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Wenn Ricoh ein neues Modell der GR-Digital-Serien vorstellt, ist das nicht mit sensationellen Neuentwicklungen verbunden, sondern mit durchdachter Systempflege durch das Hinzufügen von sinnvollen Details zu einer bereits sehr guten Kamera. Das gilt auch für die aktuelle Version, die GR Digital IV.

Ricoh zielt mit der GR-Digital-Serie auf Fotofans, die als Ergänzung einer bestehenden Ausrüstung eine kleine hochwertige Kamera mit lichtstarkem Objektiv haben möchten. Die Konkurrenz sind auf der einen Seite ähnlich aufgestellte Modelle wie etwa die Olympus XZ-1, die Panasonic Lumix DMC-LX5 oder die Samsung EX-1, die alle über Zooms verfügen, und bei den kurzen Brennweiten die hohe Lichtstärke der GRD IV-Festbrennweite teils überbieten. Auf der anderen Seite stehen Kameras wie die Olympus E-PL3 oder Panasonic Lumix DMC-GF3, die über Wechselobjektive und einen größeren Sensor verfügen. Auch die neuen Zwischenstufenmodelle von Nikon und Pentax (Wechselobjektive wie Systemkameras, Sensoren größenmäßig eher wie Kompaktkameras) kommen hier ins Spiel.

Zu diesem Konzept gehört auch, dass auf einige Funktionen verzichtet wird, die in vielen Kompakt- und mittlerweile auch Systemkameras das Fotografenleben einfacher machen sollen: Motivprogramme, Gesichtserkennung, Lächelauslösung, HD-Video.


Technik und Ausstattung

Das schnickschnacklose schwarze Gehäuse (> Gehäuse und Handling) der GRD IV beherbergt als Herzstück einen 1/1,7“  großen Sensor mit einem Seitenverhältnis von 4:3, der einen Cropfaktor von 4,67x mit sich bringt. Er bietet Platz für 10,4 Mio. Pixel, von denen maximal 3648 x 2736 Pixel für ein Bild in höchster Auflösung genutzt werden. Andere Seitenverhältnisse (3:2, 16:9., 1:1) , verschiedene Bildgrößen (9, 8, 7, 5, 3 und 1 MPix). Für die optimale Weiterverarbeitung der Bilder sollten sie im RAW-Format (*.DNG) gespeichert werden. 4:3-Bilder belegen dann rund 20,5 MByte auf dem Speicherkärtchen. Alle Bildgrößen können als JPEGs mit der Komprimierungsstufe „Fein“ gespeichert werden, für einige steht die Stufe „Normal“ zur Wahl. Die Größen der JPEGs liegen zwischen rund 4,3 MByte (10 MPix, 4:3, Fein) und rund 1 MByte (1 MPix, 4:3, Fein).  Das parallele Speichern von RAW und JPEG ist möglich. Im Einzelbildmodus schafft man ein Bild pro Sekunde (JPEG, 10 MPix, Fein) und knapp eine Sekunde nach dem letzten Bild ist das Speichern beendet.  RAW/JPEG-Aufnahmen sind mit einem Bild alle zwei Sekunden möglich. Schneller geht es mit der Seriebildfunktion, die 1,5 B/Sek. erlaubt.

Die GRD IV bietet über den normalen Serienbildmodus hinaus die Serienfunktionen „AF“, „S“ und „M“. Bei der AF-Serie werden Einzelbilder gemacht und der externe AF-Sensor hält das Motiv in der Schärfe, wozu er auf 191 Messfelder zurückgreifen kann. Die S- und M-Serien nehmen rund 7,5 B/Sek. auf und fügen sie zu einem 10 MPix großen Mosaik aus 16 Bildern zusammen. Der M-Modus ist flexibler und macht es möglich, dass man den Auslöser schon vor der Aktion, die man festhalten möchte, durchdrückt – gespeichert werden dann die letzten 16 Bilder vor dem Loslassen des Auslösers. Die Serienvarianten S und M stehen nicht zur Verfügung, wenn man RAW-Aufnahmen machen möchte. Dazu kommt noch die Möglichkeit, bis zu fünf Aufnahmen zu überlagern (Mehrfachbelichtung), wobei die Kamera auf Wunsch die nötigen Belichtungskorrekturen vornimmt.

