Wie bereits angekündigt nun der zweite Teil unseres großen Canon EOS 5D Mark II-Test.

 

Das Gehäuse / Innenleben

Das Gehäuse besteht fast ganz aus Magnesium. Nur Seitenteile und Boden sind aus Kunststoff. Das verspricht sehr hohe Widerstandsfähigkeit, aber in dieser Beziehung gab und gibt es auch bei der EOS 5D keine Probleme. Laut Angaben von Canon ist der Zugang zum Batteriefach, der Anschluss für das Erweiterungssystem im Boden (dessen Gummikappe sehr einfach zu verlieren ist), die Monitorumrandungen und die Vertiefungen, in denen die Einstellknöpfe liegen gegen Schmutz und Feuchtigkeit versiegelt. Zudem wurde da, wo Gehäuseteile aneinanderstoßen oder Einstellräder unterbracht sind, die Nut-und-Spund-Verbindung gewählt, was zur Dichtigkeit des Gehäuses beiträgt.

Sucher und Informationen

Der Sucher der EOS 5D Mark II ist ebenso groß, wie der der EOS 5D und obwohl auch der Sucher der EOS 50D nicht schlecht ist, sind die Vollformatmodelle hier deutlich im Vorteil.

Das Sucherbild ist aufgeräumt. Die Standardeinstellscheibe, die man selbst gegen zwei andere Scheiben wechseln kann, zeigt in der Mitte den Messkreis für die Spotmessung (3,5 % des Sucherbildes) und die Raute mit den neun „offiziellen“ AF-Messfeldern, denen sechs Hilfsfelder zugeordnet sind, die man aber nicht sieht. Die Infozeile unter dem Sucherbild ist umfassender als die in der EOS 5D und zeigt zusätzlich den Akku-Status, den ISO-Wert und gegebenenfalls Hinweise darauf, dass S/W-Modus und Tonwert-Prioritäts-Funktion aktiviert sind.

Informationen über den Kamerastatus erhält man bei beiden EOS 5D-Modellen durch einen Druck auf den INFO Knopf. Die Anzeigen der EOS 5D sind etwas umfangreicher (z. B. wird der aktive Bildstil mit seinen Einstellungen für Helligkeit, Kontrast, Farbton und Schärfung angezeigt), dafür schaltet ein zweiter Druck auf den INFO Knopf bei der EOS 5D die Anzeige aus, während er bei der EOS 5D Mark II das Fenster für die Schnelleinstellung öffnet (wo dann z. B. der aktive Bildstil mit seinen Einstellungen angezeigt und auch gleich geändert werden kann.)

Das Schnelleinstellungs-Menü

Das Schnelleinstellungs-Menü, über das auch die EOS 50D verfügt, ist eine feine Sache (aber nicht wirklich neu, sondern bei Olympus und Sony unter anderem Namen schon lange Stand der Technik). Man erreicht es, indem man entweder 2x den INFO Knopf drückt oder den Multicontroller nur einmal (aber kräftig). Auf dem Monitor erscheint eine Matrix, in der die aktuellen Einstellungen für

  • Betriebsart
  • Verschlusszeit
  • Blende
  • Belichtungskorrektur/Belichtungsreihen
  • Blitzbelichtungskorrektur
  • AF-Messfelder
  • Bildstil
  • Weißabgleich
  • Belichtungsmesscharakteristik
  • Dateiformat
  • AF-Betriebsart
  • Transportfunktion

angezeigt werden. Jeder dieser Werte kann mit dem Multicontroller aufgerufen und dann verändert werden. Das ist wie gesagt eine feine Sache, geht schnell und man fragt sich, wie man ohne eigentlich klargekommen ist. Besonders bei Aufnahmen mit Stativ, wenn die Kamera auf Augenhöhe ist, ist die Schnelleinstellung Gold wert. In dieser Situation sieht man nämlich die Einstellknöpfe und den Datenmonitor auf der Gehäuseschulter nicht.

