Premium-Kompaktkameras stehen hoch im Kurs. Wurde das Segment lange Zeit von Panasonics LX-Serie und Ricohs GR-Digital beinahe allein besetzt, wächst die Konkurrenz seit knapp zwei Jahren zusehends. Einer der neuesten Zugänge ist die Sony RX100 (zur News), die mit dem bislang größten von Sony in Kompaktkameras eingesetzten Sensor aufwartet und dank Zeiss-Objektiv genau eines bieten soll: eine tolle Bildqualität. Um herauszufinden, ob Sonys Bestreben funktioniert, hat mich die RX100 eine Zeit lang begleitet.

Sony bemüht sich aktuell ohne Frage, im Kamera-Segment regelmäßig mit besonderen Lösungen aufzufallen. Mit der NEX-7 steht man nun schon eine ganze Zeit mit einer auf den Enthusiasten zugeschnittenen CSC an der Spitze des Marktes (zusammen mit der Olympus OM-D E-5 und der nicht mehr taufrischen Panasonic Lumix DMC-GH2, deren Nachfolgerin angeblich schon in den Startlöchern steht). Auch das SLT-Konzept von Sony, bei dem auf einen teildurchlässigen Spiegel gesetzt wird, ist bislang noch einzigartig am Markt.

Nun soll es also eine Premium-Kompakte sein, die RX100. Damit greifen die Japaner jetzt einen Markt an, in dem bislang nur eine Handvoll Kameras anzutreffen sind.

Preislich wird der Premium-Anspruch von Sony mit rund 650 Euro unterstrichen – da gibt es schon so manche DSLR oder CSC. So handlich wie die RX100 sind die freilich nicht.

 

Technik + Ausstattung

Sony hat sich bei der RX100 maximale Bildqualität auf die Fahnen geschrieben. Um dieses Ziel zu erreichen, wird der brandneue 1.0-type EXMOR-CMOS-Sensor verbaut. Der kommt mit einer Diagonale von 1 Zoll daher und entspricht damit dem Format, das auch in der Nikon 1-Reihe verwendet wird. Bei Sony hat der Sensor aber eine deutlich höhere Auflösung und bringt es auf 20 MPix. Geboten werden so satte 5472 x 3648 Bildpunkte. Das reicht bei einer Auflösung von 300 dpi, die für den Magazindruck benötigt werden, für ein Bild von rund 463 mm Breite. Wer mit 150 dpi leben kann, wie sie beispielsweise für den Print mit einem Fotodrucker meist ausreichend sind, der kann sogar mit der doppelten Breite planen. Einschränkungen gibt es bei dieser Auflösung für den normalen Einsatz also schon einmal keine mehr.

Damit distanziert sich Sony ein wenig von der direkten Premium-Kompakt-Konkurrenz. Die besitzt in der Regel kleinere Sensoren und kommt entsprechend mit einer niedrigeren Auflösung daher, um ein möglichst gutes Rauschverhalten zu ermöglichen.

Wenn wir schon dabei sind. Die Sony RX100 bietet einen ISO-Bereich von ISO 80 bis ISO 6400, deckt also einen recht umfangreichen Bereich ab. Zudem wird natürlich auch eine ISO-Automatik geboten, dann stellt der kleinste Wert aber ISO 125 dar, ISO 6400 bleiben auf der anderen Seite aber bestehen.
Als Bildprozessor kommt, wie bei Sony üblich, ein aktuelles BIONZ-Modell zum Einsatz. So soll der möglichst flotte Autofokus, aber auch die ein oder andere Automatik ermöglicht werden.

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Während Ricoh bei seiner GR Digital-Reihe beispielsweise auf eine Festbrennweite setzt, geht Sony einen anderen Weg und setzt auf ein optisches 3,6x-Zoom. Dabei greift Sony auf seine Premium-Klasse aus dem Hause Carl Zeiss zurück. Um eine maximale Qualität bieten zu können, wird ein Sonnar T*-Objektiv verbaut, das mehrschichtvergütete Linsen bietet. Abgedeckt wird so der Brennweitenbereich von 28-100 mm [KB]. Mit den aktuellen Maxi-Zoombereichen der Superzoomskameras im Kompakt- und Bridgesektor kann die RX100 damit nicht mithalten, will sie aber auch gar nicht. Dennoch gibt es aber auch bei der Sony RX100 einen optischen Bildstabilisator, der über die Sensor-Shift-Technik realisiert wurde.

Videos können natürlich auch aufgenommen werden. Wie es heute zum guten Ton gehört, werden die Movies dabei maximal mit 1920 x 1080 Bildpunkten, also im Full-HD-Format aufgenommen.

 

Gehäuse und Verarbeitung

Sony machte in den vergangenen Jahren mit dem strengen industriellen Design der NEX-Reihe auf sich aufmerksam … und landet mit der RX100 erneut einen Volltreffer.