Der Empfindlichkeitsbereich geht von ISO 80 bis ISO 3200, während er beim Vorgängermodell bei ISO 64 begann und bis ISO 1600 reichte. Bei viel Licht macht das in der Praxis nicht sehr viel aus. Bei schlechten Lichtverhältnissen kann die Erweiterung um eine Stufe helfen, doch noch zum Schuss zu kommen. (> Abschnitt Bildqualität.)

Der Sensor der GRD IV ist beweglich gelagert und bietet zum ersten Mal in der GRD-Serie Bildstabilisation. Zwar sind Weitwinkel von sich nicht sehr verwacklungsgefährdet, aber der Stabilisator erweitert den Einsatzbereich doch sehr angenehm. Bei verschiedenen Versuchen erzielten wir unverwackelte Bilder mit Verschlusszeiten von 1/8 bis 1/4 Sek.

Der CCD-Chip ist bei der GRD IV wie bei den Vorgängermodellen auch als Autofokussensor mit Kontrastdetektion im Einsatz, hat aber für die Scharfstellung Unterstützung in Form eines  externen passiven Systems erhalten. Der Sensor sitzt hinter einem kleinen Fenster links oberhalb des Objektiv (vorn vorne gesehen).  Die beiden Systeme sorgen gemeinsam oder getrennt für die Scharfstellung. Standardmäßig arbeiten beide Systeme als Hybrid-AF zusammen. Der TTL-Kontrastautofokus arbeitet in der Makrofunktion allein. Das externe System kommt allein zum Einsatz, wenn man für die Funktion „Fixfokus“ die Einstellung „Auto“ wählt und den Auslöser in einem Zug durchdrückt. Bei den anderen Fixfokuseinstellungen wird die Schärfe auf eine vorbestimmte Entfernung eingestellt. Je nach Blendenwert kommen Teile des Motivs, die vor und hinter der Schärfenebene liegen, scharf mit ins Bild. Das lässt sich mit einer Anzeige auf dem Monitor (> Display und Sucher) kombinieren, die die automatisch eingestellte Entfernung und die Ausdehnung der Schärfenzone anzeigt.

Die automatische Scharfstellung erfolgt schnell und sicher und kann auch bei wenig Licht und im Makrobereich überzeugen. Für bestimmte Situationen ist es sinnvoll, die Beweglichkeit des AF-Messfeldes zu nutzen und es mit den Kreuz-Einstelltasten auf das bildwichtige Motivteil zu legen.

Während der Sensor dem der GRD III entspricht, ist der Bildprozessor eine Stufe weiter (GR Engine IV) und soll neben der verbesserten AF-Funktion auch für bessere Farben (obwohl schon an denen der GRD  III kaum etwas auszusetzen war) und für verbessertes Rauschverhalten bei den hohen Werten sorgen. (> Bildqualität)

Der Sensor erhält das Bild vom festbrennweitigen Objektiv „GR Lens 1,9/6mm VC“, dessen Brennweite 28 mm [@KB] entspricht. Ein Digitalzoom zur Veränderung der Brennweite steht zur Wahl (4x), sollte aber nur verwendet werden, wenn der Bildausschnitt nicht auf dem Rechner verändert werden kann.

Gehäuse und Verarbeitung

 

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Die GRD IV ist kaum vom Vorgängermodell zu unterscheiden, wenn man vom Fenster für den passiven Autofokus absieht, das über der AF-Hilfsleuchte links oberhalb des Objektivs zu sehen ist. Das Gehäuse besteht aus  Magnesium und fühlt sich gut und hochwertig an.

Einstellelemente sind nur oben und hinten rechts zu finden. Auf der Oberseite findet man den Hauptschalter, in dem eine grüne LED anzeigt, dass die Kamera eingeschaltet ist. Rechts davor der Auslöser, der einen deutlichen Druckpunkt aufweist. Antippen: Messungen und Einstellungen laufen. Durchdrücken: die Aufnahme erfolgt sehr sehr leise. Vor dem Auslöser ragt das zentrale Einstellrad senkrecht aus dem flach ausgeführten Handgriff. Ganz rechts auf der Oberseite befindet sich das Betriebsartenwählrad, das mit der Gehäuseoberkante abschließt, aber nach rechts und hinten offen liegt. Der Rand ist geriffelt und griffig.

