Wer sich mit modernen Digitalkameras befasst kennt die Gesichtserkennung. Ein, zwei … viele Gesichter werden erkannt, Schärfe, Belichtung und Weißabgleich entsprechend geregelt und, wenn sie eingespeichert sind, werden die richtigen Namen zugewiesen. Mehr noch: Wenn die Augen geschlossen sind oder das Lächeln fehlt, wird nicht ausgelöst , und weil bei Porträts die Schärfe auf den Augen liegen sollte (es geht aber auch anders, wie wir in der nächsten Printausgabe der d-pixx sehen werden) passt der Autofokus das Messfeld entsprechend an.

Nun wurden die Möglichkeiten der Gesichtserkennung weiter entwickelt, allerdings (noch?) nicht für den Gebrauch für Kameras. Auf der Homepage der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich kann man eine Software aufrufen, die sagt, wie schön/attraktiv Mann oder Frau ist. Die sechsstufige Skala reicht „Hmmm“ bis „göttergleich“, dazwischen liegen (in aufsteigender Reihenfolge) „Ok“, „hübsch“, „großartig“ (um die wörtliche Übersetzung von „hot“ ein bisschen runterzufahren) und „atemberaubend schön“. Gleichzeitig versucht die Software, das Alter zu bestimmen.

Einfach Bild hochladen, warten und schon weiß man, was Sache ist.

Der Selbstversuch bringt mir ein „Ok“. Als Ausgleich schätzt mich die Software fünf Jahre jünger ein, als ich wirklich bin.

Um festzustellen, ob das Ganze auch wirklich funktioniert, lade ich noch das Bild eines Models hoch, das ich bei einer Kameravorstellung fotografiert habe. Ergebnis: „atemberaubend schön“. Das passt, also scheint etwas dran zu sein, am Algorithmus, der im Hintergrund werkelt. Das heißt natürlich auch, dass mein „Ok“ kein Rechenfehler war … aber ich glaube, ich werde deswegen keine Depression bekommen.

So weit, so lustig.

Fragt sich nur, wie junge Menschen reagieren, denen die künstliche Intelligenz ein „Ok“ oder vielleicht sogar ein „Hmmm“ attestiert? Besonders viele junge Mädchen haben ja schon damit zu kämpfen, dass ihnen von der Modeindustrie Magermodels (wer mag die eigentlich sehen, außer den Modeschöpfern?) als Vorbilder vorgesetzt werden und den Appetit verderben.

Zwar sollen Bilder von Usern unter 18 Jahren nicht ausgewertet werden – aber in zwei von den drei Fällen, die ich ausprobiert habe, lag die Software daneben und benotete Bilder deutlich jüngerer Mädchen.

Ganz abgesehen davon kann man problemlos Bilder anderer Personen bewerten lassen und das Ergebnis per Screenshot speichern. Man kann sich vorstellen, was passiert, wenn ein mit „Hmmm“ bewertetes Bild von der „besten Feindin in der Klasse“  ins Netz gestellt wird …

Das ist dann nicht mehr so lustig.

Nachbessern bitte!

Über den Autor

Herbert ist der Chefredakteur von d-pixx und d-pixx.de.

  • waldkauz

    Ich habe auch ein OK erreicht 🙂 und bin 20 Jahre jünger geworden 🙂 🙂