Canons EOS 5D Mark II im Test - Teil III

Canons EOS 5D Mark II im Test - Teil III

Hier ist er nun, der angekündigte dritte Teil unseres großen EOS 5D Mark II Tests. Neben dem Autofokus geht es um die Leistung der Kamera, den Live-View-Modus und die Serienbild-Funktion.

 

Autofokus

Die EOS 5D Mark II verfügt über dasselbe AF-System wie die EOS 5D. Neun AF-Messfelder sind rautenförmig angeordnet. Im Zentrum befindet sich ein Kreuzsensor. Er spricht zum einen auf waagrechte und senkrechte Strukturen im Motiv an. Zum anderen arbeitet er optimal mit Objektiven bis zur Lichtstärke 1:2,8 zusammen, die wegen ihrer sehr schmalen Schärfenzone anspruchsvoller in Sachen Scharfstellung sind, als lichtschwächere Varianten. Innerhalb des Kreises, der das Spotmessfeld markiert, sind ober- und unterhalb des zentralen Messfeldes je drei weitere Hilfs-Messfelder angeordnet, die auf der Einstellscheibe nicht angezeigt werden. Sie springen ein, wenn das Objekt bei der Schärfennachführung nicht exakt vom zentralen Messfeld erfasst wird, sondern ein bisschen drum herum eiert.

 

Man kann die Wahl des aktiven Messfeldes der Automatik überlassen. Dann wird auf das Motivteil scharfgestellt, das der Kamera am nächsten ist. Das ist für Schnappschuss-Situationen interessant und hilfreich. Allerdings kann die beste Automatik nicht wirklich wissen, worauf es im Bild ankommt. Daher ist die manuelle Wahl des passenden Messfeldes besser. In der Regel kommt man sehr gut mit dem zentralen Messfeld klar, auch wenn man nach dem Scharfstellen mit gespeicherter Schärfe den Bildausschnitt ändert. Bei großen Blenden (sehr schmale Schärfenzone) und geringen Abständen kann es allerdings passieren, dass bei der Wahl eines neuen Bildausschnitts das Hauptmotiv aus der Schärfe wandert. Aber dafür gibt es die dezentralen Messfelder und die Möglichkeit, manuell nachzufokussieren.

Als Autofokusbetriebsarten bietet die EOS 5D Mark II die von Canon SLR- und D-SLR-Modellen hinlänglich bekannten Varianten

  • One Shot
  • AI Focus
  • AI Servo


One Shot bedeutet, dass die Schärfe durch Andrücken des Auslösers bzw. des AF-ON-Knopfes gespeichert wird, und dass eine Scharfstellung stattgefunden haben muss, ehe die Auslösung erfolgen kann. Das ist die richtige Betriebsart für ruhende Motive oder solche, die sich nur langsam bewegen.

 


AI Servo bedeutet, dass die Schärfe immer wieder neu eingestellt wird, solange der Auslöser angedrückt ist. Beim Durchdrücken des Auslösers erfolgt die Belichtung, auch wenn sich das Motiv in diesem Moment nicht in der Schärfe befindet, was wir allerdings nur selten erlebten. Wenn sich das Motiv bewegt, wird die Schärfe nachgeführt, was besonders für Serien wichtig ist.  

 


AI Focus bedeutet, dass die Kamera von sich erkennt, ob es sich um ein ruhendes Motiv handelt, oder um eines, das sich bewegt. Situationsbedingt wechselt sie dann zwischen den beiden anderen Betriebsarten.

Im One Shot-Modus wird das / werden die AF-Messfelder angezeigt, die für die Scharfstellung herangezogen werden, indem ihr Rahmen im Sucherbild rot aufleuchtet. Dabei fiel auf, dass ein roter diffuser Fleck oberhalb des oberen Messfeldes aufleuchtete, sobald dessen Rahmen rot angezeigt wurde. Vermutlich handelt es sich um eine Spiegelung, die aber keinen Einfluss auf die Aufnahme hatte. Wenn, etwa bei Nachtaufnahmen, das Aufleuchten der Messfeldrahmen stört, kann man es abschalten (C.Fn III/4).

Der Autofokus arbeitet schnell, präzise und mit USM-Objektiven sehr sehr leise. Bei Blende 2,8, 1/30 Sek. und ISO 1600 (das entspricht Blende 2,8, 1 Sek. bei ISO 100 - also schlechten Lichtverhältnissen) war es mit dem EF 2,8/24-70 mm bei längster Brennweite möglich, auf die Augen eines Modells scharfzustellen. Ein 2,8er mit längerer Brennweite war leider nicht verfügbar.

Auch die Schärfennachführung klappt sehr gut. In ersten Versuchen konnten wir ein Fahrzeug in der Schärfe halten, das mit 80 km/h im spitzen Winkel auf die Kamera zukam. Ab etwa 15 m Abstand wurden die Bilder unscharf. Dann wurde der Regen stärker und wir brachen den Versuch ab.

Ein interessantes Ausstattungsdetail steckt hinter C.Fn III/8 - die Feinabstimmung des Autofokus. Wenn es mit einem Objektiv Probleme gibt, kann man den Schärfenpunkt in kleinsten Schritten vor oder zurück verlagern und mit Testaufnahmen bei ganz offener Blende feststellen, welches die optimale Einstellung ist. Damit kann man selbst korrigierend eingreifen und muss die Kamera nicht zum Service senden.


Ein bisschen mehr zum Thema Autofokus gibt es im Abschnitt über die Live-View-Funktion.



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