Im Infomodus wird auf dem Schnelleinstellungs-Bildschirm zusätzlich der Akkuladestand angezeigt, die Zahl der Bilder, die in Serie aufgenommen werden können, wie viele Bilder noch auf die Speicherkarte passen, und ob ein Belichtungsmesswert gespeichert wird bzw. ob eine Weißabgleichskorrektur aktiv ist (sehr wichtig, da sonst immer die Gefahr besteht, Aufnahmen zu korrigieren, die gar nicht korrigiert werden müssen).

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Das Hauptmenü und wichtige Einstellungen / 1

Für die „Grund- und Haupteinstellungen“ gibt es natürlich noch immer das große Menü, das vom Aufbau her dem der EOS 50D entspricht und trotz der Vielzahl an Einstellmöglichkeiten sehr übersichtlich ist.

Bei der EOS 5D sind alle Menüpunkte untereinander angeordnet, aufgeteilt in drei farbig gekennzeichnete Gruppen. Den Anfang einer Gruppe erreicht man durch Drücken des JUMP-Knopfes, ansonsten muss fleißig gescrollt werden. Natürlich kann man damit leben, keine Frage, aber das Karteikartensystem der neuen EOS-Modelle ist einfach schneller und übersichtlicher.

Das Menü der EOS 5D Mark II ist in neun Untermenüs gegliedert, die wieder farbig gekennzeichnet sind. Je zwei Untermenüs betreffen die Aufnahme und die Wiedergabe von Bildern, drei die Grundeinstellungen und je eines die Custom Functions und die Speicherung einer eigenen Kamerakonfiguartion in „My Menu“.

Um diese Vorstellung der Canon EOS 5D Mark II nicht ausufern zu lassen, werden nicht alle Menüpunkte genannt, sondern nur eine (durchaus subjektive) Auswahl. Auf einige Einstellungen gehen wir gleich hier näher ein, auf einige andere erst im Praxis-Teil nach dieser Kameravorstellung.

 

Karteikarte „Aufnahme 1“

– „Qualität“. Hier kann man bei der EOS 5D Mark II zwischen drei RAW- und sechs JPEG-Größen wählen und RAWs und JPEGs nach Wunsch kombinieren.

– „Vignettierungs-Korrektur“ Hier kann man die automatische Korrektur dunklerer Bildecken und -ränder ein- und ausschalten. Für 25 Objektive sind Korrekturdaten in der Kamera gespeichert. Weitere Daten können nachgeladen werden, aber das haben wir noch nicht ausprobiert.

 

Karteikarte „Aufnahme 2“

– „Staublöschungsdaten“ Obwohl auch die EOS 5D Mark II über ein integriertes Sensorreinigungssystem verfügt – inklusive Fluoritbeschichtung – kann sich Schmutz auf dem Sensor festsetzen. Für besonders hartnäckige Fälle können die Koordinaten des störenden Elements aufgezeichnet und dieses dann automatisch aus dem Bild gerechnet werden.

Karteikarte „Wiedergabe 2“

– „Histogramm“ Hier kann man wählen, ob zusammen mit dem aufgenommenen Bild ein Helligkeitshistogramm oder je ein Histogramm für jede der drei RGB-Grundfarben angezeigt werden soll, die dann noch durch ein Helligkeitshistogramm ergänzt werden.

– „Bildsprung“ Wie gesagt, fehlt der JUMP-Knopf bei der EOS 5D Mark II. Stattdessen kann man sich nun mit dem vorderen Einstellrad durch die Masse der aufgenommenen Bilder bewegen. Je nachdem, wie viele Bilder sich über welchen Zeitraum angesammelt haben, wählt man Schrittweiten von 1 Bild, 10 Bildern oder 100 Bildern. Man kann aber auch von Aufnahmedatum zu Aufnahmedatum springen oder von Seite zu Seite, wenn man die sich die Bilder im Vierer- oder Neunerraster anschaut. Weitere Einstellmöglichkeiten sind „Ordner“, „Movies“ und „Standbilder“. Die beiden letztgenannten sind interessant, wenn man multimedial arbeitet und Filme und Fotos mixt.

