Zum Jahreswechsel werden auch dieses Mal wieder zig-Tausende Raketen in den Nachthimmel über Deutschland steigen um dann leuchtend zu vergehen – einzeln oder im Schwarm, als glitzernde Funken, Leuchtregen oder Feuerkugeln. Was für die einen ein faszinierendes Schauspiel ist, ist für viele andere ein ebenso faszinierendes Motiv. Wenn auch Sie die Silvesternacht nutzen möchten, um einige Feuerwerkfotos zu machen, können die folgenden Tipps hilfreich sein. (Foto: artefacti – fotolia.com)

Tipp 1 Verwenden Sie ein Stativ, da lange Verschlusszeiten nötig sind. Denken Sie bei der Platzwahl daran, dass andere Beobachter des Feuerwerks nicht ans Stativ stoßen und schon gar nicht darüber stolpern können. Im Notfall hilft auch eine solide Unterlage, aber sie muss so beschaffen sein, dass man die Kamera nach oben richten kann.

Tipp 2 Bei den üblichen Feuerwerken in der Nachbarschaft sollte es möglich sein, die Kamera schnell dorthin zu schwenken, wo gerade etwas geboten wird. Bei einem großen Feuerwerk, das einem bestimmten Platz stattfindet, ist das nicht nötig. Man sucht stattdessen frühzeitig einen Platz, von dem aus man einen guten Blick auf den Ort des Geschehens hat. Ein etwas erhöhter Standort ist gut, wenn man verhindern möchte, dass die Köpfe anderer Zuschauer ins Bild kommen.

Tipp 3 Die langen Verschlusszeiten sind nicht nötig, um das Hauptmotiv richtig belichtet auf den Sensor zu bekommen – jeder Feuerwerkseffekt bringt seine eigene Belichtungszeit mit, nämlich die Zeit, während der er leuchtend am Himmel zu sehen ist. Die langen Verschlusszeiten sorgen dafür, mehrere der kurzlebigen Effekte in ein Bild zu bringen. Verschlusszeiten ab vier Sekunden sind gut zu verwenden.

Tipp 4 Wenn sehr viele Effekte in einem Bild versammelt werden sollen, ist die B-Einstellung richtig. Wenn der Auslöser die ganze Zeit gedrückt gehalten werden muss, ist das kontraproduktiv zur ruhigen Kamerahaltung. Ein Fernauslöser ist in diesem Fall praktisch. Da kann ein Kabelauslöser sein oder eine App, die über das WiFi-Modul die Kamera steuert. Bei sehr langen Belichtungszeiten ist zu bedenken, dass dadurch deutliches Rauschen ins Bild kommen wird.

Tipp 5 Die langen Verschlusszeiten haben Einfluss auf die Belichtung des Hintergrundes, der möglichst dunkel ins Bild kommen sollte. Um das zu erreichen, sind kleine Blenden die richtige Wahl. Ein guter Ausgangswert ist Blende 11 bei ISO 100. Ein Blick aufs Display und/oder das Histogramm zeigt, ob die Blende lieber um einen Wert weiter geöffnet oder geschlossen werden sollte. Das Histogramm des Bildes oben sieht so aus:

feuerwerk_histogramm

Der Anstieg des Histogramms nach links kommt vom dunklen Himmel, der Ausschlag ganz rechts ist den hellsten Stellen im Bild, die keinerlei Farbe mehr aufweisen, zu verdanken.

Tipp 6 Die Kombination aus langer Verschlusszeit und kleiner Blende lässt sich am besten im Manuellmodus einstellen. Wenn der nicht zur Verfügung steht, wählt man bei Zeitautomatik die kleinstmögliche Blende vor. Eine Pluskorrektur bringt dann gegebenenfalls noch längere Verschlusszeiten.

Tipp 7
  Vergessen Sie nicht, die automatische Blitzzuschaltung zu desaktivieren!

feuerwerk16_sydney

Feuerwerk über Sydney, aber nicht das Standardbild mit der Harbour-Bridge im Mittelpunkt. Die Lichter auf den Booten und die Spiegelung auf dem Wasser bringen eine besondere Stimmung ins Bild.
Foto: BM – fotolia.com

Tipp 8  Fotografieren Sie nicht nur die Feuerwerkseffekte vor schwarzem Himmel, sondern beziehen Sie bei einigen Aufnahmen auch die Umgebung mit ein.  Wenn Bauwerke in der Nähe sind, werden die Fassaden angeleuchtet und in den Fenstern werden die Feuerwerkseffekte reflektiert. Auch Feuerwerke an Flussufern bringen schöne Spiegelungen mit sich.

Tipp 9 Machen Sie die ersten Aufnahmen mit einer kürzeren Brennweite, bis Sie in etwa abschätzen können, wo die nächsten Feuerblumen am Himmel entstehen werden. Dann können Sie auch längere Brennweiten nutzen.

Tipp 10 Wenn Sie mit einigen Aufnahmen immer nur einen Effekt einfangen konnten, sind diese Bilder gutes Ausgangsmaterial für ein Composing (die Software muss die Arbeit mit Ebenen erlauben). Legen Sie ein großes neues Bild mit einem schwarzen Hintergrund an. Schneiden Sie dann die leuchtenden Effekte aus den anderen Bildern aus und kopieren Sie sie in das neue Bild, wo sie als neue Ebenen erscheinen. Verrechnen Sie die Ebenen mit „Hellere Farbe“ (in Adobe Photoshop und Adobe Photoshop Elements).

feuerwerk16_silhouetten

Einen perfekt schwarzen Himmel bekommt oft erst per Nachbearbeitung ins Bild. Auch die Silhouetten lassen sich per Bildbearbeitung optimieren – oder als eigenen Ebene einem Feuerwerksbild hinzufügen.
Foto: EvgeniyQW – fotolia.com

Tipp 11 Sollte im dunklen Himmel Rauschen zu erkennen sein, kann es gut per Software entfernt werden. Dazu wird zunächst die schwarze Fläche ausgewählt und darin die Rauschminderung durchgeführt. Dass dabei eine Weichzeichnung entsteht, spielt in diesem Fall keine Rolle. Auch die Arbeit mit dem Histogramm-/Gradationskurvenwerkzeug kann hier hilfreich sein. Man dunkelt die dunklen und mittleren Töne ab und lässt die Lichter unverändert.

Tipp 12
Wenn die Kamera keine manuelle Zeit- und/oder Blendeneinstellung erlaubt, können Motivprogramme wie „Nachtaufnahme“ weiterhelfen. Manche Kameras bieten auch eine spezielle Automatik für Feuerwerksaufnahmen. Die neuen CSCs von Olympus haben von sich aus die Funktion „Live Composite“, die es möglich macht zuzuschauen, wie eine Langzeitbelichtung entsteht.

Tipp 13 Möglicherweise müssen Sie einige Einstellungen an der Kamera vornehmen oder ändern. Damit Sie dann im Dunklen nicht lange nach den passenden Einstellelementen suchen müssen, nehmen Sie einfach eine kleine Taschenlampe mit. Aber auch das Smartphone kann helfen.

 

Text (c) Herbert Kaspar

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