ohne dass sie Schaden nehmen.

Dass es bald gar keine Kompaktkameras mehr geben wird, ist also nicht befürchten. Aber ebenso wenig ist zu erwarten, dass man auf der kommenden photokina an vielen Ständen meterlange  Auslagen mit einfachen Kompaktkameras sieht.

Wir erleben hier sozusagen eine natürliche Auslese, ein „Survival of the Fittest“. Evolution statt Revolution.

25. Februar 2016

Text und Bild (c) Herbert Kaspar

Über den Autor

Herbert ist der Chefredakteur von d-pixx und d-pixx.de.