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Das Gehäuse ist klein, kantig markant, liegt aber doch gut in der Hand und passt dabei dank einer sehr geringen Tiefe problemlos in jede nicht allzu enge Hosentasche. In Zeiten in denen man sich daran gewöhnt hat, immer ein Smartphone dabei zu haben, ist für die RX100 sicherlich auch noch ein Plätzchen zu finden. Das schwarze Gehäuse ist aus Aluminium gefertigt und wirkt wie aus dem Vollen geschnitzt, sodass der Premium-Anspruch hier abermals unterstrichen wird.
Optisch wird die Front natürlich vom großen Objektiv dominiert, das beispielsweise wesentlich mehr Platz einnimmt als bei einer Ricoh GR Digital. Als einziger Eye-Catcher eines sonst extrem schlichten Gehäuses kann das rote T*-Symbol der Objektiv-Bezeichnung angesehen werden.

Praktisch ist es, dass es Sony gelingt, trotz des sehr kleinen Gehäuses nicht nur das besagte Zoom-Objektiv zu verstauen, sondern auch einen kleinen Blitz zu integrieren. Einen Multifunktionsanschluss gibt es andererseits aber nicht. Weiterhin findet man auf der Oberseite den Hauptschalter und den Auslöser, der praktischerweise mit der Zoomwippe zusammen liegt – Bildausschnitt festlegen und Bild aufnehmen geht intuitiv von der Hand. Auf der Rückwand rechts ist das Modus-Wählrad untergebracht.

Die Rückseite wird vom 3 Zoll durchmessenden Display dominiert (dazu aber später mehr). Rechts davon ist ein zentrales Daumenrad mit integrierter 4-Wege-Wippe verbaut. Um das Rad herum sind vier weitere Tasten positioniert. Abgerundet wird die Rückseite vom Startknopf für Filmaufnahmen.

 

Handling und Menüs

Wie bereits erwähnt, liegt die RX100 trotz ihrer sehr kompakten Bauform gut in der Hand. Die Anzahl der Tasten hält sich in Grenzen, noch dazu sind alle Bedienelemente ordentlich beschriftet, sodass es zu keinerlei Problemen im täglichen Einsatz kommt. Gut gefallen hat mir, dass Sony, anders als bei den NEX-Kameras, ein klassisches Modus-Wählrad nutzt – der Umweg über das Menü ist nur unnötig umständlich und kostet Zeit. Das Modus-Wählrad rastet sauber und erlaubt so einen schnellen Zugriff auf die verschiedenen Modi – einfacher und besser geht es kaum.

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Schön ist es dabei auch, dass die Rückseite nicht mit Tasten überladen ist. Fünf Tasten und ein Drehrad – da geht die Bedienung auch noch einigermaßen unkompliziert von der Hand. Ob es bei einem Enthusiasten-Modell wie der RX100 aber wirklich einer Tipp-Taste direkt auf der Rückseite gebraucht hätte, das steht auf einem anderen Blatt.  Wenn wir schon beim Jammern auf hohem Niveau sind, dann könnte man auch anführen, dass es eine schicke Sache gewesen wäre, zwei der vier Tasten frei belegen zu können – genau, wie man es von den NEX-Modellen kennt. Wer sich daran gewöhnt hat, möchte dieses Feature bei der ansonsten etwas hakeligen NEX-Bedienung nicht mehr missen.

Das Menü der RX100 kann mit gutem Gewissen als extrem umfangreich bezeichnet werden. Es lassen sich alle nur erdenklichen Einstellungen vornehmen. Trotz der Fülle an Funktionen kommt es dank der guten Gliederung des Menüs aber nicht zu unnötigen Umwegen im täglichen Betrieb. Fast alles findet sich dort, wo man es vermuten würde.

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Natürlich dürfen bei einem Kompaktmodell – auch dann, wenn es von der Ausrichtung doch vornehmlich erfahrene Nutzer und Aufsteiger anspricht – die heute unabdingbaren Automatik-Modi nicht fehlen. Und so bietet auch die RX100 den gesammelten Fundus der momentan üblichen Motivprogramme, eine intelligente Automatik und so manch anderes praktisches Zusatzfeature. Mit an Bord ist so beispielsweise der neue Porträt-Modus, der Aufnahmen entsprechend der Drittel-Regel anpasst. Das hat in der Praxis gut funktioniert, wird aber doch in erster Linie von Einsteigern genutzt werden.

Eine wahre Freude ist der extrem schnelle Autofokus und das extrem zügige Auslöseverhalten der kompakten Sony. So gibt es praktisch keine Verzögerung, wenn der Auslöser erst einmal betätigt wurde.