Mit dem Betriebsartenwählrad lassen sich Voll-, Programm-, Zeit-. und Blendenautomatik sowie der manuelle Belichtungsabgleich wählen. Die Programmautomatik bietet die Möglichkeit, schnell eine bestimmte Verschlusszeit oder Blende einzustellen, wenn die Entscheidung der Automatik nicht zum Motiv passt („Shift“). Dazu kommen drei Rastungen für eigene Einstellungen und die Scene-Einstellung. Allerdings erreicht man damit keine ein bis zwei Dutzend Motivprogramme, sondern nur vier Funktionen: „Film“ (Movieaufnahme in VGA- bzw. QVGA-Qualität, was deutlich unter dem Durchschnitt liegt), „Schräg-Korrektur“ (für die Aufnahmen von Tafeln bei Vorträgen oder von Monitoren, die automatisch ins richtige Rechteckformat umgerechnet werden),  „Intervallkombination“ (für Sternspuraufnahmen) sowie „Dynamikbereich“ (automatische Kombination zweier Aufnahmen zur Optimierung des Tonwertumfangs, >  Bildqualität).

Oben rechts auf der Rückwand ist die ADJ-Taste untergebracht, mit der man ein Schnellmenü erreichen kann. In der Grundeinstellung umfasst es Einstellmöglichkeiten für:

  • Weißabgleich: Automatik, Sonnig, Wolkig, Kunstlicht 2x, Leuchtstoffröhren, Korrektur des automatisch festgelegten Wertes (lobenswert schnell)
  • Empfindlichkeitseinstellung: ISO 80 – 3200,  „Auto“ und „Auto hoch“ (Vorgabe des höchsten Wertes, den die Automatik wählen darf)
  • Bildgröße
  • Bildeinstellungen: Klar (entspricht Vivid oder Lebhaft bei anderen Kameras), Standard, drei S/W-Varianten, Crossentwicklung, Positivfilm und Bleach Bypass sowie zwei eigene Einstellungen, die außer Klar und Standard alle fein abgestimmt werden können)
  • Belichtungsmesscharakteristik (Multi, Mitte, Spot)
  • Bewegung des AF-Messfeldes.

Allerdings muss man sich mit dieser Auswahl nicht zufriedengeben und kann jeder Position eine Funktion zuweisen, die man häufig verwendet. In diesem Zusammenhang: Die GRD IV ist eine extrem anpassungsfähige Kamera und man kann die Bedienung sehr weit individualisieren.

Weitere Einstellelemente auf der Rückwand:

  • Wippe (ganz rechts oben), mit der z. B. das Digitalzoom betätigt werden kann. Es ist aber sinnvoller, im Aufnahmemodus die Belichtungskorrektur über die Wippe vorzunehmen. Im Wiedergabemodus kann man ins Bild zoomen oder in die Bildübersicht (Kalenderdarstellung ist möglich) zu wechseln.
  • Wiedergabetaste
  • Kombitaste für Selbstauslöser / voreingestellte Funktion 2
  • Displaytaste, um verschiedene Anzeigemodi zu wählen oder den Monitor auszuschalten
  • Kombitaste für den Wechsel ins Menü / die Bestätigung von Eingaben
  • Vier Kreuztasten für das Navigieren in Menüs. Drei sind doppelt belegt: Mit der linken erreicht man die voreingestellte Funktion 1, mit der unteren Taste aktiviert man den Makromodus (bis 30 cm ab Vorderkante des Objektivs) und mit der rechten wählt man die Blitzfunktion (der Blitz muss dazu offen sein).

Das Objektiv fährt beim Einschalten aus der Kamera und ein Schutzverschluss öffnet sich. Wer trotzdem einen Objektivdeckel möchte, findet ihn im Zubehör. Das Objektiv ragt jetzt etwa 22 mm vor den abnehmbaren Zubehörring, die Gesamttiefe des Gehäuses beträgt rund 58 mm gegenüber schlanken 36 mm bei eingefahrenem Objektiv.

Der Blitz hat seinen Platz oben links, von hinten gesehen, und klappt nach oben aus dem Gehäuse, wenn man die einzige Taste auf der Schmalseite unter dem Blitz betätigt. Die Leuchtweite wird mit 3 m angegeben. In der Praxis konnten wir in einem hell möblierten Raum Reichweiten von über 4 m erzielen (ISO 100, Blende 4). Im Manuellmodus lässt sich die Blitzleistung in 11 Stufen von 1/1,4 bis 1/22 reduzieren – das ist wichtiger, als ein paar Motivprogramme mehr.

Auf der rechten Schmalseite sind die Anschlüsse für USB und Mini-HDMI hinter einer Gummiklappe untergebracht.

