Auf einer europäischen Pressekonferenz  im kroatischen Split hatte ich bereits die Möglichkeit mich mit einem Vorserienmodell der an diesem Dienstag vorgestellten Sony NEX-5 zu beschäftigen, die zu den neuen spiegellosen Systemkameras zählt. Während einer Umfrage ergab sich übrigens mehrheitlich der Wunsch, die neue Kategorie CSC (Compact System Camera) zu nennen. Damit gibt es neben EVIL (Electronic Viewfinder – Interchangeable Lens) und dem d-pixx-eigenen NGC (Next Generation Camera) eine neue Variante.

Vor den Praxiseindrücken ein paar Hintergründe, die Sony zu entlocken waren. Dass Sony in den neuen Markt spiegelloser Systemkameras drängt ist nicht sonderlich überraschend. Laut Aussagen des Herstellers machen CSC-Kameras aktuell 3-5 % vom DSLR-Markt aus. Bis 2012 rechnet man damit, dass CSC-Modelle bis zu 20 Prozent des DSLR-Marktes ausmachen werden. Gleichzeitig geht man bei Sony davon aus, dass der klassische DSLR-Markt in den kommenden Jahren stagnieren wird. Sony betonte aber mehrfach, dass dies kein Grund für Sony sei, im klassischen Alpha-Segment nicht weiter Vollgas zu geben – aktuell liegt man auf Position 3 und möchte diesen Platz weiter sichern oder gar ausbauen. Die Positionierung des NEX-Systems sieht Sony dabei in zweierlei Hinsicht. Im Großen und Ganzen geht man davon aus, dass NEX-Kameras „Aufsteiger-Kameras“ für all diejenigen werden, die sich nicht mehr länger mit Kompaktkameras zufriedengeben möchten. Zudem sollen sich NEX-Cams als Zweitkameras etablieren. Schade ist es in diesem Zusammenhang, dass der ab Start angebotene Adapter für Objektive aus dem Alpha-System (und für Objektive mit Minolta-AF-kompatiblen Bajonett)  zwar alle Automatiken mit Daten versorgen kann, dass der Autofokus aber nicht funktionieren wird.

Das NEX-System baut auf einem großen APS-C-Sensor auf. Das rechtfertigt die Auflösung von 14,2 MPix, denn von einem übermäßigen Rauschen ist hier noch nicht auszugehen – ob dies wirklich der Fall ist, werden die Praxisbilder zeigen, die Sie im Anschluss finden. Der Abstand zwischen Objektiv-Auflagefläche und Sensor beträgt 18 mm. Die englische Übersetzung eighteen ist übrigens namensgebend für das Bajonett E-Mount. Das wiederum verleiht der NEX ihren Namen: Next E-Mount Experience.

Immer wenn eine neue Kamera auf den Markt kommt, geht es getreu dem Motto: größer, schneller weiter. So natürlich auch bei der Sony NEX. Das Top-Modell NEX-5 soll laut Sony bei Marktstart die kleinste und leichteste Systemkamera am Markt sein. Beachtlich ist dabei, dass es Sony gelungen ist, trotz dieser minimalen Abmessungen eine Kamera zu entwerfen, die recht gut in der Hand liegt – auch für Anwender mit großen Händen, zu denen ich mich zählen darf. Nutzen konnte ich die NEX-5 bislang allerdings lediglich mit dem 16-mm-Pencake-Objektiv und dem 18-55-mm-Standard-Zoom. Das bald kommende 18-200 mm-Objektiv wird noch einmal wesentlich größer. Ob sich die Kombi aus kleiner NEX-Kamera und sehr großem Objektiv gut handhaben lässt, wird sich zeigen (und wir werden darüber berichten.)