Karteikarte „Grundeinstellungen 2“

– „Einstellungen Livebild/Movie“ Um die EOS 5D Mark II im Live-View-Modus nutzen zu können, ohne den die Movie-Funktion nicht zur Verfügung steht, muss man sie hier für „Standbild“ und/oder „Movieaufnahmen“ aktivieren und einige wesentliche Einstellungen vornehmen.

 

Kateikarte „Grundeinstellungen 3“

– „Info Akkuladung“ Die Akkuladung wird in Prozent angezeigt, zusätzlich die Zahl der Aufnahmen, die mit diesem Akku gemacht wurden, seit er eingesetzt wurde, und der Zustand des Akkus in drei Stufen: gute Aufladeleistung – leicht beeinträchtigte Aufladeleistung – Akku möglichst bald entsorgen, weil er sich nicht optimal laden lässt. Drückt man in diesem Menü die INFO-Taste, wird der eingesetzte Akku registriert und die Kamera kann seinen Zustand „im Auge“ behalten.

– „Kamera-Benutzereinstellungen“ Das aktuelle Kamera-Setup, das man sich durch einen Druck auf den INFO-Knopf vorher anzeigen lassen sollte, kann auf einen von drei Speicherplätzen gelegt und später aufgerufen werden, indem man den entsprechenden Speicherplatz am Einstellrad wählt (C1, C2, C3). Wer immer wieder auf bestimmte Kameraeinstellungen zurückgreifen muss – z. B. für Aufnahmen von spielenden Kindern im Freien, für Aufnahmen von Produkten am Aufnahmetisch mit Kunstlicht, für Aufnahmen mit geringer Auflösung, aber kracherten Farben für ein Internet-Projekt – wird sich über die beiden zusätzlichen Speicherplätze freuen, die die EOS 5D Mark II der EOS 5D voraus hat.

 

Karteikarte „My Menu“

Werden bestimmte Menüpunkte immer wieder gebraucht, um Änderungen vorzunehmen, z.B. Bildqualität, manueller Weißabgleich, Live-View-Einstellungen, Info zur Akkuladung oder zum Formatieren, kann man diese im „My Menu“ zusammenfassen. Drückt man den Menüknopf, wird sofort dieses Eigenbau-Menü angezeigt und man ist schneller am Ziel.

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Das Menü und wichtige Einstellungen / Custom Functions

Karteikarte „Custom Functions“

 

Die insgesamt 25 Benutzereinstellungen mit 68 Einstellmöglichkeiten (wenn ich mich nicht verzählt habe) sind in vier Gruppen unterteilt:
– I Belichtung
– II Bild
– III Autofokus/Transport
– IV Operation/Weiteres.
Das ist deutlich besser, als bei der EOS 5D – die drei Jahre, die zwischen den beiden Kameras liegen, machen sich bemerkbar. Und es ist immer wieder schön zu sehen, dass sich die alten römischen Ziffern bis ins Digitalzeitalter retten konnten. Es ist nur zu hoffen, dass niemand anfängt, Sensorgrößen in römischen Ziffern anzugeben.

Fast immer passen alle Einstellmöglichkeiten auf den Bildschirm, nur die CF III/2 und CF IV/3 machen es mit 5 bzw. 6 Einstellmöglichkeiten nötig zu scrollen.

Hier eine Auswahl – wieder subjektiv und wieder gilt: Auf einige Einstellungen gehen wir gleich hier näher ein, auf einige andere erst im Praxis-Teil nach dieser Kameravorstellung.

