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Thema: Es geht auch analog

  1. #1
    Erfahrener Benutzer Avatar von bratz
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    Es geht auch analog

    Viele Fotografen nutzen sie: digitale Effektfilter! Und es gibt sie für fast jeden Look in zahllosen Bildbearbeitungsprogrammen, als Add-on dafür oder als App für das Smartphone.
    Aber man kann auch auf andere Weise zu schönen Effekten kommen. Mit Hilfe von Techniken, die schon in den alten ‚analogen Zeiten‘ der Fotografie genutzt wurden.
    Die beschriebenen Aufnahmetechniken erfordern nicht viel an Equipment, der Aufbau ist relativ einfach und preiswert. Und nach ein paar Probeaufnahmen bekommt man auch ein Gefühl für den erzeugten Effekt und kann ihn bereits bei der Aufnahme ganz gut steuern.
    Sicherlich lassen sich damit nicht alle Möglichkeiten der digitalen Technik reproduzieren, aber ich möchte hier einmal versuchen, ein paar solcher Effekte wieder aufleben zu lassen.

    Fangen wir doch einfach mal mit einem Effekt an, der zu vielen Bildern passt weil er zugleich einen frischen Look aber genauso auch eine eher verträumte und romantische Stimmung ins Bild bringen kann.
    Für diesen Effekt benötigen wir Licht, das direkt auf das Objektiv fällt, ggf. farbige Folien und als Haupt-Zutat einen Topfreiniger.
    Ja, richtig gelesen – einen Topfreiniger aus Stahlwolle. Nicht diese ganz feine Stahlwolle, die zum Teil bereits mit Seife versetzt ist und nach erstem Kontakt mit Wasser anfängt zu rosten, sondern solche aus flachem Edelstahlmaterial. Diese Topfreiniger habe ich in mindestens zwei verschiedenen Ausführungen gefunden.
    Einmal in eine Art flache Schwammform gepresst und einmal als kleine Kugeln mit gekringeltem, Flachmaterial mit extrem hoher Reflexion. Das ist genau richtig für unsere Zwecke. Mit etwas Geduld bekommt man dieses Knäuel relativ gleichmässig auseinander gezuzzelt und kann es als lockeren Schleier um die Sonnenblende des Objektivs legen.

    Vorsicht hierbei! Ein Kontakt der Stahlwolle mit den Glasflächen der Optik sollte unbedingt vermieden werden! Und auch der Kunststoff der Sonnenblende sollte nicht zerkratzt werden. Also wirklich nur ganz locker davor hängen. Die Metallstreifen sollen dabei gerne auch ins Bildfeld ragen! Beim Blick durch den Sucher oder im Live-View auf dem Monitor kann man die Ausrichtung der Stahlwollbänder im Bild sehr gut justieren.
    Fällt nun Licht auf die hochglänzenden Metallstreifen, so ergeben sich Reflexe, die –je nach Abstand der Stahlwolle von der vorderen Linse und je nach Öffnung der Blende- mehr oder weniger groß sind und eben auch mehr oder weniger gerundet sind.

    Bei der hier gezeigten Aufnahme, sieht man den Effekt ganz gut. Ich habe einen Beauty-Dish mit 50cm Durchmesser verwendet, weil dabei ein Licht bereits ausgereicht hat, um das Glas samt Hintergrund ins rechte Licht zu rücken und auch noch die Stahlwolle anzuleuchten. Durch die Form des Reflektors strahlt dieser Lichtformer nämlich auch noch genügend Licht zur Seite ab. Es funktioniert natürlich auch mit vielen anderen Lichtquellen gut - Hauptsache das Licht kommt so auf das Objektiv/die Stahlwolle um dort die notwendigen Reflexionen zu erzeugen.

    Ich habe mal ein Bild vom Set-Up beigefügt:

    Name:  IMGP1143b.jpg
Hits: 190
Größe:  95,4 KB

    Wie das Ergebnis dieses Set-Ups ausschaut, könnt ihr hier sehen:

    http://www.d-pixx.de/forum/gallery/s...p?i=26320&c=14


    Das Bild kam (bis auf die normalen Bearbeitungsschritte wie Kontrastanpassung, Sättigung, SChärfung, etc...) so aus der Kamera.