Hinsichtlich der Bedienung hat sich Sony für ein neues System entschieden, das mit zwei Soft-Keys und einem Drehrad an die Bedienung eines Handys angelehnt sein soll. Leider lassen sich die Softkeys aber noch nicht frei belegen. Das eigentliche Menü bietet zahlreiche Einstellmöglichkeiten. Leider stecken die gewünschten Einstellmöglichkeiten aber nicht immer dort, wo man sie eigentlich vermuten würde, sondern verstecken sich tief im Menü. Dann gestalten sich die Wege teilweise recht lang – beispielsweise umd den ISO-Wert zu verstellen. Hier zeigt sich recht deutlich, das die NEX-Serie vornehmlich DSC-Upgrader ansprechen soll, die sich der ISO-Automatik anvertrauen, die tatsächlich auch sehr gute Entscheidungen trifft.

Im iA-Modus konnte mich auch die Funktion „Background defocus“ voll und ganz überzeugen. Mit einem einfachen Knopfdruck ist es möglich den Hintergrund unscharf ins Bild zu holen. Natürlich handelt es sich dabei um nichts anderes als eine umbenannte Zeit-Automatik, die große Blenden vorwählt. Aber Sonys „neue Funktion“ für Einsteiger sehr einfach verständlich. Da die NEX-Kameras das Resultat der Blendenveränderung zudem über einen neuen Algorithmus vorausberechnen und auf dem schwenkbaren Display präsentieren ist der Unterschied zur „Standardaufnahme“ zudem schnell ersichtlich.

Beide NEX-Modelle bieten die Möglichkeit eines Schwenkpanoramas. Anders als bisher wird dieses jedoch nicht aus einem Video „gebaut“, sondern aus Einzelaufnahmen des Serienbild-Modus zusammengerechnet. Im Querformat können so Panoramen mit 15,2 MPix (Bildbreite 8192 Pixel)  bei einem maximal möglichen Winkel von 226 Grad aufgenommen werden. Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit ein Panorama im Hochformat aufzunehmen. Während die maximale Auflösung auf 23,0 MPix steigt, sinkt der maximal erreichbare Blickwinkel auf 151 Grad. In der Praxis gelang es der NEX in der Regel ansehnlich Panorama-Aufnahmen zu erstellen. Ungewohnt ist jedoch das Maschinengewehr-artige Geräusch, das der Winzling dabei von sich gibt.
Außer der Panorama- findet man auch eine HDR-Funktion in die NEX-5 integriert. Sie bringt tatsächlich Lichter und Schatten mit Zeichnung ins Bild, das dann jedoch bei den ersten Versuchen etwa flau wirkte. Per Software war es aber kein Problem, diesen Bildern etwas mehr Kontrast einzuhauchen.

Eines steht schon jetzt fest: die wenigen Probleme, mit denen die NEX-5 im Moment noch zu kämpfen hat, sind Software-seitig und können theoretisch schon mit dem nächsten Firmware-Update behoben werden
Der Kontrast-AF soll auf einem Level mit den schnelleren Konkurrenz-Modellen liegen. In der Praxis erwies sich der Autofokus in der Tat als flott, treffsicher und ausgesprochen leise. Letzteres war ein Anliegen von Sony, denn so soll sich das Objektiv nicht störend bei Video-Aufnahmen mit Live-Ton bemerkbar machen.

Noch handelte es sich bei den Pressemustern nicht um Serien-Versionen der neuen Kameras. Laut Sony sollte die zum Einsatz kommende Firmware allerdings bereits beinahe final sein. Was die NEX schon in dieser Ausführung zu leisten imstande war, sollen die folgenden Praxis-Bilder zeigen, aus denen jeder Leser seine eigenen Schlüsse ziehen kann.

Einen ausführlicheren Bericht über den ersten Kontakt mit der NEX-5  finden Sie in der kommenden Ausgabe der d-pixx (3/2010). Sobald dann Testmuster aus der Serienproduktion vorliegen, unterrichten wir Sie natürlich auch über deren Leistungsstand.

 

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