 

  • C.Fn I/3 „ISO Erweiterung“. Der Standard-Empfindlichkeitsbereich von ISO 100 bis ISO 6400 kann nach unten bis ISO 50 („L“) und nach oben bis ISO 12.800 („Hi“) und ISO 25.600 („H2“) erweitert werden.
  • C.Fn I/7 „Blitzsynchronzeit bei Av“ Die Blitzsynchronisationszeit bei Zeitautomatik richtet sich in der Grundeinstellung nach der Umgebungshelligkeit. Das heißt, dass oft mit langen Verschlusszeiten geblitzt wird und Doppelkonturen/Wischer ins Bild kommen. Das kann man umgehen, indem man die Einstellung 1 wählt und nur Synchronzeiten von 1/60 – 1/200 Sek. zulässt oder die Synchronzeit mit Einstellung 2 auf 1/200 Sek. festlegt.
  • C.Fn II/1 „Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung“ Diese Funktion, die sich aus ihrem Namen erklärt, kann aus- und eingeschaltet oder einer Automatik überlassen werden.
  • C.Fn II/2 „High ISO Rauschreduzierung“ Ebenfalls selbsterklärend. Es stehen vier Möglichkeiten zur Wahl, und zwar Standard, Gering, Stark und Ausgeschaltet.
  • C.Fn II/3 „Ton Wert Priorität“. Diese Funktion entspricht dem der Dynamic Range Control von Sony und sorgt für mehr Zeichnung in den Lichtern. Sie kann ein- und ausgeschaltet werden.
  • C.Fn II/4 „Automatische Belichtungsoptimierung“. Dunkle oder kontrastarme Bilder werden korrigiert. Es gibt auch hier vier Wahlmöglichkeiten: Standard, Gering, Stark und Ausgeschaltet.

 

 

  • C.Fn III/3 „Wahlmethode für AF-Messfeld“ In der Standardeinstellung muss zunächst der Knopf für die Wahl des AF-Messfeldes gedrückt und dann mit einem Einstellrad oder dem Multicontroller das Messfeld festgelegt werden. Hier kann man wählen, ob man das Messfeld direkt mit dem Daumenrad oder dem Multicontroller einstellen möchte.
  • C.Fn III/6 „Spiegelverriegelung“ Ist die Funktion aktiviert, wird beim ersten Druck auf den Auslöser der Spiegel hochgeklappt, beim zweiten die Aufnahme gemacht. Dadurch kann verhindert werden, dass durch den Spiegelschlag Vibrationen entstehen und die Abbildungsqualität beeinträchtigen. Das ist besonders bei Makro- und Superteleaufnahmen empfehlenswert, allerdings darf wegen der erwünschten „Auslöseverzögerung“ im Motiv nicht zu viel passieren (Tierfotografie!).
  • C.Fn III/8 „AF Feinabstimmung“ Hier kann man Probleme lösen, die durch so genannten „Front-“ oder „Backfokus“ entstehen, indem man den Fokuspunkt in winzigen Schritten nach vorn oder hinten verlegt. Das kann man generell für alle Objektive tun oder man kann die Korrektur für zwanzig einzelne Objektive registrieren. Wenn man dann eines der registrierten Objektive ansetzt, wird der Fokuspunkt automatisch passend eingestellt.

 

 

  • C.Fn IV/5 „Mattscheibe“. Wenn man die Mattscheibe wechselt, hat das auch Einfluss auf die Belichtungsmessung. Hier wird eingestellt, welche Mattscheibe eingesetzt ist. Eg-A ist die Standardmattscheibe. Die Scheibe Eg-D weist Gitterlinien auf, um den Bildaufbau und die waagrechte Ausrichtung der Kamera zu erleichtern. Das ist nicht schlecht, aber das einblendbare Raster und die einblendbare Wasserwaage, wie man sie bei einigen Modellen des Erz-Rivalen Nikon findet, sind besser. Die Scheibe Eg-S weist eine andere Mattierung auf und macht es leichter, manuell scharf zu stellen.

