Der Frühling ist für viele Fotografen die Gelegenheit, endlich wieder ihrem Hobby frönen zu können, ohne sich dick einmummeln und sich über tristes Grau in Grau ärgern zu müssen. Hier kommen die  zweiten 15 von 30 Tipps für Fotospaß im Frühling!

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Eine LED-Taschenlampe sorgte für die Beleuchtung, die das Bild lebendiger erscheinen lässt.
Foto: Herbert Kaspar

Tipp 16 Seit einiger Zeit gibt es LED-Fotoleuchten (Flächenleuchten, aber auch in Ringform) und außerhalb des fotospezifischen Angebots auch sehr starke LED-Taschenlampen mit einer Lichtfarbe, mit der der automatische Weißabgleich gut zurechtkommt. Gegenüber entfesselt eingesetzten Blitzgeräten haben sie den großen Vorteil, dass man die Auswirkungen der Ausleuchtung, also die Verteilung von Licht und Schatten sofort beurteilen kann, und nicht erst nach der Aufnahme.

 

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Ob vom Tau oder nach dem Regen oder vielleicht auch aus der Pipette: Ein Tropfen als Linse ist immer ein lohnendes Makromotiv.
Foto: Pavel Kratochvil | Dreamstime.com

Tipp 17 Nach einem Frühlingsschauer hängen Tropfen an Blüten, Zweigen oder Ästen, die als Motive einiges hermachen – insbesondere, wenn sie als Linse wirken und den Hintergrund zeigen. Hier ist wieder das Makro-Equipment gefragt.

 

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Frühlingsbilder wirken auch in Schwarz/Weiß.
Foto: Herbert Kaspar

Tipp 18 Auch wenn sich viele Leserinnen und Leser dieses Beitrags nicht daran erinnern können, weil sie zu jung sind: Vor der Digitalfotografie bestimmten Farbfilme die Fotowelt und davor waren es  Schwarz/Weiß-Filme. Und auch in der S/W-Zeit wurden tolle Frühlingsbilder gemacht. Es ist also eine Überlegung wert, einmal zu versuchen, den Frühling – wie auch den bunten Herbst – in Graustufenbildern einzufangen. Wenn man das direkt macht, also die Kamera auf Graustufenmodus stellt (das geht nicht bei allen Kameras)  ist es nötig, die Farben bei der Betrachtung des Motivs auszublenden und sich auf den grafischen Aufbau zu konzentrieren. Ein Gelbfilter, den man vors Auge hält, hilft dabei.

 

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Mit den Filterreglern (hier in Adobe Photoshop CS6) legt man fest, in welchen Grauton eine bestimmte Farbe übersetzt wird.
Foto: Herbert Kaspar

Tipp 19 Statt direkt Graustufenbilder aufzunehmen, sollten Sie lieber die Möglichkeiten nutzen, die Bildbearbeitungsprogramme bieten. Vermeiden Sie aber den Befehl „In Graustufen wandeln“ oder ähnlich, wenn dabei einfach die Farben verworfen und durch Graustufen ersetzt werden. Besser ist es, wenn man mit verschiedenen virtuellen Farbfiltern selbst bestimmen kann, wie eine Farbe in Graustufen übersetzt wird. Dabei gilt, dass Farben, die der gewählten Filterfarbe entsprechen oder einen großen Anteil davon enthalten, als helle Grautöne ins Bild kommen, die Komplementärfarbe sehr dunkel.

 

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Die harten grau-kalten Steine bilden einen Kontrast zum freundlich leuchtenden Löwenzahn.
Foto: Herbert Kaspar

Tipp 20 Blumen, Blüten und die hellgrünen Blätter des Frühlings wirken sehr warm und zart. Diese Wärme und Zartheit kann man betonen, indem man sie in Kontrast zu „technischer Härte und Kälte“ setzt. Das passiert zum einen vor Ort, wenn man z. B. Beton, Ziegel oder Zaunpfosten aus Metall als Hintergrund oder Umgebung der Blume wählt. Bei der Bildbearbeitung kann man dann den Hintergrund entsättigen oder kühler machen.

 

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Schon im Ausgangsbild hebt sich die Blüte gut vom Hintergrund ab …

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… aber nach der Bearbeitung (Ebenenkopie abdunkeln, Hintergrund durchmalen) steht sie viel deutlicher da.
Fotos: Herbert Kaspar

Tipp 21 Um eine Blüte aus einem wirren Umfeld zu befreien oder sie in Warm/Kalt-Kontrast mit dem Hintergrund zu setzen, ist eine Bildbearbeitungssoftware, die die Arbeit mit Ebenen und Ebenenmasken ermöglicht, sehr praktisch. Man dupliziert beispielsweise das Bild zunächst in eine neue Ebene, die man dann z. B. deutlich weich zeichnet bzw. abdunkelt oder deren Farbe man Richtung „kühl“ verschiebt. Danach fügt man eine Ebenenmaske hinzu und malt die scharfe oder helle bzw. warme untere Ebene mit Pinsel und schwarzer Farbe wieder frei. War man dabei zu optimistisch, lässt sich der Fehler mit dem Pinsel und weißer Farbe wieder „zurückmalen“.

 

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Um ein unverwackeltes Bild in einer nicht sehr hellen Umgebung zu erhalten, lohnt es sich, ein Stativ mitzunehmen.
Foto: John Brueske | Dreamstime.com

Tipp 22 Ein Stativ ist ein ungeliebtes Zubehör, weil man es zusätzlich zu Kamera und Objektiv verstauen und tragen muss, aber gleichzeitig ist es oft ein unverzichtbares Zubehör. Der Frühling findet ja nicht nur in der Gärtnerei, auf der Wiese oder am Bachlauf statt, sondern auch im Wald, wo es einfach etwas dunkler ist – und hier (aber natürlich nicht nur hier) macht das Stativ es möglich, trotz längerer Verschlusszeiten unverwackelte bilder zu erzielen.

