Dass manche Bilder besser wirken als andere, liegt oft an einem geplanten Bildaufbau, dem schon bei der Aufnahme Aufmerksamkeit geschenkt wurde. In einer kleinen Serie schauen wir, welche Grundregeln für einen guten Bildaufbau beherzigt, oder auch einmal über den Haufen geworfen werden sollten. Weiter geht es mit den Linien im Bild und wo man sie platziert.

Wir haben uns in Teil 1 damit beschäftigt, unsere Bilder durch gezielte Positionierung bildwichtiger Linien in der Fläche zu gestalten. Wie wir dort gesehen haben, wirken Bilder aufgeräumter und strukturierter, wenn wir uns vor der Aufnahme Zeit nehmen, um unserem Motiv einen klaren Aufbau zu geben. Je mehr wir dies üben, desto so kürzer wird die Zeit, die wir dafür benötigen, sie sollte aber immer noch lang genug sein, um kein Motiv gedankenlos nach dem Motto „passt schon“ zu fotografieren.

Langfristiges Ziel ist, dass uns dieses „Motiv einrichten“ so in Fleisch und Blut übergeht, dass wir kaum noch darüber nachdenken, bzw. vor der Aufnahme in kürzester Zeit alle passenden, harmonischen Bildaufteilungen ganz automatisch in unserem Sucher durchspielen.

Während wir in der letzten Folge die Bildgeometrie hauptsächlich auf flächige, zweidimensionale Motive angewendet haben, gehen wir in dieser Ausgabe tiefer in den Raum hinein, nutzen aber weiterhin nur vertikale und horizontale Linien für unsere Gestaltung. Ganz wichtig ist, dass wir dabei das in der letzten Ausgabe Gelernte ganz genau so auf diese jetzt größere Bildtiefe anwenden. Damit der Unterschied zu den Bildern der letzten Ausgabe nicht so groß ist, fangen wir doch mal mit der kurzen Distanz an.

Bild 1 – Composing / DK

Jaja, ich geb´s ja zu: Das Auto aus Bild 1 hat da so nicht gestanden. Die Einzelteile sind in Bild 2 zu sehen: das Auto wurde in Stege/DK fotografiert, die rote Wand habe ich vier Tage später ca. 30 Kilometer entfernt in Præstœ/DK gefunden und auch das schwarze Fenster war nicht da, wo es in Bild 1 seinen Platz gefunden hat.

Bild 2 – Einzelteile für das Composing : Auto / Hintergrund / Fenster

Warum habe ich diese Bild komplett gefaked ?
 Ganz bestimmt nicht, weil ich zu viel Zeit habe, sondern einfach um das sehr fotogene Auto in einen Bildaufbau zu bringen, der an allen Ecken stimmt und zusätzlich noch einen krachenden Komplementär-Kontrast in das Bild zu bekommen, siehe Bild 3. Mit dem unbearbeiteten Schuss (Bild 2 links) hätte ich vermutlich keinen Blumentopf gewonnen.

Bild 3 – das Bild wurde so composed, dass die Bildgeometrie sehr ausgewogen und der Komplementärkontrast sehr kräftig ist.

Komplett anders geartet aber von der Bildtiefe her vergleichbar ist Bild 4, fotografiert in List auf Sylt. Auch hier spielt sich der gesamte Bildinhalt nur wenige Meter vor dem Objektiv ab, ist aber ebenfalls ganz klar strukturiert,… das Motiv selbst zieht hier die Gestaltungslinien.

Bild 4 – List / Sylt

Gehen wir mal etwas weiter raus aus dem Motiv, geben unseren Motiven also etwas mehr Raum, behalten unseren gerade im Nahbereich trainierten  Blick für die Linienführung aber bei. In und um Blåvand an der dänischen Nordseeküste (I really love it…) finden sich unendlich viele Motive, von denen ich hier nur zwei zeige. Ob es jetzt der schöne Leuchtturm aus Bild 5 mit quadratischem Querschnitt ist, der  im September 2010 über den Dünen thront oder das klassische dänische Ferienhaus aus Bild 6,… alles lässt sich mit einer ausgewogenen Linienführung ansprechend und harmonisch gestalten.

Bild 5 – Leuchtturm in Blåvand / DK

Bild 6 – Ferienhaus in Blåvand / DK

Wir zoomen jetzt noch weiter raus, lassen den Blick bis zum Horizont zu, gestalten aber auch hier wie bisher.
Relativ exotisch ist dabei mit Sicherheit Bild 7, weil der eigentliche Bildinhalt eigentlich nur noch aus Linien und einem Rechteck besteht, was dem Bild aber keinen Abbruch tut, es hat schon mehrere Platzierungen bei Wettbewerben erzielt.

Bild 7 – St. Peter-Ording / Ortsteil Bad

Bild 8 entstand im Herbst 2010 auf Spiekeroog, als wir mit der d-pixx-crew die wundervolle ostfriesische Insel auf seine Workshop-Tauglichkeit getestet haben. Wie man sieht, kann man auch dort mit klar strukturierter Linienführung ansehnliche Motive schießen.

Bild 8 – Spiekeroog

Bild 9 ist eines meiner ganz persönlichen Highlights, es hat durch die mehr als klare Linienführung eine ganz eindeutige Geometrie. Wenn man den Einsatz dieser Gestaltungslinien immer wieder trainiert, wird man innerhalb kurzer Zeit eine Verbesserung seiner Bildsprache feststellen. Viel Spaß beim „Motive einrichten“

Bild 9 – St. Peter Ording / Ortsteil Bad

Über den Autor

Ralf Wilken ist ständiges Jury-Mitglied unseren d-pixx-Fotografen-Wettbewerbs und gibt sein Wissen in der Serie „Pimp my Photo“ weiter.