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Die Canon EOS 5D Mark II in der Praxis

Nachdem wir den Sensor und die Kamera nun im Überblick kennen, kommen wir zur Praxis und zunächst zu den Themen Belichtung und Farbwiedergabe.

Die Bilder in diesem Abschnitt dienen der Illustration und sind auf eine Breite von 600 Pixel heruntergerechnet. Bilder in Originalgröße finden Sie in der Galerie zur Canon EOS 5D Mark II hier.

Belichtungsmessung

Für die Belichtungsmessung bietet die EOS 5D Mark II den bekannten Mix aus vier Messcharakteristika.

Die Mehrfeldmessung arbeitet mit 35 Sensoren. Die Verknüpfung mit den AF-Messfeldern erleichtert es, die Belichtung auf das Motivteil abzustimmen, auf das die Schärfe gelegt wurde. Allerdings weiß man als Fotograf bei Mehrfeldmesssystemen nie, welche Motivteile wie gewichtet werden und welchen Einfluss sie auf die Belichtungsmessung haben. Das ist in der Mehrzahl der Fälle kein Problem, aber wenn es auf eine bestimmte Lichtstimmung ankommt, ist es besser, das Bild auf dem Monitor zu kontrollieren und einen Blick aufs Histogramm zu werfen.

Die mittenbetonte Integralmessung war lange Zeit die verbreitetste Messmethode und sehr erfolgreich. Sie bewertet die Bildmitte, wo das Hauptmotiv meist zu finden ist, stärker als die Bildmitte und die Bildecken und erzielt damit in der Regel ausgewogene Ergebnisse.

Die Selektivmessung erfasst ca. 8 % in der Mitte des Sucherfeldes, die Spotmessung nur ca. 3,5 %. Das Spotmessfeld wird durch den Kreis in der Bildmitte markiert. Diese beiden Messcharakteristika braucht man, um bestimmte zu helle oder zu dunkle Motivteile aus der Messung auszuschließen oder die Belichtungsmessung auf eine Graukarte abzustimmen, was bei sehr kontrastreichen Motiven, die möglicherweise noch spiegelnde Flächen enthalten, sinnvoll ist. Für den Fotoalltag sind beide Messmethoden weniger empfehlenswert, da sie selten zu einer ausgewogenen Belichtung führen. Es stimmt auch nicht immer, dass man mit Selektiv- oder Spotmessung die Belichtung bequem auf das Hauptmotiv abstimmen kann. Wenn dieses sehr hell oder sehr dunkel ist, kommt es wieder zu Fehlbelichtungen.

Belichtungskorrekturen sind, wenn sie einmal nötig werden, Canon-typisch mit dem Daumeneinstellrad sehr schnell und bequem möglich. Der Bereich von +-2 Belichtungsstufen in Halb- oder Drittenschritten wird von anderen Kameras übertroffen, ist aber ausreichend.

Noch mehr Sicherheit bietet die Belichtungsreihenautomatik, die ebenfalls den Bereich von +-2 Belichtungsstufen abdeckt. Da der Ausgangspunkt der Belichtungsreihe aber ebenfalls um +-2 Belichtungswerte verschoben werden kann, sind maximal Korrekturen von -4 bis 0 bzw. 0 bis +4 Belichtungsstufen möglich.

 

Belichtungssteuerung

Mit dem Betriebsartenwählrad können außer dem manuellen Belichtungsabgleich vier Automatiken (Vollautomatik,
Kreativautomatik, Programmautomatik mit Shiftfunktion,
Blendenautomatik und Zeitautomatik) eingestellt werden. Dazu stehen drei Custom-Einstellungen zur Wahl, die man selbst programmieren kann und die Langzeitbelichtung.

Obwohl sie an einer Kamera vom Kaliber der EOS 5D Mark II nicht so oft zum Einsatz kommen dürften, kurz zur Vollautomatik und Kreativautomatik.