 

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Einfach eine längere Verschlusszeit wählen und mal kreativ wackeln … Die 128 Bilder, die nicht gefallen, werden einfach wieder gelöscht.
Foto: Herbert Kaspar

Tipp 23 Wenn der Tulpenstrauß attraktiv und nachgerade ein Bild fordernd auf dem Schreibtisch im nicht sehr hellen Büro steht, das Stativ aber nicht da und man keine Lust hat, es zu holen, wird es Zeit für ein paar Experimente. Zu Zeiten des Dia-Films hätte man sie wohl nicht, gemacht, denn es gibt viel Ausschuss – aber wenn man die Kamera während einer längeren Belichtungszeit bewegt, kommt doch immer wieder ein Bild heraus, das einem selbst gefällt, und anderen vielleicht auch.

 

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Wenn man wegen des Windes kein wirklich scharfes Bild hinbekommt, dann nutzt man die Bewegungsunschärfe einfach aus. Wenn ein Teil des Motivs sich nicht bewegt, unterstreicht das die Unruhe im Rest des Bildes.
Foto: Herbert Kaspar

Tipp 24 Das Stativ sorgt nur dafür, dass sich die Kamera während der Belichtungszeit nicht bewegt – hat aber natürlich keinen Einfluss auf die Bewegung im Motiv. Bei kleinen Objekten kann man aber versuchen, mit einem Windschutz zu arbeiten. Ein nicht zu großer (sonst nimmt man ihn doch nicht mit in die Natur) zusammenfaltbarer Reflektor kann dazu zweckentfremdet werden. Dieses Zubehör nutzt in der Regel nicht, wenn sich ein größeres  Objekt bewegt. In diesem Fall macht man aus der Not eine Tugend und zieht die Bewegung ins Bild mit ein, was z. B. bei einer leuchtenden Forsythie zu einer Farbexplosion führen kann,

Tipp 25 Um kleine Aufheller, Schattenspender oder einen Windschutz zu platzieren, ist im Gelände ein Erdnagel mit einem Stativgewinde praktisch. Auf das Stativgewinde schraubt man eine Klammer, die das gewünschte Teil hält.

Tipp 26 Wenn man nicht in Bodennähe fotografieren möchte, ersetzt man den Erdnagel durch eine Klemme, die man an Ästen oder Zaunpfosten festmachen kann. In den eigenen vier Wänden können Regalbretter oder Stuhllehnen mit Hilfe der Klemme zum Ersatzstativ gemacht werden.

Tipp 27 Um weiße oder schwarze Kartons in einer Klammer, aber auch entfesselt eingesetzte Blitzgeräte oder Leuchten (auf entsprechenden Füßen mit Stativgewinde) in die richtige Position bringen zu können ist ein kleiner Kugelkopf auf dem Erdnagel oder der Klemme sehr praktisch. Man kann ihn gegebenenfalls auch einmal nutzen, um eine Kompaktkamera ruhig zu stellen.

 

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Nicht nur Blumen künden vom Frühling!
Foto: Herbert Kaspar

Tipp 28 Auch wenn wir uns bei den Tipps auf Blumen und Blüten beschränkt haben, so heißt „den Frühling fotografieren“ natürlich noch mehr. Von Frühlingsboten wie Bienen oder Eidechsen über Tierjunge bis zu Störchen (ich habe da leicht reden, weil es in Hammelburg  Störche gibt, sie heißen Jakob und Adele), von Kindern, die die ersten warmen Sonnenstrahlen genießen, bis hin zu Händchen haltenden Paaren bietet der Frühling eine Vielzahl von Motiven.

 

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Hier wird die „Luftperspektive“ genutzt, die den Hintergrund flau und bläulich erscheinen lässt, um das Grün herauszustellen.
Foto: Herbert Kaspar

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Blumen auch mal anders sehen. Kameras mit beweglichem Monitor machen es einfach, und ein „Schmusefilter“ (hier: Glamour Glow in Nik Efex pro 3) bringt die gewünschte Weichheit.
Foto: Herbert Kaspar

Tipp 29 Zum Schluss. Was im Herbst, Winter und Sommer für bessere Bilder gilt, trifft im Frühling auch zu. Den richtigen Standort für die beste Perspektive suchen. Auch einmal in die Knie gehen oder hinlegen, um einen besseren Blickwinkel zu bekommen. Alles aus dem Bild werfen, was der Bildwirkung nicht dienlich ist („Konzentration aufs Wesentliche“). Die Kamera gerade halten oder das Bild später per Software gerade rücken. Aufs Histogramm achten (in der Kamera oder im Bildbearbeitungsprogramm), um Lichter und Schatten optimal ins Bild zu bekommen. Die Schärfe dahin legen, wo man sie haben möchte – und nicht dorthin, wo die Kamera es für richtig hält (d. h.  man wählt das AF-Messfeld manuell, es muss aber nicht unbedingt das mittlere sein).

 

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Ein Frühlingsklassiker im richtigen Licht – aber wenn die Kamera zu Hause liegt, und nicht im Auto, muss man darauf verzichten.
Foto: Herbert Kaspar

Tipp 30 Ganz zum Schluss: Die einfache Kamera, die man dabei hat, ist besser als das Top-Modell zu Hause im Schrank!

 

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Tipps 1-15

Über den Autor

Andreas sorgt für die meisten News-Beiträge auf der Seite, kümmert sich aber auch regelmäßig um Produkttests.