In den Boden ist das Stativgewinde etwas außerhalb der optischen Achse eingelassen. Außerdem findet man hier den Zugang zum kombinierten Akku/Speicherkartenfach. Positiv: Die Kamera kann Strom nicht nur aus dem passenden proprietäten Akku beziehen, sondern auch aus zwei Batterien der Größe AAA.

Für die Belichtungsregelung stellt die GRD IV Verschlusszeiten von 8 Sek. bis 1/2000 Sek. im Automatikmodus zur Wahl. Manuell können Langzeiten in Drittelschritten bis 15 Sek., dann in ganzen Schritten bis 180 Sek. gewählt werden. Der Blendenbereich geht von der hohen Anfangsöffnung von 1 : 1,9 bis 9. Ein Graufilter kann dann noch etwas Licht wegnehmen und Blende 11 simulieren, was aber keinen Einfluss auf die Schärfenzone und die Abbildungsleistung des Objektivs hat (> Bildqualität). Belichtungskorrekturen sind im Bereich von +-2 Belichtungsstufen in 1/3-Schritten möglich. Noch mehr Sicherheit bei komplizierten Beleuchtungen (oder Vorlagen für HDR-Bilder) bringen Belichtungsreihen.

Aufnahmereihen gibt es auch für Weißabgleich, Kontrast, DR-Funktion (automatischer Kontrastausgleich) und Bildeinstellungen (hier wird ein Bild der Reihe immer mit der Einstellung „Standard“ gemacht.

Handling und Menüs

Die GRD IV ist mit aufnahmebereiten 109 x 62 x 58 mm (B x H x T) das, was man lange Zeit gemeinhin als Kompaktkamera bezeichnete – aber sie sie spielt heute mit diesen Maßen in der Liga einer Panasonic Lumix DMC-G3 oder einer Sony NEX-5N, wenn diese mit Pancake-Objektiven ausgestattet sind. Dank des gummierten Handgriffs, und da die Gummierung auch den Daumenbereich abdeckt, liegt sie sicher in der Hand. Wem der schwarz gummierte Handgriff nicht gefällt, kann noch versuchen, einen Kunststoffhandgriff in rotbrauner Holz- oder schwarzer Karbon- bzw. Lederoptik zu erhalten. Das Angebot ist begrenzt. Wer schwarze Kameras  zu „standard“ findet, kann mit etwas Glück noch eines der weißen Modelle ergattern, von denen 10.000 Exemplare weltweit in den Handel kommen sollen. Das Griffstück ist diesem Fall in der Grundausstattung hellgrau und kann auch hier gepimpt werden.

Alle Einstellelemente sind gut zu erreichen und zu bedienen. Die Beschriftung ist gut zu lesen – wenn es hell genug ist. Für Nachtaufnahmen empfiehlt sich eine Taschenlampe (schade, dass es nicht mehr Kameras gibt, die, wie z. B. einige Olympus-Modelle, beleuchtete Einstellelemente aufweisen).

Die Menüs sind trotz kleiner Schrift sehr gut zu lesen. Typisch für Ricoh ist, dass kein Wert auf unterteilte Menüs gelegt wird. Es gibt drei Hauptmenüs für Aufnahme/Wiedergabe (je nach Modus, in dem die Kamera sich gerade befindet), Vorwahl der benutzerdefinierten Einstellungen, die sehr umfassend möglich sind, und Setup. Das Wiedergabemenü umfasst nur eine Seite, die anderen sind mit 3 oder 4 Seiten umfassender und erfordern intensives Scrollen. Allerdings ist das nicht so schlimm, wie es sich anhört, denn viele Tasten lassen sich so belegen, dass man oft gebrauchte Einstellungen schnell erreicht.

Display und Sucher

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Einen Sucher sucht man bei GRD IV vergebens. Für ihn ist, wie bei vielen kleinen Kameras, kein Platz. Das könnte man eher verschmerzen, wenn sich der sehr gute elektronische Sucher VF-2 aus dem GXR-Baukasten verwenden ließe, was aber nicht möglich ist. Zur Verfügung stehen die optischen Aufstecksucher VF-1 und VF-2, die in den Blitzschuh eingeschoben werden können.

Der Monitor hat mit 3 Zoll dieselbe Diagonale wie bei der GRD III, weist nun aber 1,23 Mio Dots auf. Allerdings ist die Auflösung von 640 x 480 Pixeln gleich geblieben. Des Rätsels Lösung: Jeder echte Bildpunkt (Pixel) wird wie gewohnt von drei Dots (Subpixeln) in den Grundfarben Rot, Grün und Blau gebildet – es kommt aber noch ein vierter Dot  hinzu, der weiß leuchtet. Dadurch soll die Monitorhelligkeit erhöht werden – und tatsächlich ist das Monitorbild auch bei hellem Licht gut zu sehen. Die Schrift der Menüs (> Handling) ist gut zu lesen.