Die Vollautomatik kümmert sich um alle relevanten Einstellungen und lässt nur zu, dass man zwischen Einzelbild und Einzelbild mit 10 Sek. Auslöseverzögerung wählt und das Dateiformat und die JPEG-Komprimierung ändert. Im Gegensatz zur EOS 5D kann man also die Vollautomatik für RAW-Aufnahmen nutzen.

Die Kreativautomatik ist für Einsteiger sehr gut geeignet und eine sehr gute Weiterführung der Vollautomatik. Im CA-Modus kann der Fotograf einige Parameter bestimmen, ohne sich über fotografische Zusammenhänge den Kopf zerbrechen zu müssen. Er kann mit virtuellen Schiebereglern festlegen, ob eine schmale oder breite Schärfenzone gewünscht wird und ob das Bild heller oder dunkler ausfallen soll. Außerdem stehen auch Reihenaufnahmen zur Wahl und der Bildstil kann frei gewählt werden.

Für entspanntes Fotografieren ist für mich die Programmautomatik noch erste Wahl, allerdings nur, weil sie die heute übliche Shiftfunktion aufweist. Ein Dreh am Einstellrad reicht, um das vorgegebene Paar aus Verschlusszeit und Blende zu verwerfen und einen eigenen Wert einzustellen – wobei sich die Belichtung nicht ändert. Nur die Schärfenzone und die Darstellung von Bewegung im Bild ändern sich.

Ebenfalls beruhigend ist die Aktivierung der Safety-Shift-Funktion (C.Fn I/6), wenn man oft mit Zeit- oder Blendenautomatik arbeitet. Kann zur vorgewählten Blende oder Verschlusszeit kein passendes Pendant mehr eingestellt werden, wird die Vorwahl automatisch schrittweise geändert, bis eine richtige Belichtung möglich ist. Eine Warnung beim Eingreifen der Safety-Shift-Funktion erfolgt nicht, aber man hat ja die Infozeile unter dem Sucherbild im Blick.

Im ersten Teil wurde zusammen mit dem Sensor das Angebot an Empfindlichkeiten vorgestellt. Da der Standardbereich von ISO 100 bis ISO 6400 für die allermeisten Situationen ausreicht, muss die ISO-Erweiterung nicht immer aktiviert sein – aber das ist Geschmacksache.

Der Verschlusszeitenbereich geht von 30 Sek. bis 1/8000 Sek., die kürzeste Synchronisationszeit ist 1/200 Sek.

 

{jospagebreak_scroll title=Bildoptimierung und Farben}

Bildoptimierung

Tonwertpriorität (C.Fn II/3)

Bei Motiven mit hohem Kontrastumfang kann es passieren, dass die Lichter „ausfressen“, dass in diesen Partien also keine Zeichnung mehr vorhanden ist. Nutzt man die Funktion Tonwertpriorität, wird der ISO-Bereich nach unten auf ISO 200 beschränkt, um damit Spielraum für eine Korrektur der sehr hellen Bildpartien zu erhalten. Sie werden quasi unterbelichtet und helle Strukturen werden im Bild sichtbar.

Automatische Belichtungsoptimierung (C.Fn II/4)

Die automatische Belichtungsoptimierung steht in drei Stufen zur Verfügung, kann aber auch ausgeschaltet werden. Sie verhilft kontrastarmen Motiven zu mehr Kontrast.

Ein Blick auf die Helligkeitshistogramme zweier Bilder, die beide vom selben Motiv gemacht wurden, zeigt, dass die Kurve des optimierten Bildes breiter ist. Zur Korrektur wurden die Enden der Kurve weiter zu den ganz hellen und ganz dunklen Tonwerten gezogen. Das kann man natürlich auch im Nachhinein mit einem Bildbearbeitungsprogramm machen. Wenn das Bild allerdings nur im JPEG-Format vorliegt, kann es ein Problem geben. Nach der Korrektur in der Software und erneutem Speichern wird das gespreizte Histogramm Lücken zeigen, die in einem Verlauf als Abrisse (Stufen) sichtbar werden. Diese Lücken weist das Histogramm nicht auf, wenn die Korrektur in der Kamera vor dem Speichern als 8-Bit-JPEG vorgenommen wurde.

