Tipp – Mit der Symmetrie spielen

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Wenn eine (gedachte) Linie ein Motiv in zwei gleiche Hälften teilt, sind gleich die Mahner zur Stelle: Nicht fotografieren. Das Bild wird langweilig. Oft stimmt das. Aber nicht immer.

Symmetrie

Mathematiker seien vorgewarnt: Wir sprechen hier von Symmetrie, sehen das aber nicht so eng. Wir sagen nicht nur dann „symmetrischer Bildaufbau“,  wenn die Bildhälften nach dem Umklappen an der Mittelachse deckungsgleich sind, sondern es reicht, wenn die Bildhälften weitgehend ähnliche Bildteile zeigen.

Symmetrie an einem Motorroller

Echte Symmetrie lässt sich als Motiv eher im technischen Bereich finden als in der Natur, und so sind „symmetrischste“ Bild in diesem Beitrag jene, das die Doppelscheinwerfer eines Motorrades (oder ist es ein Motorroller?)

Älterer Mercedes und den Kühlergrill eines älteren Mercedes zeigen, wobei hier schon die unterschiedlichen Spiegelungen im Chrom die Symmetrie brechen.

Doppel-Laterne am Abend

Und auch die Doppellaterne in nah einer echten Symmetrie, wären da nicht die Wolken, die aber auch dafür sorgen, dass das Bild lebendiger wirkt.

Sonnenblume

© Irinav | Dreamstime.com

Eine Sonderform der Symmetrie ist die Punktsymmetrie, wo sich Motivteile nicht an einer Achse spiegeln (wie gesagt: nicht deckungsgleich, aber immerhin), sondern an einem Punkt. Ein Beispiel ist die Sonnenblume, die man an der waagerechten und senkrechten Mittelachse und an den Diagonalen spiegeln kann, ohne dass sich das Bild groß ändert. Strenger lässt sich die Punktsymmetrie z. B. mit Bildern von Felgen ins Bild setzen, während etwa Ziffernscheibe im Roulette-Kessel oder eine Uhr durch die unterschiedlichen Zahlen eine wirkliche Punktsymmetrie verhindern.

Fassade mit Spiegelung

Echt symmetrische Motive wirken meist sehr streng, besonders wenn Technik oder Architektur aufgenommen wurde, wie die Fassade am Gendarmenmarkt in Berlin,

Kurgarten Café in Bad Kissingen Aber man kann hier mit der Symmetrie spielen, sie einerseits zum Motiv machen, sie andererseits gleich wieder brechen. Ein Beispiel ist Bild mit der Gebäudekante, die senkrecht durch die Mitte verläuft. Auf den ersten, flüchtigen Blick wirkt auch die Schrift symmetrisch, aber wenn man genauer hinschaut, steht rechts und links etwas anderes. Und wenn man noch genauer hinsieht, bemerkt man, dass der Name „Kurgarten Cafe“ (in Bad Kissingen, in der Nähe der Heimat der d-pixx) in der rechten Bildhälfte beginnt und in der linken endet.

Fenster mit Kerzen

 

Fenster mit Blume

Symmetrische Bilder wirken oft beruhigend, erst recht, wenn es sich um ein heimeliges Motiv handelt wie bei den beiden Fensterbildern.

Asymmetrie

Im Grunde sind alle Bilder, die sich nicht an einer Achse oder einem Punkt spiegeln lassen, a-symmetrisch (also nicht-symmetrisch), aber hier wollen wir ein bisschen strenger sein. Die asymmetrischen Bilder, von denen wir sprechen, weisen Hälften auf, die einander erkennbar zugeordnet sind, aber keine (im weitesten Sinn) gleichen Inhalte aufweisen. Zu theoretisch? Gut – schauen wir die Beispiele an.

Schaufensterpuppen

Laterne und Bank

Das Bild der Schaufensterpuppen und das von Leuchte und Bank auf dem Deich (das ganz in der Nähe der Doppellaterne aufgeommen wurde) weisen klar erkennbare senkrechte Mittelachsen auf. Es gibt auch erkennbare Parallelen zwischen den jeweils linken und rechten Bildhälften – einmal „Gelb“ als bestimmende Farbe, dazu das Thema Kleidung, das andere Mal die Struktur des Himmels und die Lichtstimmung nach Sonnenuntergang. Dennoch sind diese beiden Bilder asymmetrisch, weil die Inhalte der Bildhälften zu unterschiedlich sind: Bikini gegen Kleid, keine Bank gegen Bank. Aus diesem Bildaufbau entsteht Spannung.

Dahlie

Container Nummer 13

Der gelbe Dahlie und der Zahl „13“ auf einem Container fehlt jeweils das Gegenüber. Die andere Bildhälfte ist zwar jedes Mal in Farbe und Struktur gleich, was zur Geschlossenheit des Bildes beiträgt, das aber mehr noch von der Spannung „Hauptmotiv – kein Hauptmotiv“ lebt.

Lady in Red

Wenn man übrigens „ganz echt“ symmetrische Bilder möchte, ist das kein Problem: Bild duplizieren, kontern, ans Ausgangsbild ansetzen und darauf achten, dass die Stoßkante nicht sichtbar ist!

Text und Bilder (sofern nicht anders vermerkt): (c) Herbert Kaspar

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