 

Display und Sucher

Die Sony RX100 besitzt trotz ihrer kompakten Abmessungen ein 3 Zoll durchmessendes Display mit einer Auflösung von 1.229.000 Dots. Sony setzt dabei auf die herkömmliche LCD-Technik, während Samsung seine EX2F beispielsweise mit einem OLED-Display ausstattet. Bedingt durch die Größe des Gehäuses muss auf einen Klappmechanismus am Display verzichtet werden.

Das Negative: Einen Sucher gibt es bei der RX100 allein schon aus Platzgründen nicht. Dazu kann man im Kompakt-Segment durchaus unterschiedlicher Meinung sein.

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Es ist zwar ohne Frage schade , dass auch nicht die Möglichkeit besteht, einen Aufsteck-Sucher nachzurüsten, wie es etwa Ricoh möglich macht, aber ich bin der Meinung, dass ein kleines Gehäuse in der Praxis den größeren Vorteil bietet, gerade dann, wenn das Display mit einer so überzeugenden Leistung aufwartet, wie es bei der RX100 der Fall ist. Die Darstellung ist sehr hell, sodass es in unseren Praxisversuchen auch bei direkter Sonneneinstrahlung keine Probleme gab (außer, man wurde von der Sonne geblendet). Noch dazu kann das Display mit einer natürlichen Farbwiedergabe und einem großen Betrachtungswinkel punkten. So kann der fehlende Klappmechanismus bei Überkopf-Aufnahmen zumindest teilweise ausgeglichen werden.

 

Bildqualität

Nun aber zur Kernkompetenz der RX100, der Bildqualität. Hier kann Sonys neues Kompaktmodell mit einer exzellenten Vorstellung aufwarten.

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Die Detailzeichnung kann über den gesamten Brennweitenbereich auf der ganzen Linie überzeugen. Auch zu den Rändern hin lässt die knackscharfe Darstellung kaum nach – da muss man schon ganz genau hinschauen, um überhaupt Unterschiede feststellen zu können. Nicht nur, dass der Sensor also eine extrem gute Leistung an den Tag legt, auch das eingesetzte Objektiv erweist sich als Glücksgriff und ist vorzüglich auf den eingesetzten Sensor abgestimmt.

Beinahe noch überzeugender fällt das Rauschverhalten aus, denn ob nun die RX100 oder eine ausgewachsene DSLR die Testbilder liefert, kann beim Vergleich so einfach nicht gesagt werden. Bis ISO 800 kann mit der RX100 praktisch ohne Einschränkungen gearbeitet werden. Ab ISO 1600 macht sich dann ein leichtes, aber im Grunde genommen nicht störendes Rauschen bemerkbar. Erst ab ISO 3200 ist dann ein etwas ausgeprägteres Rauschen erkennbar. Aber selbst bei ISO 6400 lassen sich noch verwertbare Aufnahmen erstellen. Gerade in dieser Disziplin zeigt sich deutlich, wie schnell die Entwicklung der Sensor-Technik aktuell voranschreitet, denn vor nur wenigen Jahren wäre die Leistung der RX100 auch im Vollformat-Segment durchaus überzeugend gewesen.

 

Alles in allem ist die Sony RX100 eine Premium-Kompaktkamera, wie sie im Buche steht. Sie bietet ein kleines, toll verarbeitetes und sehr schön anzuschauendes Gehäuse, verliert dabei aber auch nicht die Bedienung aus den Augen. So geht das Handling stets mühelos von der Hand, auch wenn man sich eventuell noch ein Touchscreen-Display wünschen könnte.

In Sachen Abbildungsleistung dringt die RX100 in den Bereich von Systemkameras vor, was sie in Kombination mit dem kleinen Gehäuse zum sehr vielseitigen Modell werden lässt. Wer bislang aus qualitativen Gründen mit einer DSLR oder CSC geliebäugelt hat, muss nicht mehr zwangsläufig zum großen Modell greifen, das natürlich mit seiner Ausbaufähigkeit immer punkten kann.

Auch für Anwender, die bereits eine Systemkamera besitzen, ist die RX100 definitiv interessant, denn sie stellt die ideale Zweitkamera dar. Qualitativ müssen kaum Abstriche in Kauf genommen werden, gleichzeitig passt die kleine Kamera aber problemlos zusätzlich in jede Fototasche, die moderne Messenger-Tasche oder aber auch die Hosentasche.

Einziges Manko: Sony unterstreicht den Premium-Anspruch auch mit dem Preis, denn die Sony RX100 kostet rund 650 Euro.

Über den Autor

  • Gerd Blum

    Hallo, vielen Dank für den fundierten Testbericht. Ich besitze diese Kamera selbst und bin bisher sehr angetan. Hinweis: die Links zur den Bildern und zur Isoreihe führen zu Canonprodukten. LG Gerd BLum