Auf dem Monitor, der nicht auf Berührungen reagiert, werden Informationen über den Kamerastatus und Aufnahmeeinstellungen angezeigt. Sie lassen sich aber auch ausblenden, was beim Einsatz eines der beiden Aufstecksucher oder gegebenenfalls auch zum Stromsparen sinnvoll ist.

Eine für mich sehr wichtige und praxisgerechte Neuerung ist die Verbesserung der elektronischen Wasserwaage, die auf dem Monitor angezeigt wird und die nicht nur Abweichungen in der Horizontalen, sondern auch in der Vertikalen anzeigt. Wenn man möchte, wird die richtige waagrechte Ausrichtung durch ein Tonsignal bekannt gegeben.

Bildqualität

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10 Megapixel (genau genommen sogar ein paar tausend Pixel weniger) mögen auf den ersten Blick wenig erscheinen, vor allem, wenn man bedenkt, dass z. B. die kleine Sony Nex-7 24 MPix aufweist. Aber aus einer 3648 x 2736 Pixel großen Datei, wie sie die GRD IV auf die SD-Speicherkarte schreibt, lassen sich Bilder machen, die in einem Magazin wie d-pixx bei einer Druckauflösung von 300 dpi auf jeden Fall ganzseitig gedruckt werden können – Tintenstrahlausdrucke sind im Format A3 in sehr guter Qualität möglich.

Objektiv und Sensor als untrennbare Einheit bringen schon bei ganz offener Blende sehr gute Auflösungs- und Kontrastwerte. Abblenden auf 4 oder 5,6 bringt eine Steigerung, danach gibt es wieder einen leichten Leistungsabfall, der auf Beugung zurückzuführen ist. Obwohl Ricoh mit der Beschränkung auf 10 MPix eine sehr lobenswerte Entscheidung getroffen hat, sind die Einzelpixel auf dem 7,4 x 5,6 mm großen Sensor mit nur 2 µm Seitenlänge so klein, dass kleinere Blenden wegen der Beugung nicht mehr sinnvoll zu nutzen wären. Bei den weit offenen Blenden ist ein leichter Leistungsabfall von der Bildmitte zu den Bildecken zu sehen, wenn das Motiv entsprechend aufgebaut ist. Bei Blende 4 und 5,6 ist der Unterschied kaum noch wahrzunehmen. Makroaufnahmen sind in hervorragender Qualität möglich.

 

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Vignettierung spielt nur bei den Blenden bis 2,8 eine geringe Rolle und ist danach ohne Bedeutung. Verzeichnung kann bei entsprechenden Motiven als sehr gering tonnenförmig sichtbar werden. Farbsäume (chromatische Aberration, Purple Fringing) spielen keine Rolle.

 

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Bis ISO 800 stellt Rauschen kein Problem dar. ISO 1600 können sehr gut genutzt werden, um bei mäßigen Lichtverhältnissen kurze Verschlusszeiten / kleine Blenden zu realisieren. Bei sehr wenig Licht wird Rauschen dann deutlicher sichtbar, macht die Bilder aber keineswegs unbrauchbar. ISO-3200-Bilder zeigen Helligkeitsrauschen, das feine Details im Motiv überlagert und den Kontrast verringert, aber nach entsprechender Bildbearbeitung können kleine Ausdrucke in ordentlicher Qualität erzielt werden.

Alles in allem

Die Ricoh GR Digital IV ist eine sehr gute kleine Kamera, wenn man mit einem lichtstarken Standardweitwinkel fotografieren möchte und sowohl auf Wechselobjektive wie auch auf einen eingebauten oder aufsteckbaren elektronischen Sucher verzichten kann. Die technische und optische Qualität überzeugen. Die GRD IV ist eine universell nutzbare Weitwinkelkamera, die sich dank ihres sehr zurückhaltenden Designs und mit ihren Fixfokus-Einstellungen sehr für den Einsatz als Schnappschusskamera („Streetfotografie“) empfiehlt.

Die Ricoh GR Digital IV kann aktuell zu einem Preis von rund 515 Euro bestellt werden – ist aktuell aber noch nicht verfügbar.

 

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