 

Farben

Weißabgleich

Für den Weißabgleich stehen eine Automatik, ein Manuellmodus, die Eingabe der Farbtemperatur in Kelvin und sechs Vorgaben zur Verfügung.

Der Manuellmodus ist einfach zu handhaben. Man nimmt eine weiße Vorlage auf. Der Autofokus ist dabei ausgeschaltet. Dieses Bild wählt man als Referenz, und wenn man ab da den Weißabgleich auf das Symbol für manuellen Abgleich stellt, wird der Weißabgleich entsprechend durchgeführt.

Die Vorgabe von Kelvin-Werten ist nur sinnvoll, wenn man die Farbtemperatur kennt – etwa einer Studioblitzanlage – oder wenn man ein entsprechendes Messgerät einsetzt. Der Einstellbereich geht von 2500 K (sehr warmes, stark rötliches Licht) bis 10.000 K (sehr kaltes, stark bläuliches Licht).

Die Weißabgleichsvorgaben sind:
– Tageslicht
– Schatten
– Bewölkt
– Kunstlicht
– Leuchtstoffröhren
– Blitz.

Der Weißabgleich kann feinfühlig beeinflusst werden. Die Korrektur ist über die Achsen Blau/Bernstein und Magenta/Grün möglich. Es steht ein Bereich von +-9 Stufen zur Verfügung. In ganz komplizierten Situationen ist Weißabgleichsbracketing über +-1, +-2 oder +-3 Stufen möglich. Dabei kann auch ein korrigierter Wert als Ausgangswert genommen werden. Die Bracketingspannweite wird allerdings beschnitten, wenn dieser korrigierte Wert nah am Rand des Korrekturbereiches liegt. Im Extrem stehen nur noch der Ausgangs- und der Pluswert bzw. der Ausgangs- und der Minuswert der Reihe zur Verfügung.

 

Die Bildstile („Picture Styles“)

Die Bildstile haben nicht nur, aber auch mit der Farbigkeit des Bildes zu tun. Die EOS 5D Mark II stellt sechs Bildstile zur Wahl, die jeweils vier Parameter zusammenfassen. Die Parameter sind Schärfe, Kontrast, Farbsättigung und Farbton.
Die vorgegebenen Bildstile sind

  • Standard (kräftige Farben, scharf)
  • Porträt (zurückhaltende Farben, etwas weicher)
  • Landschaft (kräftige Grün- und Blautöne)
  • Neutral (natürliche, gedämpfte Farben)
  • Natürlich (bei Aufnahmen mit Farbtemperaturen unter 5200 K erfolgt eine farbmetrische Anpassung)
  • Monochrom (für Schwarz/Weiß-Bilder, die ohne Filter oder mit digitalem Gelb-, Orange-, Rot- oder Grünfilter gemacht werden können, und die, wenn gewünscht, auch noch in Sepia, Blau, Violett oder Grün getont werden können).

 

Dazu kommen drei Speicherplätze für selbst zusammengestellte Bildstile. Wenn die nicht reichen, können auch die vorgegebenen Stile bearbeitet werden. Der Grad der internen Schärfung kann auf einer Skala von 0 bis 7 in ganzen Schritten festgelegt werden, die anderen drei Größen lassen sich in einem Bereich von +-4 Schritten regeln.

Wenn man einen ersten Blick auf die Details der Bildstile wirft, wundert man sich, denn außer für die interne Schärfung ist immer der Wert „0“ eingetragen.

Wie sich Bildstile auswirken, zeigt dieses Beispiel.

 
Es folgt noch Teil 3 zu den Themen Autofokus, Serienbildfunktion, Live-View, Film-Modus. Außerdem werden wir die Galerien weiter ausbauen.

 

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