Das Canon RF-S 10-18 mm F4,5-6,3 IS STM rundet das Angebot an Objektiven für EOS R Modelle mit APS-C-Sensoren ab … und weckt Hoffnung auf mher RF-S Objektive.

Auf der Canon Homepage sind aktuell 12 spiegellose Systemkameras gelistet. Darunter sind vier, die mit einem APS-C-Sensor ausgestattet sind. Die Auflösungen liegen bei 24 MPix (EOS R100, EOS R50, EOS R10) und 33 MPix (EOS R7).

An diese Modelle passen zwar alle RF-Objektive, aber es gibt auch vier RF-S-Objektive, die speziell auf den 22,3 x 14,8 mm großen Sensor abgestimmt sind.

Zum Trio

  • RF-S 18-45 mm F4,5-6,3 IS STM
  • RF-S 55-210 mm F5-7,1 IS STM
  • RF-S 18-150 mm F3,5-6,3 IS STM

hat sich als viertes im Bunde das

  • RF-S 10-18 mm F4,5-6,3 IS STM

gesellt … und das hat eben unseren Praxistest durchlaufen.

Das Zoom ist eine Neuentwicklung. Canon hätte auch das EF-S 10-18 F4,5-5,6 IS STM mm an den RF-Mount anpassen können, sich aber anders entschieden.

Da die Canon APS-C-Sensoren einen Crop-Faktor von 1,6x mitbringen, entspricht der Bildwinkelbereich des RF-S 10-18 mm dem eines 16-28-mm-Vollformatzooms. Es erschließt damit schon den Bereich der Ultraweitwinkel.

Das Zoom bietet sich für Landschaften, Stadtlandschaften, Architektur und Innenräume an, sowie für alle Aufnahmen, bei denen man mit einer steilen Perspektive spielen möchte.

Die Lichtstärke von 1:4,5-6,3 ist nicht berauschend, aber für ein Zoom dieser Klasse durchaus in Ordnung. 

Das RF-S 10-18 mm gehört zu den kleinen und leichten Zooms im Canon Programm. Es ist im Ruhemodus ab Auflage 45 mm lang.  Die Kamera (im Fall des Praxistests eine Canon EOS R7) erinnert daran, dass man das Zoom durch einen Dreh am Brennweitenring aufnahmebereit machen muss. Es wächst dabei um rund 11 mm.

Mit einer Drehung um rund 60° durchfährt man den Brennweitenbereich. Die Werte 10 – 12 – 14 – 16 – 18 sind auf dem Zoomring vermerkt. Dabei verändert sich die Länge so gut wie nicht. Sie bleibt auch beim Fokussieren gleich.

Auch die Ausrichtung des 49-mm-Filtergewindes bleibt beim Zoomen und Fokussieren erhalten. Das ist praktisch, wenn man einen Polarisations- oder Verlaufsfilter ausgerichtet hat und danach den Bildausschnitt ändern möchte.

Den größten Durchmesser weist das Zoom am Bajonett auf, das dem der RF-Objektive entspricht. (RF-S-Objektive können auch an Vollformatkameras eingesetzt werden, die dann nur einen APS-C-großen Teil ihres Sensors für die Aufnahme nutzen.) Der Durchmesser ganz hinten beträgt 69 mm, am Tubus davor sind es 66 mm.

Bei einem so kleinen Objektiv ist es kein Wunder, dass die Zahl der Einstellelemente überschaubar ist. Beim RF-S 10-18 sind es genau zwei.

Der Brennweitenring sitzt etwa in der Mitte und ist griffig geriffelt. Er lässt sich leicht, aber nicht zu leicht drehen und man kann den gewünschten Bildwinkel exakt festlegen.

Davor ist der schmale konfigurierbare Einstellring platziert. Er ist fein genoppt und daher mit den Fingerspitzen gut vom Zoomring zu unterscheiden.

Ob man ihn als Fokusring oder Einstellring nutzen möchte, muss man im Menü einstellen.

Soll er als Einstellring dienen, kann man ihm eine von 14 Funktionen zuweisen (z. B. ISO-Wert, Belichtungskorrekturfaktor). Freilich wäre es schön, wenn man für die Funktion als Blendenring eine Rastung in Drittelstufen aktivieren könnte, aber das ist nicht vorgesehen.

Weitere Einstellelemente gibt es nicht. Und es gibt im Lieferumfang auch keine Streulichtblende, die EW-53B muss extra gekauft werden. Dafür Daumen runter!

Das kleine Zoom wiegt gerade mal 150 g, und kann daher bequem als Abrundung einer Ausrüstung in der Fototasche oder im Rucksack mitgenommen werden. Je nachdem, was man an langer Brennweite möchte, kann man sich für das Trio 10-18 plus 18-45 plus 55-210 (längste Brennweite 336 mm [@KB]) oder für das Duo 10-18 plus 18-150 (längste Brennweite 240 mm [@KB]) entscheiden.

Das geringe Gewicht wird natürlich durch den massiven Einsatz von Kunststoff erzielt, auch am Bajonett, aber das Zoom macht trotzdem einen soliden und verlässlichen Eindruck. Dass es nicht abgedichtet ist, ist schade, aber auch nachvollziehbar.

Trotz der geringen Abmessungen und des kleinen Gewichts ist aber ein Stabilisator verbaut, der mit dem in entsprechenden Gehäusen kooperiert. Mit dem Kombi RF-S 10-18 plus EOS R7 kam ich auf unverwackelte Freihandaufnahmen bis zur 1/2 Sek. bei 18 mm.

Für den Autofokus bietet das Zoom einen STM-Motor, der die Kommandos der Kamera sehr schnell und praktisch unhörbar umsetzt. Fokus-Breathing ist gut unter Kontrolle und fällt gering aus.