    Hier erzeugen die vielen, kleinen Licht-Bubbles zusammen mit dem leuchtenden Grün einen sehr frischen Look. Ich habe auch mit Komplementärfarben bei Wasser und Bubbles (also bei den Folien vor der Lichtquelle, die dann für die Farbe des Hintergrundes und der Reflexe verantwortlich sind) herumprobiert. Meine Folien haben einzeln die Fläche des Beauty-Dishs nicht ganz abdecken können – was von Vorteil sein kann: so kann man auch die Farben mischen und auch Stellen ohne Folien freilassen. Dort wird dann eben weißes Licht abgestrahlt. Dadurch, dass bei dieser Aufnahme auch einige Streifen vor dem Glas hingen, entstanden dort diese Bokeh-Bubbles auch vor dem Glas. Für solch einen Effekt eine vielleicht ungewohnte Ansicht, weil man diese Bubbles ja in der Regel eher nur im Hintergrund findet – ich fand es aber ganz gelungen.
    Es gibt also zahlreiche Möglichkeiten mit den Effekten zu spielen und genug Freiraum für Kreativität! Vor allem macht es aber großen Spaß, solche Effekte direkt bei der Aufnahme zu erzeugen und nicht erst im Nachhinein mit Bildbearbeitungsprogrammen.
    Vielleicht schaffe ich es ja, demnächst noch weitere Beispielbilder mit diesem Effekt hier im Forum zu zeigen. Auch werden ggf. Ideen zu weiteren, solchen ‚analogen‘ Effekte folgen. Bis dahin viel Spaß beim Ausprobieren…vielleicht zeigt ihr in der Galerie mal Eure Bilder zu diesem Thema – ich würde mich freuen.
    Geändert von bratz (29.09.2017 um 21:43 Uhr)
    liebe Grüße
    Thomas

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  2. #2
    Erfahrener Benutzer Avatar von BNitzschmann
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    Hallo Thomas, ich möchte Dir auch an dieser Stelle noch mal zu Deinem Experiment gratulieren. Ich bewundere solche Dinge und möchte Dir für Deine exakten Ausführungen danken. Bin gespannt auf weiter Tricks.

    LG Burghard

  3. #3
    Erfahrener Benutzer Avatar von bratz
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    Da danke ich Dir auch sehr für Burghard - mal schauen, wann ich wieder zu solchen Spielereien komme
    liebe Grüße
    Thomas

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  4. #4
    Erfahrener Benutzer Avatar von bratz
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    Es geht weiter…

    Vielleicht war der Tipp mit der Stahlwolle ja doch für den ein oder anderen etwas zu abwegig und abschreckend.
    Machen wir deshalb mal mit einem noch einfacherem und, vor allem auch für das eingesetzte Equipment, völlig harmlosen Effekt weiter…
    Frischhaltefolie!
    Ja…genau – das dünne, fuddelige Zeugs, dass nach dem Abreißen von der Rolle meist direkt zusammenklebt!
    Wir benötigen im Normalfall ein etwa DIN A4 großes Stück. Das soll uns –zwischen Motiv und Objektiv platziert- eine schöne, sanfte Unschärfe ins Bild bringen.
    Hier zunächst ein Foto des Motivs ohne Folie um den, sich später ergebenden, Effekt besser beurteilen zu können.

    Name:  IMGP3615.jpg
Hits: 121
Größe:  55,1 KB

    Der Aufnahmewinkel war mir hier noch ein wenig zu flach und durch die gleichmäßige Schärfe hatte das Foto auch irgendwie keine ansprechende Atmosphäre.
    ...also Kamera ein wenig höher und her mit der Frischhaltefolie!
    Ich habe die Folie einmal kräftig zusammengeknüllt und dann wieder auseinander gefriemelt.
    Durch das Knüllen bekommt die Folie eine uneinheitliche Struktur und der Effekt wirkt auf der Fläche ungleich.
    Es gibt sogar Bereiche, die noch fast normal scharfgezeichnet werden.
    Die Folie ist so dünn, dass sie zwar nicht wesentlich Licht schluckt, aber eine halbe bis zu einer Blende kann es schon werden.

