Alle Fotografen und insbesondere diejenigen, die lediglich den integrierten Blitz benutzen, kennen das Problem: Wird einmal schnell direkt geblitzt gibt es unschöne harte Schatten und teils überzeichnete Kontraste. Wird mit dem Aufsteckblitz hingegen indirekt geblitzt, verschwindet der Schattenwurf hinter dem Objekt fast vollständig, was teils zu einem unnatürlichen Look führen kann. Für Abhilfe soll das rund 65 Euro teure Lightsphere Collapsible des amerikanischen Profifotografen sorgen, das wir uns einmal etwas genauer ansehen wollen.

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Direkt nach dem Auspacken hinterlässt das Lightsphere Collapsible einen recht kleinen Eindruck. Für einen leichteren Transport wurde das gute Stück so gefertigt, dass es in sich zusammengefaltet werden kann – daher also auch der Name. Möglich wird das, da Gray Fong einen transparenten, flexiblen Kunststoff einsetzt. Netter Nebeneffekt: so kann das Gadget nicht nur geschrumpft werden, sondern es ist darüber hinaus äußerst unempfindlich, was es zum ständigen Begleiter in der Fototasche werden lässt.

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Einmal an der richtigen Stelle gedrückt, entfaltet sich das Lightsphere auf seine volle Größe – und die hat es durchaus in sich. Das ist allerdings auch nötig, da so ein großer Bereich geschaffen wird, über den das Blitzlicht diffus gestreut werden kann. Die Verarbeitung unseres Testmusters ist nebenbei bemerkt als sehr gut einzustufen.

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Während ein nicht unerheblicher Teil des Blitzlichts bereits über die transparenten Wände abgestrahlt wird, überlässt Gary Fong bei der nach vorne ausgerichteten Wand die Wahl. Im Lieferumfang ist eine weiß-transparente Schalte enthalten, die auf das Lightsphere Collapsible aufgeklickt werden kann. Als optionales Zubehör kann darüber hinaus der Amberdome gekauft werden, der für ein wärmeres Licht sorgen soll.

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Unscheinbar ist etwas anderes, ganz klar. Mit aufgestecktem Lightsphere Collapsible wird der Blitz gefühlt doppelt so voluminös (aber auch wirklich nur gefühlt) – gerade dieses Volumen wird für die Arbeitsweise unseres praktischen Helfers aber benötigt.

Praxiseinsatz

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Aber wie schlägt sich das Lightsphere Collapsilbe denn nun? Ein klein wenig „frickelig“ ist anfänglich die Montage. Der Diffusor muss im 45°-Winkel auf den Blitz gesetzt werden und dann mit aller Kraft auf selbigen gestülpt werden – Feingefühl ist dabei gerade anfänglich alles andere als hilfreich. Nach mehreren Montagen ist der Kunststoff aber minimal geweitet. So geht das Aufsetzen des Blitzes schneller vonstatten. Praktischer Nebeneffekt der Montageart: da das Lightsphere Collapsible nur mit dem flexiblen Kunststoff auf den Blitz gedrückt wird, ist der Diffusor mit zahlreichen verschiedenen Geräten kompatibel.

Anmerkung: bei allen Aufnahmen handelt es sich bei verkleinerten Bildern direkt aus der Kamera, welche die Wirkweise des Diffusors demonstrieren sollen.

Direkt geblitzt:

01_direkt

Indirekt geblitzt:

02_indirekt

Direkt mit Lightsphere :

03_direkt_sphere

Indirekt mit Lightsphere:

04_indirekt_sphere

Indirekt mit Lightsphere (Amberdome):

05_indirekt_amber

Unsere kleine Testreihe zeigt die Vorteile des Lightsphere mehr als deutlich. Während der Schattenwurf beim direkten Blitzen mit meinem Canon Speedlite 550EX sehr stark ist und den künstlichen Rosen damit ein unnatürlicheres, dramatischeres Auftreten verleiht, als sie ohnehin haben, fehlt ein Schattenwurf beim ganz normal indirekten Blitzen völlig.

Wird hingegen mit dem Lightsphere Collapsible samt aufgesetzter weißer Schale direkt geblitzt, fehlt dem Bild auf einmal jegliche Härte . Ein direkter Schatten ist ebenfalls deutlich sichtbar, aber lange nicht mehr so scharf umrissen wie noch beim ersten Versuch. Ein indirekter Versuch mit aufgestecktem Diffusor lässt die Blüten weiter in den Hintergrund rücken. Dank eines leicht diffusen Schattens setzen sie sich aber doch von der weißen Wand ab, was dem Bild ein bessere räumliche Staffelung verleiht. Den deutlichen Effekt der gelben Schale belegt das letzte Bild. Trotz der Wahl des AWB ist ein deutlicher Gelbstich zu erkennen – sehr angenehm kann das bei der People-Fotografie sein.

Apropos People-Fotografie. Dort macht sich Gary Fongs praktischer Helfer ebenfalls überaus bezahlt, da es sich im Grunde genommen um eine mobile Soft-Box handelt. Gesichter wirken wesentlich weicher und natürlicher, wenn sie mit einem Diffusor aufgenommen werden. Wer also wieder einmal bei Bekannten den Hochzeitsfotografen geben soll, dem sei ein Diffusor wärmstens ans Herz gelegt, wer möchte schließlich der Braut übertriebene Schatten im Gesicht verpassen?

Der Amberdome kann zum Beispiel für schöne Hauttöne sorgen, wenn man bei „gräulichem“ Wetter fotografiert (von dem eine Menge wohl noch vor uns liegt), aber er kann noch etwas. Er passt bei Innenaufnahmen, die von orange-gelblichem Kunstlicht bestimmt werden, das Blitzlicht an diese Stimmung an. Man kann die Aufnahme dieser Stimmung wegen so lassen. Wenn man sie korrigieren will, ist das wegen des einheitlichen warmen Farbstichs einfacher, als bei Mischlicht.

Alles in allem erweist sich Gary Fongs Lightsphere Collapsible als überaus praktischer ständiger Begleiter. Einmal im Einsatz möchte man das gute Stück nicht mehr missen, sodass man den Blitz sicherlich nur noch äußerst selten ohne den Diffusor einsetzen wird. Zu gefallen wusste darüber hinaus die robuste Verarbeitung, der modulare Aufbau und die durchdachte Befestigung, die den Fotografen eben nicht auf ein einzelnes Blitzmodell beschränkt. Diese Ideen lässt sich Gary Fong leider gut bezahlen, meines Erachtens lohnt sich diese aber, schließlich ist gerade ein Diffusor kaum Alterserscheinungen unterworfen und damit wohl eine lange Zeit im Einsatz.

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