Es gibt zwei Naheinstellgrenzen zwei größte Abbildungsmaßstäbe – einmal für den AF- und einmal für den MF-Betrieb. Mit AF kann man bis 14 cm fokussieren und erreicht 1:4,3. Fokussiert man manuell kommt man bis 8,6 cm ans Objekt und erreicht 1:2. Da wird es mit der Ausleuchtung schon problematisch.

Zur Leistung. Wie heute üblich, spielt der Bildprozessor der Kamera für die Abbildungsleistung eines Objektivs eine große Rolle.

Mit aktivierten Korrekturen der EOS R7 liefert die Kombi bei allen Brennweiten von ganz offener Blende bis Blende 16 in der Bildmitte hervorragende Ergebnisse in Sachen Auflösung und Kontrast. Erst nah an den Ecken ist bei entsprechenden Motiven eine etwas weichere Wiedergabe zu entdecken.

Verzeichnung und Vignettierung sind nichts, worüber man sich Sorgen machen müsste. Bei den kurzen und mittleren Brennweiten können an sehr kontrastreichen Kanten feine Farbsäume (chromatische Aberration) zu sehen sein.

Wenn sich der Hintergrund in einer ausreichend großen Entfernung befindet – etwa bei Landschaftsaufnahmen – kann man auch einen unscharfen Hintergrund ins Bild bekommen.

Alles in allem ist das Canon RF-S 10-18 mm 1:4,5-6,3 IS STM ein lang erwarteter und praxisgerechter Zuwachs für das System um die EOS R-Modelle mit APS-C-Sensor. Es eröffnet Kameras von der EOS R100 bis zur EOS R7 den Bereich der sehr großen Bildwinkel. Dass es seine beste Abbildungsleistung in Zusammenhang mit den Korrekturmöglichkeiten des Bildprozessors liefert, ist in der Praxis irrelvant. Wichtig ist, dass man Bilder in hervorragender Qualität erhält und dafür weniger als 400 € bezahlen muss. Die Kombination aus Leistung + Bildstabilisator + Größe + Gewicht + Preis bringt das Zoom ganz nach vorn. Wer mit einer EOS R mit APS-C-Sensor unterwegs ist, sollte das RF-S 10-18 mm ins Auge fassen.

 

BEWERTUNG CANON RF-S 10-18 MM 1:4,5-6,3 IS STM

GUT – SEHR GUT – HERVORRAGEND – HERVORRAGEND PLUS – HERVORRAGEND DOPPEL PLUS – EXZELLENT

 

 

TEXT UND ALLE BILDER © HERBERT KASPAR

 

PRAXISBILDER

Ein Klick auf eines der Praxisbilder bringt es mit einer Länge von 1800 Pixeln über die lange Seite auf Ihren Bildschirm. Die Bildgröße wurde im aktuellen Adobe Photoshop reduziert.

Zu einigen Bildern zeigen wir darunter einen entsprechend gekennzeichneten 100-%-Crop. 

Die Originalbilder aus der Canon EOS R7 sind 6960 x 4640 Pixel groß.
Das entspricht bei einer Druckauflösung von 300 ppi einer Größe von 589 x 392 mm.

Beachten Sie bitte, dass die Bildqualität, besonders die Farbwiedergabe, auch von den Einstellungen Ihres Monitors abhängt!

 

OBJEKTIV CANON RF-S 10-18 MM 1:4,5-6,3 IS STM

KAMERA CANON EOS R7

 

@12 mm | ISO 100 | F5,6 | 1/640 Sek.
Das Fachwerkhaus steht beim Rathaus von Volkach, einer besuchenswerten kleinen Stadt an der Mainschleife im Maindreieck. Die Mainschleife ist die größte Flussmäanderlandschaft in Bayern. Alle Praxisbilder entstanden bei einem Bummel durch den historischen Stadtkern.
Aufnahmen aus der Nähe mit geneigter Kamera bringt durch die stürzenden Linien Höhe ins Bild.
@18 mm | ISO 100 | F6,3 | 1/200 Sek.
@18 mm | ISO 100 | F63 | 1/160 Sek.
Trotz der kurzen Brennweite von rund 28 mm [@KB] trennen sich die Blüten gut vom unscharfen Hintergrund.
100-%-Crop
@18 mm | ISO 100 | F6,3| 1/100 Sek.
@13 mm | ISO 100 | F5,6 | 1/100 Sek.
14 mm Brennweite wäre besser gewesen, dann wäre der Schnipsel des Fensterrahmens rechts nicht im Bild.
@18 mm | ISO 100 | F6,3 | 1/160 Sek.
Wem der sehnsuchtsvolle Blick wohl gegolten haben mag?
@18 mm | ISO 100 | F6,3 | 1/160 Sek.
Die steile Perspektive lässt sich schon bei 18 mm Brennweite nutzen, um Tiefe ins Bild zu bringen.
@10 mm | ISO 100 | F5,6 | 1/500 Sek. | +0,67 EV
Ein schönes Beispiel für ein “Nasenschild”, das in diesem Fall auf einen Gasthof aufmerksam machen soll. (Nasenschild, weil es wie die Nase aus dem Gesicht aus den Hauswand ragt). Die Pluskorrektur war nötig, um den Storch (ich hoffe, ich liege damit richtig) besser durchzuzeichnen.
100-%-Crop
@18 mm | ISO 100 | F6,3 | 1/250 Sek. | +0,67 EV
@17 mm | ISO 125 | F6,3| 1/60 Sek. | +0,67 EV
Die Schrift im Scheinwerferglas kommt klar heraus.
100-%-Crop

 

BILDER © HERBERT KASPAR