    Beim Beispielbild habe ich die Folie mit der linken Hand ganz nah vor das Objektiv gehalten und mittels Live-View geschaut, dass ich die wenigen scharfen Bereiche nach Wunsch im Bild positioniere.
    Das geht noch einfacher, wenn man dazu eine Schärfeanzeige (Fokus-Peaking) eingeblendet bekommt.
    Man sieht dann die Schärfe mit der Bewegung der Folie im Bild wandern. Dann nur noch ausgelöst – fertig!
    Natürlich kann man die Folie auch an einem kleinen Stativausleger befestigen und damit vor das Objektiv schwenken. Dann kann man mit der Positionierung noch präziser arbeiten.

    Die Veränderung des Abstands der Folie von der Frontlinse verändert übrigens noch ein wenig die Art und Stärke des Weichzeichner-Effekts.
    Auch kann man ein kleines (wirklich klein!) Loch in die Folie machen – dort hat man dann auf alle Fälle einen scharfen Bereich im Bild. Herumexperimentieren hilft also auch hier wieder.

    Name:  IMGP3617_klein.jpg
Hits: 121
Größe:  48,8 KB

    Ich finde, das Ergebnis kann sich nun sehen lassen – das Foto ist für mein Empfinden deutlich stimmungsvoller geworden.
    Das Foto hat abschließend noch die übliche Nachbearbeitung erhalten – also Korrekturen an Kontrast, Farbton und Sättigung und eine leichte, dunkle Vignette, um den Randbereich etwas abzudämpfen und damit den Blick des Betrachters mehr zum Buch zu lenken. Den sehr schönen und uneinheitlichen Weichzeichner-Effekt der Folie hätte ich in der Nachbearbeitung in dieser Form auf alle Fälle nicht so schnell hinbekommen!

    Ihr seht also, dass selbst die simpelsten Hilfsmittel noch zu ansehnlichen Effekten führen können.
    Hier war es ein Still-Life, aber auch bei Portraitaufnahmen kann ich mir den Einsatz der Folie gut vorstellen.
    Probiert es einfach mal aus…und zeigt Eure Ergebnisse in der Galerie oder hier in diesem Thread!
    liebe Grüße
    Thomas

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  5. #5
    Erfahrener Benutzer Avatar von evalgg
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    Hallo Thomas,
    das Bild ist Dir sehr gut gelungen. Ich bin überrascht mit welch einfachen Mitteln man Stimmung ins Bild zaubern kann.
    LG Eva

  6. #6
    Erfahrener Benutzer Avatar von bratz
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    Danke Eva
    ...es ist nicht nur verblüffend einfach in den Mitteln, sondern macht auch richtig Spaß...vielleicht eben weil es so einfcah ist
    liebe Grüße
    Thomas

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  7. #7
    Erfahrener Benutzer Avatar von Dolmant
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    Jo ... man kann sich auch Vaseline auf den überflüssigen UV Filter schmieren. Durchlöcherte Papiertaschentücher machen auch eine nette, helle, und ungleichmäßige Vignette.
    ---
    Es wurde schon alles fotografiert. Aber noch nicht von mir...

  8. #8
    Chefredakteur Avatar von hkaspar
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    ... und man kann, jetzt wo es kälter wird, bei Außenaufnahmen aufs Objektiv hauchen und einen Nebeleffekt erzielen.

    Viele Grüße
    Herbert
    Die Meisten fotografieren, was sie sehen. Fotografen sehen, was fotografiert werden möchte. [ich]

  9. #9
    Erfahrener Benutzer Avatar von WalterP
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    Der Effekt mit der Folie ist auf jeden Fall weniger zeitaufwendig, als das in der Nachbearbeitung zu erledigen und sicher ein Stück mehr authentisch. Klasse.
    LG Walter
    LG Walter

  10. #10
    Erfahrener Benutzer Avatar von bratz
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    Lieben Dank für Euer Interesse und die weiteren Anregungen...
    liebe Grüße
    Thomas

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